Wunderschöner Sandstrand bis zum Horizont in Skagen – auch in der Hochsaison viel Platz für Badegäste. (Foto: Visitdenmark)

Leuchttürme und Wellenbrecher schützen die Badestrände an Dänemarks Küsten (Foto: Visitdenmark)

Nordjütland – Hier ist Dänemark (s) Spitze!

Dänemark, Freizeit, Reise, Tourismus

Wer die längsten Sonnentage, die einsamsten Strände, das betörende Licht und die freie Wahl zwischen zwei Meeren in einem skandinavischen Urlaubsparadies sucht, der kommt an Nordjütland nicht vorbei. 

„Kann man das spüren“, fragt eine ältere Touristin aus Deutschland einen Familienvater mit einem Kleinkind auf den Schultern, der breitbeinig am Ende einer Sandbank barfuß in den leichten Wellen steht, „kann man spüren, dass man hier in Skagen mit einem Bein in der Nordsee, mit dem anderen in der Ostsee steht?“ Der junge Mann dreht sich zu der Dame um, die mit zünftigen Outdoor-Klamotten und Wanderschuhen ein paar Meter entfernt vom Strand fasziniert auf die Meeresoberfläche schaut, zuckt lächelnd die Schulter und antwortet: „Verrate ich nicht, selbst ausprobieren!“

Wasser, Wind und weites Land

Was vielleicht ein wenig unhöflich gegenüber der neugierigen Dame klingen mag, ist für Besucher des kleinen Königreiches ein ganz heißer Tipp! Selbst ausprobieren! Ein Land, das mit über 7000 Kilometer Küstenlinie, weit mehr als 400 Inseln, zwei Meeren und jeder Menge Natur aufwarten kann, fordert Gäste und Besucher geradezu heraus, auf touristische Entdeckertouren zu gehen. Und diese vielfältigen Möglichkeiten, die Atmosphäre, den Charme und die Gastfreundschaft unserer nördlichen Nachbarn auf eigener Faust zu erleben, bestehen ganz sicher nicht nur im dänischen Süden, auf den Inseln und in der weltoffenen Stadt Kopenhagen, sondern ganz besonders und noch intensiver im ländlichen und wasserreichen Nordjütland.

Hier riecht, schmeckt, hört und erlebt man das Meer überall, wenn der salzige Wind die Dünen auf Wanderschaft schickt und Hecken, Sträucher und Bäume ihre Kronen nicht ganz freiwillig nach Osten neigen. Feuchte Hochmoore mit niedrigem Bewuchs wechseln sich ab mit weiten, grünen Weideflächen, sandige Hügel mit zerzausten Büschen gehen über in fruchtbare Täler mit gewundenen Wasserläufen, einsame Gehöfte ducken sich schutzsuchend hinter meterhohen Hecken und baumbestandene Alleen führen zu idyllisch gelegenen Dörfern mit schmucken Häusern, Bauerhöfen, Windmühlen und eigenwilligen Kirchen. Typisch Nordjütland.

Strand, Sand und Camping

So wie die Abenteurer und Entdecker Amerikas mit Pferd und Wagen immer Richtung Westen zogen, müssen die modernen Nomaden mit ihrem Reisemobil, Caravan, Zelt oder Fahrrad nur dem Nordpfeil auf dem Kompass folgen. Nordjütland ist Camping – und Nordjütland ist nicht zu verfehlen. Auf top ausgebauten Autobahnen und Landstraßen führt der Weg von Flensburg über Kolding, vorbei an Aarhus, Randers und Hobro  immer Richtung Norden nach Aalborg, der Hauptstadt vom nördlichen Teil des rund 500 Kilometer langen Jütlands.

Dänemark, und ganz speziell Nordjütland, spielt nicht nur durch die Gesamtlänge der Strände, sondern auch durch die Anzahl und Qualität der Campingplätze in der Champions-League in Europa. Einen Steinwurf nordwestlich der alten Aquavit-Stadt Aalborg lassen wir die Räder unserer Reisemobile vor der Schranke des Jambo Ferienparks ausrollen. Jambo ist afrikanisch und bedeutet „Willkommen“.  Und genauso fühlt man sich schon bei der Begrüßung durch Karsten Egelund, den rührigen und freundlichen Chef der 5 Sterne-Campinganlage, die weder bei den Stellplätzen für Reisemobile und Caravans, noch bei Zeltplätzen und Campinghütten irgendwelche Wünsche offen lässt.

Profi-Golfer dürften von der platzeigenen Anlage ebenso begeistert sein, wie junge Familien mit Kindern, komfort- und qualitätsbewusste Camper und jugendliche Gruppenreisende. Berühmt durch seine fantastischen Sonnenuntergänge lässt sich der weitläufige Nordseestrand des Jambo Ferienparks auch heute Abend nicht lange bitten und schickt das strahlende Licht der untergehenden Sonne trotz des kühlen Westwindes in einer Symphonie von Licht und Farben am Horizont auf die nächtliche Reise zur anderen Seite der Erde.

Leuchttürme, die im Meer verschwinden

Als Navigation auf hoher See noch Herrschaftswissen der Kapitäne, und die Seefahrt selbst ein lebensgefährliches Unterfangen war, als Schiffsunfälle, Strandungen und Piraterie zum täglichen Brot der mutigen Männer auf See gehörten, da hatten Feuer am Strand, nächtliche Signale und Leuchttürme ihre ganz große Zeit. Im 16. Jahrhundert blühte der Handel dänischer Kaufleute nicht nur mit den Ostsee- Anrainerstaaten, Schiffe alle Größen machten sich auf, Waren und Güter in fremde Länder zu transportieren. Schon den Wikingern waren vor tausend Jahren die Gefahren der flachen dänischen Küste mit ihren sich stetig verändernden Sandbänken und der oft schlechten Sicht bekannt.

Über 10.000 Wracks hat das dänische Kulturerbeamt vor den Küsten des kleinen Königreiches registriert. Die Leuchttürme, die in unregelmäßigen Abständen entlang der gesamten dänischen Küste positioniert sind, sollten die Schifffahrt sicherer machen. Zu einem dieser kilometerweit sichtbaren Seezeichen, dem todgeweihten Leuchtturm Rubjerg Knude, haben wir uns an einem strahlend blauen, aber wie immer windigen Vormittag auf den Weg gemacht. Über eine sanft ansteigende Wanderdüne, deren feiner Sand durch den stetigen Wind immer in Bewegung ist, erreichen wir die Plattform, auf der sich noch bis vor einigen Jahrzehnten ein ganzes Dorf um den rund 23 Meter hohen Turm geschart hatte.

Davon sind heute nur noch Fundamente, flache Steinmauern und lose Ziegelsteine vorhanden. Der imposante Turm selber, im Jahr 1900 erbaut, steht wie ein mahnender Finger aus gemauertem Stein an der zerklüfteten Küste, die Jahr für Jahr mehrere Meter Land an die raue See abgeben muss. Vor über 100 Jahren fast einen halben Kilometer weit im Landesinneren erbaut, steht der 1968 abgeschaltete Leuchtturm heute nur noch einen Steinwurf vor der Steilküste entfernt und wartet still und geduldig auf den Zeitpunkt, der innerhalb der nächsten zehn bis fünfzehn Jahre definitiv und unabänderlich eintreten wird.

An diesem Tag wird das Fundament komplett unterspült sein und der Turm wird für immer im Meer versinken. Trotz der fantastischen Aussicht von der Plattform ganz oben im Leuchtturm – weit zurück ins Hinterland und voraus auf das glitzernde Meer und die zerklüftete Steilküste – bleibt ein gewisses Maß an Nachdenklichkeit und Melancholie, wenn man sich die wechselvolle Geschichte dieser imposanten Türme und deren Bedeutung für die Seefahrt über viele Jahrhunderte vor Augen führt. Nordjütland ist Seefahrerland.

Keramik, Kaffee und Künstler

Der kleine Fischer- und Künstlerort Lonstrup am Skagerrak, etwa 30 Kilometer südlich der bekannten Hafenstadt Hirtshals kann nicht nur mit einem fast bis zur Unendlichkeit reichenden Badestrand aufwarten, der tagsüber sogar mit dem Auto befahren werden darf, sondern er liegt auch in unmittelbarer Nähe zu einer riesigen Wanderdüne. Dieses sandige Ungetüm verändert seit Generationen die Natur, die Landschaft und nicht zuletzt auch die Bewohner, die unter Sand begrabene Häuser, Kirchen und ganze Dörfer zurücklassen mussten.

Weder menschlicher Wille, gepaart mit Schaffenskraft, noch der Einsatz von schwerem technischen Gerät hat diesen wandernden Sandberg daran gehindert, sich Jahr für Jahr um mehrere Meter in die Richtung fortzubewegen, die der stetige Westwind schon vor tausenden von Jahren vorgegeben hat. Nichts bleibt wie es ist, könnte die Devise der Wanderdüne sein – aber was so ist, könnte auch so bleiben. Und das könnte der Leitspruch des kleinen und urgemütlichen Keramik Café Vennebjerg Molle sein, dem wir für eine Mittagspause einen kurzen Besuch abstatten.

Regionale und saisonale Produkte aus dem Meer, von der Weide und aus dem Garten mit unheimlich viel Phantasie, Kreativität und Liebe zur Kochkunst in so kleine leckere Häppchen zu verpacken, das erlebt man nicht oft und wird noch lange in guter Erinnerung bleiben. So gestärkt und motiviert machte der Besuch in dem Künstler- und Fischerort Skagen so richtig Spaß.

Ein strahlend blauer Himmel, der unverwüstliche Westwind und eine gut gelaunte und bestens informierte Stadtführerin standen zur Verfügung, um uns durch die verwinkelte Altstadt, die schmalen Gassen und weiter zu den berühmten Häusern, Ateliers und Begegnungsstätten der nicht nur in Dänemark bekannten Künstler, Dichter, Maler und Bildhauer des vorvergangenen Jahrhunderts zu begleiten und zu beweisen, dass Skagen nicht nur die nördlichste Stadt Dänemarks ist. Nordjütland ist Künstlerland.

Kinder, Kaufleute und Kattegat

Ein immer wieder leidiges Thema ist das Problem der freien Stellplätze für Reisemobile in Dänemark. Obwohl das kleine Königreich zwischen zwei Meeren im Bereich Camping und Caravaning mit Sicherheit in der ersten Liga in Europa spielt, wird den Reisemobilisten noch immer nicht erlaubt, frei zu stehen und zu übernachten. Der Campingplatz ist im Land der Wikinger Pflicht, und ob sich daran etwas ändert, so wie in den letzten Jahren verstärkt in den Niederlanden, Österreich, Frankreich und viele anderen bevorzugten Reiseländern, das darf, zumindest in nächster Zeit, bezweifelt werden.

Über 500 top ausgestattete Campingplätze in diesem kleinen Land, so die Argumentation der unterschiedlichen Vereinigungen der Platzbetreiber, haben Platz genug und freuen sich über jeden reisemobilen Urlauber. Ob für eine Nacht oder für den Jahresurlaub, ganz unzweifelhaft ist der Großteil der dänischen Campingplätze auch für Wohnmobile mit und ohne Kinder bestens ausgerüstet. Und gerade Kinder finden am platzeigenen Pool, auf den bestens ausgerüsteten Kinderspielplätzen, am Strand und im flachen Wasser der Nordsee immer ihr kleines Paradies. Nordjütland ist Kinderland.  Zu diesen gepflegten und meist auch landschaftlich bestens positionierten Plätzen gehört auch der DCU Campingplatz Albaek Strand, mittig zwischen Skagen und Frederikshavn am Kattegat gelegen.

Weite, baumbestandene Wiesengrundstücke, heckenumsäumte Stellplätze und großzügige, schattige und windgeschützte Flächen für Zelte, Caravans und Reisemobile machen den Charme und die ländliche Atmosphäre dieses strandnahen Platzes aus, auf dem wir uns für diese Nacht ein lauschiges Plätzchen mit einem komfortablen Holzkohle-Grill ausgesucht haben. Doch am nächsten Morgen machte sich auf dem Weg in die Stadt plötzlich Enttäuschung breit. Der Aalborg Aquavit, langjähriger Begleiter diverser Partys und hochprozentige Belohnung auf Segeltörns für jedes gelungene Wendemanöver, wird nicht mehr in der nordjütländischen Hauptstadt hergestellt? Verkauft nach Norwegen?

Natürlich war die eloquente Aalborg-Stadtführerin auf diese Frage vorbereitet, aber viel mehr, als dass der Aquavit unter dem traditionellen Namen in Norwegen weiterproduziert wird, konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Dafür aber viel Wissenswertes, Informatives und Unterhaltsames über die Stadt Aalborg, die zu ihrer Hochzeit im 16. Und 17. Jahrhundert nicht nur von den dänischen Kaufleuten reich, mächtig und berühmt gemacht wurde. Eine Handvoll Kanäle durchzogen früher die Stadt, einerseits zum Transport der Waren und Güter vom Hafen zu den Handelshäusern im Zentrum der Stadt, andererseits aber auch Jahrhunderte lang missbraucht zur Entsorgung von Müll, Unrat und Exkrementen.

Jungfrau und Elche im Hochmoor

Ein unheimlicher Gestank muss zu dieser Zeit über der Stadt gehangen haben, bis die Stadtväter in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts die Kanäle zuschütten und überbauen ließen. So entstand schon damals das heutige Gesicht einer modernen, aufstrebenden und lebendigen Hafenstadt, die von sich behauptet, die längste Feiermeile Dänemarks zu beherbergen. Die Jomfru Ane Gade, die Jungfrau Anne Gasse im Herzen der Altstadt ist zwar nur 200 Meter lang, weist aber 22 der beliebtesten Gaststätten, Restaurants und Kneipen der Stadt auf. Nordjütland ist Genießerland.

Unsere müden Häupter legten wir für diese Nacht auf dem Kattegat Strand Campingplatz zur Ruhe. Obwohl die Saison schon so gut wie beendet ist, erwartete uns Jorn Lund Petersen, der umtriebige und aufmerksame Chef, der zusammen mit seinem Sohn den Platz „schmeißt“. Schon an der Schranke weist er uns strandnahe Plätze zu, wo die Vorderräder unserer Reisemobile beinahe im Meerwasser stehen. Immer auf der Suche nach neuen und konstruktiven Konzepten, um den Gästen des Platzes noch schönere und angenehmere Ferienwochen zu bieten, hat der Chef seinen Campingplatz auch zu einer perfekten Ausgangsposition für den Besuch des bekannten und komplett renaturierten Hochmoors und Naturschutzgebiets Lille Vildmose Centret gemacht, wo es seit einiger Zeit wieder ausgewilderte Elche zu bestaunen gibt.

Noch scheint die Sonne von einem weißblauen Himmel, die schönste Zeit für einen langen Strandspaziergang. Nur einen Steinwurf entfernt vom Stellplatz für unsere Reisemobile rauscht das Meer, der Wind zerrt am Strandhafer und die kreischenden Möwen fliegen um die Wette mit den bunten Drachen, die von den Kindern am kilometerlangen Strand hoch in den Lüften geschickt gesteuert werden. Erst als die Sonne untergegangen ist, wird es ungemütlich am Strand, der stetige Wind wirkt intensiver und kälter, Wolken ziehen übers Land und es dauert nicht lange, bis uns leichter Nieselregen in die gemütlichen Wohnmobile umziehen lässt. Nordjütland ist Küstenland.

Fazit

Ob es genau stimmt, ist nicht bekannt, aber die Dänen, die ihr Land kennen, behaupten steif und fest, dass es in ganz Dänemark keinen Punkt gibt, der mehr als 50, 7 Kilometer vom Meer entfernt ist. Ich glaube sogar, dass in Nordjütland die Entfernungen zu einem der beiden Meere noch deutlich kürzer ausfallen, denn es gibt keinen Punkt in dieser tollen Landschaft, der nicht ganz intensiv nach Meer, Strand und Salz, nach Freiheit, Ungebundenheit und Urlaub riecht. Und das ist gut so, denn: Nordjütland ist Urlaubsland.

INFO
Campingplätze Nordjütland ausprobiert
Jambo Ferienpark
Jammerbucht / Nordsee, 130.000 qm Fläche, nördlich von Saltum, ebenes Wiesengelände, windgeschützt durch Hecken, teilweise asphaltierte Stellflächen vor dem Platz, Ver- und Entsorgung für Reisemobile, professionelle Golfanlage, Minigolf, Mehrzweckhalle, Volleyball, Badminton, Tennis – und Fußballfeld, Sanitär für Kinder, Gastronomie, Einkauf, Wlan.
Infos: www.jambo.dk

Camping Albaek Strand
Kattegat / Ostseeküste, zwischen Frederikshavn und Skagen, südlich von Albaek, ebenes, windgeschütztes Heidegelände unter Nadelbäumen, 110.616 qm, kinderfreundlicher Sand / Badestrand, Ver- und Entsorgung von Reisemobilen, unterschiedlich große Stellplätze, teilweise mit Grill, Sportmöglichkeiten, Sanitär für Kinder, ein Kilometer zum nächsten Ort.
Infos: www.camping-aalbaek.dk

Kattegat Strand Camping
Aalborg Bucht zwischen Aalborg und Hobro, weitläufiges, ebenes Gelände mit vielen Büschen, Hecken und Bäumen Nähe Hadsund am Mariagerfjord, beheizter Swimmingpool, Sport- und Mehrzweckhalle, Einkauf, Minigolf, Kinderspielplätze, Reiten, Tennis, Ver- und Entsorgung für Reisemobile, Gastronomie, Ausgangspunkt für das Naturschutzgebiet Lille Vildmose Centret.
Infos: www.922.dk



Bitte beachten: Mit dem Start des Videos stimmen Sie der Weiterleitung und der Übermittlung von Daten an YouTube zu.


Das ist interessant! Das teile ich!
Hans-Christian Bues