Die kompakte und unkonventionelle Baureihe Brevio von Bürstner soll eine echte Alternative zum Kastenwagenmobil sein. (Foto: det)

Die kompakte und unkonventionelle Baureihe Brevio von Bürstner soll eine echte Alternative zum Kastenwagenmobil sein. (Foto: det)

Praxis-Test Reisemobil – Bürstner Brevio t 641

Bürstner, Erwin Hymer Group, Fahrzeugtest

Bürstner aus dem badischen Kehl hat mit seiner Kompaktbaureihe Brevio eine direkte Alternative zum Kastenwagen geschaffen. Alfred Alkoven hat sich den einst als „Kastenwagenkiller“ bezeichneten Teilintegrierten im Praxis-Test angeschaut.

Von außen fällt beim Brevio sofort die schicke Fiat-Front mit dem schlanken Aufbau dahinter auf. Unverkennbar ist das, trotz original Fiat Schnauze, typische Bürstner Markengesicht. Die flache Mütze über dem Fahrerhaus und der schmale Übergang zur Kabine sorgen für gute Optik. Zumindest von vorne betrachtet, denn nach hinten endet der Aufbau – den Brevio Fähigkeiten geschuldet – in einem winkligen Kasten.

Der Brevio t 641 sieht mit der strahlend weißen Grundfarbe, seinen hellen Stoßfängern und Seitenschürzen und den schwungvollen Dekor-Applikationen in grau rot rundum schick aus. Der guten Optik steht das Fahrverhalten in Nichts nach.

Der Wagen lässt sich in allen Fahrsituationen jederzeit einwandfrei und sicher beherrschen, ist echt agil und hängt gut am Gas. Dank der 148 Turbo-PS des Fiat sind sogar Tachogeschwindigkeiten bis fast 170 km/h möglich. Das reißt noch nicht mal große Löcher in die Brieftasche, denn der unter Testbedingungen gemessene Durchschnittsverbrauch von knappen neun Litern Diesel auf 100 km ist für das nur 2,10 Meter schmale und 2,75 Meter hohe Kompaktfahrzeug als sehr günstig anzusehen.

Im privaten Urlaubsmodus gefahren, lassen sich sogar durchschnittlich Verbräuche von unter acht Litern auf 100 km realisieren. Hier kann der Brevio mit jedem Kastenwagen mithalten.

Die Brevio Spezialität

Die große nach oben schwenkende Heckklappe ist das Markenzeichen der Brevio Baureihe. Hinter der mit Gasdruckdämpfern oben gehaltenen, fast 1,6 Meter breiten Klappe verbirgt sich der Laderaum des Brevio. Von hinten betrachtet steht an der linken Seite eine Möbelzeile mit Schrankfächern und Schubladen.

Dieses Möbel lässt sich nicht herausnehmen, da dort auch der Gaskasten integriert wurde. Aber die Schrankzeile gegenüber kann komplett herausgenommen werden und erweitert so den Laderaum beträchtlich. An im Boden eingelassenen Zurrösen können dann Schlauchboot, Fahrräder und andere sperrige Campingutensilien befestigt werden.

Aber auch der Einkauf im Baumarkt oder die Beute des Flohmarktbesuchs können hier locker unterbegracht werden. Hier ist der Brevio den meisten Kastenwagen überlegen, denn es muss kein Bett umgebaut werden. Sein manuell absenkbares Hubbett mit den stattlichen Maßen von 1,90 mal 1,87/1,83 Meter kann in verschiedenen Höhen arretiert und bei hohem Platzbedarf im Gepäckraum bis an die Decke hoch geschoben werden.

Wohnraum für zwei

Zwischen Bett und Sitzbank hat Bürstner auf der linken Fahrzeugseite das kompakte Bad platziert. Es bietet genügend Bewegungsraum, eine Thetford Drehtoilette mit schwenkbarem Waschbecken darüber und eine integrierte Dusche mit Vorhang. Ein Fenster gibt es nicht, dafür sorgt die Dachhaube für Licht und Luft im Bad. Die Badezimmerwand ist die Rückwand für die senkrecht stehende und dadurch ungemütliche Rückenlehne der Zweiersitzbank.

Komfortabler sitzt man auf den drehbaren Fahrerhaussitzen, der kleine, an der Wand befestigte Tisch kann erweitert werden. Ein kompakter Notsitz kann für den Kurzbesucher im Eingangsbereich der Aufbautür aus der Wand geklappt werden.

Die Brevio Kompaktküche ist einfach ausgestattet, hat aber alles, was der Chefkoch braucht. Ein kleiner Klapptisch, der in den Türeinstieg hineinschwenkt, erweitert die Ablagefläche. Der Zweiflammkocher arbeitet mit einer elektrischen Zündung und der bodentiefe Kühlschrank umfasst 104 Liter Raumvolumen.

Gutes Handwerk

Der Bürstner Brevio t 641 zeigt die ganze Erfahrung, die der Hersteller in fast 30 jährigem Reisemobilbau erworben hat. Die Möbel sind zwar stabil und gut verarbeitet, entwickeln aber dennoch während der Fahrt manchmal ein geräuschvolles Eigenleben.

Gerundete Schrankklappen oder Gardinen und Stores sucht man vergebens. Hier hat der Rotstift bei der Preiskalkulation gewonnen. Funktionalität ist eben Trumpf. Die Technik ist einwandfrei. Die Anlagen für Strom, Gas, Wasser und Heizung sind gut und sicher gebaut und erfüllen alle Prüfstandards.

Fazit

Der Bürstner Brevio t 641 verbindet die Vorteile eines handlichen und geräumigen Kastenwagens mit den Vorteilen eines winterfesten Aufbaumobils. Der praxisgerechte Alltagseinsatz steht im Mittelpunkt des Bürstner Brevio-Konzepts. Für die angepeilte Zielgruppe stehen Luxus und Wohnkomfort nicht an an erster Stelle, der Preis ist ein gewichtiges Argument. Mit einem Grundpreis von 48.990,- Euro in der Einstiegsmotorisierung liegt der Brevio t 641 da richtig.

 

TECHNIK KOMPASSBürstner Brevio t 641
BASISFAHRZEUG
BasisFiat Ducato 35, Serien-Tiefrahmen mit Breitspurfahrwerk
MotorSerie 2,3 l-Multijet 130, 2.287 ccm, 96 kW / 130 PS, Euro 5+ (ab 2017 Serie Multijet2 130 Euro 6) Testwagen Multijet 150 4.110,- Euro
AntriebSechsgang-Schaltgetriebe, Frontantrieb
SicherheitssystemeABS, ASR, Airbags, ESP
Testverbrauch8,9 l/100 km
MASSE UND GEWICHTE
Techn zul. Gesamtmasse3.500 kg
Masse in fahrb. Zustand2.740 kg
Zuladung760 kg
Abmessungen L x B x H6.530 x 2.100 x 2.750 mm
Bettenmaße L x BHeck- Hubbett längs 1.870 x 1.830-1.910 mm
Notbett (Option) 1.500 x 1.000 mm
Sitz- / Schlafplätze4/2 (3 - Option Notbett)
Innenhöhe1.950 mm
Frisch- / Abwasser Tanks100 l innen / 90 l unterflur
WasseranlageWasseranlage Schläuche mit Druckpumpe
Bord-Akku / Typ90 Ah / AGM
Gasvorrat2 x 11 kg Flaschen
HeizungGas-Gebläseheizung Truma Combi 4 mit CP-Plus Bedienteil
PREISE
Grundpreisab 48.280,- Euro
Serienausstattung (Auszug)Fahrer-Beifahrerairbag, Klimaanlage Fahrerhaus, Panoramadachfenster, Truma Combi 4, Kühlschrank Absorber Automatic 145 Liter
Sonderausstattung TestfahrzeugAufpreis Multijet 150 4.110,- Euro, Lederpolsterung Havanna Wave 1.699,- Euro, Sat-Anlage Oyster 2.970,- Euro, Klappstützen im Heck, Aufbautür Hartal mit Fenster 950,- Euro, Fenster Heckklappe 450,- Euro, Skyroof 549,- Euro, Navi mit Radio-Rückfahrkamera 1.290,- Euro, Fahrradhalter schwenkbar, Design-Paket 2.610,- Euro und Chassis-Paket 2.110,- Euro
Preis Testfahrzeug66.742,- Euro
HERSTELLER / VERTRIEBBürstner GmbH
Weststraße 33
D-77694 Kehl
www.buerstner.com
Eigenes Händlernetz
TECHNIK IM DETAIL
Fahrgestell / Aufbau
Original Fiat Tiefrahmenchassis, Seitenwände und Dach in Alu-Sandwichbauweise mit XPS-Schaum, 30 mm, GfK-Unterboden 42 mm, Dachstärke 30 mm, 4 vorgehängte Ausstell-Isolierfenster, GfK-Heckklappe mit Teleskopaufstellern, 1 Panoramadachfenster, 3 Dachluken, 1 Dachlüfter
Wohnen
Möbeldekor: Ambra Rio, Polster Leder Havanna Wave, Sitzgruppe mit zwei drehbaren Vordersitzen, zwei Einzelsitzen und Seitensitz, verschiebbarer Einhängetisch mit Verbreiterung, 2 Hängeschränke links, Längsküche rechts, raumhoher Kleiderschrank, Hubbett im Heck. elektrische Trittstufe, Heizung Truma Combi 4 mit 10 l Warmwasser, Gasvorrat: 2 x 11 kg
Kochen
Längs-Küchenblock rechts, zweiflammiger Herd mit Glasabdeckung und Piezozündung, Edelstahl-Rundspüle mit Glasabdeckung, Kocher Edelstahl-Gaskocher zweiflammig mit Glasabdeckung, mit Piezo-Zündung, 104 Liter Kühlschrank untergebaut im Küchenblock, zwei Hängeschränke, Unterschrank mit Besteckschublade und Schrank.
Sanitär
Sanitärraum links, Kunststoff-Waschbecken drehbar, ein Spiegel, Hängeschrank, Unterschrank, Ablagefächer, integrierte Dusche mit Duschvorhang, Dachfenster, Druckwasseranlage, Thetford Cassetten Toilette
Schlafen
Hubbett im Heck, manuell bedienbar, längs angeordnet, mit Kaltschaummatratze und Lattenrost, ausziehbare zweistufige Trittstufe, Unterschränke mit Schubladen und Fächern rechts und links, zwei einstellbare LED-Spots, 230 Volt-Steckdose, 2 Hängeschränke

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues