Erste Testfahrt mit fertigem Möbelbau: Spannende Frage: Wie sieht´s mit dem Gewicht aus? (Foto: Schwarz)

Erste Testfahrt mit dem fertigen Möbelbau: Spannende Frage: Wie sieht´s mit dem Gewicht aus? (Foto: Schwarz)

Das Pick Up Selbstbau-Projekt – Von der Pritsche zum Reisemobil – Teil 4 – Möbelbau und die Innenwände

Pick Up, Selbstbau, Technik, Wohnmobil

In unserer neuen Serie zum Thema „Selbstausbau“ begleitet das Deutsche Caravaning Institut (D.C.I.) den Auf- und Ausbau einer Leerkabine auf einen Volkswagen Doppelkabiner VW T6. D.C.I.-Autor Hans F. Schwarz berichtet in mehreren Folgen von Freud´ und Leid eines Selbstausbauers – vom Kauf der Basis und der Leerkabine, bis hin zur Zulassung und ersten Erfahrungen. Hier Teil 4: Möbelbau und Innenwände.

Teil 4 – Die Kabine wird wohnlich

Das Haus ist soweit fertig, jetzt kommt der Innenausbau und die Möblierung an die Reihe. Auch hier legen wir Wert auf einfache, aber haltbare und bezahlbare Konstruktionen, die leicht überall gebaut werden können. Sogar, wie in unserem Fall, die Hängeschränke und Küchenmöbel im Winter Zuhause im Keller der Wohnung, da die Werkstatt zu kalt dafür werden wird.

Die Trennwand für den Waschraum

Selbstredend hätte die doppelt abgewinkelte Trennwand zum Bad auch durch Firma Stauber beim Bau der Kabine ausgeführt werden können. Ziel war jedoch, möglichst viel selbst zu bauen, zur Steigerung des Selbstwertgefühls und zum Kosten sparen. Gerade im Bad mit den verschiedenen Leitungen zu den Armaturen empfiehlt sich eine Holzständerwand, wie sie viel im Fertighausbau verwendet wird, hervorragend, da in ihrer hohlen Mittelschicht alles an Leitungen verlegt werden kann. Dazu ist diese Bauweise gewichtsparend, relativ kostengünstig und stabil.

Zuerst werden die Pfosten gestellt und mit Winkeln, innerhalb der fertigen Wand, mit der Kabine verbunden. So ist der Befestigung später nicht mehr sichtbar. Jetzt kann die Schale aufgebracht werden. Zur Gewichtseinsparung reicht bei dem vorgesehenen Pappelsperrholz eine zehn Millimeter dicke Platte. Sie wird mit den Ständern verschraubt und verleimt. Da die Kabine später durch Temperatureinflüsse leicht arbeiten wird, wurden die Platten der Schale innen und außen zirka fünf Millimeter kürzer geschnitten, der Spalt wird nach Fertigstellung der Trennwand dauerelastisch verfugt und erhält damit auch noch eine durchgehende Befestigung durch die Klebewirkung der Fugmasse. Das Gleiche geschieht am Fußboden, hier ist die offene Fuge und später die Verfugung besonders wichtig, damit die Sperrholzplatten nicht vom Boden Wasser saugen können und aufquellen. Später, nach dem Einbringen der Installationen kommt von innen die zweite Schale unter den gleichen Voraussetzungen auf die Stützen.

Und das rohe Holz der Sperrholzplatten? Nach Fertigstellung aller Einbauteile und Installationen empfiehlt sich eine Tapezierung mit einem hochdehnungsfähigen Wandverkleidungsmaterial, mit dem später auch die Kabinenwände verkleidet werden sollen. Mehr dazu in einer der nächsten Folgen.

Der Möbelbau

Einfach gegen kleines Geld den Schweden die benötigten Möbel abzukaufen und zu montieren, klappt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Zwar haben sie das eine oder andere Stück im Portfolio, das für diese Zwecke dienlich wäre, aber grundsätzlich sind Möbel, die, wo auch immer, für das häusliche Umfeld gebaut sind, nichts für die Beanspruchung im Fahrzeug, als da wären:

  • Gewicht zu hoch wegen Spanplatten als Baumaterial
  • Eck- und sonstige Verbindungen den Erschütterungen im Fahrzeug nicht gewachsen
  • Beschläge, wie Schubauszüge und Bänder, nur bedingt geeignet
  • Maße meist zu groß, besonders Möbeltiefe
  • Oberflächenversiegelung und/oder Lackierung den Beanspruchungen des Outdooreinsatzes nicht gewachsen

Seit jeher sind Möbel für Campingfahrzeuge grundlegend anders konstruiert und gebaut, wobei manche Konstruktionen des Caravanbaus aus den Gründerjahren  der 1950er und danach heute bei Serienfahrzeugen kaum oder nicht mehr anzutreffen sind. Ein Musterbeispiel hierfür ist die damals weit verbreitete „U-Boot-Bauweise“, bei der aus den durchgehenden Möbelfronten, gefertigt aus PVC-beschichteten Pappelsperrholzplatten in 16 Millimetern Dicke die Frontstücke der Türen und Schubladen ausgeschnitten, mit PVC-Umleimern versehen und dann an gleicher Stelle wieder eingebaut wurden. Auch bei Selbstausbauern war, und ist auch heute noch, diese Bauweise verbreitet, da die Ausschnitte mit der Oberfräse relativ gut zu fertigen sind und sie auch hohen Belastungen standhält. Bänder und Verschlüsse sind stabil und auf das jeweilige System abgestimmt.

Die durchgehende Frontplatte verleiht dem Möbel eine hohe Stabilität. Nachteile sind die hohe Anforderung an die Präzision beim Bau und die hohen Kosten für die PVC-Profile samt jeweiligem Gegenstück. Geht zum Beispiel ein Tür-oder Schubkastenausschnitt beim Ausfräsen schief, muss die gesamte Frontplatte neu gebaut werden. Korrekturen sind so gut wie nicht möglich, da der Ausschnitt ja passgenau in die Frontplatte passen muss und nachher als Ganzes gesehen wird.

Alternativen für die U-Boot-Bauweise sind, wie im häuslichen Möbelbau, Türen und Schubkasten, die ohne Frontplatte zwischen die Seitenwände eingepasst werden. Hier wird kein Platz verschenkt, aber die Konstruktion der Bänder und Schlösser verlangt hohe Festigkeit gegen Rütteln und deshalb auch höhere Materialdicken der Seiten- und Zwischenwände, da die versteifende Frontplatte fehlt. Es ist also angeraten, einen Kompromiss aus beiden Bauweisen zu verwirklichen, der hier getroffen wurde.

Als Standardbauweise wurde gewählt:

  • Korpuswände und Frontplatten aus Pappelsperrholz 15 mm, unbehandelt
  • Frontplatten mit Ausschnitten für Schubkästen und Türen. Anstelle der teuren PVC-Profile wurden Deckleisten aus Fichte mit den Vorderseiten der Schubkästen und der Türen verleimt, deren Überstand die Fuge zur Frontplatte verdeckt
  • Klappen der Hängeschränke aus 10 mm Pappelsperrholz wegen Gewicht. Hier keine Frontplatte, Klappen mit Deckleisten wie bei der U-Boot-Bauweise, auf die Stirnseiten der Trennwände schlagend
  • Zwischenböden in Nuten beidseitig der Zwischenwände verleimt
  • Korpusse verleimt und verschraubt, an kritischen Eckverbindungen innen mit verleimten Vierkantleisten verstärkt
  • Schubkästen mit Vollauszügen an Führungsleisten
  • Türen mit Feder-Scherenbändern und Schnappverschlüssen
  • Klappen der Hängeschränke mit Federaufstellern und Schnappverschlüssen, nach oben öffnend
  • Oberflächen mit Farblasur in Nussbaum eingelassen, mit Baumwolllappen auspoliert

Los geht’s mit dem Erstellen der Holzlisten für die einzelnen Möbel laut den selbstgefertigten Plänen. Die einzelnen Teile sollen fertig zugeschnitten im Internet bestellt werden, da in den Baumärkten der Umgebung kein Pappelsperrholz gehandelt wird.

Anderes Sperrholz kommt aus Gewichtsgründen nicht infrage. Beim Anlegen der Holzlisten ist darauf zu achten, dass diese normgerecht aufgestellt werden, damit keine Missverständnisse entstehen. Üblich ist das Format Länge in Millimeter x Breite in Millimeter x Dicke in Millimeter. Diese Reihenfolge ist ganz besonders wichtig bei Holz mit Maserung, da der Maserverlauf immer entsprechend der Länge des Zuschnitts gelesen wird. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Eine waagrechte Blende im Maß 1.200 mm lang, 200 mm breit in der Front eines Möbels mit senkrechtem Maserverlauf wird bestellt in 200 mm x 1.200 mm x 16 mm, eine senkrechte Blende in gleichem Ausmaß in 1.200 mm x 200 mm x 16 mm. Jetzt können die fertigen Listen an mehrere Anbieter zum Kalkulieren gesandt werden mit der Bitte um Angebote. Wer dann den Zuschlag erhält, bleibt letztendlich Glücksache.

Bei den Holzleisten für die Ausschnitte bleibt die Qual der Wahl beim örtlichen Baumarkt hängen, da man hier im Gegensatz zum Internet die Leisten auf Äste und Verdrehungen hin untersuchen kann. Auch sollten die Maserungen ungefähr gleich sein. Bei den Beschlägen half das Internet mit interessanten Angeboten, sogar preisgünstige Beschläge wurden im Boots-Versandhandel gefunden, früher von der Preisgestaltung her undenkbar.

Jetzt wird es ernst: Auf die Frontplatte, zum Beispiel des Küchenblocks, werden die einzelnen Ausschnitte aufgerissen und nochmals kontrolliert. Mit einer (tauchfähigen) Handkreissäge oder Stichsäge werden nun die Frontplatten der Einbauten ausgeschnitten und gekennzeichnet. Die weiteren Schritte im Detail kann man den Bildunterschriften entnehmen. Was hier für den Küchenblock besprochen wird, gilt sinngemäß auch für die anderen Schränke und Möbel.


In der nächsten Folge 5 geht es um die elegante Verkleidung von Decke und Wänden


Hier geht´s zu Teil 1 der Selbstbau-Serie

Hier geht´s zu Teil 2 der Selbstbau-Serie

Hier geht´s zu Teil 3 der Selbstbau-Serie

Hier geht´s zu Teil 5 der Selbstbau-Serie


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Hans F. Schwarz