Aus gutem Haus: Mit der Malibu T-Reihe bietet das Aulendorfer Unternehmen Carthago den Einstieg in die Klasse der Premium-Reisemobile an. (Foto: alf)

Aus gutem Haus: Mit der Malibu T-Reihe bietet das Aulendorfer Unternehmen Carthago den Einstieg in die Klasse der Premium-Reisemobile an. (Foto: alf)

Praxis-Test Reisemobil – Malibu T 430 LE – Aus gutem Haus

Fahrzeugtest, Fiat, Malibu, Saison 2019, Wohnmobil

Als 1848 erste Goldfunde in Kalifornien zahllose Abenteurer in den Westen der Vereinigten Staaten lockten, bestand die kleine Gemeinde Malibu in der Nähe von Santa Monica lediglich aus einer einsamen Ranch und einem alten Steinbruch. Heute, rund 170 Jahre später, bekommen nicht nur Wellenreiter, sondern ganz speziell Reisemobilisten leuchtende Augen, wenn über Malibu, die sogenannte „Einsteigerklasse“ der Aulendorfer Reisemobilschmiede Carthago, berichtet wird.

Volles Sortiment

Erst zwei Jahre ist es her, seit die ersten Malibu Wohnmobile, gestartet mit einer Kastenwagen-Baureihe, den europäischen Markt betraten. Den Malibu Vans folgten schon bald die teil- und vollintegrierten Reisemobile, die sich rasch zu einer Baureihe formierten, die sich mit verschiedenen Grundrissen und mit Längen von 6.60 Meter bis 7.20 Meter im Markt positionierte. Im slowenischen Werk von Carthago gebaut, haben die Aulendorfer Ingenieure einen 6.60 Meter langen Heck-Querbett-Wagen, drei Längsbett-Grundrisse von 6.90 bis 7.20 Meter und einen knapp 7,00 Meter langen Queensbett-Wagen konstruiert, die alle deutlich auf das allein reisende Paar mit hohem Qualitätsanspruch zugeschnitten sind.

Allen Grundrissen gemeinsam ist die vordere Sitzgruppe, deutliche Unterschiede gibt es in der Gestaltung der Nasszelle und der Positionierung der Küche. Im sogenannten Mittelfeld der Baureihe bewegt sich der Malibu T430 mit zwei Längs-Einzelbetten im Heck, die mit Zusatzmatratzen zu einem gemütlichen Doppelbett umgebaut werden können. Mit dem T 430 LE, der auf der CMT 2018 erstmals vorgestellt wurde und der auf einem Fiat Ducato Flachbodenchassis mit mittlerem Radstand (3.800 Millimeter) aufgebaut ist, wollen wir uns jetzt mal etwas ausführlicher beschäftigen. Ausgerüstet mit der Standardmotorisierung von ausreichenden 130 PS ist der 2,3 Liter Diesel dank Euro 6 momentan noch von Fahrverboten verschont.

Guter Eindruck: Möbelbau

Sowohl auf Landstraßen, als auch im Stadtverkehr oder bei zügiger Fahrt auf der Autobahn lässt sich der Malibu mit dem 6-Gang-Getriebe problemlos chauffieren. Schon nach den ersten Kilometern auf Landstraßen mit deutlichem Renovierungsstau lässt sich die Zugehörigkeit des T 430 zu der großen Carthago-Familie nicht verleugnen. Kein Quietschen, kein Rappeln, keine scheppernden Abdeckungen und aufspringende Türen und Schubladen – nicht nur beim Möbelbau, auch bei der gesamten Bordtechnik liegen Welten zwischen unserem Test- Malibu und den sogenannten Schnäppchen, die auf den diversen Messen angeboten werden.

Mit durchschnittlichen Verbrauchswerten zwischen 10,5 bis 11,5 Litern auf 100 Kilometer liegt der Teilintegrierte bei entspannter Fahrt durchaus im reisemobilen Normbereich, problemlos erreichbare Geschwindigkeiten über 150 km/h machen den Malibu deutlich durstiger und sorgen für zusätzlichen Umsatz bei den Mineralölkonzernen. Vernünftige Verbrauchswerte, angenehme Fahreigenschaften, kaum störende Windgeräusche und eine harmonische Außenoptik sind ganz sicherlich auf die Gesamterscheinung des 2,27 breiten und sauber gezeichneten Teilintegrierten zurückzuführen.

Die flach zur Front auslaufende Hutze fügt sich ebenso in das harmonische Gesamtbild, wie die Positionierung der Seitenfenster, der Stauraumklappen, der Aufbautür und der dezenten, aber dennoch dynamisch wirkende Außenbeklebung. Auffällig unauffällig, so könnte man den ersten Eindruck beschreiben, wenn man dem Malibu T430 in freier Wildbahn begegnet. Von außen zwar nicht zu erkennen, ist der komplett holzfreie Aufbau ebenso ein Ausdruck von Qualitätsarbeit, wie die Verwendung von GfK für Boden, Dach und Seitenwände, sowie die Konstruktion der Heckwand als eine separate Einheit, um im Schadensfall Reparaturkosten zu verringern. Nicht nur winterfeste Isolierung, auch ordentliche Stauräume bietet der rund 17 Zentimeter hohe wintersichere und beheizte Doppelboden, der sowohl von innen, als auch von außen über Klappen oder Bodenfächer erreichbar ist.

Viel Platz: Sitzgruppe

Gut gelungen ist der Zugang zu den Ablassventilen der Tanks und zu den diversen Reinigungsöffnungen über den durchgehenden Doppelboden. Angenehmes Wohnambiente entsteht im T 430 nicht nur durch die perfekte Isolierung, sondern auch durch die intelligente Raumaufteilung im Wohnbereich. Eine Halbdinette über Eck in Verbindung mit den einbezogenen Vordersitzen, positioniert um einen dreh –und verlängerbaren Säulentisch, ergeben eine durchaus komfortable Sitzgruppe, an der vier Personen gemütlich essen und relaxen können.

Entspannter Fernsehgenuss über den aus einem Dachstauraum ausfahrbaren Monitor ist aber nur den beiden Passagieren gegönnt, die zuerst die drehbaren Fahrerhaussitze in Beschlag genommen haben. Und wenn wir gerade über Stauschränke reden, im teilintegrierten Malibu T 430 gibt es mehr nutzbaren Stauraum, Schränke, Schubladen, Ablagemöglichkeiten, Fächer und Bodenräume, als für einen mehrwöchigen Urlaub notwendig sind. Dazu kommt noch der beheizbare, beleuchtete, frostsichere und durch große Klappen leicht zu beladene Heckstauraum, in dem locker zwei Fahrräder oder anderes voluminöses Freizeitgepäck sicheren Unterschlupf finden. Dort können auch die Kisten und Flaschen für Obst, Gemüse und diverse Flüssigkeiten verstaut werden, die in der Küche zu einem kulinarischen Dreigang-Menü zusammengeführt werden können.

Guten Appetit: Die Küche

Neben den großzügig dimensionierten Dachstauschränken für Geschirr und Vorräte im perfekt ausgeleuchteten Kochbereich nehmen drei voluminöse Soft-Close-Schubladen unter dem Dreiflammenkocher, der Edelstahlspüle und der ausreichenden Arbeitsfläche, die durch die einhängbare Abdeckung der Spüle noch deutlich vergrößert werden kann, Geschirr, “Pött und Pann” auch für eine längere Reise auf. Die direkt links neben der Wohnraumtür positionierte Küchenzeile wird durch den hochgestellten, 145 Liter umfassenden Automatik-Kühlschrank mit großem Gefrierfach zum Schlafraum hin begrenzt. Dem Betätigungsfeld des mobilen Kochs gegenüber, hat das Kombibad mit abtrennbarer Runddusche und Toilette in einem separaten Raum Platz gefunden. Die Duschabtrennung funktioniert problemlos, die Benutzung der drehbaren Toilette, der Dusche und des praktischen Waschbeckens ist auch für größere Personen ohne Einschränkungen möglich.

Gute Nacht: Das Schlafabteil

Ablagen, Schränke und Fächer für Hygieneartikel sind ausreichend vorhanden. Direkt hinter der Nasszelle beginnt die nächtliche Ruhezone. Auf knapp zwei Meter Länge und rund 82 Zentimeter Breite garantieren die beiden Einzelbetten auf äußerst bequemen Matratzen ruhigen und erholsamen Schlaf. Mit diversen Einlegeteilen lässt sich das Einzelbett-Ensemble auf eine wahrhaft großzügige Schlaflandschaft erweitern. Über die technisch nicht perfekte Lösung der herausziehbaren Stufe zum Doppelbett sollten die Aulendorfer Ingenieure noch einmal tüfteln, der Auszug wirkt labil und war nur sehr hakelig zu bedienen. Intelligent angelegte Beleuchtung, Steckdosen, Belüftung und diverse Ablagen für Handy, Brille & Co werten den Schlafbereich, unter dessen Bett- Fußende sich durch leichtes Anheben jeweils voluminöse Hängeschränke befinden, noch weiter auf.

Fazit

Wer handwerklichen Möbelbau, anspruchsvolle Technik, angenehmes Fahrverhalten, perfekte Bordtechnik und eine gefällige Optik sucht – und das alles in einem modernen Teilintegrierten komprimiert – der sollte auf jeden Fall den Malibu T 430 bei seinen Betrachtungen nicht außer Acht lassen. Mit rund 73.500,- Euro für unseren komplett ausgestatteten Testwagen ganz sicher kein Schnäppchen für einen knapp sieben Meter langen Teilintegrierten, aber Qualität hat seinen Preis, auch wenn das Städtchen Malibu aus dem Goldgräberland Kalifornien „nur“ der klangvolle Namensgeber des T 430 ist.



Panoramabild Malibu T 430 LE


 

TECHNIK-KOMPASS Malibu T 430 LE
BASISFAHRZEUG
Basis: Fiat Ducato 35  Light mit Fiat Flachrahmen
Motor Serie Vierzylinder Turbodiesel 2,3 l-Multijet2 130, 2.287 ccm, 96 kW / 130 PS, Euro 6
Antrieb: Sechsgang Schaltgetriebe, Frontantrieb
Sicherheitssysteme: Airbags, ABS, ESP, Hillholder
Testverbrauch: 11,9  l/100 km laut Bordcomputer
 MASSE/GEWICHTE
Masse im fahrb. Zustand: 2.885 kg
Techn. zul. Gesamtmasse: 3.500 kg
Zuladung: 515 kg
Abmessung (L x B x H): 6.900 x  2.270 x 2.940 mm
Bettenmaße (L x B): Einzelbetten: 2.000 x 850 / 1.900 x 850 mm
Sitz- / Schlafplätze: 4 / 2 (Option 3)
 AUSSTATTUNG
Frisch-/Abwasser 125 l  innen / 90 l unterflur
Wasseranlage: Wasseranlage mit Druckpumpe, Automatikhähne, Telefonbrause
Bord-Akku / Typ: AGM 80 Ah
Heizung / Boiler Truma Combi 6 mit 10 l Boiler
Gasvorrat: 2 x 11 kg
PREISE
Grundpreis: ab 63.100,- Euro
Sonderausstattung Testfahrzeug Chassis-Paket 2.550, Komfort-Paket, 2.790,- Euro,  TV mit DVBT2 + Auszug 1.690,- Radio/DoppelDIN DAB+ mit Rückfahrkamera 2.345,- Euro, Panoramadach Skyview 1.190,- Euro
Preis Testfahrzeug: 73.365,- Euro
HERSTELLER/VERTRIEB Hersteller und Vertrieb
Malibu GmbH & Co. KG
Carthago Ring 1, D-88326 Aulendorf
Info: www.malibu-carthago.com
Eigenes Händlernetz
 GRUNDRISS

Grundriss Malibu T 430. (Grafik: Werk)
Grundriss Malibu T 430. (Grafik: Werk)
 TECHNIK IM DETAIL
 Fahrgestell / Aufbau
Holzfreier GfK-Sandwichaufbau auf Serien-Tiefrahmenfahrgestell. GfK-Seitenwände, GfK-Heckpartie, Dach GfK, Boden Schichtstoffplatte imprägniert mit GfK oben und unten. Isolierung RTM-Hartschaum, Dicke Wand / Dach 33 mm, Boden 47 mm. Seitenschürzen Alu, mehrteilige Heckpartie, Doppelboden-Keller beheizt mit Stauräumen, 4 vorgehängte Isolierfenster mit Kombirollo. 1 Panoramadach vorne, 3 Heki-Hebe-Kipp-Dachfenster,  jeweils mit Kombi-Faltrollo. Wohnraumtür mit Fenster, elektrische Trittstufe. Heckgarage beleuchtet und beheizt mit Zurrschiene und Zurrösen.
Wohnen
Sitzgruppe Lounge mit Winkel-Halbdinette und Seitensitzbank, drehbarer Mitteltisch auf Säulenfuß, 2 x Dreipunktgurte in Fahrtrichtung, Möbel-Dekor: Palma Edelkirsch und Möbeloberflächen in Bicolor, Polster: Stoff-Teilleder-kombination hell-beige, PVC-Bodenbelag Stäbchenparkett hell, 4 x USB-Steckdosen, 2 x 230 Volt Steckdose, 8 Oberschränke, 2 x Kleiderschrank im Heck unter den Einzelbetten, Kleiderstangen, Wäschefächer
Küche
Längs-Küchenblock, rechts, Edelstahl-Gaskocher dreiflammig mit Glasabdeckung und Piezozündung, separates Niro-Waschbecken rund mit Automatikhahn und Holzabdeckung, Absorber-Kühlschrank Slimtower 145 l mit 15 l Frosterfach rechts, separat und hochgesetzt, Unterschrank mit 5 Schubladen, Klappe und zwei Fächern, Dachstauschrank mit 2 Klappen, Ablagefächer
Sanitär
Sanitärraum Kombibad links, integrierte Duschkabine mit Plexiglas-Abtrennung, Waschbecken mit großer Ablage, Spiegelschrank mit Unterschrank, Cassetten-WC drehbar,  offene Ablagen, Handtuchbügel, Haken, 2  Zahnputzbecher, Dachfenster Mini-Heki.
Schlafen
Zwei Einzelbetten längs im Heck, zum Doppelbett umbaubar mit Auszugsteil, mit 2 Trittstufen als Einstiegshilfe, Lattenroste, Kaltschaummatratzen, zwei Kleiderschränke rechts und links unter den Einzelbetten, 6 Oberschränke, 2 offenen Ablagefächer
Hans-Christian Bues

Hans-Christian Bues

Hans-Christian Bues, geboren in Bad Harzburg, lebt und arbeitet als Journalist, Reiseschriftsteller und freier Autor in Königswinter am Rhein. Für seine Reportagen, Reiseerzählungen und Abenteuerromane war er neben dem kanadischen Yukon Gebiet in Alaska, Amerika, Asien, Australien, Russland und vielen anderen Länder der Welt unterwegs. Er ist ein langjähriger und erfahrener Reisemobilist, schreibt regelmäßig Fahrzeugtests und betreut für das D.C.I den Bereich Freizeit, Reise und Touristik.
Hans-Christian Bues