Der EarthCruiser FX ist ein australisches Expeditionsmobil auf dem Chassis des Fuso Canter 4x4. (Foto: egs)

Der EarthCruiser FX ist ein australisches Expeditionsmobil auf dem Chassis des Fuso Canter 4x4. (Foto: egs)

Kurz vorgestellt – EarthCruiser FX auf Fuso Canter 4×4

4x4-Fahrzeuge, Fahrzeugtest, Fahrzeugvorstellung, Schweiz

EarthCruiser. Klar, denkt man da gleich an Weltreise. Mit dem Modell FX, beispielsweise. Ein robustes Expeditionsmobil auf Basis des Fuso Canter 4×4. Gebaut in USA. Zu weit weg für einen Kauf? Okay: Wie wär’s mit einer Reise in die Schweiz?

Caravan Salon in Düsseldorf im September. Da steht er also nun: Der EarthCruiser FX, ein australisches Expeditionsmobil auf dem Chassis des Fuso Canter 4×4. Wenige Wochen zuvor hatte uns ein treuer Leser auf diesen Hersteller aufmerksam gemacht: Ein solches Gefährt würde er sich für die angedachte Weltreise wünschen. Aber die müsse er dann wohl im US-Bundesstaat Oregon oder in New South Wales, Australien, beginnen – den beiden EarthCruiser-Firmen- und Produktionsstandorten in den USA oder Australien.

Das muss aber nicht sein: Die Globustour kann auch mit einem kleinen Umweg in die Schweiz starten. Dort, präzise in Les Acacias bei Genf, ist Andrew Tvarusko mit seiner Firma „Off Road Accessoires – Adventure Equipment“ als Europa-Importeur für EarthCruiser aktiv. Und das gewünschte Modell FX, die Kombination einer kompakten Festkabine auf dem Fahrgestell der Allradversion des Fuso Canter, ist bei ihm für einen Grundpreis von 231.110,- Euro zu haben.

Einstieg durchs Bad

Natürlich bin ich jetzt, hier auf dem Messestand in Düsseldorf, erst einmal neugierig: Was hat die Begeisterung unseres Lesers für den EarthCruiser FX eigentlich ausgelöst. Andrew lädt mich zum intensiven Einblick in den rund 8,5 Quadratmeter großen Innenraum der Kabine. Die erste Überraschung erwartet mich am Eingang. Oder besser gesagt: In selbigem. Denn die „Diele“, die ich über die drei Stufen der elektrischen Treppe betrete, ist… das Bad. Ich stehe zum Auftakt also auf einem Holzrost in der Duschwanne.

Und hätte ich nun verschmutztes Schuhwerk oder sandige Füße, könnte ich beides mit der ausziehbaren, stilvoll mit einem weißen porzellanartigen Griff ausgestatteten Handbrause abspritzen, die in der klassischen Armatur des kleinen Waschbeckens an der linken Wand eingesteckt ist. Und auch für eine ausgiebige Ganzkörperdusche bietet diese Eingangs-Sanitärzelle erfreulich viel Bewegungs-Spielraum.

Klar, hier stört ja auch keine Toilette… Gibt’s keine? Oder nur ein porta potti irgendwo? Und das bei dem Preis? Andrews Antwort ist unumschweifend pragmatisch: Mit einem leisen Surren fährt die Festbank-Toilette aus einem Fach unterhalb des Waschbeckens heraus. Auf Knopfdruck, elektrisch. Pfiffige Idee.

Dagegen verblasst die übrige Einrichtung der 4,17 Meter langen GfK-Kabine fast schon zur Normalität. Der Grundriss ist im Wesentlichen schnell erklärt und bietet eine klassische Anordnung: Da gibt es ein Doppelbett, quer im Heck installiert und 192 Zentimeter lang sowie 1,38 Meter breit. Ausreichend Schlafkomfort soll eine 120 Millimeter dicke Kaltschaummatratze bieten.

Vom Bett herunter geklettert, steht man im Mittelgang zwischen der Küchenzeile auf der linken und einem über dem Toiletteneinschub montierten, schubladengespickten Wäscheschrank auf der rechten Seite. Der Küchenblock nimmt sich recht dominant aus und bietet auf der Platte noch reichlich Arbeits- und Abstellfläche neben den beiden versenkten Becken (einmal Spüle, dahinter der Abtropf) mit zwei Einhebelmischbatterien sowie dem Keramikfeld des dieseltankgespeisten Webasto-Herdes.

Ebenfalls praktischer Standard ist der eingelassene Abfalleimer mit einer Abdeckung, im Zwischenraum von Herdplatte und Fenster platziert. Eine kleine Armada von Schubfächern öffnet sich im Unterschrank, in dessen rechtem Part auch noch der mit 130 Liter ausreichend paar-dimensionierte Kompressor-Kühlschrank platziert ist.

Viel Platz für zwei Personen

Nach vorne hin schließt sich auf der Eingangsseite noch ein schmaler Stauschrank sowie die Sitzgruppe an. Deren 660 x 560 Millimeter große Tischplatte zwischen den vis-a-vis Bänken ist an der Trennwand zum Cockpit eingesteckt und lässt sich mit mit einem Handgriff zur Seite schwenken, um den Durchgang zum Fahrerhaus freizugeben. Sie dient zudem als Zwischenstück, um damit ein weiteres Bett zu bauen – eine reine Gästelösung, denn prinzipiell ist der EarthCruiser FX mit seinen beiden gurtgesicherten Plätzen ja nur für zwei Personen konzipiert.

Das unterstreichen auch die Staukapazitäten: Auf den ersten Blick sind sie üppig, verteilen sich auf einen Wäscheschrank, geräumige Staufächer und Schubläden in der Küchenzeile sowie ein durchgängiges, von außen zugängliches Staufach unter dem Bett. Aber wer schon mal zu Zweit auf Langzeit-Fernreise war, weiß um die Menge der persönlichen Equipmentbedürfnisse.

Der FX ist damit nach der EarthCruiser eigenen Profilbeschreibung vor allem für Paare gedacht, die sich bei ihrer Reise auf einen Kontinent beschränken. Global-Reisenden empfiehlt Andrew eher die EXP-Kabine mit elektrischem Hubdach, das die Innenraumhöhe um 61 Zentimeter erweitert. Abgesenkt reduziert es die Fahrzeughöhe auf schiffscontainertaugliche 2.508 Zentimeter.

Ein Weltauto als Basisfahrzeug

Wer mit einem Reisemobil auf den Kontinenten rund um den Globus unterwegs ist, vertraut bekanntermaßen aus technik-praktischen Erwägungen gerne auf ein weit verbreitetes Modell einer weltweit agierenden Marke als Basisfahrzeug. Der Fuso Canter 4×4 zählt eindeutig zu dieser Spezies, er ist ein „Gewächs“ des international gut aufgestellten Mitsubishi-Konzerns. Die meisten traditionell gebildeten Offroader kennen das Logo mit den drei Diamanten auf dem Kühlergrill von bewährten Geländewühlern wie dem Pajero oder L 200. Aber da gibt es eben noch den Fuso Canter 4×4. Der allerdings seit 2006 zur Truck Division des Daimler-Konzerns gehört. Weshalb man die aktuelle Canter-Baureihe, deren Anfänge auf 1963 datieren, hierzulande nur beim freundlichen Mercedes-Nutzfahrzeug-Händler bekommt, bei technischen Problemen in anderen Ländern aber auch in einer Mitsubishi-Werkstatt vorsprechen darf.

Expeditionskabinen-tauglich ist das klassische Leiterrahmen-Chassis – auf dem die Kabine via einem verwindungsflexiblen System montiert ist – allemal, verkraftet es doch mindestens 3.500 Kilogramm Traglast. Und der für die Märkte in Schwellenländern konzipierte zuschaltbare Allradantrieb gilt ohnehin als anspruchslos robust. Die im Frühjahr 2012 auf dem deutschen Markt eingeführte 4×4-Version wurde 2014 mit einer elektrisch aktivierbaren Untersetzung und einem aufwändigeren Abgassystem zur Erfüllung der Euro 6-Norm aufgerüstet.

Das drei Liter große Vierzylinder-Dieselaggregat mit VTG-Turbolader, Partikelfilter, AdBlue-Einspritzung und nachgeschaltetem Oxy-Kat stammt übrigens aus dem Fiat-Konzern. 430 Newtonmeter stehen ab 1.600 Umdrehungen parat und sorgten schon im alten Modell für vergleichsweise kräftigen Durchzug. Mit der Untersetzung, die die Zugkraft in jedem Gang um den Faktor 1,987 erhöht, bewältigt der Canter 4×4 nun noch eine Steigungsherausforderung mehr: Waren früher 30 Prozent das Limit, sind es heute deren 60.

Auftakt-Härtetest im Outback

Die Gründungsgeschichte der „EarthCruiser Overland Vehicles Pty. Ltd.“ beginnt – wie bei so vielen Unternehmen dieser Art – mit einer Idee. Einer simplen, eigentlich: Da tun sich ein paar Offroad-Reise-Enthusiasten im australischen Bundesstaat New South Wales zusammen, um ein Expeditionsmobil auf die Räder zu stellen, das entsprechend der Philosophie des Ur-Jeeps überall hin- und durchkommen („go anywhere“) sowie mindestens zwei Personen komfortabel Unterkunft bieten sollte. Sie tüfteln und konstruieren und bauen… bis der Prototyp des ersten EarthCruiser für die Testfahrt bereit ist.

Die führt nicht nur über 700 Kilometer Sandpiste zur Dragon Tree Soak im großen Wüstenbecken in West-Australien, sondern auch zum Erfolg: Fahrwerk, Kabine, alle Onboard-Systeme, Installationen und Einrichtungselemente haben diesen Härtemarathon letztlich unbeschadet überstanden. Und der Prototyp meistert auch alle Folgetest, wie die 27.000 Kilometer lange Route durch Russland, die Mongolei und die Tundra-Piste von Yakutsk nach Magadan. Nun konnte die „Serienfertigung“ in Helensburgh mit dem selbstgestellten Anspruch, „das beste Expeditionsmobil der Welt zu bauen“, beginnen.

Mittlerweile besteht die Palette aus der FX- und der EXP-Kabine, die beide auch auf den Iveco Daily und den Isuzu NPS 65 passen. Und es gibt eine EarthCruiser-Dependence in Bend im US-Bundesstaat Oregon, die weitestgehend unabhängig agiert und leicht unterschiedliche Mobile baut – wie beispielsweise das hier vorgestellte Modell FX und die Pickup-Wohnkabine GZL für den Toyota Tacoma und den Nissan Navara.

Wer auf seiner Weltreise mit dem in der Schweiz gekauften EarthCruiser also mal auf dem amerikanischen oder dem australischen Kontinent landet, sollte unbedingt einen Schlenker zu einer der Produktionsstätten einplanen: Bend befindet sich in der Hochwüste Oregons, nördlich des Newberry National Volcanic Monuments, man erreicht den Ort über die Interstate 97 oder den Central Oregon Highway 20. Helensburgh liegt am Rande des Royal National Park, zwischen Sydney und Wollogong, kurz nach dem Übergang der A1 auf den Motorway One. Von Les Acacias bei Genf sind das ungefähr 16.795 Kilometer Luftlinie, versteht sich. Aber bekanntlich ist der Weg das Ziel.

Infos:  Zur Webseite von EarthCruiser

Technik-Info EarthCruiser FX 4x4
BasisFuso Canter 6C18 4WD, Comfort-Einzelkabine
Motor / AntriebSandwich-Bauweise aus GfK, kältebrückenfrei, Isolation: Wände 40 mm, Boden 50 mm, Hartschalen-Festdach, 3,0-l Reihenvierzylinder, CR-Direkteinspritzer Turbodiesel BlueTec 6 (129 kW/175 PS bei 3.500 U/min, 430 Nm bei 1.600 - 2.900 U/min), 5-Gang Schaltgetriebe mit Untersetzung (1,987:1), elektr. zuschaltbarer Allradantrieb, selbstsperrendes Hinterachsdifferenzial (70%), Reifen 215/75 R 17.5 auf Felgen 17.5. x 6 (Option: Cooper STT 315/75 R 16 auf 16 x 8)
Bodenfreiheit: 250 mm
Böschungswinkel v/h: 35°/25°
Rampenwinkel: 25°
Wattiefe: k.A.
Radstand: 341,5 cm
Sitz/ Schlafplätze2/2
Maße6.530 x 2.060 x 3.000 mm
Zul. Gesamtmasse5.500 kg
Leermasse5.000 kg
Bettenmaß Heckbett1.920 x 1.380
Ausstattung2 x Airbags, ESP, ABS, ASR
Grundpreisab 231.000,- Euro
Hersteller / VertriebEarthCruiser USA, 61510 American Ln #140, Bend, Oregon 97702, Tel. +1.541.706.9101, www.earthcruiser.com
EarthCruiser Australia, 17 Old Farm Rd, Helensburgh NSW 2508, AUS, Tel. +61.412.823.146, www.earthcruiser.net.au
Importeur: Off Road Accessoires SA, Rte des Jeunes 5c, CH-Les Acacias (Genf), Tel. +41.22.792.80.00, www.earthcruiser.eu
Grundriss
Grundriss EarthCruiser FX 4x4. (Grafik: Werk)
Grundriss EarthCruiser FX 4x4. (Grafik: Werk)


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Egbert Schwartz

Egbert Schwartz

Egbert Schwartz, Baujahr 1956, verdiente sich die ersten journalistischen Sporen während seines Publizistik-Studiums als freier Mitarbeiter einer Wochenzeitung in seiner Heimatregion Rheingau. Seine Leidenschaft für Automobile und Motorräder brachte er hier in erste Testberichte ein. Nach dem Abschluss des Publizistikstudiums in Mainz beschleunigte er nach München, wo er als Redakteur beim Magazin Off Road einige Jahre über Geländewagen, Allrad-Pkw sowie Enduros schrieb. Mit seinem Faible für klassische Fahrzeuge übernahm er im gleichen Verlag die Chefredaktion des „Oltimer-Magazin“, später entwickelte Schwartz in gleicher Funktion die Zeitschrift „Van“ mit dem Fokus auf Großraumlimousinen und Freizeitfahrzeuge. Ende 1999 gründete er mit seinem Kollegen Theo Gerstl das Redaktionsbüro „WortGetriebe“, das für verschiedene Automobil-Zeitschriften sowie -Kundenmagazine schreibt. Daneben war Egbert Schwartz als freier Chefredakteur der Zeitschrift Auto Classic tätig und hat mit Co-Autoren mehrere Bücher geschrieben.
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