Das Deutsche Caravaning Institut begleitet den Auf- und Ausbau einer Leerkabine auf Volkswagen Doppelkabiner VW T6 und berichtet in mehreren Folgen von Freuden und Leid eines Selbsausbauers. (Foto: det / D.C.I.)

Das Deutsche Caravaning Institut begleitet den Auf- und Ausbau einer Leerkabine auf Volkswagen Doppelkabiner VW T6 und berichtet in mehreren Folgen von Freud und Leid eines Selbstausbauers. (Foto: det / D.C.I.)

Das Pick Up Selbstbau-Projekt – Von der Pritsche zum Reisemobil – Teil 1

Selbstbau, Technik, Wohnmobil

In einer neuen Folge zum Thema „Selbstausbau“ begleitet das Deutsche Caravaning Institut (D.C.I.) den Auf- und Ausbau einer Leerkabine auf einen Volkswagen Doppelkabiner VW T6. D.C.I.-Autor Hans F. Schwarz berichtet in mehreren Folgen von Freud´ und Leid eines Selbtsausbauers – vom Kauf der Basis und der Leerkabine, bis hin zur Zulassung und ersten Erfahrungen.

Teil 1 – Kopfkino: Gedanken, Skizzen und die Internetsuche nach einem passenden Basisfahrzeug sowie der (Fehl-)Kauf einer Gebrauchtkabine.

„Volkswagen Multivan T5 Startline Siebengang-DSG in Deep Black Perleffekt metallic, mit Leichtmetallfelgen, Standheizung. Ex Hotelshuttlebus, ohne Stehhöhe, Einfach-Campingausbau mit Markise, Heckküche, von außen zu bedienen und Heckklappenzelt, Doppelbett aus umklappbarer Sitzbank mit Zusatzpolstern auf der Küche“. Ein bildschönes Fahrzeug im Alltagsbetrieb und Anziehungspunkt auf Bullitreffen, aber als Urlaubsfahrzeug für das Paar 50 plus?

Mehr und mehr reift der Gedanke, ein größeres Fahrzeug anzuschaffen, das aber auch im Alltag seinen Mann stehen soll. Das heißt, Abschied nehmen vom heißgeliebten Bulli, hin zur Familie der ausgebauten Dukatos, Boxer und Sprinter? Niemals für einen altgedienten Bulli-Fan! Aber ein Bulli mit mehr Platz im Urlaub? Gibt es, aber nur mit Aufbau, der für den Alltagsbetrieb unhandlich wird. Außer, man legt sich eine absetzbare Kabine mit Alkoven zu, die nur zum Wochenendausflug und auf die Urlaubsreise mitgeht und sonst zu Hause bleibt. Das ist es! Der Gedanke muss unbedingt weiter gesponnen werden.

Der nächste Step und Ergebnis manch schlafloser Nächte ist ein Lastenheft mit längerer Pro- und Kontraliste. Umfangreiche Recherchen im Internet zeigen unzählige Beispiele, aber die Auswahl wird dadurch auch immer schwieriger, zuletzt sind die Brieftasche und das aktuelle Angebot ausschlaggebend.

Lastenheft

Auf dem Notizblock, der im Laufe der Zeit vom Esstisch bis zum Nachttisch treuer Begleiter wird, nehmen mehr und mehr die Gedanken zum zukünftigen Gefährten unbeschwerter Urlaubstage konkrete Gestalt an. Hier einige Eckpunkte in ungeordneter Reihenfolge als Zitat:

  • Wechselpritsche für familäre Umzüge und Gartenabfälle
  • Alkovenkabine mit zwei guten Längs-Einzelbetten
  • Nasszelle ohne Dusche, aber Außenduschanschluss
  • Ausreichend große Küche für Hobbykoch.
  • Ess- und Schmökerplatz für zwei
  • Fahrradträger am Heck, geeignet für zwei Pedelecs.
  • Seiteneinstieg
  • Leichtgängige und stabile Hubstützen zum Absetzen der Kabine

Wahl des Basisfahrzeug

Fabrikat und Typ des Gebraucht-Basisfahrzeugs stehen fest, alles andere wird sich finden:

  • Es soll wieder ein Bulli werden, möglichst der neueste T6 wegen der Umweltzonen-Problematik.
  • Wieder mit Automatik.
  • Doppelkabiner wegen Platz in der Kabine und ausreichenden Sitzplätzen im Alltagsbetrieb.
  • Gebrauchtwagen in möglichst guter Grundausstattung mit Automatik und möglichst 110 KW / 150 PS Bluetec-Diesel. Kein ausgelutschtes Baustellenfahrzeug.
  • Zusatzfederung, idealerweise Luftfederung und 3.500 Kilogramm technisch zulässige Gesamtmasse.
  • Werkseitige Anhängerkupplung mit Fahrdynamik-Stabilisator-ESP-Beeinflussung bei Anhängebetrieb für 100 km/h-Zulassung.

Damit ist wieder einmal die Suchmaschine im Computer gefragt, nachdem der örtliche Kfz-Handel kein entsprechendes Angebot bietet.

Und tatsächlich findet sich ein Fahrzeug mit fast genau der gewünschten Ausstattung, leider am anderen Ende von Deutschland, bei einem Volkswagen-Handelsbetrieb im Raum Hannover, das nach eingehender Besichtigung und Probefahrt letztlich dann gekauft wird:

  • Volkswagen T6 2,0 TDI Doppelkabine Rot
  • 2-Liter TDI Euro 6, 110 KW / 150 PS
  • 7-Gang-DSG-Automatik
  • Technisch zulässige Gesamtmasse 2.800 Kilogramm
  • VW Radio-/Navi-Kombination
  • Erstzulassung Juli 2016 als Lastkraftwagen
  • Alu-Pritsche lang
  • Anhängerkupplung mit ESP-Beeinflussung
  • Kein Baustellenfahrzeug
  • Technisch zulässige Anhängelast 2.500 Kilogramm
  • Verhandlungsbasis brutto 26.985,- Euro mit rund 63.000 Kilometer Laufleistung auf dem Tacho
  • Innen und außen Zustand ohne Beanstandung

Bei der Überführungsfahrt nach Süddeutschland macht das Fahrzeug, bis auf die „Handwerkersitze“, rundum einen guten Eindruck und verspricht eine lange gemeinsame Zukunft. Die unbequemen Sitze werden irgendwann gegen Pilotsitze oder Sitze aus einem Multivan ausgetauscht werden. Aber das hat Zeit. Vorerst genügen gute Schonbezüge aus Stoff. Wichtiger ist die Nachrüstung einer Schalldämmung innen auf den ungedämmten Blechflächen des Fahrerhauses wie im Multivan. Angedacht ist auch eine Zusatzfederung, zumindest an der Hinterachse und Auflastung auf 3.500 Kilogramm technisch zulässige Gesamtmasse. Der Bericht darüber folgt später.

Suche nach einer Gebrauchtkabine

„Macht der aus der Hausnummer 31 jetzt ein Baugeschäft auf“? „Mitnichten, das wird wahrscheinlich ein Camper, es fehlt nur noch eine passende Kabine“. So oder so ähnlich könnte Nachbargetuschel sich anhören, nachdem der rote Doppelkabiner mit seiner Alupritsche auf dem Parkplatz des vordem schicken schwarzen Bulli parkt.

Im Haus wird mal wieder der Computer strapaziert mit der Suche nach einer Gebrauchtkabine, die auf den Doppelkabiner passt. Mit Erfolg. Eine passende Eigenbaukabine mit komplettem Ausbau und Technik wird für kleines Geld annonciert. Längere Telefongespräche mit dem Anbieter versprechen einen guten Blind-Kauf und der Vorvertrag wird ausgetauscht. Wieder geht die Fahrt in den hohen Norden, diesmal  mit dem Doka-Bulli ohne Pritsche in Erwartung der heiß begehrten Fracht für die Rückfahrt.

Im Laufe der Besichtigung zeigt sich immer mehr die Begeisterung des Verkäufers für seinen Selbstbau, den er von Grund auf in seiner Garagenwerkstatt aufgebaut hat: Ein stabiler Rahmen aus verschweißtem Vierkantrohr-Fachwerk, ausgefacht mit Isoliermaterial, innen und außen mit Sperrholz beplankt und mit Glasfaser-Vlies „tapeziert“. Außen bildet Lack eine Deckschicht, der an manchen Stellen Rissbildung zeigt. Hier sind Nacharbeiten notwendig, Tipps zur Vliesverarbeitung gibt der Verkäufer aus seinem Erfahrungsschatz preis. Innen trifft die Wand- und Möbelgestaltung nicht unbedingt unseren Geschmack, das lässt sich aber unter Berücksichtigung des Kaufpreises später richten und aufpimpen. Die Rahmenfenster und die Technik sind beste Markenprodukte, im Durchschnitt zwei bis drei Jahre alt und wenig gebraucht.

Raffinierter Hilfsrahmen

Eine raffinierte Konstruktion und bisher noch nirgends sonst so gesehen ist der Hilfsrahmen auf dem VW-Originalrahmen und sein Gegenpart unter der Kabine: Der Hilfsrahmen selbst ist aus Vierkant-Stahlrohr geschweißt und hat an den Enden vier Anhängerkupplungs-Köpfe. Sicherung gegen Verziehen übernehmen Knotenrohre an allen vier Ecken. Als Gegenstück zu den Anhängerklupplungsköpfen sind an der Unterseite der Kabine Stahltrichter am Kabinenrahmen zu finden, die über die Kupplungsköpfe reichen, gesichert wird das Ganze gegen Abheben mit Schrauben, Muttern und Kontermuttern. Maßarbeit beim “Aufhuckeln” ist gefragt, aber machbar, die Konstruktion sitzt aus erster eigener Erfahrung während der Überführungsfahrt bombenfest. Die erste Nacht in der „neuen“ Kabine findet auf dem Hof des Verkäufers statt, der nächste Tag beginnt mit dem Ummontieren des Hilfsrahmens vom T5 des Verkäufers auf unseren T6, alles passt. Auch das anschließende Aufsatteln klappt.

Böses Erwachen

Das böse Erwachen kommt dann bei den ersten Renovierungsversuchen an den „Lackschäden“: Es zeigt sich, dass an diesen Stellen das Glasvlies gerissen ist und in der Vergangenheit Wasser in die Sperrholzverkleidung und die Isolierung eingedrungen ist. Die Vliesbahn ist großteils lose und das Sperrholz darunter beginnt zu faulen. Nach schlafloser Nacht Anruf beim Verkäufer, der selbst sprachlos ist und sofort in Aussicht stellt, einen größeren Teil des Kaufpreises zurückzuzahlen. Er kommt auch in den Süden zur gemeinsamen Lösungsfindung. Ein fairer Zug, der die Enttäuschung mildert.

Nachdem die Enttäuschung überwunden ist, geht’s ans Ausschlachten. Der Plan ist: Alles ausbauen, was noch gebraucht werden kann, also die Technik, die Fenster und der Grundrahmen. Isolierung und Sperrholzverkleidung kommen als Sperrmüll auf den Wertstoffhof, der ausgeschlachtete, stabile Stahlrohrkäfig ins Internet in der Hoffnung, einen Bastler dafür zu finden, der den finanziellen Schaden reduzieren hilft. Auch das klappt nach kurzer Zeit und die Suche beginnt von Neuem.

Ersatz muss her

Doktor Google ist mal wieder gefragt, um die Nachwehen des Fehlkaufs zu heilen. Gesucht werden neue Leerkabinen nach Wunschmaß zum Selbstausbau und zu erträglichem Preis. Die Eingangstüre muss vorhanden sein, alle anderen Öffnungen für Fenster, Klappen, Servicetüren und so weiter werden selbst eingebracht, angepasst an die aus der Pechkabine demontierten Einbauteile.

Lesen Sie hier Teil 2 der Story


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Hans F. Schwarz

Ingenieur Hans-F. Schwarz, arbeitete über 40 Jahre in verschiedenen Architekturbüros und ist seit über 50 Jahren aktiver Camper. Seit 1985 betätigt er sich als freier Redakteur bei diversen Wohnmobil- und Caravan-Zeitschriften und als Autor verschiedener Fachbücher über Reisemobile und Caravans. Spezialgebiete sind Zubehör, Test- und Technik von Freizeitfahrzeugen.
Hans F. Schwarz