Ramon van Reine ist Direktor von ACSI, einem der größten Camping-Spezialisten in Europa. (Foto: det)

Ramon van Reine ist Direktor von ACSI, einem der größten Camping-Spezialisten in Europa. (Foto: det)

Im Gespräch – Mister Camping Niederlande – ACSI-Direktor Ramon van Reine

Camping, Menschen, Niederlande, Personalie

Der europäische Campingmarkt ist gut in Form, aber stark im Wandel. Als Stichworte gelten beispielsweise die Themen Digitalisierung und neue, junge Urlauber, die als Einsteiger die Urlaubsform Camping entdecken. Der niederländische Camping-Spezialist ACSI ist seit über 50 Jahren erfolgreich am europäischen Campingmarkt mit Camping- und Stellplatzführern, Campingcard, Apps und umfassendem Service tätig. D.C.I. hat ACSI-Direktor Ramon van Reine zu den Entwicklungen am Campingmarkt befragt.

 

Frage: Herr van Reine, der Campingmarkt in Europa ist stark im Wandel. Neue Kundengruppe, die junge Camper-Generation und Themen wie Glamping oder Digitalisierung bringen große Veränderungen. Die Verweildauer auf den Plätzen nimmt ab, junge Kunden sind mobiler und flexibler und verlangen Komfort und bessere technische Ausrüstung der Plätze. Was kann ACSI als einer der großen europäischen Camping-Spezialisten da für die Camping-Branche tun?

Ramon van Reine sieht große Herausforderungen auf den europäischen Campingmarkt zukommen. (Foto: det)
Ramon van Reine sieht große Herausforderungen auf den europäischen Campingmarkt zukommen. (Foto: det)

Antwort: Die Stärke von ACSI ist, dass wir intermedial zwischen der (Camping)Branche und dem europäischen Camper sind. Jedes Jahr besuchen wir mit etwa 340 Inspektoren um die 10.000 Campingplätze, haben etwa 20 Millionen Besucher auf unseren Webseiten, haben Apps, Führer und Magazine. Daher sind wir aktuell im Markt gut aufgestellt und auf der Höhe. Wir sehen auch, dass Jüngere sich weniger für einen Campingurlaub entscheiden als früher. Darum hat ACSI mit Start2Camp angefangen, womit wir junge Paare für einen Campingurlaub inspirieren möchten. Zudem wollen wir den Campingurlaub für Jung und Alt auch einfacher machen. Deswegen sind ab diesem Jahr immer mehr Campingplätze in unseren Apps, auf Eurocamping.eu und Campingcard.com buchbar. Suchen, Buchen, Abrechnen. Der Camper von heute erwartet, dass es ihm leicht und bequem gemacht wird.

Frage: Sie haben in einem Vortrag auf der Freizeitmesse in Gorinchem auf die Veränderungen im Camping aufmerksam gemacht. Wie sollten die Camping- und Stellplatzbesitzer Ihrer Meinung nach auf die geänderte Bedingungen und die neue Kundschaft reagieren, was muss schnell und dringend an den Plätzen geändert werden?

Antwort: Das Entscheidende ist doch, dass der Campingplatzbetreiber seine Kunden und die Stärke seines Betriebs gut kennt. Dann kann er selbst wählen, wobei wichtig ist, dass er die dann aber auch hervorhebt. Platzbetreiber, die klar eine Wahl getroffen haben, haben einen Fokus und ein erkennbares Profil. Campingplätze, die ‘alles und jeden’ bedienen wollen, finden mühsamer die richtige Zielgruppe, vor allem wenn der Camping nicht an einem Top-Standort oder Urlaubsziel liegt. Man muss dafür sorgen, dass in sämtlicher Kommunikation auch die richtige Zielgruppe erreicht wird. Hierbei kann ACSI unterstützen.

Viele neue Kunden und Einsteiger in das Camping verändern den Campingmarkt, so Ramon van Reine. (Foto: det)
Viele neue Kunden und Einsteiger in das Camping verändern den Campingmarkt, so Ramon van Reine. (Foto: det)

Frage: Wie reagiert ACSI selbst auf die Veränderungen im Markt Stichwort Glamping, neue Kundschaft auf den Plätzen oder zunehmende Digitalisierung fordern von ACSI neue Lösungen und Angebote. Wie stellt sich ACSI da auf?

Antwort: ACSI beobachtet immer, welche (Ver)Änderungen relevant genug sind, um sie mitzunehmen. Glamping wurde zum Schlagwort, als der Trend vorbei war. Und es wurde auch inflationär benutzt. Es handelt sich hier um ein anglophiles Kofferwort aus Glamour und Camping. Das muss man dann aber auch wahrmachen. Unter unserer Marke Suncamp Holidays bieten wir über unsere Sunlodges Glamping an. Diese Marke bietet mit Abenteuer-Lodgezelten (thematisiert) und Luxus-Mobilheimen ein Komforterlebnis: gute Betten mit luxuriöser Bettwäsche, solidem Holzmobiliar, Liegen, ansprechendes Qualitätssanitär und einer reichen Ausstattung (immer mit Klima-Anlage und meist mit Spülmaschine).

Seit dem Aufkommen des iPhones und iPads hat auf der ganzen Welt die Digitalisierung im Turbogang Einzug gehalten. Mobiles Internet hat das “stationäre” Internet schon seit einer geraumen Zeit überholt und die Abschaffung der Roamingkosten in der EU wird das nur noch weiter forcieren. Darum sind die ACSI-Webseiten schon seit Jahren responsive (mobiltauglich) und unsere Apps für Smartphone oder Tablet deswegen ideal für unterwegs, um die Suche und das Finden des richtigen Campingplatzes zu erleichtern. Das stellt nicht nur andere Anforderungen an unser internes System zur Datensammlung, sondern viel wichtiger noch, fordert andere Informationen als beispielsweise an einen Print-Führer. Das gelingt uns immer besser und der Online-Besuch sowie der App-Verkauf wächst jährlich sensationell. Dadurch bedienen wir den Camper, seinen Wünschen entsprechend, mit den richtigen Informationen am richtigen Ort mit dem richtigen Gerät.

Frage: Barrierefreie Angebote im Campingbereich sind eine wichtige Zielgruppe. Mit großen Aufwand wurde EU-weit die Campingbranche zu barrierefreien Angeboten rechtlich verdonnert. Gibt es jetzt ein flächendeckendes Angebot, wird es genutzt? Hat ACSI da ein spezielles Angebot im Programm?

Der niederländische Camping-Spezialist ACSI hat sich auf den sich wandelnenden Campingmarkt mit einer Service-Inititative und neuen Produkten eingestellt. (Foto: det)
Der niederländische Camping-Spezialist ACSI hat sich auf den sich wandelnden Campingmarkt mit einer Service-Inititative und neuen Produkten eingestellt. (Foto: det)

Antwort: Wir waren der erste Herausgeber, der sich ernsthaft für behinderte und eingeschränkte Camper eingesetzt hat, mit Daten über die passenden Plätze zu versorgen. Unsere Kriterien hatten wir seinerzeit mit dem Niederländischen Behindertenrat zusammengefasst. Und ja, inzwischen bieten fast alle großen europäischen Campingplätze gute Ausstattungen für diese Zielgruppe an. Unser Rückschluss ist allerdings auch, dass in Anbetracht der EU-Subventionen davon kaum Gebrauch gemacht wird, was man durchaus als dramatisch bezeichnen darf. Dennoch werden wir die Anlagen für diese recht kleine Zielgruppe weiter inspizieren und publizieren.

Frage: ACSI schickt jedes Jahr über 340 Inspekteure auf mehr als 10.000 Campingplätze in ganz Europa, um die Qualität zu erkunden und zu sichern. Was wird für die Qualität der Inspektoren bei ACSI getan?

Antwort: Jedes Jahr haben wir sehr viele Bewerbungen für die Funktion eines Inspektors. Wir sind daher in dem Luxus, eine gute Auswahl unter den Inspektoren/Anwärtern zu haben. Danach bekommen sie ein ausführliches Training darüber, was wir unter Qualität verstehen, wie die Rolle eines Inspektors auszufüllen ist: Immerhin sind sie unsere Visitenkarte auf dem Platz, aber auch Gast bei dem Platzinhaber. Neben dem Vorhandensein von Ausstattungen, achten sie auf Qualität der Dienstleistungen und beurteilen einen Campingplatz aus der Gästeperspektive. Mit anderen Worten: Für wen wäre dieser Camping geeignet.

Frage: ACSI beruht ja auf dem Zwei-Säulenmodell Publishing und Tour-Operating. Wie sieht die mittelfristige Zukunfts-Strategie bei ACSI aus. Sind neue Märkte und neue Produkte im Visier?

Antwort: Beide Modelle sind unterschiedlich, haben dennoch viele Überschneidungen. Soll heißen: Basis ist ein guter Campingplatz, auf dem der Gast einen guten Urlaub verbringt. Daraus ergibt sich, wie wir den Platz dem Gast gegenüber promoten können. Das kann über einen Führer gehen, unsere Webseiten oder unser Ermäßigungsprogramm Camping Card. Das sind meist Camper, die gerne selbst ihren Urlaub organisieren. Gäste, die lieber Luxus und Komfort mögen, lassen sich ihren Urlaub über uns regeln. Diese Basis wird sich nicht verändern, aber das Wie, also wie wir in Kontakt kommen schon. Wie eben gesagt, dass Gäste die ihren Urlaub gerne selbst regeln, inzwischen auch direkt online buchen wollen, wenn sie den Campingplatz auf eurocampings.eu gefunden haben. Deswegen sind wir seit 2017 auch als Buchungsportal aktiv.

Print-Produkte wie Camping- und Stellplatzführer sind ein wichtiges Standbein im Programm von ACSI. (Foto: det)
Print-Produkte wie Camping- und Stellplatzführer sind ein wichtiges Standbein im Programm von ACSI. (Foto: det)

Selbstverständlich sind wir auch bei Veränderungen nicht blind. Das Reisemobil ist schon seit Jahren in ganz Europa auf dem Vormarsch. Campingplätze und Behörden kämpfen manchmal noch mit dieser Zielgruppe, aber sicher ist: Sie sind da und man muss gut beobachten, wie man diese Gruppe bedient. ACSI macht das natürlich auch.

Frage: Was macht ACSI, um Einsteiger und die junge Generation vom Thema Camping zu begeistern? Stichwort Start to Camp, Kunden-Profiling oder Praxis Videos?

Antwort: Start2Camp ist eine Initiative von uns, neue Camper zu finden. Für uns ist das eine Investition. Für uns selber und auch die ganze Branche. Hiermit erreichen wir neue potentielle Camper, die wir auf die Reise schicken, selbst wenn sie keine eigene Ausrüstung haben. Zunächst hatten wir angefangen eine Campingausrüstung gratis bereitzustellen, wenn der Camper dann einen Blog über seine Erfahrung für Start2camp schreiben will. Jetzt machen wir das inzwischen über Decathlon (* Anmerkung der Redaktion: niederländische Camping-Fachhandelskette), wo man die Sachen abholen und wieder abgeben kann.

Wir inspirieren natürlich schon mit tollen Videos. Vor Kurzem erst gab es die ACSI FreeLife TestTour mit vier Paaren, mit Kfz und Caravan, die ihre Erfahrung auf einer Reise ins Piemont teilten. Ein Kamerateam war dabei und wir haben das online geteilt über Social Media und Newsletter. Ein fantastisches Projekt mit der Erwin Hymer Group, Fiat Chrysler Automobiles und der Regio Piemont. Die pure Reklame für Camping.

Frage: Plant ACSI den Einstieg in den Servicebereich, wie etwa Reise- oder Fahrzeugversicherungen?

Antwort: ACSI ist schon seit Jahren mit einem einmaligen Produkt aktiv: Einer Caravan-Reiseversicherung, einer interessanten Kombi aus zwei Versicherungen in einem. Abgestimmt auf den Camper. Natürlich schmeckt das nach mehr. Wir werden immer weiterhin nach interessanten Bereicherungen für unser Angebot suchen, immer die Wünsche der Zielgruppe im Blick haben.

ACSI vertreibt seit über 50 Jahren Campingführer und Reiseinformationen. Aktuell sind eine beachtliche Reihe von Apps dazugekommen. (Foto: det)
ACSI vertreibt seit über 50 Jahren Campingführer und Reiseinformationen. Aktuell sind eine beachtliche Reihe von Apps dazugekommen. (Foto: det)

Frage: Was ist speziell für den Deutschen Markt noch geplant?

Antwort: ACSI hat 2017 ordentlich in ein aus deutschen Mitarbeiten bestehendes Content-Team investiert, das die Qualität der deutschen Berichterstattung und Texte auf ein höheres Niveau bringen soll. Wir arbeiten auch immer enger mit deutschen Bloggern zusammen, die sich sehr gut im Campingmarkt auskennen und freuen uns auf deren Expertise, tolle Berichte und Erfahrungen. ACSI wird immer deutscher, denn viele unserer Kunden kommen ja aus diesem Sprachraum. Und gleich noch was Neues hinterher: ACSI kommt 2018 mit einem neuen CampingCard & Stellplatzführer und entsprechenden App, die voll an den Reisemobilfahrer gerichtet ist. Ein Wunsch, den es besonders von deutschen Kunden eigentlich schon immer bei ACSI gegeben hatte.

Herr van Reine, vielen Dank für das informative Gespräch.

Das Interview führte D.C.I.-Chefredakteur Claus-Detlev Bues.

Vita Ramon van Reine
Zur Person
Ramon van Reine, geboren 1961, ist Unternehmer, geschäftsführender Direktor und Inhaber der Fa. ACSI Holding BV in Andelst/Niederlande. Er führt seit 1997 die Firma seines verstorbenen Vaters fort und machte sie zum führenden Campingspezialisten in Europa, die 1964 gegründet wurde und 1965 den ersten Campingführer herausbrachte. Er ist leidenschaftlicher Camper von Kindesbeinen an und war bis vor 17 Jahren als Vielseitigkeitsreiter im niederländischen Team. Ramon van Reine ist verheiratet und hat zwei Söhne.
Info ACSI
Campen mit ACSI ist seit über 52 Jahren ein Begriff. 1965 begann Europas Campingspezialist unter der inspirierenden Leitung von Ed van Reine, Vater des heutigen Direktors Ramon van Reine.

Heute kann man seinen Campingurlaub nach eigenen Wünschen planen. Das war allerdings 1965 noch nicht so selbstverständlich.

ACSI beschloss damals den Campern einen Überblick der beliebtesten Campingplätze anzubieten, damit die Campingfreunde nach einer langen Fahrt und guten Mutes nicht etwa vor verschlossenen Toren landeten.

Die erste Ausgabe des ACSI Campingführers umfasste 55 Campingplätze und wurde zum Preis von einem Gulden verkauft. Darauf folgte ein zweiter, verbesserter Campingführer und das dritte Exemplar, mit mittlerweile 250 Campingplätzen war bereits eine gebundene Ausgabe.

Es stellte sich dann sehr schnell heraus, dass die kleine, begeisterte Gruppe von ACSI Mitarbeitern nicht in der Lage war, alle Campingplätze zu besuchen. Die logische Konsequenz daraus war, dass ACSI die ersten Inspektoren anwerben musste, deren Aufgabe darin bestand, zunächst nur geeignete Campingplätze auszusuchen.

Der ACSI Campingführer war bereits von Beginn an beim Publikum beliebt, unter anderem durch ACSI’s Teilnahme an Tourismus- und Campingmessen. Campingplätze ersuchten ACSI, gegen Bezahlung, zusätzlichen Text und Fotos im Campingführer zu schalten. Der Campingführer wurde ein Begriff unter Campern.

Infos: Zur Webseite von ACSI

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur im Bereich Caravaning tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues