Richtiges Know-how, die passende Ausrüstung und erfahrene Mitarbeiter sind die Voraussetzungen für die technischen Herausforderungen bei der Reparatur von Freizeitfahrzeugen. (Foto: Spies-Hecker)

Richtiges Know-how, die passende Ausrüstung und erfahrene Mitarbeiter sind die Voraussetzungen für die technischen Herausforderungen bei der Reparatur von Freizeitfahrzeugen. (Foto: Spies Hecker)

Lackreparatur bei Freizeitfahrzeugen – Vorsicht, Materialmix!

Caravan, Service, Wohnmobil, Zubehör

Der Wohnmobil-Trend ist ungebrochen, die Zulassungszahlen auf Rekordniveau. Doch bei Lackierung und Trocknung stellen Caravan & Co. den Lackierer vor beträchtliche Herausforderungen. Reparaturlack-Spezialist Spies Hecker aus Köln unterstützt mit Tipps zur fachgerechten Instandsetzung.

Allein zum 1. Januar 2018 waren in Deutschland 487.000 Reisemobile beim Kraftfahrtbundesamt gemeldet, zudem zählte das Amt zum gleichen Zeitpunkt noch 654.000 Wohnanhänger. Gerade jetzt, nach der Urlaubssaison, beauftragen zahlreiche Caravan- und Wohnmobilbesitzer die Werkstätten damit, noch vor der Winterpause kleine Blessuren oder Unfallschäden instand zu setzen.

„Die Stoßzeit beginnt erst“, weiß auch Franco Ficociello, Mitinhaber des Maler- und Autolackierbetriebs Osvaldo Ficociello GmbH in Isny. Er und sein 50-köpfiges Team sind auf die Instandsetzung von Reisemobilen spezialisiert. 18 Mitarbeiter sind allein mit der Vorbereitung beauftragt, weitere 15 mit der Lackierung. Der Materialmix bringt Herausforderungen für Lackierer.

„Die Caravan- und Wohnmobilinstandsetzung erfordert vom Lackierer hohe Präzision sowie viel Erfahrung“, erklärt David Kukies, Technischer Service Spezialist für Pkw und Caravan bei der Reparaturlackmarke Spies Hecker. „Denn durch die komplexe Struktur der Fahrzeuge sind umfangreiche Fachkenntnisse notwendig, um zu verhindern, dass durch feine Haarrisse größere Schäden entstehen, die später kostenintensivere und aufwändigere Reparaturen erfordern“, führt der Experte aus.

Technische Herausforderungen

Die besonderen Herausforderungen bei der Lackierung von Caravans liegen demzufolge vor allem im Materialmix: Aluminium, PMMA (Polymethylmethacrylat), PUR (Polyurethan), Holz, ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol), GFK (Glasfaserverstärkter Kunststoff) und PP (Polypropylen) sind in der Außenhaut der Wohnmobile verbaut – das stellt den Fachmann bei Lackierung und Trocknung vor ganz unterschiedliche Herausforderungen. Spezieller Lackaufbau bei PMMA: „PMMA ist beispielsweise sehr lösemittelempfindlich. Daher sollte der Lackierer hier nur milde Reinigungsmittel verwenden, um Versprödung oder Rissbildung im Material zu vermeiden“, erklärt David Kukies.

Hier ist deshalb oftmals ein spezieller Lackaufbau erforderlich. PUR findet sich als Frontgrill, als Heckoberteil oder Radlauf am Caravan. „Viele PUR-Bauteile weisen eine hohe Porosität auf. Daher ist bei der Vorbehandlung und Beschichtung unbeschichteter Neuteile sowie bei der Trocknung von Beschichtungen Vorsicht geboten“, unterstreicht der Experte. Auch bei bereits beschichteten Untergründen können Schäden entstehen, wenn im angrenzenden Bereich ein Infrarotstrahler eingesetzt wird.

Spritzmuster-Erstellung notwendig

„In unserem Karosserie- und Lackierbetrieb verwenden wir für Reparaturen an der Außenhaut Aluminiumbleche in Erstausstatterqualität“, führt Franco Ficociello aus. Die Bleche setzen Reisemobil- und Caravan-Hersteller bei der Serienfertigung ein. Das Besondere an den 0,6 bis 0,8 Millimeter starken pulverbeschichteten Aluminiumblechen ist deren Herstellung im Bandwalzverfahren.

„Aufgrund dieses Herstellungsverfahrens ist die Farbtonbestimmung sehr komplex. Deshalb ist es empfehlenswert, für den Farbtonabgleich eigens erstellte Musterbleche als Orientierungshilfe einzusetzen“, erklärt David Kukies.

Besonderer Lackaufbau erforderlich

Die Beschaffenheit der Aluminiumbleche erfordert darüber hinaus einen besonderen Lackaufbau. „Während die Lackstärke im Pkw-Bereich zwischen 120 μm und 140 μm liegt, beträgt sie bei Freizeitfahrzeugen in der Serienfertigung etwa 35 μm bis 40 μm. Im Reparaturbereich liegt die Lackstärke zwischen 100 μm und 130 μm“, unterstreicht der Experte. „Genau hierin besteht die Herausforderung.“ Für den Lackaufbau setzt der Betrieb in Isny Spies Hecker Permasolid HS Vario Füller 8590 ein. „Wir führen maximal drei Spritzdurchgänge aus und am folgenden Tag wird geschliffen und lackiert“, berichtet Franco Ficociello von seinen Erfahrungen.

Forcierte Trocknung unter 60 Grad Celsius

Für die Trocknung von Caravans empfiehlt der Fachmann Temperaturen unter 60 Grad Celsius. „Dennoch sollten Lackierer auf forcierte Trocknung setzen. Lufttrocknung ist nur nach der Lackierung mit dafür geeigneten Produkten durchführbar“, erklärt David Kukies. Besondere Vorsicht ist bei der Trocknung mittels Infrarot-Strahlern geboten. „Durch die starke Hitzeentwicklung kann das verbaute Aluminium deformieren und verursacht, dass einzelne Schichten voneinander getrennt werden. Dadurch entstehen oftmals irreparable Schäden“, betont der Anwendungstechniker.

Kleinschadenreparaturen sind nur begrenzt möglich

Speed Repair ist bei Caravans und Wohnmobilen hingegen wegen der Struktur der Außenhaut nur in eingeschränktem Umfang möglich. „Geeignete Stellen sind beispielsweise die Stoßfänger vorn und hinten sowie die A-Säule im Bereich der Frontscheibe“, erklärt David Kukies abschließend.

Infos:  Zur Webseite von Spies Hecker

INFO Spies-Hecker
Spies Hecker, eine der weltweiten Reparaturlackmarken von Axalta Coating Systems, entwickelt optimale, praxisorientierte Lösungen, welche die Arbeit in Lackierbetrieben erleichtern und effizienter machen können. Mit hochwertigen Produktsystemen, kundenspezifischer Beratung und gezieltem Training ist Spies Hecker seit 135 Jahren ein starker Partner des Lackierhandwerks. Die Kölner Lackmarke zählt zu den international führenden Autoreparaturlackmarken und ist in mehr als 76 Ländern aktiv.
Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues