Alois Gerig (MdB) (links) übernimmt auf der CMT Stuttgart das Konvoi-Positionspapier Pro Reisemobil von Maria Dhonau und Dieter Goldschmitt. Rechts Thomas Schmies vom Deutschen Caravaning Institut. (Foto: det)

Alois Gerig (MdB) (links) übernimmt auf der CMT Stuttgart das Konvoi-Positionspapier Pro Reisemobil von Maria Dhonau und Dieter Goldschmitt. Rechts Thomas Schmies vom Deutschen Caravaning Institut. (Foto: det)

Jetzt geht´s looos…- Initiative für C-Kennzeichen läuft

CMT 2018, Konvoi, Menschen, Politik, Recht & Gesetz, Wohnmobil

Großer Bahnhof am CMT-Stand des Wohnmobil-Konvois in Stuttgart. Namhafte Politiker folgten der Einladung des Konvoi-Organisationsteams unter Federführung des Initiators Dieter Goldschmitt, um zusammen mit dem Deutschen Caravaning Institut (D.C.I.) die Initiative Pro Reisemobil mit dem „C-Kennzeichen“ anzuschieben. Wohnmobil-Konvoi und D.C.I. haben die Initiative für den Deutschen Bundestag jetzt dem Bundestagsabgeordneten Alois Gerig (CSU) übergeben.

„C-Kennzeichen“? Gibt es nicht schon genug Kennzeichen-Verwirrung in Deutschland? Nein!
Nach dem Flop des Wechselkennzeichens und dem eher praktischen Saisonkennzeichen soll nun für das Reisemobil ein neues Kennzeichen im Zulassungsrecht angestrebt werden.

Gegenstand der Initiative
Gegenstand der Initiative ist die Einführung eines neuen Kfz-Kennzeichen, genannt „C-Kennzeichen“, für Wohnmobile und Kastenwagen/Bus/Lkw mit serienmäßigem Aufbau und Ausbau als Camper mit Diesel-Abgasnorm Euro 4, Euro 5 und Euro 6 und mit vergleichbaren Merkmalen, Rechten und Pflichten eines „H-Kennzeichens“.

So könnte das neue "C-Kennzeichen" für private Reisemobile aussehen. (Montage: tom)
So könnte das neue “C-Kennzeichen” für private Reisemobile aussehen. (Montage: tom)

Warum? Gigantische Wertvernichtung stoppen
Seit Jahren ist eine gigantische Wertvernichtung von Reisemobilen durch die Euro-Einstufung zu beobachten. Wer sich vor zehn Jahren seinen Lebensabend in einem luxuriösen Euro 4-Mobil mit der damals besten Schadstoffklasse versüßen wollte, der steht heute vor einem finanziellen Scherbenhaufen, bei dem jeder Händler die Nase rümpft. Als Lösung bleibt dem Eigner nur, auf das „H-Kennzeichen“ zu warten, denn nach 30 Jahren ist der Schadstoff-Ausstoß kurioserweise egal. Ein Ausweg aus der Misere wäre das sogenannte „C-Kennzeichen“ für privat genutzte Freizeitfahrzeuge, das analog zum „H-Kennzeichen“ der Sonderstellung dieser Fahrzeuggattung Rechnung trägt.

Schleichende Enteignung und Wertverluste
Nicht nur durch die aktuell praktizierte Einstufung in die Euro-Emissionsklassen, sondern auch durch die Feinstaub-Diskussion mit drohenden Fahrverboten, ist der Wert von älteren und auch aktuellen Reisemobilen in der Praxis drastisch zusammengebrochen, was einer schleichenden Enteignung und einer überdimensionalen Wertevernichtung gleichkommt. Diesel-betriebene Reisemobile- und das sind etwa 99,9 Prozent aller zugelassenen Freizeitfahrzeuge – mit Euro 4 und geringerer Einstufungen sind in Deutschland praktisch nicht mehr verkäuflich.

Beste Pflege
Das Reisemobil ist aber ein langlebiges Wirtschaftsgut, das sehen auch die Finanzbehörden so. Laut dem Statistikband 2017 des deutschen Herstellerverbandes CIVD liegt das statistische Durchschnittsalter eines Reisemobil bei 13,6 Jahren. Damit fällt ein Reisemobil aus dem Zyklus des gängigen Fahrzeug-Bewertungsschema komplett heraus und bedarf daher einer besonderen Behandlung. Zudem werden Reisemobile von ihren Besitzern – analog zu klassischen Oldtimer – sehr gut gepflegt und sind deshalb in weit besserem Allgemeinzustand als die übrigen Fahrzeuge.

Geringe Laufzeiten und wenig Kilometer
Ein weiterer Grund, intensiv über die Einführung eines „C-Kennzeichens“ zu diskutieren, ist die relativ geringe Fahrleistung, welche Reisemobile generell in der Saison absolvieren. Laut Herstellerverband werden diese Freizeitfahrzeuge im Schnitt etwa 6.000 bis 7.000 Kilometer im Jahr bewegt. Bei diesen Fahrleistungen ist der Schadstoffausstoss auch bei älteren Fahrzeugen in der Praxis ein absolutes Minimalproblem.

Ein kleines Beispiel, um die Dimensionen einmal darzustellen? Ein Kreuzfahrtschiff auf einer einwöchigen Mittelmeer-Tour produziert eine größere Feinstaub-Umweltbelastung als alle Reisemobile in Deutschland in dieser Zeit zusammen.

Klare Kante im Interview
Zu dieser Gesamtproblematik hat Konvoi-Organisationschef Dieter Goldschmitt dem D.C.I. (Deutsches Caravaning Institut) ein ausführliches Interview gegeben, das auf unserer Online-Plattform nachgelesen werden kann und das unter anderem die Forderung nach der Einführung eines „C-Kennzeichens“ für Freizeitfahrzeuge analog zum „H-Kennzeichen“ für Oldtimer aufgreift.

Das Positionspapier zur Einführung eines „C-Kennzeichens“ wird in den nächsten Tagen online gestellt und soll mit einer breit angelegten Unterschriftenaktion zusätzlich gestützt werden.

Infos: Zur Facebook-Seite des Weltrekord-Konvoi-Walldürn
Infos: Zur Webseite des Womo-Konvoi 2018
Infos: Zur Webseite des Initiators Dieter Goldschmitt
Infos: Die offizielle Presseerklärung lesen Sie hier

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues

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