Erfolg im Zeichen der Windrose – 175 Jahre Westfalia

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Auf mehr als 175 Jahre Firmengeschichte kann das Unternehmen aus Rheda-Wiedenbrück zurückblicken, mehr als ein halbes Jahrhundert Erfahrung hat Westfalia im Bau von Freizeit-Fahrzeugen. Westfalia ist Pionier im Ausbau von Kastenwagen und gilt als Synonym für praxisgerechte, multifunktionale Freizeitfahrzeuge. Kaum jemand hat mehr Kastenwagen ausgebaut und kann auf solch eine beeindruckende 175-jährige Geschichte zurückblicken.

Die Ursprünge von Westfalia reichen weit zurück. Johann Bernard Knöbel eröffnet im Jahre 1844 in Rheda-Wiedenbrück einen Handwerksbetrieb, dort kümmert er sich um die Belange der Fuhrleute. In der Schmiede am elterlichen Haus an Klingelbrink 273 wird aber nicht nur repariert, sondern hier entstehen auch Ackergeräte und Wagen, im Jahre 1876 folgt die erste Kutsche. Im Jahre 1922 erscheint der Name „Westfalia“ erstmals im Handelsregister. Für das Unternehmen beginnt die Ära der Kraftfahrzeuge, zunächst mit Handelsvertretungen für Personenwagen, im Jahre 1927 liefert man die ersten offenen Kastenanhänger aus.

Die Kugelkopf-Kupplung wird erfunden – der Weg zum Caravaning

1931 hat Franz die Kugelkopf-Kupplung entwickelt und zum Patent angemeldet, 1935 entsteht der erste Westfalia-Wohnanhänger, der bereits über vier Schlafplätze, Küche und Stauraum verfügt. Im Jahr 1942 erhält das Unternehmen den – lange Jahre gültigen – Namen Westfalia-Werke Franz Knöbel & Söhne KG. In Krieg wird das Werk am 22. Februar 1945 fast völlig zerstört. Doch schon zu Ende des Jahres 1945 sind bereits wieder 200 Mitarbeiter bei den Knöbels beschäftigt. Der Karosseriebau erlangt besondere Bedeutung. 1952 entsteht auch wieder ein Wohnanhänger, der T5, gefertigt aus einem Holzgerippe mit einer Hydronalium-Außenhaut. Ab 1957 kommt der Camping-2 Caravan wieder mit der bekannten gepressten Aluminium-Außenwand. Bereits 1951 kommt die erste Camping-Einrichtung für den VW Transporter auf den Markt, die Camping-Box, eine Wohn- und Schlafeinrichtung. Ein neues Produkt ist geboren, dem man bei Westfalia bis heute die Treue hält: Das Reisemobil.

Beginn der mobilen Freizeit: Die Camping-Box

Die Wirtschaftswunderjahre machen den VW Bulli zum gefragten Lastesel in Deutschland, Westfalia sorgt mit der Camping-Box getauften Bulli-Ausstattung nach der Idee eines britischen Offiziers für die Freizeit mit dem VW-Transporter. Die Ausstattung besteht somit aus einer Schlafcouch, einem Klapptisch, einer Sitzbank, einem Jalousieschrank und einem Sidebord mit Fach für einen Benzinkocher.

Start des Möbel-Programms

Wegen der relativ hohen Preise verabschieden sich viele Interessenten vom Kauf eines Campingbusses – das ändert sich, als das Möbelprogramm Mosaik in den Markt gebracht wird. Mit dem Möbelprogramm können begabte Heimwerker sich einen gebrauchten Bulli nach eigenen Vorstellungen ausstatten und dabei sparen. Der VW Transporter als Campingwagen ist in den 50er Jahren in den USA erheblich bekannter als in Deutschland oder Europa. In großen Stückzahlen geht die Einrichtung Westfalia SO 34 über den großen Teich, die erste Campingeinrichtung, die statt einer Holzfurnier-Oberfläche mit einer Kunststoff-Oberfläche in weiß und grau ausgeliefert wird. Im Jahre 1956 versucht man es in Rheda-Wiedenbrück erstmals mit einem Wohnmobil mit eigenem Aufbau, Basis ist ein DKW F 800-3 mit einem Dreizylinder-Motor und 900 ccm Hubraum und einem Radstand von 3.500 Millimeter. Der Wagen ist kein Verkaufserfolg, nur ein kleiner Kundenkreis konnte – oder wollte – sich die recht teuren Fahrzeuge leisten.

Erste Reisemobile mit der Pflaume am Kühler

Ebenfalls nur auf bescheidene Stückzahlen bringt es das Ford Wohnmobil mit seinem wassergekühlten Vierzylinder-Reihenmotor vorne zwischen den Sitzen und Heckantrieb. Die Einrichtung baute Westfalia nicht nur für den Ford, sondern auch für Transporter von Hanomag, Mercedes-Benz und Opel. Die Ausstattung ist aufwändiger als bei den VW-Ausbauten. Es gibt einen zweiflammigen Gaskocher, einen Kühlschrank und auf Wunsch auch eine Gasheizung. Eine weitere Sonderausstattung stellt das so genannte Dormobil-Dach, ein seitlich angeschlagenes Aufstelldach mit zwei Faltbetten, dar. Drittes Standbein neben den Reisemobilen und den Anhängekupplungen sind die Anhänger in allen möglichen Ausführungen und Größen. Am 2. September 1981 läuft in Rheda-Wiedenbrück der 250.000ste Westfalia-Hänger vom Band, ein Pferdehänger mit gold-schwarzer Lackierung des Aufbaus.

Der VW Bus T2 wird zum Wohnmobil

Im Sommer 1967 präsentiert VW die neue, die zweite Generation des Transporters. Der neue Transporter ist ein gutes Stück gewachsen, hat jetzt große Fensterflächen, serienmäßig eine Schiebetür, ein verbessertes Fahrwerk und der luftgekühlte Boxermotor hat 70 PS. 1968 werden rund 100 VW-Campingbusse am Tag gebaut, zwei Drittel gehen in den Export, die meisten in die USA. Die Jubiläen überschlagen sich, 1969 läuft der 50 000. Campingbus vom Band, zwei Jahre später bereits der 100 000, mehr als 1.000 Mitarbeiter sind bei Westfalia beschäftigt. Von 1966 bis 1970 vervierfacht sich der Export der Campingbusse auf knapp 20.000 Einheiten jährlich, rund 95 Prozent davon sind für Nordamerika bestimmt. Im Inland überschreiten 1969 die Zulassungszahlen erstmals die Marke von 1.000 Exemplaren. 1972 fertigt Westfalia täglich bis zu 125 Ausbauten des Volkswagen Transporter, viele von ihnen sind auch heute noch in Nordamerika unterwegs.

US-Geschäft bricht zusammen

Für Westfalia bricht das US-Geschäft schneller zusammen als es gewachsen ist, in einem Jahr halbieren sich 1973 somit die Produktionszahlen, der Nordamerika-Export köchelt auf kleiner Flamme. Eine ganze Nummer größer als die VW Bus Ausbauten sind der James Cook und der Como, aus dem später der Sven Hedin entwickelt wird und dessen Basis der VW LT ist, dessen Fertigung 1975 startet. Mit dem Sven Hedin feiert Westfalia ein ganz besonderes Jubiläum: Das 200.000ste Wohnmobil läuft im Herbst 1978 vom Band, ein Sven Hedin mit 1,8 Liter Motor und 75 PS auf der Basis des VW LT 28. Aus dem Westfalia Sven Hedin entwickelt VW später, im Jahre 1988 den Florida. Zur IAA 1981 steht ein Schnapszahlen-Jubiläum ins Haus, mit einem James Cook auf Basis eines Daimler-Benz 207 D mit 65 PS starkem Vierzylinder-Diesel rollt das 222.222ste Reisemobil von Westfalia vom Band.

Das Westfalia-Erfolgsmodell: Der Joker

Erfolgsmodell dieser Jahre ist eindeutig der Joker, in mehreren Varianten auf der Basis des VW T3 gefertigt und vermutlich einer der erfolgreichsten Kastenwagen-Ausbauten aller Zeiten. Neben dem „normalen“ Joker in den Versionen I bis IV kommt 1983 der Sport Joker im Stil des späteren Multivan, obendrein gibt es den Club Van und den Club Joker mit vier Einzelsitzen. Im August 1979 heißt es auf dem Titel des Prospekts: „Von Volkswagen und Westfalia: Der Joker – Spaß ohne Grenzen“. Basispreis des Joker 1979 mit Zweilitermotor: 27.466,- Mark. Am 27. September 1984 läuft in Rheda-Wiedenbrück das 250.000ste Wohnmobil vom Band, ein Joker auf der Basis des VW Transporters mit 78 PS leistendem Wasserboxer-Motor.

Der California kommt auf den Markt

VW zeigt zum Caravan Salon 1988 ein eigenes, aber auch bei Westfalia gebautes Reisemobil: Den California T3 – auf den ersten Blick ähnlich ausgestattet wie der Joker, allerdings rund 15 Prozent preiswerter. Ein Jahr später legt VW nochmals nach, mit dem Atlantic, einer besser ausgestatteten und preislich höher angesiedelten Variante zum Produktionsschluss des T3. Ab 1990 produziert Westfalia dann auf dem erstmals frontgetriebenen VW Bus, den neuen T4. Der Joker ist Geschichte, aber Westfalia baut weiterhin für VW, die kompletten Fahrzeuge werden nach wie vor als California vermarktet. Der kommt mit kurzem Radstand zu den Kunden, in der Version mit langem Radstand und mit Heckküche hört er auf den Namen Atlantic. Mit den Jahren kommt die Modellpflege, und die Versionen Coach, Tour und Club.

1994 – 150 Jahre Westfalia

Im Jahre 1994 begeht Westfalia das 150jährige Firmenjubiläum. Für die Kunden gibt es das auf 500 Exemplare limitierte Sondermodell Highway mit komplettierter California-Coach-Ausstattung. Ein Jahr später kommt der California Exclusive, der auf die serienmäßige Heckklappe des T4 verzichtet und stattdessen eine durchgehende GfK-Rückwand im Heck bietet. So ist erstmals ein schmaler Sanitärraum mit Toilette im Vierschläfer realisierbar. Nach dem Ausscheiden der Familie Köbel wird Westfalia in drei eigenständige rechtliche Einheiten umgewandelt, so entstehen die Westfalia Trailer Group GmbH, zuständig für den Anhängerbau, die Westfalia Van Conversion GmbH, wo Reisemobile gefertigt werden, und die Westfalia-Automotive GmbH & Co. KG, zuständig für die Anhängekupplungen.

Turbulente Jahre

DaimlerChrysler steigt mit 49 Prozent ins neue Unternehmen ein. Allerdings waren die 90er Jahre eher von einer wirtschaftlichen Berg- und Talfahrt geprägt. Querelen zwischen den Eigentümern und erschwerte wirtschaftliche Bedingungen waren die Auslöser hierfür. 1996 läuft erstmals ein Marco Polo auf Mercedes-Basis vom Band, ein Jahr später folgt der erste Vito F. Bei der Westfalia Van Conversion steigt DaimlerChrysler mit 49 Prozent ein, im Jahr 2001 fällt ein neuer Produktionsrekord: Das 500.000ste Freizeitfahrzeug rollt bei Westfalia vom Band.

Neue Eigenprodukte: Big Nugget und Sven Hedin

VW entscheidet sich für die eigene Produktion des VW California in einem neuen Werk in Hannover. Die Erschließung des amerikanischen Marktes 2004 beginnt mit der Auslieferung der ersten James Cook unter der Marke „Dodge Sprinter Westfalia“ in die USA. Als Vertriebspartner wird der renommierte Hersteller „Airstream“ gewonnen. Die Jahre 2006 und 2007 sind turbulent. Auf der Basis des neuen Mercedes Sprinter kommt 2006 der neue James Cook. Premiere feiert auch der Ford Big-Nugget, er ist seit langer Zeit das erste von Westfalia selbst entwickelte und auch vermarktete Produkt. Und 2007 kommt ein alter Bekannter, der Sven Hedin, auf der Basis des VW Crafter zurück. Und wieder mal gibt es ein Jubiläum zu feiern: Seit dem Start der Fertigung des Viano im Jahr 2003 sind 5.555 Vianos zu Freizeitfahrzeugen aufgebaut worden.

Das erste Aufbaufahrzeug von Westfalia

In 2008 stellt Westfalia das erste Aufbaufahrzeug, ein teilintegriertes Reisemobil nach über 50 Jahren vor. Weltpremiere des WestVans auf der Caravan Motor und Touristik in Stuttgart. Der legendäre Westfalia Sven Hedin wechselt 2009 auf die Basis des Mercedes-Benz Sprinter. Im gleichen Jahr beginnt die Markteinführung des Opel Vivaro L2, er bietet mehr Raum für Kundenbedürfnisse. Westfalia als führender Kastenwagenausbauer, baut im Jahr 2009 erstmalig auch Fiat Fahrzeuge aus. Der Michelangelo auf Basis Fiat Scudo wird vorgestellt. Im folgenden Jahr 2010, stellt Westfalia das Multimobil auf Basis Fiat Scudo vor, um das die Modellpalette erweitert wird.

Sicherer Hafen – Westfalia kommt zur Rapido-Gruppe

2011 wird Westfalia von der Rapido Gruppe übernommen. Die konsequente Markt- und Kundenorientierung schlägt sich in den Folgejahren im Aufbau des Produktportfolios durch Modelle wie den Amundsen, den Columbus, den Jules Verne und den Kepler nieder. Club Joker und Club Joker City auf dem VW T5 setzten die erfolgreiche Geschichte der VW-Umbauten fort. 2017 wurde der neue Westfalia Standort in Gotha in Betrieb genommen. Auf der Händlertagung 2017 stellte das Unternehmen den neuen Sven Hedin auf Basis des VW Crafter vor, der ab 2020 auf dem MAN TGE basieren wird.  Auf dem Caravan Salon 2019 präsentiert Westfalia die neue James Cook Baureihe, erstmals mit drei Dachvarianten: Als Classic mit dem Originalhochdach, als James Cook AD mit Aufstelldach und als James Cook HD mit einem GfK Hochdach.

Und im November 2019 konnte Westfalia seinen Mitarbeitern, Freunden und Fans ein bisschen vom Erfolg zurückgeben. Auf einer großen Jubiläumsfeier in Rheda-Wiedenbrück konnte die Westfalia-Führungsmannschaft Mitarbeiter der ersten (Reisemobil-) Stunden begrüßen und sich bei allen Mitarbeitern für den Erfolg bedanken.

Infos:  Zur Webseite von Westfalia


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Claus-Detlev Bues