Auftrag und Mission: So soll die neue Kabine werden: Vertragsskizze von Stauber-Motorhomes mit Hauptmaßen. (Foto det / D.C.I.)

Auftrag und Mission: So soll die neue Kabine werden: Vertragsskizze von Stauber-Motorhomes mit Hauptmaßen. (Foto det / D.C.I.)

Das Pick Up Selbstbau-Projekt – Von der Pritsche zum Reisemobil – Teil 2 – Die Kabine

Pick Up, Selbstbau, Technik, Wohnmobil

In unserer neuen Serie zum Thema „Selbstausbau“ begleitet das Deutsche Caravaning Institut (D.C.I.) den Auf- und Ausbau einer Leerkabine auf einen Volkswagen Doppelkabiner VW T6. D.C.I.-Autor Hans F. Schwarz berichtet in mehreren Folgen von Freud´ und Leid eines Selbtsausbauers – vom Kauf der Basis und der Leerkabine, bis hin zur Zulassung und ersten Erfahrungen. Hier Teil 2.

Teil 2 – Alles neu … Eine neue Leerkabine und Neubau des Grundrahmen

Gibt man bei Google „Leerkabinen für Pickup“ ein, erhält man stolze 64.800 Ergebnisse. Also zum Durchlesen und Kontaktaufnahme zehn Wochen Urlaub nehmen und dann entscheiden: Mitnichten, so bliebe keine Zeit mehr für den Ausbau bis zum Urlaub 2020. Nach langem Hin und Her, Infos einholen bei befreundeten Campern und Journalisten, Internet, Fachbüchern und Fachmagazinen kristallisieren sich einige Hersteller als geeignet für unsere Wünsche aus.

Wichtig sind uns, neben akzeptablen Kosten, folgende Kriterien:

• Keine Kabine, die auf die Ladefläche mit Bordwänden gesetzt wird wegen Bodenbreite innen und Stauraumverlust
• Gute Isolierung wegen eventuellem Wintercamping
• GfK-Aufbau holzfrei
• Kein Styropor als Dämmung in Dach und Wänden
• Grundrahmen wird von uns geliefert und soll mit eingebaut werden
• Vorgegebene Maße: 410 Zentimeter Länge von Alkovenspitze bis Heckwand, 200 Zentimeter Breite und Innenstehhöhe von 220 Zentimetern wegen akzeptabler Innenhöhe des Alkovens von ungefähr 90 Zentimetern lichtem Rohmaß
• Kabine so konstruiert, dass sie auf den Grundrahmen mit umgebauter Wechselaufbauvorrichtung aus der Pechkabine passt und die Unterseite des Alkovens nicht mit der Fahrerhauskabine in Berührung kommt
• Akzeptable Lieferzeit der Kabine

Insgesamt gehen etliche Anfragen an verschiedene Hersteller raus mit der Bitte um Angebote. Einige antworten leider gar nicht, andere werden aussortiert wegen Lieferzeiten von bis zu zwei Jahren. Auch Budgetüberschreitungen werden schweren Herzens nicht berücksichtigt. Letztendlich fällt die Entscheidung auf die Firma Stauber-Motorhomes aus Goddert im Westerwald und die technischen Gespräche laufen an. Es ist bekannt, dass Manfred Stauber so ziemlich alle Sonderwünsche, so verrückt sie auch wirken mögen, problemlos realisiert, seine Aussage trifft sich hier mit den Referenzbildern auf seiner Homepage.

Zum Festpreis von 13.000,- Euro inklusive Mehrwertsteuer wird der Vertrag abgeschlossen und folgende Kriterien festgeschrieben:

• Alkovenkabine nach den vorgegebenen Maßen und Zeichnung, jedoch aus Platzgründen innen ohne die in der Zeichnung vorhandene Abschrägung am Heck
• Leerkabine aus Sandwichplatten mit 27 Millimetern Dämmung aus Polyurethan-Schaum PU-RG 50, und beidseitig vollflächig verleimten GfK-Bahnen je 1,5 Millimeter dick
• Bodenplatte als Sandwich mit 26 Millimetern Styrodur mit beidseitig 2 Millimeter dicken GfK-Bahnen
• Gesamter Aufbau holzfrei
• Eckverbindungen innen mit Aluwinkeln geklebt und vernietet, außen Rundkanten geklebt und lackiert
• Oberflächen innen und aussen durchgefärbtes Gelcoat ähnlich RAL 9010 reinweiß, Rundkanten auf unseren Wunsch hin in Schwarz lackiert
• Seitlich rechts Tür mit Sicherheitsschloss und kräftigen Bändern
• Lieferzeit bis September 2019, Anlieferung Grundrahmen bis Juli 2019 im Werk

Bau des Grundrahmens

Nach detailliertem Aufmaß des Chassis und des Grundrahmen aus dem Vorgänger wird von einem befreundeten Ingenieur für Kraftfahrzeugtechnik, der als Konstrukteur sein täglich Brot verdient, ein genaues 3-D-Bild des Rahmens erstellt und die Statik dazu berechnet.

Da Rost für uns im Wortschatz gestrichen ist, wird für den neuen Grundrahmen durchweg Edelstahl-Vierkantrohr verarbeitet, das im Internet, fertig nach Maßliste zugeschnitten, günstig bezogen wird und auch termingemäß ankommt. Rechnet man den Preis für Stahl-Vierkantrohr und die Oberflächenbearbeitung mit entrosten, grundieren, zwischenlackieren und lackieren, kommt man mit Edelstahl, das unbehandelt bleibt, nur unwesentlich teurer weg und hat ein Campingleben lang Ruhe im Untergrund, auch vor Streusalzschäden.

Der Fachwerkrahmen wird gemäß den mit Manfred Stauber besprochenen, notwendigen Streben verschweißt und zusätzlich gegen Verwinden mit Knotenrohren zwischen den Längs- und Querrohren verstärkt. Hier wird später auch verschraubt.

Zur Kraftaufnehme und Zentrierung auf dem Chassis beziehungsweise auf den Kugelköpfen werden gemäß bewährtem Vorbild der alten Kabine die viereckigen Aufnahmetrichter ebenfalls aus Edelstahlblech gekantet und mit dem Rahmen verschweißt. Jetzt, nach einer Anprobe, geht es ab nach Goddert zu Stauber-Motorhomes, den Rahmen abgeben und noch einige Details zur Kabine besprechen. Wir sind gespannt auf das Ergebnis.

Die fertige Kabine

Pünktlich wie bei Vertragsabschluss zugesagt Ende September, kann die fertige Kabine am 28. September 2019 in Goddert abgeholt werden. Strahlend überreicht Manfred Stauber die Schlüssel und hilft anschließend tatkräftig dabei, die Kabine aufzuhuckeln, was auch einwandfrei gelingt. Dabei stellt sich heraus, dass in das Projekt „Stützen“ noch Gehirnschmalz investiert werden muss, es klappt mit den vorhandenen nicht so einwandfrei wie geplant.

Aber auch da werden sich Möglichkeiten auftun. Alles andere passt wie geplant. Jetzt geht es erstmals heim, ab in die gemietete Bastelwerkhalle, Kabine absetzen und eingewöhnen. Die Kumpel der WG (hier „Werkstattgemeinschaft“) bewundern das ungewohnte Teil, sind doch sonst hauptsächlich Käfer in der Restaurierung. Plötzlich wird hier nicht nur geschweißt und Autos zerlegt, sondern Öffnungen für Fenster und Klappen in GfK-Sandwichplatten gesägt und Möbel aus Pappelsperrholz geschreinert.

Langsam mit die Pferde. Erstmal wird detailliert Innenaufmaß der fertigen Kabine genommen und die Planungsskizzen verfeinert. Nur so ist gewährleistet, dass nachher alles reinpasst und zusammen harmoniert. Dann wird der Grundriss mit Malerkrepp auf dem Boden maßgetreu abgeklebt und „begangen“, alles funktioniert.

In der nächsten Folge 3 unserer Serie folgt der Innenausbau der Kabine und der Möbelbau.

Hier geht´s zu Teil 1 der Selbstbau-Serie


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Hans F. Schwarz

Ingenieur Hans-F. Schwarz, arbeitete über 40 Jahre in verschiedenen Architekturbüros und ist seit über 50 Jahren aktiver Camper. Seit 1985 betätigt er sich als freier Redakteur bei diversen Wohnmobil- und Caravan-Zeitschriften und als Autor verschiedener Fachbücher über Reisemobile und Caravans. Spezialgebiete sind Zubehör, Test- und Technik von Freizeitfahrzeugen.
Hans F. Schwarz