Mit dem Flash 716 hat Chausson einen Teilintegrierten als Familienmobil entwickelt, der einen bemerkenswert innovativen Grundriss aufweist. (Foto: det)

Mit dem Flash 716 hat Chausson einen Teilintegrierten als Familienmobil entwickelt, der einen bemerkenswert innovativen Grundriss aufweist. (Foto: det)

Praxis-Test Reisemobil – Chausson Flash 716

Chausson, Fahrzeugtest, Wohnmobil

Mit zwei mutigen Grundriss-Innovationen, die diesen Namen auch verdienen, hat sich die Trigano-Tochter Chausson aus Frankreich auf dem vergangenen Caravan Salon in Düsseldorf präsentiert. Zentrale Rollen in den bemerkenswerten Fahrzeuglösungen spielen dabei die elektrischen Hubbetten. Wie man damit aus einem Teilintegrierten ein echtes Familienmobil zaubern kann, das soll der Flash 716 von Chausson beweisen, den wir uns mal in der Praxis angeschaut haben.

Basis der Gedankenspiele war sicherlich die Tatsache, daß man bei Trigano gut funktionierende und bequeme Hubbetten im Programm hat, die dem harten Womo-Alltag Stand halten können. In Sachen Hubbett hat man bei einigen Trigano-Marken in den letzten Jahren ordentlich Lehrgeld zahlen müssen, bis mit der aktuellen elektrischen, gurtbetriebenen Hubbettkonstruktion jetzt eine klapperfreie und stabile Version serienreif war. Diese Tatsache hat bei den Franzosen den Weg freigemacht, das Thema Hubbett noch einmal ganz neu zu denken.

Hochachtung und Chapeau, wie Chausson mit dem Flash 716 einen wirklich neuen Familien-Grundriss mit Hubbetten in einem teilintegrierten Fahrzeug der siebeneinhalb-Meter-Klasse umgesetzt hat. Die Idee ist bestechend: Keine festen Betten im Mobil, viel Platz und Bewegungsfreiheit durch freie Blickachsen ohne Oberschränke – und die Schlafgelegenheiten fallen von Himmel. Vorne als passables Hub-Doppelbett und hinten im Kinderzimmer als Hub-Etagenbett, das – elektrisch betrieben – tagsüber in der Decke verschwindet. Schauen wir uns die verschiedenen Lebensbereiche im Mobil mal im Detail an.

Der Heckbereich

Chausson hat in seinem bemerkenswerten Teilintegrierten alles an Zutaten verbraten, was in einem Familienmobil erwartet wird: Eine große Heckgarage, ein superpraktisches, mannshohes Separatfach für sperrige Güter mit eigener Tür und Klappfächern vor der Heckgarage rechts und ein großer Kleiderschrank fast über den gesamten Heckbereich, der hinter der zweiten Sitzgruppe angebracht ist. Die hinteren Etagenbetten, die tagsüber elektrisch unter die Decke fahren, machen darunter Platz für ein Kinderzimmer mit einer zweiten Sitzgruppe.

Der große, stabile Tisch im Heckbereich ist tagsüber schnell aufgeklappt, in den beiden Sitztruhen links und rechts kann jedes Kind all das einpacken, was unbedingt mit muss und während der Fahrt verschwinden soll. Hier hat der Nachwuchs sein eigenes kleines Reich, wo das Spiel, das Buch oder die Malstifte einfach auf dem Tisch liegen bleiben können, wenn zum Essen gerufen wird. Die Etagenbetten lassen sich ganz einfach per Kippschalter an der Küchenfront schnell, leise und präzise absenken, ohne daß dafür Umbaumaßnahmen erforderlich wären – außer natürlich den Tisch wegzuklappen.

Auch da hat man Chausson dazugelernt, waren die Betätigungsschalter doch früher immer direkt am Hubbett angebracht. Jetzt können die Hubbetten zentral bedient werden. Etwas unpraktisch vorne und hinten versteckt sind aber nach wie vor die Schüsselschalter, welche die Hubbetten gegen unbefugte Nutzung sichern, hier wäre auch eine zentrale Bedienung überlegenswert. Mit 1,90 Meter Länge und 67 bis 85 Zentimeter Breite bieten die Etagenbetten genügend Platz und Komfort für Kinder und gehen auch problemlos als Notbett für Erwachsene durch.

Der Sanitärbereich

An das Kinderabteil schließt sich der offenen Sanitärbereich mit getrennter Duschzelle und Wasch- und Toilettenraum an. Wird der Kinderbereich mal nicht benötigt, kann man aus dem Bad ein großzügiges Ankleidezimmer mit Zugang zum Kleider­- und Wäscheschrank kreieren. Ein langer Faltvorhang dient als Sichtschutz zum Sanitärabteil, das wiederum mit einer Schiebetür zur Küche abgeschlossen werden kann.

Der Waschraum selbst ist knapp bemessen, lebt aber in der Praxis vom offenen Konzept. Die lange Gliederschiebetür wird meist nur zum Toilettengang hin geschlossen, und dann hat man ein tolles Ankleidezimmer. Die Möblierung im Bad wirkt praktisch und schlicht, kann aber in Sachen Ausstattung und Materialanmutung durchaus überzeugen. Ein solides Waschbecken, Zahnputzbecher und Seifenschale aus Echtglas sind ebenso vorhanden, wie eine Klarglasdachhaube und eine klappbare Handtuchstange unter der Dachhaube.

Der Kleiderschrank – mit zwei geschickt verspiegelten Schiebetüren getrennt – liegt oberhalb der Heckgarage und ist riesig. Er nimmt fast die gesamte Fahrzeugbreite ein. Neben dem Hängeabteil mit Kleiderstange gibt es noch reichlich Regalfläche für Wäsche auf drei Ebenen.

Die Sitzgruppe – Eine Lounge

Die Sitzgruppe – Chausson spricht nicht ganz zu Unrecht von der Smart Louge – aus Fahrerhaussitzen, zwei Längsbänken und einer Dinettbank, zeigt sich mit ihren üppigen Ausmaßen und dank des erweiterbaren, freistehenden Tisches sehr familientauglich und macht einen gemütlichen Eindruck. Die gut gepolsterten Sitzbänke können mit wenigen Handgriffen zu einem komfortablen, weiteren Nachtlager umgebaut werden, wozu aber ein Ergänzungsteil mit auf die Fahrt gehen muss.

Pfiffig präsentiert sich die Lösung, während der Fahrt aus einem Teil der Sitzgruppe einen zusätzlichen Gurtplatz einzurichten, wenngleich der Komfort des “Notplatzes” für lange Strecken sicher nicht geeignet scheint. Der Verzicht auf Hängeschränke im Bugbereich kommt dem luftig­hellen Raumgefühl im Lounge-Bereich der Sitzgruppe zugute, das vordere Hubbett als Eltern-Schlafzimmer verschwindet tagsüber unter dem Dach und kann ohne große Umbauten elektrisch auf zwei Stufen fast bis zu den Sitzpolstern herabgelassen werden. Dadurch ist es völlig problemlos, in das bequem und komfortable ausgelegt Bett im Eltern-Schlfzimmer zu gelangen.

Die Küche

Die leicht angewinkelte Küchenzeile kann trotz ihrer kompakten Maße mit einer voller Ausstattung und ausreichendem Stauraum glänzen. Im Bereich des Küchenchefs finden sich auch die einzigen Oberschränke im Chausson. Zusammen mit dem zweiflügeligen Unterschrank wird ausreichend Platz für Lebensmittel und Kochuntensilien angeboten. Auf eine mehrköpfige Besatzung ausgelegt ist zudem der stattliche 167-Liter-Kühlschrank gegenüber der Küchenzeile, der zudem mit einem separate 29-Liter-Gefrierfach aufwarten kann.

Reisen mit dem Flash 716

Eine untadelige Basis stellt der Ford Transit für den Chausson dar. Ruhig, sparsam und durchzugstark geht der Kölner mit der 170 PS-Top-Motorisierung ans Werk und chauffiert den knapp 7,5 Meter langen Flash souverän durch den Verkehr. Der lange Überhang und – wie im Test – eine volle Heckgarage, heben den Fronttriebler schon manchmal vorne aus den Angeln und bescheren in besonderen Situationen, wie eine steile Berganfahrt, gelegentlich leicht durchdrehende Räder. Dennoch unser Resümee: Eine tolle, komfortable und sparsame Basis mit vorbildlicher Ausstattung und jederzeit beherrschbarem Handling.

Fazit: Mit dem Flash 716 ist es Chausson gelungen, einen Teilintegrierten mit einem wirklich innovativem Grundriss als praktikables Familienmobil zu etablieren. Einrichtung und Ausstattung sind komplett reisefertig, Qualität und Technik sind untadelig.

 

TECHNIK-KOMPASS Chausson Flash 716
BASISFAHRZEUG
Basis: Ford Transit 350 EL
Motor: Serie 2,0 l-TDCi, 1.995 ccm, 98 kW / 130 PS, Test 125 kW / 170 PS
Antrieb: Sechsgang manuelles Schaltgetriebe, Frontantrieb
Sicherheitssysteme: Airbags, ABS, ESP, Hillholder
Testverbrauch: 10,9  l/100 km laut Bordcomputer
 MASSE/GEWICHTE
Masse im fahrb. Zustand: 3.050 kg (gewogen)
Techn. zul. Gesamtmasse: 3.500 kg
Zuladung: 450 kg
Abmessung (L x B x H): 7.490 x  2.350 x 2.920 mm
Bettenmaße (L x B): Etagenbetten: 2 x 1.900 x 670-850 mm
Hubbett: 1.910 x 1.210-1.400 mm
Sitz- / Schlafplätze: 4 (Option 5) /4
 AUSSTATTUNG
Frisch-/Abwasser 120 l  / 100 l unterflur
Wasseranlage: Wasseranlage mit Druckpumpe, Automatikhähne, Telefonbrause
Bord-Akku / Typ: 95 Ah
Heizung / Boiler Kraftstoffbetriebene Luft-Gebläseheizung Eberspächer Airtronic 7, Truma-Boiler BG, 10 Liter
Gasvorrat: 2 x 11 kg
PREISE
Grundpreis: ab 50.490,- Euro
Sonderausstattung Testfahrzeug Motor 125 kW 1.500,- Euro, VIP-Paket 3.500,- Euro, Moskito-Tür 250,- Euro, Komfortmatratzen 250,- Euro, Markise 1.098,- Euro,  5. Sitzplatz homologiert 436,- Euro
Preis Testfahrzeug: 57.524,- Euro
HERSTELLER/VERTRIEB Trigano S.P.A. Chausson Deutschland
Koch Freizeitfahrzeuge, Stromstraße 8, D-25524 Itzehoe
Info: www.koch-freizeit-fahrzeuge.de
Eigenes Händlernetz
 GRUNDRISS

Grundriss Chausson Flash 716. (Grafik: Werk)
Grundriss Chausson Flash 716. (Grafik: Werk)

 

 TECHNIK IM DETAIL
 Fahrgestell / Aufbau
Ford-Flachrahmenchassis, Fahrer-Beifahrerairbag, ABS, ESP, Hill Holder, elektronische Wegfahrsperre, Schadstoffklasse Euro 6+
Aufbau: Sandwich GfK / XPS mit Holzverstärkung / innen foliertes Sperrholz, Unterboden: GfK-Sandwich, Isolierung Wand/Dach/Boden: 30 mm/25 mm/50 mm, 5 Rahmen Ausstell-Isolierfenster mit Mückengitter und Rollo, GfK-Dach mit reduzierter Hagelempfindlichkeit, 2 Dachhauben, 1 Panoramafenster (VIP-Paket), Gaskasten für 2 Flaschen mit 11 kg, Versorgungs- und Technik-Außenfach links, Heckgarage mit Heckklappe und raumhoher Klappe für sperrige Güter und Teilbereich mit Ablagen rechts, Markise, Vorzeltleuchte, elektrische Trittstufe
Wohnen
Sitzgruppe Smart Louge mit Halbdinette und Seitensitzbänken, klappbarer, höhenverstellbarer Mitteltisch auf Säulenfuß, Panoramafenster, 3 x Dreipunktgurte in Fahrtrichtung, Möbel-Dekor: Malaga, Polster: Flash Auckland, PVC-Bodenbelag hellgrau, Radio/TV-Vorbereitung, USB-Steckdosen mit 2,1 A, Kleiderschrank mit zwei Schiebetüren, Kleiderstange, Wäschefächern im Heck, 2. Sitzgruppe mit Klapptisch und Seitenbänken im Heck
Küche
Längs-Küchenblock gewinkelt, links, 3 Flammen-Herd mit Glasabdeckung, Edelstahl-Rundspüle, 167 Liter Absorber-Kühlschrank mit AES, 2 Schubladen mit Soft-Close, 1 Hängeschrank mit zwei Türen, 1 Unterschrank mit 1 Schublade und drei Fächern, LED Küchenbeleuchtung, Gewürzregal, diverse Ablagen, hochwertige Armaturen
Sanitär
Mit Schiebetür abtrennbares Raumbad mit separatem Dusch- und Toilettenraum, Waschraum mit Waschbecken, Automatik-Armatur und drehbarer Cassetten-Toilette, abtrennbar mit Lamellentür, 1 Spiegelschrank mit 2 Türen, Ablagen, Dachfenster mit klappbarem Handtuchhalter, separater Duschraum mit Armatur und Plexiglastür
Schlafen
Zwei Heck-Stockbetten als elektrische Hubbetten quer mit Lattenrosten, Kaltschaummatratzen, elektrisches Hubbett mit Lattenrost und Komfortmatratzen im Fond, Dinette zum weiteren Schlafplatz umbaubar

Bitte beachten: Mit dem Start des Videos stimmen Sie der Weiterleitung und der Übermittlung von Daten an YouTube zu.

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues