Praxis-Test Reisemobil – Dethleffs Globetrotter XL I 7850-2 EB

Dethleffs, Fahrzeugtest, Hersteller, Wohnmobil

Drei Achsen, vier Schlafplätze, fünf Sterne: Dethleffs präsentiert in der Globetrotter X-Reihe einen mächtigen Vollintegrierten der Extraklasse, der zur Saison 2018 innen und außen komplett überarbeitet wurde. D.C.I. hat sich den Reise-Riesen XL I 7850-2 EB genau angeschaut.

„Nicht ohne meine Familie“ sagte sich im Jahr 1931 der Bastler Arist Dethleffs und baute im Allgäu das erste „Wohnauto“. Heute, 86 Jahre später, zählt Dethleffs, eine der großen Marken unter dem Dach der Erwin Hymer Group (EHG), nicht nur zu den Pionieren der Branche, die sich seit über dreißig Jahren konsequent und erfolgreich mit dem Bau von Freizeit-Fahrzeugen beschäftigen, sondern Dethleffs darf mit Fug und Recht von sich behaupten, immer noch ein Freund der Familie zu sein. Wenn auf der Spitze der Allgäuer Modell-Pyramide das knapp neun Meter lange und bis zu 7.200 Kilo schwere Alkoven Modell Globetrotter XXL steht, dann darf sich direkt darunter der stattliche Dreiachs-Integrierte Globetrotter XL I einreihen.

Platz für die halbe Mannschaft

Von einem Gefährt dieser Größenordnung sollten aber nicht nur exquisite Fahr- und Manövriereigenschaften mit Hilfe von angemessener Motorisierung verlangt werden, auch der Wohn- und Lebensbereich der Passagiere sollte außergewöhnlichen Ansprüchen genügen. Schon der Einstieg in den Wohnraum überrascht: Eine extrabreite Wohnraumtür von 70 Zentimeter Breite mit einer elektrischen Zuziehhilfe sowie der tiefe Coupe-Einstieg trotz Doppelboden können rundweg überzeugen.

Und über Platzprobleme im Inneren des sauber gestylten und farblich kontrastreich gezeichneten Vollintegrierten braucht man sich auch bei einer Vierer-Besetzung keine größeren Gedanken zu machen. Hauptaugenmerk liegt naturgemäß auf der komfortablen Sitzgruppe, in die neben der L-Sitzbank die beiden gedrehten Vordersitze und eine Seitensitzbank mit einbezogen werden. Dadurch wird ausreichend Platz für eine halbe Fußballmannschaft geschaffen, die sich dort entweder den Anschiss vom Trainer anhören, oder einen Sieg standesgemäß feiern können.

Küche für Profis

Direkt im Anschluss an die Sitzmöglichkeiten kann sich der Koch seinen komfortablen Arbeitsbereich einrichten. Intuitiv ausgeleuchtet, ergonomisch korrekt angelegt und mit Steckdosen und Schaltern perfekt ausgerüstet, ist der Platz gegenüber der Eingangstür eigentlich alternativlos. Ein Drei-Flammenkocher mit Glasabdeckung, eine ebenfalls abgedeckte Edelstahl-Rundspüle mit hohem Auslaufhahn, drei außergewöhnlich voluminöse Schubladen, Auszüge, Apothekerschrank, vier Hochschränke, diverse Ablagen und, nicht zu vergessen, ein 145 Liter großer Kühlschrank mit Frosterfach dürften für ausreichende Material-Unterstützung für den Zubereiter der Mahlzeiten sorgen.

Von den diversen, technisch sauber gelösten Möglichkeiten, Flaschen für Essig und Öl, für Wein oder Spirituosen aufrecht und sicher im Küchenbereich zu transportieren, mal ganz zu schweigen. Besonders pfiffig: Neben der Spüle drei unterschiedliche Abfallbehälter für eine konsequente Mülltrennung an Bord. Wer in dieser Küche nichts Leckeres aus Töpfen und Pfannen auf den Tisch zaubern kann, der sollte diesen Raum wahrhaftig nur als Durchgang zu den dahinterliegen Räumlichkeiten nutzen.

Wo Waschen zu Wellness wird

Bei einem Tandemachser geht man schon optisch davon aus, dass Platz und Zuladung eigentlich ausreichend vorhanden sein müssten. Genau dieser Theorie entsprechend, ist das, in den meisten Reisemobilen oft nur als „Nasszelle“ titulierte Bad konstruiert worden. Der Sanitärbereich in einem Satz: Platz und Komfort wie zu Hause. Die völlig abtrennbare Dusche mit Holzgrätings und zwei Abläufen bietet Raum genug für ausgiebige Körperpflege.

Der gegenüber liegende Toilettenraum punktet mit einem vernünftig dimensionierten Waschbecken, einer schwenkbaren Toilette, Spiegelschrank, toller Beleuchtung und diversen Stau- und Ablagemöglichkeiten. Die rund drei Euro für ein paar stabile Handtuchhaken müssten eigentlich noch drin sein. Für Licht und Luft sorgen eine große Dachluke und das praktische Seitenfenster. Die pfiffige Türeinteilung erlaubt eine komplette Trennung des Sanitärbereichs sowohl vom achteren Schlafbereich, als auch vom vorderen Wohnteil.

Von Schränken und Betten

Raum ist in der kleinsten Hütte, so das alte Sprichwort. Umschreiben möchte man damit den ärgerlichen Umstand, dass man irgendwann irgendetwas immer irgendwohin verräumen muss, damit man entweder etwas wiederfindet, oder etwas Anderes neu dort deponieren kann. So „philosophisch“ muss man mit dem Platz im Globetrotter XL I auf keinen Fall umgehen. Sowohl die beleuchtete, mit zwei großen Klappen versehene Heckgarage, als auch die diversen Staumöglichkeiten im beheizten Doppelboden haben Anrecht auf bunte Fleißkärtchen.

Auch die neun großzügig dimensionierten Hängeschränke über der komfortablen Liegestatt im Heck, dazu zwei voluminöse Kleiderschränke, diverse Stauräume unter den Betten und  in den Trittstufen der Treppe lassen für die Positionierung von Kleidern, Jacken, Wäsche und anderen Utensilien im Schlafbereich keine Wünsche offen.

Die beiden Stofftaschen im Kopfbereich der Einzelbetten im Heck sind zwar ganz nett, aber für Bücher, Uhren, Smartphones oder andere wichtige Schlafzimmerutensilien wären stabile, seitliche Ablagen sicherlich eine gute Idee. Möglicherweise haben die Konstrukteure und Entwickler bei Dethleffs ganz bewusst auf diese Ablagen verzichtet, denn unter normalen Umständen verführen die komfortablen und perfekt abgestimmten Kaltschaummatratzen sowohl im Heckbett, als auch in dem elektrisch absenkbaren Hubbett dazu, sofort die Augen zu schließen, vom nächsten Urlaubstag zu träumen und tiefenentspannt zu schlafen.

Und wer lässt sich die geruhsame Nachtruhe verderben, nur weil das Öffnen und Schließen der Verdunkelung an der Frontscheibe und den Seitenfenstern etwas mühsam und gewöhnungsbedürftig ist. Dazu gehört auch die etwas seltsame Konstruktion und Verarbeitung des Staufachs mit Deckel an der nicht vorhandenen Beifahrertür.

Sicheres und komfortables Fahren

Der Vollintegrierte ist sicherlich kein Gefährt für enge Passstraßen, aber überall sonst entwickelt sich Fahrspaß pur durch das grundsolide Al-Ko-Breitspur-Tiefrahmen-Chassis. Ein wenig Übung und Fahrpraxis sollte schon vorausgesetzt werden, um mit dem 8,71 Meter langen, 2,33 Meter breiten und rund 5,5 Tonnen schweren Tandemachser auf den Straßen Europas unterwegs zu sein. Toll die optionalen SKA-Luftschwingsitze im Fahrerhaus, die echtes Trucker-Feeling aufkommen lassen und für bequemes Reisen auch auf längeren Strecken sorgen. Ein Übriges für die sichere Fahrt tun auch die feinen Busspiegel, die, oben angebracht eine prima Sicht nach hinten bieten.

Die gute Verarbeitungsqualität sorgt für eine erstaunlich ruhige Reise, der Möbelbau und die Inneneinrichtung zeigen sich klapper- und knarzfrei während der Fahrt. Auch die Alde Warmwasserheizung bringt durch eine optimale Verlegung luxuriöse Wärme in das gesamte Fahrzeug und kann mit dem zusätzlichen Wärmetauscher auch den Motor und das Fahrerhaus über die Fahrzeugheizung erwärmen. Mehr Komfort geht kaum – sehr gut!

Fazit:

Wer willens und in der Lage ist, rund einhunderttausend Euro in die Hand zu nehmen, um sich seinen Traum vom mobilen Urlaub für viele Wochen in ganz Europa zu erfüllen, wer dann noch bereit ist, ein paar Tausender für die umfangreichen Zubehörpakete auszugeben, die nicht nur den Komfort, sondern auch die Sicherheit deutlich erhöhen, der hat sich mit dem Dethleffs Globetrotter wahrhaftig den Traum vom (fast) perfekten Reisemobil für zwei oder auch vier Personen erfüllt. Ganz abgesehen von der Werthaltigkeit von Vollintegrierten dieser Preisklasse, bietet der Globetrotter nicht nur vorzügliche Fahreigenschaften für langes und gemütliches Reisen, auch dürften in Bezug auf Komfort, Ausstattung, Verarbeitung und Lebensgefühl im Dreiachser XL I kaum Wünsche offen bleiben.

Infos:  Zur Webseite von Dethleffs

TECHNIK-KOMPASS

Dethleffs Globetrotter XL I 7850-2 EB

BASISFAHRZEUG

Basis:

Fiat Ducato 40 mit Al-Ko-Tiefrahmenchassis und Tandemachse

Motor:

Serie 2,3 l-Multijet2 130, 2.287 ccm, Testwagen 130 kW / 170 PS, Euro 6

Antrieb:

Sechsgang-automatisiertes Schaltgetriebe, Frontantrieb

Sicherheitssysteme:

ABS, ASR, Fahrer- und Beifahrerairbag, ESP, Traction Plus

Testverbrauch:

11,3 l/100 km laut Bordcomputer

MASSE/GEWICHTE

Masse im fahrber. Zustand:

4.345 kg 

Techn. zul. Gesamtmasse:

5.000 kg 

Zuladung:

665 kg

Abmessung (L x B x H):

8.710 x 2300 x 3.040 mm

Bettenmaße (L x B): 

Einzelbetten im Heck längs 2.000 x 820 mm / 2.000 x 820 mm, Hubbett vorne 2.000 x 1.500 mm

Sitz- / Schlafplätze:

4/4  

Innenhöhe:

2.080 mm

Frisch-/Abwasser Tanks:

166 l innen  / 156 l unterflur 

Wasseranlage:

Wasseranlage mit Druckpumpe, Automatikhähne, Telefonbrause  

Bord-Akku / Typ:

95 Ah AGM

Gasvorrat:

2 x 11 kg 

Heizung:

Gas-Warmwasserheizung Alde 3200 mit Motor-Wärmetauscher

PREISE

Grundpreis:

ab 104.999,- Euro

Extras Testfahrzeug:

Travelpaket XL I 6.499,- Euro, Elektrikpaket II 4.799,- Euro, Multijet 180 4.310,- Euro, Multimedia-Navi Paket mit Rückfahrkamera und Navi 1.996,- Euro, Polster Echtleder Meran 3.895,- Euro, Markise elektrisch 6 m 2.299,- Euro, Leichtmetallfelgen 1.599,- Sat-Anlage 2.600,- Euro, Panorama-Dachhauben + Rahmenfenster 2.100,- Euro, Alde Warmwasserheizung 2.399,- Euro

Preis Testfahrzeug:

144.385,- Euro

HERSTELLER/VERTRIEB

Dethleffs Reisemobile
Arist-Dethleffs-Sraße 12
D-88316 Isny
Info: www.dethleffs.de
Eigene Händler

GRUNDRISS

Grundriss Dethleffs Globetrotter XL I 7850-2 EB. (Grafik: Werk)
Grundriss Dethleffs Globetrotter XL I 7850-2 EB. (Grafik: Werk)

TECHNIK IM DETAIL

Fahrgestell / Aufbau

Fiat Windlauf mit Al-Ko-Breitspur-Tiefrahmenchassis und Tandemachse, Doppelboden, beheizt, Alu/GfK-Sandwich, holzfrei, Isolierung XPS-Schaum, 5 Austell-Isolierfenster mit Mückengitter und Rollo, 1 Schiebefenster, 3 Dachluken, Trittstufe elektrisch, Wohnraumtür 70 Zentimeter, Zentralverriegelung, elektrische Zuziehhilfe, Heckgarage mit verstärkter Heckabsenkung, beheizt

Wohnen

Möbelbau in Leichtbau-Technik, Möbeldekor: Almeria Esche White, Klappen hochglanz weiß, Polster Echtleder Wohnwelt Meran, Bodenbelag PVC-Belag mit Stäbchen-Optik hell, Innenraum-Teppich, Sitzgruppe mit L-Schenkeln, Seitenchouch,  freistehender, multidirektional verstellbarer Tisch, Panoramafenster L-Dinette mit einer 2er-Sitzbank und zwei drehbaren Fahrerhaussitzen, Anrichte mit ausziehbaren Minibarfach und Ablagen im Eingangsbereich

Küche

Längs-Küchenblock links, Spül-Herd Edelstahl-Kombi mit dreiflammigem Herd, Glasabdeckung, Edelstahlspüle mit Abdeckung und Automatik-Wasserhahn, 142 Liter Absorber-Kühlschrank mit AES, Schubladen und Auszüge mit Soft-Close, Schubladen-Zentralverriegelung, 1 Apothekerauszug, 2 Hängeschränke, 1 Unterschrank mit 3 Schubladen und 1 Schrank, LED Küchenbeleuchtung, Dunstabzugshaube

Sanitär

Mit fester Tür und Schiebetüren abtrennbares Raumbad mit separatem Dusch- und Toilettenraum, Keramik-Waschbecken eingelassen, 1 Spiegelschrank mit 2 Türen, Ablagen, Thetford Cassetten-Toilette, seperater Duschraum mit schwenkbarer Plexiglas-Abtrennung und Telefonbrause, Holzrost für Duschwanne

Schlafen

Heck-Einzellbetten längs mit Lattenrosten und Kaltschaummatratzen,  zum Doppelbett umbaubar, Kleiderschränke mit verstellbaren Zwischenböden vor den Betten,  Stauraum mit Durchlademöglichkeit unter dem Bett, elektrisches Hubbett im Fond, durchgehende Dachschränke im Heckbereich

 

Hans-Christian Bues

Hans-Christian Bues

Hans-Christian Bues, geboren in Bad Harzburg, lebt und arbeitet als Journalist, Reiseschriftsteller und freier Autor in Königswinter am Rhein. Für seine Reportagen, Reiseerzählungen und Abenteuerromane war er neben dem kanadischen Yukon Gebiet in Alaska, Amerika, Asien, Australien, Russland und vielen anderen Länder der Welt unterwegs. Er ist ein langjähriger und erfahrener Reisemobilist, schreibt regelmäßig Fahrzeugtests und betreut für das D.C.I den Bereich Freizeit, Reise und Touristik.
Hans-Christian Bues