Urlaub soll Erholung und Entspannung bringen. Eine passende, aktuelle Reiseapotheke gehört dazu. (Foto: DCI-Archiv)

Urlaub soll Erholung und Entspannung bringen. Eine passende, aktuelle Reiseapotheke gehört dazu. (Foto: DCI-Archiv)

Ratgeber – Gesund und munter auf Tour – Die richtige Reiseapotheke für unterwegs

Freizeit, Gesundheit, Tipp, Urlaub

Ein Verbandskasten nach Europa-Norm ist seit langem Vorschrift für jedes Kraftfahrzeug, muss also auch im Wohnmobil und im Gespann mit an Bord sein. Für die erste Hilfe reicht dies meist aus. Was aber, wenn unterwegs trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zum Beispiel Montezumas Rache zuschlägt?

Ferien, die schönste Zeit des Jahres. Da will man nicht an Krankheiten erinnert werden. Andererseits: Wenn es einen im Ausland erwischt, werden die Risiken einer Reise offensichtlich. Wie ärgerlich, wenn man feststellen muss, dass man die Unpässlichkeit oder sogar die schwere Krankheit durch Vorsorge hätte vermeiden können. Wie ärgerlich auch, wenn man erst am Urlaubsort feststellt, dass einem die Pillen, auf die man angewiesen ist, entweder ausgegangen oder verloren gegangen sind.

Zu Hause geht man rasch zum Hausarzt und lässt sich neue Medikamente verschreiben. Was aber ist im Ausland? Erschwert durch Sprachprobleme, wenn man zwar den Namen des Medikaments weiß, aber niemand dort mit diesem Namen etwas anfangen kann? Wohl dem, der dann vorsorglich wenigstens den Wirkstoff seines Medikaments notiert hat und dessen lateinischen Namen in den Reiseunterlagen verwahrt hat. Mit diesen Informationen kann jeder Arzt oder Apotheker im Urlaubsland ein Alternativmedikament verordnen, das dann hoffentlich weiterhilft. Wie sieht es mit der sonstigen Vorsorge aus?

Die nachfolgende Checkliste kann jeder Wohnmobil-Reisende nach seinen Erfordernissen und/oder seinen Notwendigkeiten abändern. Sie unterscheidet sich in einigen Punkten grundlegend von Checklisten, die zum Beispiel für Flugtouristen gelten. Probleme, die während eines Langstreckenfluges auftreten, hat der Reisemobil-Urlauber nur selten. Wärmeempfindliche Medikamente wie Insulin werden im Kühlschrank des Mobils oder Caravans aufbewahrt und sind dort jederzeit verfügbar.

Flüssige Medikamente in Glasflaschen, die oft zu Problemen bei Flugreisen führen, sind für den Reisemobilfahrer ebenfalls leichter und bruchsicherer zu transportieren als im Koffer. Bei manchen Präparaten ist es jedoch angeraten, sie erst im Urlaubsland zu beschaffen, da sie dort speziell auf die dortigen Verhältnisse zugeschnitten sind. Das gilt zum Beispiel für Präparate gegen Insektenstiche.

 Checkliste Reisegesundheit

Verbandsmaterial, Wundversorgung

  • Verbandsmull, Verbandspäckchen
  • Mullbinden
  • Elastische Binden
  • Pflaster, Hansaplast
  • Desinfektionsmittel
  • Wundsalbe, eventuell Salbenkompressen
  • Fieberthermometer elektronisch (Bruchgefahr bei   Quecksilberthermometern)
  • Verbandsschere
  • Splitterpinzette
  • Zeckenzange bei Aufenthalt in Zeckengebieten
  • Kondome nach Bedarf

Arzneimittel gegen

  • Durchfall und Elektrolytpulver zur Nachsorge
  • Obstipation (Stuhlverstopfung)
  • Reiseübelkeit und Seekrankheit (bei Fährfahrt). Dabei beachten, dass während der Wirksamkeit nicht selbst gefahren werden sollte. Nebenwirkungen beachten.
  • Erkältungsmittel
  • Magenschmerzen/Sodbrennen
  • Schlafmittel, falls unumgänglich
  • Kreislaufschwäche
  • Plötzlich auftretende oder ständige Allergien
  • Präparate zur Wundversorgung und gegen Pilzerkrankungen
  • Augentropfen gegen Reizerscheinungen
  • Trockene Nase (feuchtende Nasentropfen oder Salbe)

Arzneimittel nach Wahl und Bedarf

  • Sonnenschutzmittel
  • Insektenschutzmittel
  • Haut- und Haarpflegeprodukte
  • Pflegende Kosmetik
  • Mundhygieneprodukte
  • Bücher über „Gesundes Reisen“
  • Fertig zusammengestellte Reiseapotheken, dabei Verfallsdatum der verschiedenen Präparate beachten
  • Homöopathische Reiseapotheken
  • Einmalspritzen und Einmalhandschuhe

Beratung in der Apotheke oder beim Hausarzt unter Berücksichtigung der geplanten Urlaubsländer (siehe auch Experten-Tipp)

  • Ausstattung der persönlichen Reiseapotheke
  • Reiseprophylaxe
  • Insektenschutz
  • Reiseimpfprophylaxe
  • Gesundheitsprophylaxe am Urlaubsort
  • Arzneimitteleinnahme Dauermedikation unter Berücksichtigung des Zeitunterschieds und eventueller Nebenwirkungen durch prophylaktisch eingenommene Malariamedikamente

Auch auf Reisen gilt der Pflicht-Hinweis der Medikamentenwerbung: „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“.

Bei Reisen in warme Länder beachten

  • Sonnenschutz

Langsam an die Hitze gewöhnen, keine anstrengenden Aktivitäten in der Mittagshitze, Sonnenhut und Sonnenbrille bereithalten, kein Sonnenbad nehmen und damit Hautkrebs wirksam vorbeugen.

  • Ernährung

Reichliches, kochsalzhaltiges Frühstück, keine schweren und belastenden Mahlzeiten während des Tages, viel trinken, gerne und wirksam auch warme Getränke, jedoch wenig Kaffee. Vorsicht vor ungekochten Speisen und frischem Obst, das nicht geschält wird. Meerestiere, Fisch und Fleisch nur ganz durchgegart genießen. Trinkwasser aus Flaschen vom Supermarkt, wenn überhaupt, nur abgekochtes Leitungswasser trinken.

  • Impfungen

In manchen Ländern sind Impfungen als Schutz vor gefährlichen Krankheiten vorgeschrieben, in manchen empfohlen. Um welche Länder und Krankheiten es sich dabei handelt, und ob das ausgewählte Urlaubsland davon betroffen ist, erfährt man in seiner Apotheke oder beim Automobilclub. Besonders wichtig ist eine Impfung bei Reisen in Länder, die ein hohes Risiko an Hepatitis A und B, Gelbsucht und Malaria haben. Auch gegen die bei uns verbreitete FSME, die „Frühsommer-Meningoenzephalitis“ oder „Gehirnentzündung“, die durch infizierte Zecken übertragen wird, sollte man sich schützen.

  • Begleitattest und Merkblätter

In einzelnen Ländern kann auf Grund der örtlichen Zollvorschriften ein Begleitattest über mitgeführte Medikamente, Spritzen und Kanülen verlangt werden, aus dem hervorgeht, dass man diese für den persönlichen und medizinischen Bedarf benötigt. Auskunft, in welchen Ländern dies notwendig ist, kann telefonisch beim Gesundheitsamt Nürnberg unter Tel. 0911-231-2586 oder -5846 eingeholt werden. Auf der Internetseite www.nuernberg.de/internet/gesundheitsamt/reiseapotheke.html kann das Muster eines solchen Begleitattests als PDF-Datei für den Hausarzt heruntergeladen werden. Dazu gibt es unter dieser Adresse viele gute Tipps für die Reisegesundheit. Merkblätter für die Reiseapotheke sind auch bei Ihrer Hausapotheke oder beim Deutscher Apotheker Verlag Stuttgart www.deutscher-apotheker-verlag.de. erhältlich.

Spezielle Erweiterung für mitreisende Kinder

Je nach Alter des Nachwuchses muss die allgemeine Reiseapotheke erweitert werden

  • Reiseübelkeit: Reisekaugummi (wenn Kinder alt genug sind) sonst Tropfen oder Zäpfchen.
  • Schmerzen, Fieber: Schmerz-/ Fieberzäpfchen – natürlich in altersgerechter Dosis.
  • Fieberthermometer
  • Schnupfen & Husten: Abschwellende Nasentropfen in altersgerechter Dosis (Einreibemittel für Kleinkinder ohne Kampfer und Menthol) und Hustensaft (beispielsweise mit Thymian).
  • Durchfall/Erbrechen: Glucose/Elektrolyt-Präparate (mit dem Kinderarzt besprechen)
  • Blähungen: Anis-Fenchel-Kümmel-Tee
  • Verletzungen: Verbandmaterial, Schere, Heftpflaster und Pflasterstrips für empfindliche Kinderhaut, nicht brennendes Wunddesinfektionsmittel, Wund- und Heilsalbe
  • Juckreiz, Insektenstiche: kühlendes Antihistamin-Gel (bei Kindern nicht großflächig anwenden!) Mit dem Kinderarzt besprechen.
  • Sonnenschutz: Creme/Lotion speziell für Kinder mit Mikropigmenten und hohem Lichtschutzfaktor (ab LSF 10)
  • Welche Medikamente benötigt das Kind (Allergien, Ernährung…..)?

Fahren Bello und Maunzi mit in den Urlaub, muss mit einigen Zusätzen zur „normalen“ Reiseapotheke gerechnet werden.

Reiseapotheke für Haustiere

  • Pinzette für Splitter und Dornen
  • Zeckenzange (Zecke langsam und ohne Drehung herausziehen, kein Öl oder Klebstoff verwenden!)
  • Wasserstoffperoxyd-Lösung (drei Prozent)
  • Tupfer für die Wundreinigung
  • Wunddesinfektionsmittel
  • Verband und Pflaster
  • Schere zum Kürzen der Haare um Wunden herum
  • Fieberthermometer: Ein Hund hat normalerweise zwischen 37,8 und 39,2 Grad Körpertemperatur
  • Medikamente gegen Durchfall
  • Parfümfreie Sonnencreme, vor allem für Hunde mit heller Schnauze
  • Abschwellende und entzündungshemmende Salben
  • Vaseline für raue oder rissige Pfoten
Experten-Tipp Reiseapotheke
Experten-Tipp

„Et hätt noch immer jot jejangen“ würde der Rheinländer sagen, im Hochdeutsch etwa mit: „bisher hat es immer funktioniert“ übersetzt. Um genau das wirklich sicherzustellen, ist es empfehlenswert, bei den Reisevorbereitungen auch an die Medikamente zu denken. Dies ist besonders wichtig, wenn man an einer chronischen Krankheit leidet und deswegen auf eine Dauermedikation angewiesen ist. Besonders wirkungsvoll ist ein „Spickzettel“, auf dem die entsprechenden Medikamente und Wirkstoffe vermerkt sind. Auch wenn so mancher Rheinländer meint: „Wat soll dä Quatsch! Et kütt wie et kütt!“ (Was soll der Unsinn, es kommt so, wie es kommt!) sollte man sich doch nicht so einfach seinem Schicksal ergeben.

Für alle Reiselustigen empfehlen sich folgende Vorbereitungen:

- Kleine Reiseapotheke, die das Notwendigste enthält
Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, vor allem für Säuglinge und Kleinkinder, deren Haut noch nicht so viel Melanin bilden kann
Pflaster
Mittel gegen Fieber und Schmerzen (zum Beispiel „Ibuprofen“)
Creme gegen Hautreizungen (Cortisonhaltig)
Repellentien (Abwehrmittel) gegen stechende Insekten (besonders wirkungsvoll in Kombination mit einem Moskitonetz)

- Mittlere Reiseapotheke: wie oben. Dazu weitere Empfehlungen
Antidiarrhoikum (Mittel gegen Durchfall): „Loperamid“
Mittel gegen Obstipation (Verstopfung): „Bisacodyl“, Glycerin-Zäpfchen.
Mittel gegen Erbrechen „Dimenhydrinat“
Mittel gegen Magenschmerzen und Sodbrennen: „Omeprazol“, „Antacida“

- Größere Reiseapotheke: Weitere Empfehlungen für Reisende, die einen umfangreichen Schutz brauchen oder wünschen
Fieberthermometer
Desinfektionssalbe oder Spray zum Beispiel Povidon–Jod
Kältespray
Halsschmerzmittel: Pastillen, Tropfen oder Gurgellösung
Antiphlogistische Salben (Entzündungshemmend), zum Beispiel „Diclofenac“
Augentropfen

- Bei sportlichen Aktivitäten wie Joggen, Fahrrad fahren, Segeln, Tauchen kommen weitere spezielle Arzneimittel in Frage
Ohrentropfen für Taucher
Magnesium für höhere sportliche Leistungen
Elektrolyte
Nasenspray für Flieger
Tipp: Zur Behandlung bakterieller Infektion: zum Beispiel „Trimethoprim“ und „Sulfamethoxazol“ (nur auf Verordnung eines Arztes)

Und wer bei all den Vorschlägen den echt rheinischen Spruch auf den Lippen hat. „kenne mer nit, broche mer nit, fott domet“ (frei übersetzt mit den Worten: kennen wir nicht, brauchen wir nicht, weg damit!), den möchte ich dringend auf die Impfempfehlungen für europäische Länder und Türkei hinweisen: Tetanus, Diphterie für alle, Hepatitis A und B bei besonderen Risiken.

Für Süd-Ost Anatolien, Grenzgebiet Syrien Irak: Malaria-Risiko, also Prophylaxe
Für Österreich, Süddeutschland unterhalb 1.000 Meter: FSME-Impfung empfohlen
Apotheker Michael Ansorge
DCI-Experte Michael Ansorge ist Apotheker und betreibt die Adler-Apotheke in Königswinter. (Foto: det)
DCI-Experte Michael Ansorge ist Apotheker und betreibt die Adler-Apotheke in Königswinter. (Foto: det)
Tipps im Internet zum Thema Reiseapotheke
www.deutscher-apotheker-verlag.de
www.fit-for-travel.de
www.die-reise-apotheke.de
www.die-reisemedizin.de
www.gesundheitstrends.de
www.netdoktor.de
www.online-reiseapotheke.de
www.onmeda.de
www.reiseapotheke.de
www.uni-apotheke.de
www.weltreise-info.de/hygiene/reiseapotheke.html
Hans F. Schwarz

Hans F. Schwarz

Ingenieur Hans-F. Schwarz, Jahrgang 1938, arbeitete über 40 Jahre in verschiedenen Architekturbüros und ist seit über 50 Jahren aktiver Camper. Seit 1985 betätigt er sich als freier Redakteur bei diversen Wohnmobil- und Caravan-Zeitschriften und als Autor verschiedener Fachbücher über Reisemobile und Caravans. Spezialgebiete sind Zubehör, Test- und Technik von Freizeitfahrzeugen.
Hans F. Schwarz