Mit der Vollintehrierten-Serie I ist Sunlight ein bemerkenswerter Einstieg in die Königsklasse gelungen. (Foto: det)

Mit der Vollintehrierten-Serie I ist Sunlight ein bemerkenswerter Einstieg in die Königsklasse gelungen. (Foto: det)

Praxis-Test Reisemobil – Sunlight I 69L

Fahrzeugtest, Fiat, Saison 2019, Sunlight, Wohnmobil

Mit dem I 69 L präsentiert Sunlight, die Einsteigermarke von Dethleffs, den ersten Vollintegrierten dieser Marke. Zum Start gibt es zwei Grundrisse mit Einzelbetten oder Queensbett, die im Programm von Sunlight bereits bei den Teilintegrierten bekannt sind. Der I 69 L rangiert dabei als Topmodell mit Queensbett im Heck.

Das neue Flaggschiff soll für Sunlight als Anbieter preiswerter Einsteiger-Mobile natürlich neue Kundengruppen eröffnen, gibt aber auch Aufsteigern eine Alternative, die sich innerhalb der Marke weiter verbessern möchten. Beide Grundrisse mit einer stattlichen Fahrzeuglänge von 7,41 Metern sind bereits aus dem Teilintegrierten-Programm bekannt. Also war es an den Entwicklern, einen schicken Bug für einen Vollintegrierten zu entwickeln.

Da als Zielgruppe eher eine jüngere Klientel im Lastenheft stand, hat man sich außen für ein betont sportliches Exterieur entschieden, was sich erst mal in der akzentuierten Beklebung von Front und Seitenwänden zeigt. Die schräg angeordneten und mit dunkler Folie umrahmten Scheinwerfer, die markante Kühleröffnung und der tief angesetzte Frontspoiler fallen besonders auf. Die Heckpartie wurde beim Sunlight von den aktuellen T-Modellen übernommen.

Geräumige Sitzgruppe

Wie erwähnt, ist der Grundriss so schon in der Teilintegrierten-Baureihe von Sunlight bekannt, einzig der Einstieg in den Wohnraum gestaltet sich beim I-Modell durch einen Coupe-Einstieg ohne separate Trittstufe wesentlich kommoder. Der erste Eindruck: Das Interieur wirkt hell und freundlich, die weiß abgesetzen Klappen der Oberschränke harmonieren prima mit dem hellen Möbelholz und den im Testwagen angebotenen Polsterstoffen in anthrazit und dunklem Teil-Leder.

Im neu gestalteten Bugbereich trumpft der I 69 mit einer geräumigen und gemütlichen Sitzgruppe auf, die aus den drehbaren Fahrersitzen, einer Winkeldinette und der gegenüber liegenden Seitencouch besteht. Obwohl der Übergang vom Cockpit zum Wohnbereich mit einer flachen Stufe ausgeglichen wurde – die Sitzgruppe ruht komplett auf einem flachen Podest – besteht unter dem Hubbett volle Stehhöhe ohne Einschränkungen. Im Heckbereich unter dem Queensbett findet sich ebenfalls ein Podest mit Stufe. Das Hubbett und die Fahrertür sind übrigens bei Sunlight im Serienumfang dabei.

Große Küche – viel Stauraum

Hinter der Sitzgruppe schließt sich die Winkelküche mit Dreiflammherd und separater, runder Edelstahl-Spüle an. Gegenüber ist der große Kühlschrank mit einem extra Tiefkühlfach in bequeme Bedienhöhe und weitere Ablagen positioniert. Der Küchenbereich überzeugt mit viel Arbeitsfläche und Stauraum, drei voluminöse Schubladen mit Softclose-Einzug und ein großer Unterschrank mit zwei Fächern im Küchenblock sorgen für genügend Platz. Dazu erweitern die drei Oberschränke über der Küche und der Sitzgruppe das schon üppige Stauraumangebot.

Elegantes Raumbad

Im Anschluss an die Küche folgt das Raumbad mit separater Duschkabine und dem gegenüberliegenden Waschraum mit Toilette, wobei die Toilettentür als geschickter Raumteiler fungiert und den Schlaf- und Sanitärbereich nach vorne abschließt. Dadurch entsteht ein großes Raumbad mit Öffnung zum Schlafbereich, das schon fast als Ankleidezimmer mit Dusche und WC durchgehen kann. Der Sanitärbereich verzichtet auf allzuviel Kunststoff, hier hat man mit viel Holz und schicken Accesoires wie Ablagen und Spiegelflächen ein angenehmes Ambiente in dem eigentlich profanen Nutzraum erzeugt.

Komfortables Queensbett

Herzstück des großzügigen Schlafbereiches ist das frei stehende, sehr kommode Queensbett, flankiert an beiden Seiten mit raumhohen Kleiderschränken. Das Bett weist eine bequeme Einstiegshöhe auf, wodurch natürlich die Innenhöhe der Heckgarage eingeschränkt wird. Der Lattenrost des Heckbettes läßt sich nicht anheben, zum Stauraum unter dem Bett führen zwei große Klappen am Bettkorpus. Die beiden Kleiderschränke rahmen die Stirnseite des Bettes ein, zwei Oberschränke an der Heckwand sorgen für zusätzlichen Raum für persönliche Reiseutensilien. Bequem: Die zwei Ablagen vor den Schränken für Buch, Brille und ähnliche Dinge, die man vor dem Schlafen schnell beiseite legen möchte. Im Doppelboden des Schlafbereiches sind zusätzlich kleine Staufächer als Schuhfächer im Boden angebracht. Die Ausstattung des Bettes mit Lattenrost und einer hochwertigen Matratze ist untadelig, die beiden Seitenfenster und die Dachhaube bringen viel Licht und Luft in das Schlafgemach.

Entspanntes Reisen

Als Basisfahrzeug des Sunlight-Integrierten ist der Fiat Ducato MultiJet 130 Light mit Multijet2 130-Dieselmotor und 130 PS vorgesehen. Unser Integrierter war mit dem 150 PS-Motor und dem automatisierten Schaltgetriebe ausgerüstet, eine gute Wahl für den I 69, denn der Motor geht trotzt der markanten Ausmaße des Fahrzeugs recht sparsam mit seinem Betriebsstoff um, das Automatikgetriebe arbeitete bekannt behäbig, aber insgesamt ganz ordentlich.

Mit dem Sunlight I 69 L fährt man ob der stattlichen Größe nicht einfach los – der Sunlight legt ab, so wie es vom Cockpit aus scheint. Der Kapitän auf der Brücke hat einen prima Überblick, die zitterfreien und gut einstellbaren Busspiegel helfen da bestens mit. Allerdings sollte man sich – ein genereller Hinweis an alle Hersteller – mal Gedanken um einen Totewinkel-Assistenten in den Außenspiegeln machen, die aktuelle Diskussion bei Lkws trifft sicher auch auf größere Reisemobile zu. Bemerkenswert ruhig war während der Fahrt der gesamte Ausbau, was auf gute Verarbeitung und Qualität des Möbelbaus hindeutet. Lediglich das Hubbett machte mit lästigem Gequietsche deutlich von sich reden.

Fazit

Der Einstieg in die Königsklasse ist Sunlight mit der vollintegrierten I-Baureihe prima gelungen. Das Außendesign ist modern und kann sich durchaus sehen lassen, der Innenbereich wirkt wertig und kann – wie bei Fahrzeugen aus der sächsischen Reisemobilschmiede Capron gewohnt – mit solider Qualität und einem beachtenswerten Preis-Leistungsverhältnis überzeugen. Und was gibt´s zu meckern? Außer den nervenden Quietschgeräuschen des Hubbett während der Fahrt konnten wir keine gravierende Mängel feststellen.


Panoramabild Sunlight I 69L


 

TECHNIK-KOMPASS Sunlight I 69 L
BASISFAHRZEUG
Basis: Fiat Ducato 35 Light mit Fiat Tiefrahmen
Motor Serie Vierzylinder Turbodiesel 2,3 l-Multijet2 130, 2.287 ccm, 96 kW / 130 PS, Euro 6, Testfahrzeug Multijet2 150
Antrieb: Sechsgang automatisiertes Schaltgetriebe Comfort Matic, Frontantrieb
Sicherheitssysteme: Airbags, ABS, ESP, Hillholder
Testverbrauch: 11,9  l/100 km laut Bordcomputer
 MASSE/GEWICHTE
Masse im fahrb. Zustand: 2.920 kg
Techn. zul. Gesamtmasse: 3.500 kg
Zuladung: 580 kg
Abmessung (L x B x H): 7.410 x  2.320 x 2.930 mm
Bettenmaße (L x B): Queensbett: 1.950 x 1.500 mm
Hubbett: 2.000 x 1.500 mm
Sitz- / Schlafplätze: 4 / 4 (Option 5)
 AUSSTATTUNG
Frisch-/Abwasser 122 l  innen / 90 l unterflur
Wasseranlage: Wasseranlage mit Druckpumpe, Automatikhähne, Telefonbrause
Bord-Akku / Typ: AGM 95 Ah
Heizung / Boiler Truma Combi 6 mit 10 l Boiler / Warmwasser-Standheizung
Gasvorrat: 2 x 11 kg
PREISE
Grundpreis: ab 54.999,- Euro
Sonderausstattung Testfahrzeug Motor  Multijet2 150  1.849,- Euro,  Comfort Matic Automatik 1.999,- Euro, Chassis-Paket 2.149, Basic-Paket 1, 1.999,- Euro, Markise 4,5 m 999,- Euro, Multimedia-Paket 1.250,- Euro, TV-Paket 2.150,- Fahrradträger 695,- Euro
Preis Testfahrzeug: 68.098,- Euro
HERSTELLER/VERTRIEB Sunlight GmbH, Am Bahnhof 11, D- 88229 Leutkirch. Tel. 07561-90970. www.sunlight.de
Eigenes Händlernetz
 GRUNDRISS

Grundriss Sunlight I 69 L. (Grafik: Werk)
Grundriss Sunlight I 69 L. (Grafik: Werk)
 TECHNIK IM DETAIL
 Fahrgestell / Aufbau
Alu-Glattblech-Sandwichaufbau mit Holzfachwerk auf Serien-Tiefrahmenfahrgestell. GfK-Front, GfK-Heckpartie, Dach GfK, Boden Schichtstoffplatte imprägniert. Isolierung PE, Dicke Wand / Dach 30 mm, Boden 47 mm.  4 vorgehängte Isolierfenster mit Kombirollo. 1 Scheibefenster Beifahrer, 1 Fenster Fahrertür, 3 Heki-Hebe-Kipp-Dachfenster,  jeweils mit Kombi-Faltrollo. integrierte Stufe. Heckgarage beleuchtet mit Zurrschiene und Zurrösen.
Wohnen
Sitzgruppe Lounge mit Winkel-Halbdinette, Seitensitzbank, drehbarer Mitteltisch auf Säulenfuß, 2 x Dreipunktgurte in Fahrtrichtung, Möbel-Dekor: Sensual Oak, Polster: Macadamia-Teil Leder, PVC-Bodenbelag Stäbchenparkett, 4 x USB-Steckdosen, 2 x 230 Volt Steckdose, 2 x Kleiderschrank im Heck, Kleiderstangen, Wäschefächer
Küche
Winkel-Küchenblock, links, Edelstahl-Gaskocher dreiflammig mit Glasabdeckung und Piezozündung, separates Niro-Waschbecken rund mit Automatikhahn und Glasabdeckung, Absorber-Kühlschrank Thetford 117 l mit 14 l Frosterfach rechts, separat und hochgesetzt, Rollschrank und Ablagefach über Kühlschrank, Unterschrank mit 3 Schubladen, Tür und zwei Fächern, Dachstauschrank mit Klappe, Ablagefächer
Sanitär
Sanitärraum als Raumbad, separate Duschkabine links mit Plexiglas-Abtrennung, Waschraum rechts mit Eckwaschbecken, Spiegelschrank und Cassetten-WC drehbar,  abtrennbar mit fester Tür, offene Ablagen, Handtuchbügel, Haken, Ausstellfenster, Dachlüfter. Waschraumtür dient als Abschlußtür Raumbad nach vorne.
Schlafen
Manuelles Hubbett quer im Bug, Doppelbett längs als Queensbett angeordnet, Lattenroste, Kaltschaummatratzen, zwei Kleiderschränke rechts und links am Bett
Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues