Die Region Franche Comté begeistert mit der puren Natur, der landschaftlichen und kulinarischen Vielfalt und den freundlichen und hilfsbereiten Menschen. (Foto: Atout France)

Die Region Franche Comté begeistert mit der puren Natur, der landschaftlichen und kulinarischen Vielfalt und den freundlichen und hilfsbereiten Menschen. (Foto: Atout France)

Französisches Souvenir – Mit dem Reisemobil durch den Osten der Franche-Comte

Frankreich, Länder, Reise, Tourismus

Reise mit zwei Unbekannten, so könnte man die Aufgabe nennen, vor der die Redaktion des D.C.I. vor einiger Zeit stand und deren Lösung nicht nur erstaunlich einfach, sondern auch mit vielen Überraschungen verbunden war.  

Die erste Unbekannte in dieser Gleichung war das Reiseziel – der Osten der Franche-Comte. In dieser bemerkenswerten, aber im wahrsten Sinne des Wortes sehr oft links liegengelassenen Region im Departement Doubs bewegten wir uns hauptsächlich im Städtedreieck Montbeliard, Besancon und Pontarlier bis hinüber zur Schweizer Grenze. Die andere Unbekannte war die eigentlich schon seit Jahren totgesagte Reisemobilgattung des Alkovenfahrzeugs. Ja, es gibt sie noch die „fast vergessenen“ Familienkutschen, und wir wollen auch mit unserer Reportage eine Lanze für diese familienfreundlichen Reisemobile brechen. Auch wenn der „Nasenbär“ in der Vergangenheit einen kleinen Einbruch in der Beliebtheit hinnehmen musste, der Alkoven ist nicht tot. Er wird wiederkommen, denn für Familien – und das bestätigen aktuell alle großen Vermieter – scheint der Alkoven nach wie vor das ideale Urlaubsmobil zu sein. Gut, dass einige Hersteller in kluger Voraussicht weiter Alkovenmobile bauen und das Segment sogar mit neuen Mobilen weiterentwickeln.

Start  der Tour de France

Bei grauem, diesigen Wetter erreichen wir die französische Grenze bei Kehl und fahren anschließend weiter in Richtung Socheaux. Wir übernachten auf dem ruhigen Gemeinde-Campingplatz von Mandeure unweit von Montbéliard. Ein heftiges Unwetter mit stundenlangen Regengüssen und kaltem Wind von den Bergen vermiest uns den Abend unter der Markise. Am Morgen klart es auf, bei akzeptablem Wetter und halbwegs vernünftigen Temperaturen geht es weiter in Richtung Socheaux.

Im Zeichen des Löwen

Alles dreht sich heute um den Löwen in Socheaux. Die Peugeotstadt ist Hauptsitz des bekannten Autoherstellers, Stammsitz der Familie Peugeot und hat mit dem „Musée l´Aventure Peugeot“ ein modernes und attraktives Markenmuseum im touristischen Angebot. Auf einer Fläche von 8.000 Quadratmetern sind 200 Fahrzeuge und unzählige weitere Peugeot-Exponate ausgestellt, welche die gesamte Palette von Peugeot Produkten von 1890 bis heute darstellen. Der Automobilsport präsentiert auf einer 28 Meter langen Großbildleinwand und in einer spannenden Sonderausstellung von legendären Rennfahrzeugen eine Retrospektive der vielen Peugeot-Siege bis hin zu den 24 Stunden von Le Mans. Das sehenswerte Museum hat täglich von 10-18.00 Uhr geöffnet. Info: www.musee-peugeot.com.

Flüsse als Lebensader der Region

Viel Wasser durchfließt die gesamte Franche-Comté: Doubs und Loue ziehen auf Hunderten von Kilometern durch die Region, dazu kommen eine Vielzahl von natürlichen Wasserflächen oder Stauseen. Logisch, dass der Wassersport in jeglicher Form eine Dömane des touristischen Angebotes ist. Wo in anderen Wassersportzentren in der Hochsaison Trubel und Überfüllung herrscht, kann man in der Franche Comté ruhig, fast einsam Kanufahren oder ungestört Baden. Unbestrittener König der Gewässer ist der Doubs. Majestätisch, in unendlichen, kaum nachvollziehbaren Mäandern durchzieht der Doubs das gleichnamige Département und wird unser ständiger Begleiter auf der Tour. Als Lebensader galt der Fluss seit jeher zum Transport von Waren, Antrieb für Mühlen und Schmieden und natürlich auch als Nahrungsquelle. Und noch heute sorgen die fließenden und stehenden Gewässer für den Lebensunterhalt der Bewohner, der Wassersport-Tourismus ist eine wichtige Erwerbsquelle der Franche Comté.

Auf den Spuren von Courbet

„Um ein Land malen zu können, muss man es kennen. Ich kenne mein Land, und ich male es.“ So hat Gustave Courbet sein Schaffen beschrieben. Wir sind in Ornans an der Loue und überall in dem kleinen Ort stößt man auf Spuren des berühmten französischen Malers. Von ihm stammen zahlreiche berühmte Werke, darunter das im Musée d’Orsay im Paris ausgestellte Skandalbild „Ein Begräbnis in Ornans“. Die Werke sind zutiefst geprägt von seinen Ausflügen in das Herz der Franche-Comte. Die Häuser sind hier buchstäblich an’s Wasser gebaut und spiegeln sich nahtlos im klaren Wasser des Flüsschens.

Typische Kleinstädte der Franche Comté

Am nächsten Morgen sind wir unterwegs auf der schönsten Panoramastrecke der Franche Comté. Sie führt auf der D 67 von Ornans über Vuillafans, Lods, Mouthier-Haute-Pierre an die Quelle des Loue nach Ouhans. Diese Ortschaften haben sich zu einer Vereinigung „Typische Kleinstädte der Franche Comté“ zusammengeschlossen oder gehören zu den „Schönsten Dörfer Frankreichs“, weil sie sich durch eine charakteristische und für die ländliche Region typische Architektur auszeichnen. Mit Lods, das etwa zehn Kilometer von Ornans entfernt liegt, präsentiert sich eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Die Loue fließt hier durch ein enges Erosionstal von Südosten nach Nordwesten, das sich rund 400 Meter tief in die umgebenden Hochplateaus eingegraben hat. Von Osten mündet bei Lods eine tief eingeschnittene Talfurche, die den Fluss in mächtigen Stufen und Wehren durch den sehenswerten Ort brausen lässt. Wir genießen das Schauspiel der Loue, wollen aber die Quelle des Flusses bei Ouhans besuchen. Gerade heute, bei diffusem Licht und tiefhängenden Wolken, ist die Quelle ein magischer, wunderschöner und ruhiger Ort, wo das Wasser endlos aus der Tiefe der Erde heraus sprudelt.

Die Wurst-Republik von Papy Gaby

Wir wenden uns nun den kulinarischen Genüssen zu, von denen auch dieser Teil der Franche Comté reichlich zu bieten hat. Unser Alkovenmobil  folgt in den Bergen der Haute Doubs den Spuren der berühmten Morteau-Wurst. Pökelfleisch, Schinken und Räucherwurst haben eine lange Tradition im Franche Comté, galt es doch, die frischen Fleischwaren über die langen Monate der strengen Winter haltbar zu machen. Auf dem Weg durch das bergige Gelände, vorbei an den stattlichen Bauernhöfen der Region, fallen uns immer wieder die pyramidenförmigen Dachkamine aus Holz auf. Diese „Tuyé“ gehören zu den Räucherkammern im Inneren der Bauernhöfe und dienen der Konservierung von Fleischwaren. Auch wenn der Bauernhof einmal komplett eingeschneit war, konnten die Bewohner über den „Tuye“ als Notausgang das Haus verlassen.

Plötzlich das Schild: Achtung Grenze! Der Schlagbaum vor dem bekannten Hof in Gilley macht klar: Hier beginnt die Wurstrepublik, La république du Saugeais von Papy Gaby, dem wohl berühmtesten „Tuye“ im Franche Comté. Elf Dörfer, die sich der traditionellen Herstellung mit Pökeln und Räuchern der Morteau-Wurst und des Jambon fumé du Haut-Doubs-Schinken verschrieben haben, haben sich zu einer eigenen Wurstrepublik, mit Verfassung und selbst komponierter Nationalhymne zusammengeschlossen. Die folkloristische Eskapade von Metzgermeister Gaby hat aber auch ernste Hintergründe, denn nur mit vereinten Kräften konnte gegen EU-Interessen die traditionelle und sortenreine Produktion nach alten Rezepten geschützt werden. Klar, dass die eine oder andere Morteauwurst mit den typischen Holzstöckchen an den Enden als Vorrat in den Stauraum des Mobils wandert. Info: www.tuye-papygaby.com

Passion, Tradition, Präzision

Jetzt wird es aber Zeit, und zwar im wahrsten Sinn des Wortes. In Morteau erwartet uns das „Musée de l´Horlogerie“, welches den Besuchern die Geheimnisse und die Geschichte der Zeitmessung näher bringen möchte. In einem schmucken Gebäude aus dem 17. Jahrhundert verbirgt sich eine spektakuläre Sammlung rund um die Zeitmessung mit Werkzeugen, Automaten und Uhren aus allen Epochen in allen nur erdenklichen Formaten. Höhepunkt der Ausstellung ist sicher die raumhohe astronomische Uhr aus dem Jahr 1855, die neben einer mechanischen Weltzeituhr in einem kompletten Planetarium den Stand der Gestirne darstellt.

Der tiefe Fall

Villers le Lac liegt vor uns, nahe der Schweizer Grenze. Der Lac Chaillexon mit dem Doubs-Canyon ist unser nächstes Ziel. Mit einem für den See typischen solarbetriebenen Elektroboot werden wir fast geräuschlos über den See zum Wasserfall des Doubs chauffiert. Nachdem der See anfangs keine Außergewöhnlichkeiten erwarten ließ, finden wir uns plötzlich in einem tiefen Canyon mit mächtigen Felswänden wieder, gesäumt von einem dichten Wald. Sind wir in Kanada oder einem norwegischen Fjord gelandet? Der Kapitän erläutert uns die Geschichte der Region und wartet mit spannenden und humorvollen Anekdoten zum Doubs auf, der hier ein internationaler Grenzfluss ist. Denn mitten durch den Canyon verläuft die Grenze zur Schweiz. Ein Wanderweg führt zur Aussichtsplattform hoch über dem Doubs-Wasserfall. Okay, der Niagarafall ist was anderes, aber die 27 Meter, die der Doubs hier herabstürzt, machen bei normalem Wasserstand schon ordentlich was her, Radau und Gischt sind imposant.

Pontarlier und die Grüne Fee

Pontarlier ist die weltweite Hauptstadt des Absinth. Dieses hochprozentige Destillat aus Wermut, Anis, Fenchel und Kräutern ist das einzige Exportgut, – abgesehen vom Comté-Käse natürlich – das von dieser Region aus den Rest der Welt erobert hat. Der Absinth wird wegen seiner oft grünen Farbe auch „La fee verte“, die Grüne Fee genannt. Um die Jahrhundertwende soll es in der Gegend fünfundzwanzig Absinth-Destillerien und allein in Pontarlier mehr als einhundert Absinth-Bars gegeben haben. Es war nur ein kurzes Vergnügen, denn schon im Jahr 1915 hat die französische Regierung die Herstellung des hochprozentigen, auch in Pariser Künstlerkreisen äußerst beliebten Getränkes mit der Begründung verboten, es mache die Menschen verrückt. Das wollen wir genauer wissen und verabreden einen Besuch im „Musée Municipale“ von Pontarlier, dem örtlichen Absinth Museum. Und das ist wirklich sehenswert.

Wermut, Anis und Fenchel

Unser theoretische Wissen möchten wir in die Praxis umsetzen und besuchen danach die Destillerie Pernot. In der Destillerie sind jede Menge Flaschen Absinth für den Export vorbereitet. Mit Ziel Russland, Thailand oder USA zeugen die gefüllten Paletten von der Beliebtheit des Getränks auch in fernen Ländern. Die immer noch bestehende Angst der Menschen vor schweren Gesundheitsschäden ist unbegründet, der aktuelle Absinth ist bei kontrolliertem Genuss absolut ungefährlich, ihm werden sogar heilende Kräfte nachgesagt.

Was wir natürlich ausprobieren: Die Absinth-Zeremonie mit stilvoller Karaffe, den speziellen Löffeln und Gläsern ähnelt – und jetzt handle ich mir wohl bei Absinth-Fans ordentlich Prügel ein – der berühmten Feuerzangenbowle. Denn wenn die „Grüne Fee“ zum Leben erweckt werden soll, darf eine stilvolle Prozedur nicht fehlen. Nur damit wird der Absinth-Fee die gebührende Ehre zuteil, während frisches Quellwasser langsam und bedächtig über einen Zuckerwürfel auf den hochprozentige Geist im Glas tropft.

Glückliche Kühe – leckerer Comté-Käse

Wo Fruitiere draufsteht, ist in der Franche-Comté Käse drin. Der etwas irreführende Name rührt keineswegs von einem Fruchthandel, vielmehr ist es ein Ort, an dem die Früchte des Bodens weiterverarbeitet werden. Käse steht in allen Variationen auf den Speisekarten der örtlichen Gastronomie. Das traditionelle Käsefondue und Raclette werden meist mit Comté zubereitet. Ein Höhepunkt im Winter ist der „Schachtelkäse”, der Mont d’or, der nur zwischen Mitte August und Ende März hergestellt werden darf. Der kräftige Weichkäse reift auf einem Fichtenbrett und vollendet seine Reifezeit in einer Holzschachtel. Ebenfalls ein Produkt der Region: Morbier, ein weicher Bergkäse aus Rohmilch, zu erkennen an der Ascheschicht.

 Bergetappe zum Käse-Fort

Stocknüchtern, aber mit ordentlich Comté Käse im Kühlschrank geht die Fahrt hinauf in die Berge des Jura, unser Ziel zwischen Malbuisson und Metabief liegt auf knapp 1.200 Meter. Es wird frisch hier oben, Wind und Regen pfeifen um unser Reisemobil, als wir im Fort de Saint-Antoine ankommen. Das martialische Fort ist ein tolles Beispiel für die friedliche und feinschmeckerische Umwidmung eines militärischen Bauwerks nach dem Motto der Friedensbewegung –  Schwerter zu Käselaiben! Das Fort wurde Ende des 19. Jahrhunderts für eine Garnison von 400 Soldaten errichtet, aber nie für Kriegszwecke genutzt. 1966 entdeckte der Käsemeister Marcel Petite den Wert des leer stehenden Forts und erwarb es als Käselager. Eine wahre Kathedrale aus Stein, denn heute sind in seinen Gängen, Kellern, Verließen und unterirdischen Bollwerken 65.000 Laibe Comté-Käse untergebracht, die 18 Monate und länger unter idealen Bedingungen geduldig reifen.

Luftiges Gefängnis – Château de Joux

Heinrich von Kleist hatte sehr schlechte Erinnerungen an das mächtige Château de Joux unweit von Pontarlier, war er doch dort 1807 als vermeintlicher preußischer Spion vier Wochen inhaftiert. Das Château stammt im Kern aus dem 11. Jahrhundert, hat fünf aufeinanderfolgende Festungsmauern und wurde vom Herrschergeschlecht der Joux erbaut. Nachdem die strategische Bedeutung der Festung immer weiter abnahm, wurde die Burg hauptsächlich als Gefängnis genutzt. Die Festung kann heute in halbstündlich stattfindenden Führungen besichtigt werden und beherbergt ein kleines Museum mit militärischen Utensilien der französischen Armee aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Info: www.chateaudejoux.com.

Fazit:

Auf unserer Reise durch die Franche Comté sind wir von der puren Natur, der landschaftlichen und kulinarischen Vielfalt und den freundlichen und hilfsbereiten Menschen begeistert. Die Infrastruktur für Reisemobile hat sich seit einigen Jahren deutlich verbessert, viele Stellplätze und attraktive Campingplätze sind dazugekommen. Wer die französische Franche-Comté bereist, sollte sich möglichst vorab mit der Geschichte und der Gegenwart dieses französischen Departement vertraut machen. Das Leben dort hat nichts mit mediterranem Dolce Vita oder mit großstädtischem Glamour zu tun, hier geht es um das Überleben in einer Landschaft und in einem Klima, das den Menschen nicht immer wohlgesonnen ist. Nur so erschließen sich dem Besucher dieser einmaligen Region im wilden Osten Frankreichs nicht nur die vielen touristischen Attraktivitäten in der unberührten Natur wie Wassersport, Radfahren oder Wandern, sondern auch die kulinarischen Genüsse, die den besonderen Charme dieser Gegend ausmachen.

INFO Franche Comté
Kontaktadressen:
Atout France - Französische Zentrale für Tourismus
Zeppelinallee 37
D-60325 Frankfurt/Main
Tel. 069/74550
E-mail: info.de@atout-france.fr
www.atout-france.de

Comité Regional Du Tourisme Franche Comté
4, rue Gabriel Plançon
F-25000 Besançon
Tel. +333/81250808
E-mail: info@franche-comte.org
www.franche-comte.org

Hans-Christian Bues

Hans-Christian Bues

Hans-Christian Bues, geboren in Bad Harzburg, lebt und arbeitet als Journalist, Reiseschriftsteller und freier Autor in Königswinter am Rhein. Für seine Reportagen, Reiseerzählungen und Abenteuerromane war er neben dem kanadischen Yukon Gebiet in Alaska, Amerika, Asien, Australien, Russland und vielen anderen Länder der Welt unterwegs. Er ist ein langjähriger und erfahrener Reisemobilist, schreibt regelmäßig Fahrzeugtests und betreut für das D.C.I den Bereich Freizeit, Reise und Touristik.
Hans-Christian Bues