Von Reisemobilsten für Reisemobilisten: Der neue Stellplatz Frankenpark in Mitwitz ist nach Wünschen der Reisemobil-Touristen von einem Fachmann angelegt worden. (Foto: Stellplatz Auszeit)

Neustart des Reisemobil-Tourismus - Der Arbeitskreis Reisemobil-Tourismus hat eine Strategie zum Neustart des Reisemobil-Tourismus nach der Corona Krise vorgestellt. (Foto: Stellplatz Auszeit)

Neustart im Tourismus – Arbeitskreis Reisemobil-Tourismus präsentiert Plan für Post-Corona

CIVD, Corona, Handel, Marktzahlen, Tourismus, Verbände

Der Arbeitskreis “Reisemobiltourismus”, dem neben dem CIVD auch Vertreter des ADACs, des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) und ausgewiesene Stellplatz-Experten angehören, hat einen konkreten Plan für die Zeit nach der unmittelbaren Corona-Krise erarbeitet.

Neustart im Tourismus: Reisemobil-Stellplätze prädestiniert für Phase 1

Im Rahmen der Bewältigung der Corona-Pandemie wird die Gesellschaft noch länger mit massiven Abstands- und Hygieneregeln konfrontiert sein, größere Menschenansammlungen werden auf längere Zeit hin nicht möglich sein. Daher wird nicht der Städtetrip, sondern die Ausfahrt in die umliegende Natur im Vordergrund stehen.

Naherholungs-Destinationen, Naturerlebnisse, entschleunigende regionale Trips werden die Menschen in der Zeit nach der Corona-Pandemie unternehmen können und wollen. Der Reisemobiltourismus ist eine Urlaubsform mit maximaler Autarkie, die nach den aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen die notwendigen Voraussetzungen für die Lockerungen in idealer Weise gewährleisten kann. Dieses vorliegende Papier ist ein konkreter Plan zur Ausgestaltung der Phase 1a „Erste vorsichtige Lockerungen“, veröffentlicht auf www.tourismusnachcorona.de. Eine deutschlandweit einheitliche Lösung wird angestrebt.

Allgemein gilt:

Die politische Unterstützung einer Strategie für das stufenweise Wiedereinsetzen des Tourismus ist nur unter Berücksichtigung von Regeln des Gesundheitsschutzes zu gewährleisten. Die Abwägung zwischen sozialen und ökonomischen Maßnahmen wird hierbei vorausgesetzt. Der Gesundheitsschutz hat auch für die Verfasser dieses Papiers absolute Priorität. Tourismusexperten plädieren für einen stufenweisen Neustart im Tourismus. Dabei sollen zunächst diejenigen Beherbergungsbetriebe öffnen dürfen, die ihren Gästen eine Urlaubsform mit maximaler Autarkie bieten. Dies trifft auf eine große Zahl von Reisemobil-Stellplätzen zu. Campingplätze sind nicht Thema dieses Papiers. Eine differenzierte Betrachtung aller Angebotsbereiche des Deutschlandtourismus führt zu unterschiedlichen Wiedereinsatzzeitpunkten.

Soft-Opening durch Teilöffnung der Reisemobil-Stellplätze:

Ziel dieses Vorschlags ist ein wichtiger Impuls für die touristische Infrastruktur und damit ein Beitrag zu ihrem Überleben, bei einer überschaubaren Zahl von Beteiligten im Rahmen zunächst sehr eng gesteckter Grenzen. Gerade der Reisemobil-Tourismus bietet, wie kaum eine andere Art des Tourismus, eine maximale Autarkie. Das „Haus auf Rädern“ mit eigenen Wohn-, Koch-, Sanitär- und Schlafmöglichkeiten sorgt dafür, dass die Kontakte zu anderen Menschen auf ein absolutes Minimum beschränkt werden können. Erweiterte Parzellen zwischen den Fahrzeugen sorgen für die notwendige größere Distanz.

Gleichzeitig wird ein wichtiger Impuls für die touristische Stellplatz-Infrastruktur in ländlichen und strukturschwachen Räumen gegeben und so ein bedeutender Beitrag zu ihrem Überleben geleistet. Dies kann bei einer überschaubaren Anzahl an Reisezielen erfolgen, deren Kapazität leicht gesteuert werden kann. Kurorte und prädikatisierte Heilbäder wie zum Beispiel Bad Königshofen haben mit Reisemobil-Stellplätzen einen attraktiven Nischenmarkt im Kur- und Gesundheitstourismus etabliert. Diese Orte verfügen in der Regel auch über medizinische Kenntnisse und Möglichkeiten, die über den Standard vieler anderer Urlaubsorte hinausgeht und eignen sich so sehr gut für den genannten Neustart.

Der kontrollierte Wiedereinstieg kann bei Reisemobilstellplätzen durch folgende Maßnahmen erfolgen:

Begrenzung zunächst auf autarke Fahrzeuge (keine Campingbusse ohne Toilette) Kapazitätssteuerung durch Pflicht zur vorherigen Buchung
Maximal zwei Personen pro Mobil (mehr Personen nur, wenn aus einem Haushalt) Begrenzung auf eine maximale Fahrzeug- und Personenzahl pro Reisemobilstellplatz, Aufenthalt im Freien nur auf der eigenen Parzelle, maximal mit Markise, kein festes Vorzelt, freiwillige Teilnahme an der App PPT-PT.

  • Mögliche Maßnahmen auf den Stellplätzen (nachgewiesen durch freiwillige Selbstverpflichtung)
  • Check-In/-Out automatisiert oder mit abstandswahrenden Sicherheitsschleusen an der Rezeption
  • Versorgungs-/Entsorgungssysteme benutzbar, werden täglich durch Betreiber gereinigt und desinfiziert
  • Sanitäranlagen bleiben gesperrt
  • Gemeinschaftseinrichtungen (Pools, Aufenthaltsräume) bleiben gesperrt, Dienstleistungen vor Ort sind reduziert: Kein Brötchenservice, maximal Gasverkauf, keine Animation, Unterhaltungsangebote,
  • Veranstaltungen: Gastronomie öffnet unter Auflagen
  • Eventuell Halbierung der Kapazität (jede 2. Parzelle bleibt frei)

AK Reisemobiltourismus

Der CIVD Arbeitskreis „Reisemobiltourismus“ besteht aus Vertretern des ADAC, DTV, ausgewiesenen Stellplatzexperten sowie der Caravaningindustrie. Seit der Ausweisung des ersten deutschen Reisemobilstellplatzes im ostbayerischen Viechtach im Jahre 1983 hat sich der Reisemobiltourismus von einem anfangs noch belächelten Nischenmarkt zu einem boomenden Segment im Deutschlandtourismus entwickelt. Den über 532.000 allein in Deutschland zugelassenen Reisemobilen stehen über 4.000 Stellplätze aller Größen- und Qualitätsstufen gegenüber. Mit der Entwicklung zu immer größeren, besseren und in der Nähe zu touristischen Anziehungspunkten gelegenen Stellplätzen hat sich der Reisemobiltourismus längst zu einer eigenständigen Urlaubsform entwickelt, die die spezifischen Wünsche und Bedürfnisse von Reisemobiltouristen zu berücksichtigen sucht.

Impulse für die deutsche Wirtschaft

Eine aktuelle Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr e. V. an der Universität München (dwif) belegt die wirtschaftliche Bedeutung von Camping- und Caravaning-Tourismus in Deutschland. Demnach bescheren Urlauber mit Reisemobil, Caravan oder Zelt der heimischen Wirtschaft einen Gesamtumsatz von 14 Milliarden Euro. Etwa 70.000 Arbeitsplätze hängen vom Caravaning-Tourismus ab.
Da viele Caravaning-Enthusiasten im eigenen Land verreisen, profitiert auch die deutsche Tourismusbranche stark von dem Boom. Insgesamt 140 Millionen Übernachtungen bzw. Aufenthalts- tage zählten die deutschen Campingplätze und Reisemobilstellplätze 2018. Davon entstehen 15,5 Millonen Übernachtungen durch Reisemobilisten auf und außerhalb von Reisemobilstellplätzen sowie weitere 16,5 Mio. Tagesreisen mit dem Reisemobil. Rund 50,- Euro geben Reisemobilisten pro Tag aus. Daraus folgt ein Umsatz von über 1,5 Milliarden Euro alleine von Reisemobilisten außerhalb von Campingplätzen. Diese verteilen sich dabei neben den Übernachtungskosten vor allem auf den lokalen Einzelhandel, die Gastronomie und Freizeitangebote wie Freizeitparks, Museen und Wellness-Angebote.
Weitere Informationen:

Infos: Zur Webseite des CIVD

Quelle: CIVD


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Claus-Detlev Bues