Der Chefredakteur des DCI Claus-Detlev Bues (li.) im Gespräch mit Dr. Harald Ludanek. (Foto: VWN für DCI)

Der Chefredakteur des DCI Claus-Detlev Bues (li.) im Gespräch mit Dr. Harald Ludanek. (Foto: VWN für DCI)

Im Gespräch – VW Entwicklungsvorstand Dr. Harald Ludanek

Menschen, Volkswagen

Volkswagen Nutzfahrzeuge hat in den letzten Tagen erfolgreich seinen neuen Transporter Crafter gestartet. Dabei ist man in der Entwicklungsabteilung neue Wege gegangen. DCI hat mit Markenvorstand für Produktentwicklung Volkswagen Nutzfahrzeuge, Dr. Harald Ludanek, über die Entwicklung des neuen Transporters gesprochen. Dr. Harald Ludanek ist seit 1. April 2016 Mitglied des Markenvorstands Volkswagen Nutzfahrzeuge für Produktentwicklung. Damit ist er maßgeblich für die Entwicklung des neuen VW Crafter verantwortlich.

Markenvorstand Produktentwicklung Volkswagen Nutzfahrzeuge, Dr. Harald Ludanek, über die Entwicklung des neuen Transporters. (VWN für DCI)
Markenvorstand Produktentwicklung Volkswagen Nutzfahrzeuge, Dr. Harald Ludanek, über die Entwicklung des neuen Transporters. (VWN für DCI)

Frage: Herr Dr. Ludanek vorab einmal herzlichen Glückwunsch zum neuen Volkswagen Crafter…
Der jetzt präsentierte Crafter ist eine komplett eigenständige Neuentwicklung von Volkswagen Nutzfahrzeuge. Volkswagen Nutzfahrzeuge ist bei Marktforschung und Entwicklung des Crafter neue Wege gegangen. Was wurde unternommen, um die Kundenwünsche zu erforschen?

Antwort: Vielen Dank. Wir als Entwickler standen hier vor einer großen Herausforderung, die aber auch eine einmalige Chance darstellte. Wir mussten zum einen alle politischen und gesellschaftlichen Implikationen von Urbanisierung, Transport, Digitalisierung, Effizienz und Nachhaltigkeit für eine Fahrzeuggeneration in die Lastenhefte aufnehmen und umsetzen, um auch für die zukünftigen Veränderungen einen optimalen Van vorauszudenken.
Unsere Vertriebsorganisation hat hunderte Interviews mit Wirtschafts- und Verkehrsexperten geführt, drei Fahrevents mit ausgewählten Großkunden durchgeführt.

Eine umfangreiche Sekundärmarktforschung war genauso wichtig wie der direkte, permanente und produktive Austausch mit über 900 Kundengruppenvertretern.
So hat es erstmals bei der Entwicklung des neuen Crafter eine Verschmelzung von Produktfokussierung und Kundenorientierung gegeben. Überspitzt gesagt haben wir die Entwicklungsprozesse umgedreht: wir haben unsere Kunden bereits ganz früh, bevor der erste Prototyp gebaut wurde, an der Entwicklung beteiligt. Man kann daher sagen: Wir haben dieses Fahrzeug mit unseren Kunden für unsere Kunden entwickelt.

Ein gut gelaunter Dr. Ludanek im neuen Crafter. (Foto: VWN für DCI)
Ein gut gelaunter Dr. Ludanek im neuen Crafter. (Foto: VWN für DCI)

Frage: Der Crafter ist ein schick designtes Fahrzeug in der aktuellen VW-DNA geworden, was waren die Anforderungen an das Design-Team?

Antwort: Auch beim Design konnten wir einen grundlegend neuen Ansatz wählen. Dieser war durchweg analytisch: Gerade im Nutzfahrzeug-Bereich muss Design zu vielen unterschiedlichen Kundengruppen passen, sowohl für den KEP-Dienst wie auch als Baufahrzeug oder als Basis für ein Reisemobil.
Das innovative Exterieur des neuen Crafter bietet mit 0,33 den besten cW-Wert seiner Klasse und gleichzeitig ein ideales Verhältnis zwischen Nutz- und Verkehrsfläche. Auf Basis dieser aerodynamischen Grundform wurde ein Konzept weiterentwickelt, das über alle Derivate hin funktioniert. Auch entspricht das Erscheinungsbild des neuen Crafter der aktuellen Volkswagen-DNA. Die hervorragende Aerodynamik wird mit einem modernen Flächen- und Lichtspiel unterstrichen. Der neue Crafter ist dabei ein neues kraftvolles, souveränes Gesicht in dieser Transporter-Klasse.
Im Interieur haben wir bei der Planung und Ausgestaltung des Fahrerumfeldes im neuen Crafter die Wünsche unserer Kunden nach einem praxisorientieren Arbeitsplatz umgesetzt.

Frage: Welche USP und – HSKs (Hat Sonst Keiner) – zeichnen den neuen Crafter aus?

Antwort: Der neue Crafter verfügt über eine Vielzahl an Alleinstellungsmerkmalen. Allein durch die elektromechanische Servolenkung sind Assistenzsysteme wie ParkAssist, Ausparkassistent, Spurhalteassistent und Trailer Assist überhaupt erst möglich. Das gibt es so bei keinem Wettbewerber. Auch Features wie FrontAssist mit City-Notbremsfunktion, Flankenschutz, Multikollisionsbremse sowie der mit dem AGR-Gütesiegel ausgestattete Ergo-Comfort-Sitz nehmen eine Sonderstellung in diesem Segment ein. Hinzu kommen außerdem noch Elemente wie Car-Net, Flottenmanagementschnittstelle und der Universalboden. Darüber hinaus verfügt der Crafter über zahlreiche weitere Best-in-Class-Eigenschaften. Viel mehr geht da nicht.

Frage: Der Crafter startet jetzt mit festgelegten Varianten, die komplette Range wird bis in das Jahr 2017 vervollständigt. Wie sieht der Fahrplan dazu aus?

Antwort: Wir starten jetzt mit dem Kastenwagen in der Dimension L3H3 und der Doppelkabine. Es folgen nach und nach Varianten wie beispielsweise Einzelkabine, langer Radstand sowie im Sommer 2017 weitere Antriebsvarianten mit Heck- und Allradantrieb. Insgesamt wird es 69 Derivate geben. Die Fabrik hat in den folgenden anderthalb Jahren quasi monatlich einen Produktionsstart einer weiteren Modellvariante. Die letzten Derivate werden bis Mitte 2018 verfügbar sein.

Das Erscheinungsbild des neuen Crafter entspricht der aktuellen Volkswagen-DNA. (Foto: VWN für DCI)
Das Erscheinungsbild des neuen Crafter entspricht der aktuellen Volkswagen-DNA. (Foto: VWN für DCI)

Frage: Thema Reisemobil: Die Modellvielfalt und Derivate speziell mit bestimmten Kastenwagenmodellen, der Fahrgestell-Version und dem Windlauf sind prädestiniert für den Aus – und Aufbau von Freizeit- und Reisemobilen. Was plant VW Nutzfahrzeuge in diesem Bereich?

Antwort: Wir bieten mit dem neuen Crafter die modernste und sicherste Basis für Reisemobile. Besonders die Assistenzsysteme stoßen in diesem Markt auf großes Kundeninteresse. Wir sind daher im regen Austausch mit verschiedenen Herstellern aus der Branche und es wird nicht lange dauern, bis diese ihre ersten Modelle vorstellen. Wir erwarten bereits im Januar auf der CMT in Stuttgart erste Varianten.
Natürlich untersuchen wir auch mit großem Interesse das Segment für einen großen Bruder des California. Ob wir so ein Fahrzeug tatsächlich umsetzen werden, hängt von sehr vielen Faktoren ab, die derzeit noch evaluiert werden.

Herr Dr. Ludanek, vielen Dank für das Gespräch!

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues