Im Gespräch – Das Hymer Urgestein – Bernhard Kibler

Deutschland, Erwin Hymer Group, Menschen, Personalie

Seit Mitte 2015 ist Bernhard Kibler Geschäftsführer von Hymer. Was hat sich getan?  Aenne Gianmoena hat das Interview mit dem Hymer Geschäftsführer geführt.

Seit Mitte 2015 ist Bernhard Kibler Geschäftsführer von Hymer. Kibler verantwortete zuletzt den Geschäftsbereich Hymer Reisemobile. Davor hatte er verschiedene Positionen im Vertrieb, Marketing und Produktmanagement inne. Er bringt für die Position des Geschäftsführers also jede Menge Know-how mit. Wir treffen uns mit ihm zu einem Gespräch in seinem Büro. Ein sehr aufgeschlossener, gutgelaunter Geschäftsführer empfängt uns.

Frage: Sie gelten als Urgestein des Unternehmens – als sprichwörtliches Hymer-Kind. Seit 26 Jahren sind Sie im Unternehmen. Erzählen Sie mal …

Antwort: Ja, ich bin im 26. Jahr hier. 1989 habe ich als Azubi angefangen. Dieses Gebäude hier gab es noch nicht – alles war deutlich kleiner. Das wird mir grad, wenn ich das so erzähle, bewusst. Alles war noch deutlich überschaubarer.

Frage: Hatten Sie persönlichen Kontakt zu Erwin Hymer?

Antwort: Ja, klar! Er hat mich nicht eingestellt, das hat der damalige kaufmännische Leiter getan, aber der Chef war irgendwie  schon  immer  präsent.  Er war so nahbar, hat wirklich jedem Azubi auf dem Gang noch die Hand geschüttelt. An Weihnachten ist er immer durchs Haus gelaufen und hat jedem persönlich schöne Weihnachten und einen guten Rutsch gewünscht.

Frage: Haben Sie den Eindruck, dass Erwin Hymer etwas „übergeben“ hat, hat er das „Familiäre“ vererbt?

Antwort: Ja, unbedingt! Das spürt man heute noch. Vielleicht hat uns in Krisenzeiten mal die Identität gefehlt,  aber aus Krisen lernt man ja, und heute ist es gut, wie es ist. Die Familie ist präsent, hat großes Interesse an allem – an den Produkten, daran, wie die Außenwirkung ist, an allen Vorhaben und Plänen. Großer Beweis dafür ist ja, dass sie die Aktien zurückgekauft haben. Das wird von den Mitarbeitern sehr geschätzt, das ist ein Statement und für uns alle beruhigend. Im Klartext bedeutet das für uns: Die Familie steht hinter uns.

 

Frage: Vom Geschäftsbereichsleiter zum Geschäftsführer – ein lang gehegter Traum?

Antwort: Ja  … doch eigentlich schon, aber nicht von Anfang an. Ich war viel im Vertrieb – ich war immer am Markt, und ich habe gesehen, wie viele aus dem Vertriebsbereich zum Geschäftsführer aufgestiegen sind. Und ich hatte immer großes Interesse daran zu gestalten. Produkte zu gestalten, am Vertrieb mitzuwirken. Und darum war es natürlich erstrebenswert für mich, irgendwann diese Position zu erreichen, damit ich die Marke Hymer mitgestalten kann.

Frage: Was dürfen die Geschäftsbereichsleiter jetzt noch ohne Sie entscheiden?

Antwort: Ich versuche ihnen die Kompetenz zu geben, die sie brauchen. Sie sind eine Art von Unternehmer im Unternehmen und haben große Verantwortung. Dennoch gibt es Schnittstellen und andere ebenso wichtige Bereiche. Die gesamte Organisation muss das gleiche Ziel haben und funktionieren. Also, sämtliche Mitarbeiter haben – zumindest empfinde ich es so – alle großes Vertrauen zu mir. Allerdings  komme  ich  nach  26  Jahren natürlich immer noch gern mit meinen eigenen Ideen, das ist klar. Am Ende finden wir immer einen gewinnbringenden Konsens. (lacht)

 

Frage: Was ist die schönste Aufgabe auf dem neuen Posten? Oder, wo lassen Sie sich keinesfalls reinreden?

Antwort: Gute Frage, es gibt fast nichts, wo ich mir NICHT reinreden lasse. Die Produkt-  und  die  Vertriebspolitik sind mir extrem wichtig. Das sind die zwei Dinge, die mir sehr viel Spaß machen, weil ich hier auch die meiste Erfahrung und sehr viele sehr gute Kontakte habe. Wenn überhaupt, habe ich hier vielleicht manchmal ein bisschen Probleme, wenn man mir reinredet. Aber ich muss natürlich immer auch auf die Gruppe und auf Forschungsanforderungen Rücksicht nehmen. Und auf meine Führungsphilosophie. Da hab ich meine ganz eigene – da lass‘ ich mir ungern reinreden.

Frage: Wie sieht die aus?

Antwort: Ich gebe gern Verantwortung ab und bin kein Hire-and-Fire-Typ. Bei mir bekommt jeder eine Chance. Sicherlich bin ich schon ein Treiber – aber immer fair. Ich habe hohe, aber umsetzbare Erwartungen, bin dabei aber kein  Controller,  der  jeden  Tag  die Ergebnisse einfordert. Unterm Strich muss das sauber aufgehen. Dann ist das Ziel erreicht.

Frage: Warum Hymer?

Antwort: Für mich?

Frage: Generell! Oder wie Sie meinen. 

Antwort: Also für mich beziehungsweise aus meiner Sicht ist es eine sehr emotionale Marke und ein sehr emotionaler Betrieb. Hymer ist für mich DIE Marke. Und ich fühle mich sehr geehrt, dass ich bei Hymer sein darf und diese Marke nun steuern darf. Und generell, also von den Produkten her – es sind einfach die besten! (freut sich)

 

Frage: Reisemobil oder Caravan?

Antwort: Kastenwagen. (alle lachen im Raum) Wobei ich schon eher der Reisemobiltyp bin – ohne dass das als Wertung verstanden werden soll. Ich hatte auch schon einen Wohnwagen. Einen Troll. Ich glaube, dass mein Hang zum Reisemobil damit zu tun hat, dass ich eher der Kurzurlauber bin, da ist man mit dem Reisemobil flexibler.

Frage: Die ungewöhnlichste Übernachtung in einem Reisemobil?

Antwort: Oh, es gibt viele sehr lustige Geschichten. An was ich oft und gern zurückdenke, sind die Reisen, die ich mit den Kollegen gemacht habe. Zum Beispiel mit Rudi Fimpel (Anmerkung der Redaktion: Geschäftsbereichsleiter Eriba Caravans und Hymercar) war ich viel unterwegs – auch auf Clubtreffen und bei Kundenreisen. Wir waren noch jung damals und abends gab’s dann natürlich immer ein Schlückchen und das Reisemobil wurde gerne mal zur Pilsbar. Vor anderthalb Jahren war ich übrigens noch mit einem Vertriebskollegen mit einem Hymer ML-T auf Außendiensttour, das war schon sehr lustig. Und die Händler waren teilweise recht verblüfft, dass der Geschäftsbereichsleiter mit dem Außendienstmitarbeiter im Reisemobil angefahren kommt und dann nach dem Termin auf dem Hof campiert.

Frage: Als nächstes kommt der B-DL, also die Hymermobil B-Klasse DynamicLine?

Antwort: Für mich zeigt sich eine klare Tendenz am Markt, die 3,5-Tonnen-Schwelle wird immer wichtiger. Und da musste nun was passieren, da wollten wir den Forderungen der aufrückenden Kunden nachkommen. Dazu kommt ein neues Design, was auch überfällig war. Mit dem Hymermobil Exsis-i haben wir das Thema komfortable, gut ausgestattete Integrierte mit ECHTEN 3,5 Tonnen etabliert, was sehr gut funktioniert. Der Erfolg gibt uns recht. Der logische Schritt war jetzt ein Premium-Integrierter mit Doppelboden.

Frage: Was ist das nächste große Highlight, dürfen Sie uns da schon etwas verraten?

Antwort: Nach dem Hymermobil B-DL kommt mittelfristig der Bereich über 3,5 Tonnen ins Visier. Da sprechen wir den klassischen Hymer-Kunden an. Die Zielgruppe ist durch die Führerscheinprüfung ja schon relativ fixiert. Das Außendesign passt sich dem Hymermobil B-DL an. Übrigens über kurz oder lang bei allen Fahrzeugen. Wir wollen unsere Designsprache, also das Hymer-Gesicht, wahren. Da war das Hymermobil B-DL nun das erste, und alle anderen werden nachziehen. Und dann kommt die S-Klasse. Wir sind schon seit drei Jahren an der Entwicklung, zusammen mit Promobil und einem Kundenentwicklungsgremium. Die S-Klasse wird weniger Volumenbringer, sondern soll vielmehr der Imageträger sein. Mit diesem Reisemobil werden wir neue Designtrends setzen, stylisher sein. Ich glaube, man kann sagen, dass wir hier sehr mutig sind.

Berhard Kibler ist Geschäftführer der Marke Hymer. (Foto: kgm markenkommunikation)
Berhard Kibler ist Geschäftführer der Marke Hymer. (Foto: kgm markenkommunikation)

Frage: Geht es hier um eine andere, vielleicht jüngere Zielgruppe?

Antwort: Nicht unbedingt. Wir sind der Meinung, dass sich auch die aktuelle Zielgruppe verändert hat. Viele denken ja, dass der typische Reisemobilist die Eiche-rustikal-Schrankwand im Wohnzimmer stehen hat, dem ist aber nicht so. Auf der einen Seite bauen wir, weil wir wissen, dass der Bedarf da ist, vermehrt Anschlüsse für mobile Endgeräte wie iPad und Co in die Reisemobile, auf der anderen Seite bestehen Hemmungen, einen Designsprung nach vorn zu machen. Das werden wir nun ändern. Und der nächste Meilenstein wird der Kastenwagen auf Mercedes werden – der Hymercar Grand Canyon S, der im Sommer präsentiert wird. In der Branche gibt es das zwar bereits, aber kein Volumenhersteller macht sowas bislang. Da versprechen wir uns viel. Der Sprinter ist inzwischen anerkannte Basis geworden, weil er einfach ein hervorragendes Auto ist. Darum passen Mercedes und Hymer so gut zusammen, beide Hersteller legen überaus großen Wert auf hervorragende Qualität.

Frage: Das sind ja richtige Insiderinformationen, die Sie hier rauslassen, das freut die Leser. Was die Leser natürlich auch immer interessiert, sind Insiderinformationen über Geheimtipps zu Reisezielen oder Stellplätze. Haben Sie da was für uns?

Antwort: Da kann ich nur einen Tipp von einem Kunden wiedergeben, den ich auch befolgt habe. Das ist zwar schon länger her, aber daran denke ich oft zurück. Der Lago de Trasimeno in Italien, ein Stückchen oberhalb von Rom. Ein Kratersee, der viertgrößte See Italiens. Da waren wir damals mit Freunden in einem Dreiachser, mit ’nem B 694, das weiß ich noch genau. Dieser Urlaub war wunderschön. Die Gegend ist toll und bietet viel. Wir waren auf einem sehr schönen Campingplatz, ich weiß zwar nicht mehr, wie der hieß, aber was ich weiß, ist, dass ich da mal wieder hinmöchte.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Kibler!

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues