Ohne funktionierendes Reifendruckkontrollsystem gibt es keine Plakette bei der Hauptuntersuchung. (Foto: Pneuhage)

Ohne funktionierendes Reifendruckkontrollsystem (RDKS) gibt es keine Plakette bei der Hauptuntersuchung. (Foto: Pneuhage)

Verkehrssicherheitsrat DVR erinnert – Ohne Reifendruck-Kontrollsystem keine HU-Plakette

Fahrzeuge, Service, Sicherheit

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat DVR erinnert: Ab 20. Mai gilt gemäß der Erneuerung der EU Richtlinie 2014/45/EU ein nicht funktionsfähiges Reifendruckkontrollsystem (RDKS) als erheblicher Mangel bei der Hauptuntersuchung (HU). Das Fahrzeug erhält keine HU-Prüfplakette, bevor der Mangel behoben ist.

Alle zwei Jahre müssen Fahrzeuge zur HU, Neuwagen zunächst nach drei Jahren. Dort werden sie auf ihre Verkehrssicherheit und Umwelttauglichkeit hin überprüft. Werden bei der HU erhebliche Mängel gefunden, haben Autofahrer einen Monat Zeit zum Nachbessern und zur erneuten Vorstellung des Fahrzeuges. Neben dem Technischen Überwachungsverein (TÜV) führen auch der Deutsche Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein (Dekra), die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) und die Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständige (KÜS) Hauptuntersuchungen durch.

So soll ein Reifen mit optimalem Druck aussehen. (Grafik: DVR)
So soll ein Reifen mit optimalem Druck aussehen. (Grafik: DVR)

Das RDKS informiert den Fahrer darüber, ob der Reifendruck innerhalb der eingestellten Grenzwerte liegt und warnen den Autofahrer, wenn der Druck abfällt. Grundsätzlich lassen sich RDKS in zwei Klassen unterteilen: Aktive Systeme liegen direkt am Reifen, messen dort Druck und Temperatur und senden die ermittelten Daten ins Cockpit – auch wenn der Wagen steht. Das System zeigt entweder die Daten für jeden Reifen im Cockpit an oder warnt bei Veränderung des Reifendrucks. Indirekte Systeme nutzen bereits im Wagen verbaute Technik, nämlich ABS-Sensoren und interpretieren diese ermittelten Daten: Verringert sich der Reifendruck, wird auch der Außendurchmesser des Reifens kleiner und die Drehzahl des Reifens steigt.

Dieses passive System zeigt also nicht den tatsächlichen Druck in den Reifen an, sondern warnt lediglich bei einem Druckabfall. RDKS müssen beim Reifenwechsel eingestellt werden Bei direkten Systemen müssen die Sensoren bei jedem Reifenwechsel korrekt eingestellt werden. Dies sollte von einer Fachwerkstatt durchgeführt werden, die am besten auch gleich das RDKS überprüft. Zusätzlich empfiehlt die Initiative Reifenqualität – „Ich fahr‘ auf Nummer sicher!“ des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) und seiner Partner den Reifendruck trotz RDKS auch manuell zu kontrollieren.

Auch mit und trotz RDKS sollte man den Reifendruck zusätzlich noch manuell prüfen. (Foto: DVR)
Auch mit und trotz RDKS sollte man den Reifendruck zusätzlich noch regelmäßig manuell überprüfen. (Foto: DVR)

So können auch kleine Abweichungen vom optimalen Reifendruck schnell behoben werden. Hintergrund zum Einsatz von Reifendruckkontrollsystemen: Seit November 2014 müssen alle Neuwagen mit einem Reifendruckkontrollsystem (RDKS) ausgestattet sein, denn der Reifendruck hat Einfluss auf die Länge des Bremsweges. Schon eine Differenz von 0,5 bar kann den Bremsweg um zehn Prozent verlängern – dies kann den entscheidenden Unterschied machen zwischen einem rechtzeitigen Halt und einem Unfall. Bei einem zu niedrigen Reifendruck tragen die Schultern der Reifen die Hauptlast des Fahrzeugs, die Mitte der Lauffläche hat weniger Bodenkontakt. Das vermindert die Fahrstabilität und verlängert den Bremsweg. Darüber hinaus wird das Fahrverhalten schwammiger und der Reifen wird schneller heiß.

Aber auch zu hoher Reifendruck hat nachteilige Auswirkungen: Die Hauptlast liegt dann auf der Mitte der Lauffläche, die sich stärker abfährt. Da ein schlechterer Bodenkontakt besteht, ist auch der Bremsweg länger und die Kurvenstabilität geringer. Die Initiative Reifenqualität rät, regelmäßig kurze Reifenchecks zu machen und bei jedem zweiten Tankstopp den Reifendruck am handwarmen Reifen zu kontrollieren.

Infos: Zur Webseite des Deutschen Verkehrssicherheitsrates

INFO Deutscher Verkehrssicherheitsrat DVR
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat wurde 1969 gegründet und ist unabhängiger Vorreiter und Kompetenzträger in allen Belangen der Straßenverkehrssicherheit. Die Aufgabe des DVR ist die Förderung von Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer. Schwerpunkte sind Fragen des menschlichen Verhaltens, der Fahrzeugtechnik, der Infrastruktur, des Verkehrsrechts, der Verkehrsüberwachung und der Verkehrsmedizin. Der Verein koordiniert die vielfältigen Aktivitäten seiner Mitglieder, entwickelt Programme und passt diese kontinuierlich neuen Anforderungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen an. Eine seiner zentralen Aufgaben liegt in der Bündelung der Bemühungen aller beteiligten Stellen zu einem gemeinsamen und wirksamen Handeln (Koordinierungsfunktion). Der DVR vertritt die Positionen, die geeignet sind, Leben zu retten oder schwere Verletzungen zu vermeiden, deutlich in der Politik, den gesellschaftlichen Gruppen, den Medien, den Bundes-, Landes-, europäischen und sonstigen nationalen und internationalen Institutionen.
Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues