Keine alltägliche Erscheinung ist der La Strada Nova M mit seiner eleganten Monocoque-Kabine. (Foto: alf)

Keine alltägliche Erscheinung ist der La Strada Nova M mit seiner eleganten Monocoque-Kabine. (Foto: alf)

Praxis-Test Reisemobil – La Strada Nova M 4×4

Fahrzeugtest, La Strada, Mercedes-Benz, Wohnmobil

„Luxusliner für Landkreuzfahrten“ bewirbt La Strada aus Echzell seine Oberklasse mit dem Stern, den Nova M. Wir haben dem extravaganten Schönling in der markigen Allrad-Version in ausgiebigen Testfahrten auf den Zahn gefühlt, um den Werbeslogan auf seinen Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Ob der Nova M 4×4 der Werbung gerecht wird, klärt der D.C.I.-Testbericht von Hans F. Schwarz.

Der erste Rundgang um den Wagen mit seiner elegant wirkenden Kabine in Monocoque-Bauweise zeigt bereits, wie innovativ dieser „Mercedes unter den Vans“ auftritt. Mit seinen 6,36 Meter Länge ist das Mobil eher kompakt, baut aber gerade mit der mächtigen Stollenbereifung hoch und stellt ein durchaus imposantes Stück Reisemobil dar. Wie für den La Strada Nova üblich, glänzt der Monocoque-Aufbau mit perfekter Verarbeitung der Flächen, Rundungen und Sicken, perfektem und flächenbündigen Einbau der Fenster, der Klappen und der Eingangstür.

Ebenfalls perfekt: Der Übergang zum Mercedes Fahrerhaus – aber auch eine gekonnte Weiterführung der Designlinie der Basis in dem Aufbau kann überzeugen. Hier ist kaum mehr etwas zu toppen. Durch den beim Testwagen schwarzmetallic-farbigen Keil in der sonst silbermetallic lackierten Fläche der Kabine, wird dies geschickt getarnt. Hier wird eine elegante Überleitung vom ebenfalls schwarzmetallic-farbigen Fahrerhaus in den Aufbau geboten, die den Wagen zu einer Einheit verschmilzt. Schwarz auch die Fläche unter dem hochgesetzten Heckfenster. Wer diese Kombination nicht mag, bekommt den Nova M auch in anderen Farbkombinationen.

Die Qualität der Karosserie offenbart sich nicht nur in der Fläche. Details wie die Tür- und Klappenfälze sowie die Integration der serienmäßigen Markise zeigen deutlich, wie perfekt hier der Umgang mit dem Rohstoff GfK gepflegt wird. Selbst die Innenseiten der Klappen sind mit der gleichen Perfektion nahtlos ausgeführt. Die Heckgarage ist zudem innen am Boden, auf dem Podest und Heckwand komplett mit strapazierfähigem Teppich ausgeschlagen, Kratzer durch Fahrräder oder Campingstühle sind damit Geschichte. Gut, der La Strada Nova M ist – besonders in der 4×4-Version – nicht billig, Qualität hat eben ihren Preis, der sich aber in langer Haltbarkeit und voraussichtlich gutem Wiederverkaufswert niederschlägt. Ganz zu schweigen vom hohen Nutzwert für den Besitzer.

Luxusatmosphäre auch innen

Gediegener Luxus ebenfalls im Innenraum. Mindestens im Aussehen toppt der Nova M auch hier. Er ist ein luxuriöser “Kastenwagen” für Zwei, die auch gerne mal eigene Wege gehen. Der Möbelbau macht einen robusten und gut verarbeiteten Eindruck, in der Kabine, die in Grau und Weiß mit Anthrazit-Tupfern auf den Ablagen gehalten ist,  herrscht genau der gekonnt abgestimmte Luxus, der für angenehmes Reisen und Wohnen notwendig ist, ohne protzig zu wirken. Schon allein die Verkleidung der Fensterausschnitte mit den integrierten Kombirollos und das Fehlen unnötiger Gardinen verleiht dem Innenraum in Verbindung mit der optionalen Lederpolsterung die Anmutung eines Erster-Klasse-Jets.  Ihren Beitrag zum Luxusambiente leistet auch die Beleuchtung. Wo immer denkbar, sind im Nova M LED-Lichtschläuche verbaut, die ein warmes diffuses Licht abgeben.

Wir finden Licht in den offenen Ablagen links und rechts des Hubbetts, hinter den Glasschiebetüren der Küche und in der offenen Ablage über dem Herd. Leseleuchten sind jeweils zweifach am Kopfende des Hubbetts und am Heckbett positioniert. Weiterhin präsentieren sich vier Halogenspots an der Unterseite des Hubbetts als Allgemeinbeleuchtung am Tisch, wenn das Bett hochgeschwenkt ist. Beleuchtet ist auch die Garage. Je eine Leuchte an den beiden Klappen, und alles lässt sich finden, was man des Nachts sucht. Eine Leuchtstoffröhre in gesamter Küchenbreite unter dem offenen Bord beleuchtet beinahe blendfrei den Arbeitsbereich an Herd und Spüle. LED-beleuchtet ist ebenso der Inhalt des Absorber-Kühlschranks unter dem Herd.

Funktionelle Einrichtung

Genug des Luxus, jetzt geht es um den Gebrauchswert des La Strada Nova M und das Ergebnis unserer intensiven Studien über zwei Wochen kreuz und quer durch den Bayerischen Wald und Böhmen. Vor Beginn der Testfahrt sahen wir Schwierigkeiten mit der Kapazität der Stauräume im Inneren. Dies erübrigte sich aber bei genauer Betrachtung, zuletzt gab es zu diesem Punkt keine Diskussionen mehr. Voll des Lobs sind wir auch über die Staumöglichkeiten in der praktisch eingerichteten Küche, obwohl der Kühlschrank im Unterschrank naturgemäß viel Stauraum belegt.

In den zwei geräumigen Schubkästen, versehen mit praktischem Soft-Einzug, fanden selbst große Kochtöpfe ihren Platz. Im Besteckschubkasten darüber ist eine Unterteilung aus stabilem Kunststoff serienmäßig, fein die zwei Apothekerschränke und die beiden Hängeschränke mit Glasschiebetüren und indirekter Beleuchtung. Kleinteile sind im offenen Fach darunter gut aufbewahrt, eine hohe Rüttelkante belässt diese auch während der Fahrt an ihrem Platz, wenn man, wie wir, auf das glatte Holz Streifen von Antirutschmatten legt.

Die bewusst schwergängigen Schiebetüren schließen auch ohne Push-Lock-Verschlüsse zuverlässig und deutlich besser als Klappen. Getränkeflaschen finden sicheren Halt in den beiden Apothekerauszügen zwischen Küche und Eingang. Die etwas knappe Arbeitsfläche am Herd kann zur Zubereitung des großen Festmahls durch eine praktische Ausziehplatte, die unter dem Bett ruht und bis Vorderkante Kleiderschrank ausgezogen werden kann, griffgerecht vergrößert werden.

Gemütliche Sitzgruppe

Als Sitzgruppe fungieren die drehbaren Fahrersitze – hier feine Pilot-Komfortsitze mit dem Lederbezug “Hai” – die Zweiersitzbank und auf der Fahrerseite und eine kleine Seitencouch. Der Sitzgelegenheit gegenüber befindet sich ein kleines, praktisches Sideboard. Nicht ganz glücklich waren wir mit der Größe des drehbaren Tischs der Sitzgruppe. Er ist auf einem Säulenfuß fest montiert, asymetrisch drehbar und für das kleine Frühstück absolut ausreichend. Bei mehrgängigen Menus wünscht man sich einen Auszugteil oder eine etwas größere Tischplatte. Zwar kann man die Platte der nebenstehenden Kommode als Ablage benutzen, aber ideal ist dies nicht. Die technische Ausstattung ist ohne Tadel, sauber und wertig ausgeführt und erfüllt alle geforderten Standards.

Hochwertige Schlafplätze

Drei Schlafplätze bietet der Nova M an. Und auch die in der zum Fahrzeug passenden hochwertigen Ausstattung. Das Hubbett, das angeknickt unter der Fahrzeugdecke ruht, wird recht einfach heruntergelassen und glänzt mit einem superbequemen, längs angeordnetem Doppelbett in Komfortausstattung. Das quer angeordnete Heckbett hat als Unterlage Tellerfederelemente und sorgt mit einer hochwertigen Matratze für vorbildlichen Schlafkomfort. Prima!

Einmaliges Bad

Die ersten Momente im Tagesablauf sind die Wichtigsten, normalerweise erlebt man diese im Bad. Im La Strada kann es zum Tagesstart kaum Probleme geben, denn das Bad ist einmalig. Auf den ersten Blick – wie alle anderen – schaut man aber genauer hin, sieht man deutliche Unterschiede. In reinem Weiß glänzt die Duschkabine, das gibt es bei anderen Mitbewerbern teilweise auch. Aber eine so perfekt verarbeitete Duschkabine aus einem Stück mit Softecken und angeformtem, rundem Waschtisch einschließlich Seitenablagen, das findet man nicht so schnell. Perfekt die Verfugung zwischen Duschwanne und Wand, eine sauber gezogene Silikonfuge in weiß, die am Übergang zum Holzteil des Bads folgerichtig in eine braune Verfugung übergeht und dort genauso penibel ausgeführt ist. Selbst die Unterseite des Waschtischs einschließlich Zu- und Abläufen ist mit einem Deckel abgeschlossen. Dies als kleines Beispiel der beispiellos sauberen Verarbeitung des Nova M.

Auf Fahrt

Der Sprinter als Basisfahrzeug, im Testwagen mit dem Euro 6-Motor, satten 190 PS und Fünfgang-Automatik ausgestattet, überzeugt durch gute Übersichtlichkeit und beste Fahrleistungen bei ebenfalls hervorragender Fahrsicherheit dank serienmäßigem adaptivem ESP und ABS. Einbußen bei der Übersichtlichkeit gibt es lediglich durch eine mangelnde Sicht über den Fahrer-Rückspiegel. Dieser wird durch die Faltrollokassetten der Fahrerhausverdunkelung teilweise verdeckt und ist nur per “Schraubenhals” einsehbar.

Natürlich ist der Sprinter 4×4 mit seinem zuschaltbaren Allradantrieb kein Expeditionmobil, aber auch abseits der Straße macht der Echzeller ein erstaunlich gute Figur. Aber allein wegen des Hecküberhanges und des fehlenden Böschungswinkels des Aufbaus sollte man auf extreme Geländeritte verzichten. Dennoch, der Allradantrieb ermöglicht Erkundungsfahrten zu einsamen Stellplätzen, die sonst im Normalbetrieb einfach nicht zu erreichen wären. Klar, daß die hohe Karosserie und die Stollenreifen nicht lautlos auf der Piste säuseln, hier muss man mit deutlichen Fahrgeräuschen rechnen. Erstaunlich still bleibt es aber im Innenraum, der hochwertige Auf- und Ausbau überzeugte, kein Knarzen, kein Klappern oder Knacken während der Fahrt. Sonst hatten wir, bis auf den Testverbrauch von durchschnittlich 14,9 Litern pro 100 Kilometern, wenig zu beanstanden. Technisch ist der Nova M zudem mit allerlei serienmäßigen (und optionalen) Asisstenzsystemen auf aktuellem Stand, der Seitenwindassistent der Basis ist ab Werk mit an Bord.

Fazit

Die Aufgabe, herauszufinden, ob die Werbebotschaft des Nova M „Luxusliner für Landkreuzfahrten“ stimmig ist, ist gelöst: Er darf sich ungestraft so nennen. Sowohl die Verarbeitung der Kabine und der Einrichtung, als auch Design und Ausstattung verdienen diesen Slogan und verwöhnen die Besitzer mit reinem Luxus. Das Interesse, das der Testwagen auf den Stell- und Campingplätzen weckte, zeigt deutlich, dass er eine Ausnahmestellung bei den Vans innehat. Berücksichtigt man Basisfahrzeug sowie Ausstattung und Verarbeitung, ist auch der Preis plötzlich nicht mehr astronomisch, sondern eher angemessen. Eine gute Empfehlung für den, der es sich leisten kann und ein schick gestyltes Mobil abseits des Mainstreams sucht.

TECHNIK-KOMPASS La Strada Nova M 4×4
BASISFAHRZEUG
Basis: Mercedes-Benz Sprinter 316 CDI, Test 319 DCI
Motor: Vierzylinder Turbodiesel OM 651, Hubraum 2.143 ccm, Leistung 120 kW / 163 PS bei 3.800 U/min, Drehmoment 360 Nm bei 1.400-2.400 U/min. Euro 6+ , Test 3,o l-Sechszylinder 140 kW / 190 PS
Antrieb: Fünfgang Automatikgetriebe, Heckantrieb / Allradantrieb zuschaltbar
Sicherheitssysteme: Airbags, ABS, ESP, Hillholder, Seitenwindassistent
Testverbrauch: 14,9  l/100 km laut Bordcomputer
 MASSE/GEWICHTE
Masse im fahrb. Zustand: 3.180 kg
Techn. zul. Gesamtmasse: 3.500 kg
Zuladung: 320 kg
Abmessung (L x B x H): 6.340 x  2.150 x 2.920 mm
Bettenmaße (L x B): Heckbett: 2.050 x 970 mm
Hubbett: 2.000 x 1.400 mm
Sitz- / Schlafplätze: 4 / 3
 AUSSTATTUNG
Frisch-/Abwasser 130 l  innen / 2 x 70 l unterflur
Wasseranlage: Wasseranlage mit Druckpumpe, Automatikhähne, Telefonbrause
Bord-Akku / Typ: AGM 150 Ah
Heizung / Boiler Truma Combi 4 mit 10 l Boiler / Warmwasser-Standheizung
Gasvorrat: 2 x 11 kg
PREISE
Grundpreis: ab 91.067,- Euro
Sonderausstattung Testfahrzeug Motor  140 kW  3.106,- Euro, zuschaltbarer Allradantrieb 14.783,- Euro, Automatik 1.649,- Euro, Sitzheizung 439,- Euro, Warmwasser-Standheizung mit Fernbedienung 1.520,- Euro, Multimedia / Navigation 1796,- Euro, Alugas-Tankflaschen mit Außenanschluß (England-Version) 1.698,- Euro, Truma Duocontrol 298,- Euro
Preis Testfahrzeug: 120.631,- Euro
HERSTELLER/VERTRIEB La Strada Fahrzeugbau GmbH & Co. KG, Am Sauerborn 19, D-61209 Echzell. Tel. 06008-91110. www.lastrada-mobile.de
Eigenes Händlernetz
 GRUNDRISS

Grundriss La Strada Nova M. (Grafik: Werk)
Grundriss La Strada Nova M. (Grafik: Werk)
 TECHNIK IM DETAIL
 Fahrgestell / Aufbau
Doppelschaliger GfK-Sandwichaufbau in Monocoque-Bauweise auf Serien-Fahrgestell. Boden GfK. Isolierung PU-Schaum, Dicke Wand / Dach 25 mm, Boden 47 mm. Beheizter Doppelboden in Teilbereichen. 7 Isolierfenster, im Aufbau flächenbündig eingelassen, Kombirollo. 2 Heki-Hebe-Kipp-Dachfenster, 2 Dachlüfter, jeweils mit Kombi-Faltrollo. Eingangstür mit Fenster, Kombirollo und M1-Schloß, integrierte Stufe. Heckgarage beheizt und beleuchtet, beidseitig Klappen, Durchreiche vom Wohnraum.
Wohnen
Sitzgruppe Comfort Lounge mit Halbdinette, Seitensitzbank und Sideboard, asymetrisch drehbarer Mitteltisch auf Säulenfuß, Panoramafenster, 2 x Dreipunktgurte in Fahrtrichtung, Möbel-Dekor: White, Polster: Leder Hai, PVC-Bodenbelag anthrazit, gekettelter Teppichboden, herausnehmbar, antharit, Radio/TV-Vorbereitung, USB-Steckdosen, 230 Volt Steckdose, Kleiderschrank mit Horizontal-Rollo, Kleiderstange, Wäschefach
Küche
Längs-Küchenblock, links, Edelstahl-Gaskocher dreiflammig mit Glasabdeckung und Piezozündung, in Kombination mit Niro-Waschbecken mit Automatikhahn und Glasabdeckung, Absorber-Kühlschrank Dometic 80 l mit 5 l Frosterfach untergebaut, zwei Apothekerauszüge, Stauschrank mit Tür und zwei Fächern, Unterschrank mit drei Schubladen, Dachstauschrank mit zwei transparenten Schiebetüren, Ablagefächer
Sanitär
Sanitärraum mit Schiebetür, einteilige, fugenlose Duschkabine mit integriertem Eckwaschbecken und Seitenablagen, abtrennbar mit Kunstglas-Falttüre, Schrank mit Rollladen und offene Ablagen, Handtuchbügel, Haken, Ausstellfenster, Dachlüfter, jeweils mit Kombirollo, Thetford Cassettentoilette C 5 drehbar.
Schlafen
Manuelles Hubbett längs im Bug, Doppelbett längs angeordnet, Kaltschaummatratze, Heckbett quer mit Froli-Tellerfederelementen und Komfortmatratze
Hans F. Schwarz

Hans F. Schwarz

Ingenieur Hans-F. Schwarz, Jahrgang 1938, arbeitete über 40 Jahre in verschiedenen Architekturbüros und ist seit über 50 Jahren aktiver Camper. Seit 1985 betätigt er sich als freier Redakteur bei diversen Wohnmobil- und Caravan-Zeitschriften und als Autor verschiedener Fachbücher über Reisemobile und Caravans. Spezialgebiete sind Zubehör, Test- und Technik von Freizeitfahrzeugen.
Hans F. Schwarz