Gut gelaunter Verlagsleiter: Reinhard Schulz kann auf ein stolzes Verlags-Sortiment von über 80 Buchtiteln speziell für Reisemobilisten blicken. (Foto: Verlag)

Gut gelaunter Verlagsleiter: Reinhard Schulz kann auf ein stolzes Verlags-Sortiment von über 80 Buchtiteln speziell für Reisemobilisten blicken. (Foto: Verlag)

Firmenportrait – Vom Lehrer zum Verleger – die Geschichte des WOMO-Verlags

Firmenportrait, Gastbeitrag, Menschen, Reise-Literatur, WOMO-Verlag

In unregelmäßiger Folge stellt D.C.I. bekannte Firmen aus der Caravaning-Branche vor. Mit dem WOMO-Verlag aus Kaltenwestheim in der Rhön präsentiert sich ein Urgestein aus dem Bereich Caravaning-Literatur und Reiseführer.

1985 – Michael Gorbatschow wird neuer Generalsekretär der KPdSU – US-Präsident Reagan besucht den Soldatenfriedhof in Bitburg – Johannes Rau wird SPD-Kanzlerkandidat und Joschka Fischer erster grüner Minister – Marc Chagall, Heinrich Böll, Axel Springer und Rock Hudson sterben in diesem Jahr – und Palästinenser entführen das Kreuzfahrtschiff „Achille Lauro“. Das alles bewegt die Menschen in diesem Jahr, doch in Lauffen am Neckar soll der 1. März 1985 für den Lehrer Reinhard Schulz ein Tag werden, an den er sich immer wieder gerne zurück erinnert. Im Lehrerzimmer wurde gerade über den aktuellen Schülerspruch: „Vormittags haben die Lehrer recht und nachmittags frei“ gelästert, der trotz aller Kritik aber das Körnchen Wahrheit beinhaltet, dass ein Lehrer regelmäßig zumindest mit fünf Wochen Sommerurlaub rechnen kann und darf.

Was nicht nur aus dieser Tatsache folgte, erläutert der Chef des WOMO-Verlags, Reinhard Schulz im O-Ton:   

„Lehrer haben morgens recht und nachmittags frei!“ Das ist natürlich ein dummer Spruch, die fünf Wochen Sommerferien sind jedoch ein Geschenk des Himmels. Wie aber soll man fünf Wochen Urlaub mit Frau und drei Kindern bezahlen? Schon damals war ich der festen Überzeugung, die geniale Lösung für uns gefunden zu haben: Das Wohnmobil. Schon seit dem Studium bin ich in diese Urlaubsform vernarrt, kann mir gar keine andere Reiseform mehr vorstellen.”

Ein bisschen Vorbereitung und eigene Planung gehören allerdings dazu und so habe ich es mir von Anfang an zur Gewohnheit gemacht, nicht nur im Vorfeld, sondern auch während der Reise Notizen zu machen. Viele Reisen später sitze ich also in meinem Arbeitszimmer, blättere in meinen Unterlagen und freue mich auf die nächste Reise. Da kommt mir aus heiterem Himmel plötzlich ein völlig verrückter Gedanke: Es gibt keinerlei Literatur speziell für Wohnmobilurlauber, warum schreibe ich nicht selbst eine Zusammenfassung, ein Heft, ein Buch über meine bisherigen und vielleicht auch zukünftigen  Reisen, damit andere nicht nur den gleichen Spaß an dieser mobilen Urlaubsform haben können, sondern auch mit zielgerichteten Informationen über ihr Urlaubsland ausgestattet sind?

Die Idee lässt mich nicht schlafen – und schon am nächsten Morgen beginne ich zu schreiben, und zwar über Griechenland, mein Lieblingsziel in Europa. Titel des ersten Heftchens: Mit dem Wohnmobil nach Griechenland. Kaum begonnen, tauchen natürlich die ersten Probleme auf: Tourenkarten fehlen (die müsste man selbst zeichnen), aktuelle Fotos besorgen (ich habe selbst fast immer nur gefilmt), Strecken, Orte und Stellplätze beschreiben (reichen da meine Notizen von unterwegs?). „Mit dem Wohnmobil nach Griechenland“ wird nur ein schmales Bändchen, das mir eine befreundete Druckerei zu äußerst günstigen Konditionen erstellt – aber ich bin mächtig stolz auf mich – ich bin jetzt Reiseschriftsteller! Die örtliche Buchhandlung ist freundlich, aber reserviert. Nach einem Monat habe ich zwei Exemplare verkauft – gedruckt habe ich 3.000 Stück! Doch aufgeben kommt überhaupt nicht in Frage.

Trotzig mache ich mich auf den Weg zur Frankfurter Buchmesse – und erlebe ein kleines Wunder. „So etwas gibt es noch nicht – her damit!“ – dieser Satz gleich am ersten Tag von einem professionellen Buchhändler bleibt mir in freudiger Erinnerung. Ein Kontakt zum Großhändler bringt den Durchbruch und nach einem Jahr habe ich fast 1.000 Griechenland-Exemplare verkauft. Sollte der euphorische Übertitel „WOMO-Reihe“ Wirklichkeit werden? Hatte ich eine Marktlücke mit meinem Reiseführer entdeckt? Bereits ein Jahr später, 1986, erscheint „Mit dem Wohnmobil nach Nord-Spanien“. Dieser Titel konnte schon mit dem eigenen Typenraddrucker getippt und damit preisgünstiger erstellt werden – und dann geht es Schlag auf Schlag: 1988 gehörten schon fünf Titel zum „WOMO-Verlagsprogramm“ und 1990 stößt der erste Fremdautor, Ralf Gréus, zu unserem Verlag.

Frauen und Männer der schreibenden Zunft. Nur mit diesen Autoren und Reiseschriftstellern konnte der WOMO-Verlag in mehr als dreißig Jahren die heutige Marktposition erreichen. (Foto: Verlag)
Frauen und Männer der schreibenden Zunft. Nur mit diesen Autoren und Reiseschriftstellern konnte der WOMO-Verlag in mehr als dreißig Jahren die heutige Marktposition erreichen. (Foto: Verlag)

1996, der WOMO-Verlag hat inzwischen 20 Titel und drei Autoren, hänge ich meinen Lehrerberuf endgültig an den Nagel und kann mit meiner lieben Frau in unsere alte Heimat, in die thüringische Rhön zurückkehren. Hier ist das Bauen preiswert und wir lassen uns nach eigenen Plänen ein Wohn- und Verlagsgebäude ganz aus Holz errichten. Die Arbeit mit dem Verlag geht munter weiter. Heute, im Jahr 2018, haben wir rund 80 Buchtitel im Angebot, Europa ist quasi abgedeckt, auch WOMO-Reiseführer von Namibia und Neuseeland stehen in den Regalen der Buchhandlungen. Drei Angestellte (unter ihnen unsere Tochter Katja) arbeiten direkt mit uns, 30 Autoren schreiben für uns und in unserem Stil an weiteren Bänden.

Regelmäßig (rund dreimal im Jahr) machen wir uns selbst auf zur Recherche und Nachrecherche, denn ein aktueller WOMO-Reiseführer soll nicht älter als drei – vier Jahre werden. Unser Verlags-Wohnmobil hat noch immer knappe Maße, obwohl wir uns manchmal etwas mehr Komfort vorstellen könnten. Aber „der Schulz“ muss ja auch die Wege ausprobieren, die er dann seinen Lesern NICHT empfehlen kann. Besonders viel Freude (und Freunde) macht uns unser Online-Shop, denn mit ihm können wir unmittelbar auf die Wünsche unserer Leser eingehen und ihnen die zu ihrer Wunschreise passenden Autokarten und Wörterbücher anbieten.

Wie geht es weiter mit den WOMO-Reiseführern in den digitalen Zeiten von Smartphone und Facebook? Es wird immer Kunden geben, denen ein sauber strukturiertes und exakt recherchiertes Buch in der Hand über alle digitalen und elektronischen Helferlein gehen wird. Und wer nicht lesen will, hat es bisher auch nicht getan.
Wir sind optimistisch!

Infos: Zur Webseite des Womo-Verlags

Infos: Direkt zum Online-Shop des Womo-Verlags

Hans-Christian Bues

Hans-Christian Bues

Hans-Christian Bues, geboren in Bad Harzburg, lebt und arbeitet als Journalist, Reiseschriftsteller und freier Autor in Königswinter am Rhein. Für seine Reportagen, Reiseerzählungen und Abenteuerromane war er neben dem kanadischen Yukon Gebiet in Alaska, Amerika, Asien, Australien, Russland und vielen anderen Länder der Welt unterwegs. Er ist ein langjähriger und erfahrener Reisemobilist, schreibt regelmäßig Fahrzeugtests und betreut für das D.C.I den Bereich Freizeit, Reise und Touristik.
Hans-Christian Bues