Mit dem 630 hat Chausson ein außergewöhnliches Teisemobil für Zwei mit einem innovativen Grundrisskonzept. (Foto: alf)

Mit dem 630 hat Chausson ein außergewöhnliches Reisemobil für zwei Personen mit einem innovativen Grundrisskonzept auf dem Markt positioniert. (Foto: alf)

Praxis-Test des Monats – Reisemobil – Chausson 630 – Grundriss mit Pfiff

Chausson, Fahrzeugtest, Frankreich, Hersteller, Wohnmobil

Chausson, beheimatet im der französischen Trigano-Gruppe, gehört zu den innovativsten Herstellern in der Branche. Das Bemühen, quer zu denken oder mal komplett anders an eine Grundrisslösung zu gehen, wurde in diesem Jahr mit einem renommierten Innovationspreis belohnt.

Zentrale Rolle in den bemerkenswerten Fahrzeuglösungen spielen dabei elektrische Hubbetten. Mit dem 630 hat Chausson einen Teilintegrierten im Programm, der als Schlafmöglichkeit zwei längs angeordnete Einzelbetten bietet, die elegant als einzelne Hubbetten über der Sitzgruppe unter der Decke verschwinden.

Basis der Gedankenspiele ist sicherlich die Tatsache, dass man bei Trigano gut funktionierende und bequeme Hubbetten im Programm hat, die dem harten Womo-Alltag Stand halten können. Mit der aktuellen elektrischen, gurtbetriebenen Hubbett-Konstruktion hat man jetzt eine klapperfreie und stabile Version absolut serienreif. Grund genug, das Thema Hubbetten noch einmal ganz neu zu denken und in pfiffigen Grundrissversionen Hubbetten jeder Façon einzusetzen.

Denn diese Idee ist bestechend: Keine festen Betten im Mobil, viel Platz und Bewegungsfreiheit durch freie Blickachsen ohne Oberschränke, und die Schlafgelegenheiten fallen bei Bedarf abends vom Himmel. Auf diese Weise kann man die gesamte Breite des Fahrzeugs für die Betten nutzen, in der Länge sowieso, denn die einzel bedienbaren Hubbetten im Chausson 630 warten mit Gardemaßen von 900 x 2.000 Millimeter auf.

Die Sitzgruppe – Eine bequeme Lounge

Die Sitzgruppe aus Fahrerhaussitzen und zwei superbequemen Längsbänken zeigt sich mit ihren üppigen Ausmaßen und dank des erweiterbaren, freistehenden Tisches, der elektrisch rauf und runter gefahren wird, sehr praxistauglich und macht einen gemütlichen Eindruck. Dazu können die Sitzbänke mit wenigen Handgriffen zu einem weiteren Nachtlager umgebaut werden, wozu aber zwei Ergänzungsteile mit auf Fahrt gehen müssen. Pfiffig zeigt sich die Lösung der Smart Lounge im Fahrbetrieb: Aus den Längsbänken der Sitzgruppe lassen sich recht einfach zusätzliche Einzelsitze als Gurtplätze einrichten. Man sitzt dort zwar recht bequem und kann trotz der Face-to-Face-Sitzgruppe vier eingetragene Sitzplätze vorweisen, aber für lange Strecken ist das sicher noch nicht die Ideallösung.

Geniale Betten

Der Verzicht auf Hängeschränke im Bugbereich kommt dem luftig-­hellen Raumgefühl rund um die Sitzgruppe zugute, die Hubbetten über der Sitzgruppe sind längs angeordnet und können mittels zweier Schalter am Küchenblock elektrisch stufenlos und jeweils separat bis zu den Sitzpolstern herabgelassen werden. Durch dieses innovative System ist es einfach und praktisch, in die bequemen und komfortabel ausgestatteten Betten zu gelangen. Etwas zu scharfkantig ist die umlaufende Kunststoffverkleidung des Bettes, wenn man von Bett nach unten rutschen möchte.

Zwei Punkte sind uns aufgefallen. Werden die Betten in verschiedenen Höhen positioniert, gelangt man nur mit Hilfe einer Leiter ins obere Bett. Die Leiter gibt aber mit ihrer Länge die einzustellende Höhe des Bettes vor, die variable Einstellung einer individuellen Betthöhe ist damit nur schwer möglich. Unsere Idee: Eine Teleskopleiter. Erschwerend kommt hinzu, dass man nur mit einigen Kniebeugen und Verrenkungen durch die blockierte Wohnraumtür das Mobil verlassen kann, wenn das rechte Einzelbett auf die Mitte heruntergelassen wird.

Die Küche

Die Küchenzeile glänzt mit üppiger Größe, viel Arbeitsfläche (mit klappbarer Zusatzfläche), jede Menge Stauraum und kompletter Ausstattung. Hier befinden sich auch die einzigen Oberschränke im Mobil. Zusammen mit dem zweiflügeligen Unterschrank wird durchaus genug Platz für Lebensmittel und Kochutensilien angeboten. Auf mehrköpfige Besatzungen eingerichtet ist zudem der stattliche 167-Liter-Kühlschrank gegenüber der Küchenzeile, der zudem mit einem separaten 29-Liter-Gefrierfach aufwarten kann und oberhalb und unten noch Stauraum anbietet.



Der Sanitärbereich

Die Längsbetten als Hubbetten ermöglichen es, den gesamten Heckbereich als einen großen, offenen Sanitärbereich mit getrennter Duschzelle und Wasch- und Toilettenraum auszubauen. Mit einem langem Faltvorhang als Sichtschutz kann das Sanitärabteil zum Wohnraum hin abgeschlossen werden. Die Möblierung im Sanitärbereich ist praktisch und schlicht, kann aber in Sachen Ausstattung und Materialanmutung durchaus überzeugen. Das Toilettenabteil mit Waschbecken kann von der Größe und der Ausstattung genauso überzeugen, wie die stattlich dimensionierte Dusche. Der geschickt mit zwei verspiegelten Türen verborgene Stauraum oberhalb der Heckgarage ist riesig, denn er nimmt fast die gesamte Fahrzeugbreite ein und bietet reichlich Regalfläche für Wäsche auf drei Ebenen.

Schön, dass trotzt des riesigen Stauraumes über der Heckgarage noch ausreichend Staumöglichkeit im Heck zur Verfügung steht, denn auch für zwei Fahrräder ist hier ausreichend Platz. Eine Schiebetür unterhalb des Kleiderschrankes dient als Durchreiche zur Garage, die übrigens beheizbar und beleuchtet ist und zudem eine Steckdose zum Laden von E-Bikes an Bord hat. Fein ist die raumhohe Garagentür links, die lange Gegenstände wie Skier oder andere Sportgeräte aufnehmen kann und zudem noch  mit klappbaren Regalböden (die allerdings sehr hoch liegen und  dadurch schwer erreichbar sind) ausreichenden Stauraum vorhält.

 

Reisen mit dem 630

Das war kein kurzes Foto-Shooting um die Ecke – knapp 6.000 Kilometer haben wir dem Chausson 630 auf die “Uhr” addiert und sind von Anfang bis Ende begeistert von dem Fahrzeug. Der Ford Transit stellt für den Chausson eine untadelige Basis dar. Ruhig, sparsam und durchzugstark geht die bisherige Kölner Top-Motorisierung mit 170 PS ans Werk und chauffiert den knapp sieben Meter langen Chausson 630 souverän durch den Verkehr. Ein (über)volle Heckgarage hebelt den Fronttriebler schon manchmal vorne aus den Angeln und beschert gelegentlich in besonderen Situationen, wie eine steile Berganfahrt, durchdrehende Räder. Dennoch unser Resümee: Eine tolle, komfortable und sparsame Basis mit vorbildlicher Ausstattung und jederzeit beherrschbarem Handling, die das Reisen zum Spass macht. Außer der üblichen Klappergeräusche der gläsernen Herdabdeckung – hier halfen zwei Klebe-Filzpads vom Obi – hat sich der Chausson 630 recht ruhig gegeben, was auf eine ordentliche Qualität im Möbelbau hinweist.

Fazit

Mit dem 630 ist es Chausson gelungen, einen Teilintegrierten mit einem wirklich innovativen Grundriss als praktikables Zweiermobil zu etablieren. Highlights sind die bequeme Smart-Lounge mit den klappbaren Einzelsitzen und die Längs-Einzelbetten als Hubbetten. Einrichtung und Ausstattung sind komplett reisefertig, Qualität und Technik sind in Ordnung, über die Verbesserung von einigen unpraktischen Details kann man sicher nachdenken.

Infos:  Zur Webseite von Chausson Deutschland


TECHNIK KOMPASSChausson 630
BASISFAHRZEUG
BasisFord Transit 35, Fahrgestell mit Serien-Tiefrahmen und Breitspurfahrwerk
MotorSerie 2,0 l-TDCi EcoBlue, 1.987 ccm, 95 kW / 130 PS, Euro 6d Temp, Testwagen 125 kW / 170 PS
AntriebSechsgang-Schaltgetriebe, Frontantrieb
SicherheitssystemeABS, ASR, Airbags, ESP
Testverbrauch11,7 l/100 km
MASSE UND GEWICHTE
Techn zul. Gesamtmasse3.500 kg
Masse in fahrb. Zustand2.947 kg
Zuladung553 kg
Abmessungen L x B x H6.990 x 2.350 x 2.920 mm
Bettenmaße L x BHub-Einzelbetten längs, elektrisch höhenverstellbar, 1.900 x 900 mm, 1980 x 900 mm
Dinettbett 1.950 x 1.200 mm
Sitz- / Schlafplätze5/4
Innenhöhe1.980 mm
Frisch- / Abwasser Tanks105 l innen / 100 l unterflur
WasseranlageWasseranlage Schläuche mit Druckpumpe, 10 l Gas-Warmwasserboiler Truma
Bord-Akku / Typ95 Ah / AGM
Gasvorrat2 x 11 kg Flaschen
HeizungDiesel-Umluft-Gebläseheizung Webasto 3.500 kW
PREISE
Grundpreisab 52.690,- Euro
Serienausstattung (Auszug)Fahrerairbag, Kühlschrank Absorber AES 167 Liter, elektrische Bettenbedienung, elektrische Tischbedienung, integrierte Einstiegsstufe
Sonderausstattung TestfahrzeugVIP-Paket (Auszug) Tempomat, Klimaanlage Fahrerhaus, Fliegengitter-Tür, ZV Fahrerhaus/Wohnraum, Panorama-Dachhaube, Fahrerhausverdunklung 4.000,- Euro
Preis Testfahrzeug56.690,- Euro
HERSTELLER / VERTRIEBChausson Deutschland
Koch Freizeitfahrzeuge
Stormstraße 8
D-25524 Itzehoe
Tel. 04821/68050
www.chausson-reisemobile.de
eigenes Händlernetz
Grundriss
Grundriss Chausson 630. (Grafik: Werk)
Grundriss Chausson 630. (Grafik: Werk)

TECHNIK IM DETAIL
Fahrgestell / Aufbau
Original Ford Tiefrahmenchassis mit Breitspur-Hinterachse, GfK-Sandwich-Aufbau in XPS-Isoliertechnik, Dach (54 mm), Seitenwände (37 mm) und Unterboden (63 mm) isoliertes GfK-Sandwich, 4 Seitz-Ausstell-Rahmenfenster mit Mückengitter und Rollo, 1 aufstellbares Panoramafenster, 1 Midi-Heki Dachhaube, Wohnraumtür mit Fenster, Mülleimer, Fliegenschutztür (Option VIP-Paket), Garage, mit Klappe rechts und raumhoher Tür links, beheizt, beleuchtet, mit Zurrösen, Fahrradträger Vorbereitung an der Heckwand
Wohnen
Möbeldekor: zweifarbig Malaga, Möbelkorpus foliertes Sperrholz, Polsterdekor grau-anthrazit, Bodenbelag PVC-Belag mit Stab-Optik hell, Sitzgruppe bestehend aus elektrisch höhenverstellbarem Ein-Säulentisch, hälftig klappbar, Dinette Smart Lounge mit zwei Seitencouchen + zwei zusätzlichen Sitzplätzen, zwei drehbaren Fahrerhaussitze, Großer Kleiderschrank im Heck mit zwei Türen, Durchreiche mit Schiebetür zur Garage, LED-Wohnraumbeleuchtung, Panel für Zentral-Bordmanagement
Kochen
Küchenblock links, dreiflammiger Herd mit Glasabdeckung und Piezozündung, Edelstahlspüle mit Abdeckung, 167 Liter AES-Absorber-Kühlschrank mit Gemüse,Tiefkühl- und Flaschenfach, je ein Schrank unter und oberhalb des Kühlschranks, 2 Hängeschränke, 2 Ablagen, 2 Unterschränke mit je 1 Schublade, 1 Schrank mit Einlegeböden, Softclose-Einzug der Schubladen, klappbare Arbeitsfächenerweiterung
Sanitär
Sanitärraum im Heck, Lamellen-Schiebetür als Abtrennung, Dusche und WC-Raum getrennt, als Raumbad abtrennbar nach vorne, Kunststoff-Waschbecken mit Wasserhahn und Unterschrank, 1 Spiegelschrank, offene Ablagen, Dachhaube, drehbare Thetford-Cassetten-Toilette C 260, separate Dusche mit Duscharmatur, zwei Ausläufen, klappbare Plexiglas-Abtrennung, Holzrost
Schlafen
Elektrisch höhenverstellbare Einzelbetten als Hubbetten, längs angeordnet, mit zwei Kaltschaummatratzen und Lattenrosten, optionales Dinettbett

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Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues