Mit dem VanTourer 600 stellt Eurocaravaning ein schickes, solides Kastenwagenmobil für Zwei mit viel Platz und Erweiterungsmöglichkeiten vor. (Foto: alf)

Mit dem VanTourer 600 präsentiert Eurocaravaning ein schickes, solides Kastenwagenmobil für Zwei mit viel Platz und Erweiterungsmöglichkeiten. (Foto: alf)

Praxis-Test Reisemobil – Eurocaravaning VanTourer 600

Eurocaravaning, Fahrzeugtest, Hersteller, Wohnmobil

VanTourer nennt sich die Kastenwagen-Baureihe der Firma Eurocaravaning, eine Schwesterfirma der Händlergemeinschaft Intercaravaning. Die Fahrzeuge werden in Ungarn in einer Kastenwagen-Produktionsfirma, die zur Knaus-Tabbert Gruppe gehört, speziell für Eurocaravaning gebaut. Im D.C.I.-Praxistest von Alfred Alkoven konnte der Van Tourer 600 sein gutes Aussehen und seine Ausstattungs-Stärken voll ausspielen. 

Die mittlerweile vier Modelle umfassende Serie wendet sich an den preisbewussten Mobilisten, der gutes Design schätzt und auf Komfort und Qualität nicht verzichten möchte. Unser Testwagen, der Van Tourer 600 mit dem großen Aufstelldach bewies klar, dass dieses Konzept passt. Der sechs Meter lange Fiat Kastenwagen, rundum lackiert in Tiziano-Rot, mit Originalhochdach und dem aufgesetzten, in Wagenfarbe lackiertem, flachen Aufstelldach, sieht mit den schwarzen Applikationen an Seiten und Front, den schwarz polierten 16 Zoll Alufelgen und mit der schwarzen Thule Markise – die das Aufstelldach optisch geschickt kaschiert – einfach schick aus.

Entspanntes Reisen

Auf optischen Schnick-Schnack wurde bewusst verzichtet, auch der Van Tourer Schriftzug ist klar gezeichnet und fügt sich nahtlos in das Design-Gesamtkonzept mit ein. So gut, wie der Van Tourer aussieht, so gut fährt er sich in der getesteten Motorvision auch. Der Fiat Multijet 150 mit dem 2,3 l Turbodiesel leistet 148 PS und lässt sich hervorragend fahren. Die Kraft des ohrenfreundlichen Triebwerks ist in allen Situationen mehr als ausreichend, selbst Bergstrecken werden locker in Pkw-Manier bezwungen. Erstaunlich dabei auch der recht geringe Spritverbrauch.

Trotz keineswegs zahmer Fahrweise, teilweise mit Tachogeschwindigkeiten jenseits der 170 km/h, blieb der Durchschnittsverbrauch immer unter 10,5 Litern auf 100 Kilometern. Zusammen mit dem großen 120 Liter Dieseltank ergeben sich Reichweiten von deutlich über 1.000 Kilometern. Auch die Fahreigenschaften zum Beispiel auf Landstraßen, im Stadtverkehr, in Kurven und bei Seitenwind sind, wie auch die Fahrerhausergonomie und sinnvolle Anordnung der Instrumente, Fiat-typisch ausgezeichnet.

Innenraum mit Stil

Über eine tief bauende Elektrostufe unter der Schiebetür gelangt man in den Innenraum des Van Tourer 600. Leider ist der Schalter zum Ein- und Ausfahren der Trittstufe so ungünstig tief an der B-Säule angebracht, dass er von Innen nur mit dem Fuß und von Außen nur auf Knien bedient werden kann. Der Innenraum entschädigt mit frischem Look. Alle Van Tourer Reisemobile haben für das Modelljahr 2018 ein Facelift bekommen.

Das neue Möbeldesign Noce-Opera wird jetzt mit hellen Beige kombiniert. Der Küchenbereich sowie Tischplatte erhalten mit der Black-Brushed-Optik ein modernes Aussehen. Schön sind auch die Polster, die in der Kunstleder-Stoffkombination mit Sichtnähten sowohl auf den Fiat Originalsitzen im Fahrerhaus, als auch auf der Zweiersitzbank dank Zusatzpolsterung sehr bequem sind. Der Wohnraum wirkt mit den teilweise polierten Möbeloberflächen, den Metallgriffen und der geschickt separierbaren LED-Beleuchtung frisch und modern, aber dennoch gemütlich.

 

Hinter dem Fahrersitz beginnt der Wohnraum mit Tisch und Halbdinette. Die untere Tischplatte kann ausgeschwenkt werden, so dass sich die Tischfläche verdoppelt. Zusammen mit den drehbaren Fahrerhaussitzen ist im Van Tourer ein Frühstück auch mit vier Personen problemlos möglich. Bequemes Sitzen ist auch auf der Zweier-Gurtbank möglich. Die Bank besteht aus zwei Einzelsitzen. Der innere Sitz kann noch etwas in den Wohnraum hinein gezogen werden. Das bringt zusätzlich Ellenbogenfreiheit.

Gemütliche Sitzgruppe

Halbdinette und gedrehter Fahrersitz lassen sich noch zu einem quer hinter den Fahrerhaus liegendem Einzel-Notbett von 160 x 70 Zentimeter umbauen. Die beiden Zusatzpolster hierfür brauchen viel Stauraum. Direkt hinter dem Fahrerhaus ist der Dachausschnitt für den Einstieg in das Aufstelldach. Die praktische Teleskopleiter liegt sicher im offenen Stauraum über dem Fahrerhaus. Oben angekommen, überrascht ein großes Doppelbett mit vollen zwei Meter Bettenlänge.

Eine elektrische Lichtquelle konnten wir in unserem Testwagen hier oben nicht finden. Wer die beiden zusätzlichen Schlafplätze im Dach haben möchte, muss wissen, dass im Dach kein HeKi und auch keine Dachhauben eingebaut werden können. Bei geschlossenem Aufstelldach gibt es keine Luft und kein Licht von oben, lediglich die drei großen Lüftungsöffnungen im Balg des geöffneten Aufstelldaches sorgen für Licht und Belüftung.

Ausreichendes Bad

Seit dem Modelljahr 2018 sind alle Van-Tourer-Campingbusse mit einem einheitlichen Festbad ausgestattet. Auf Wunsch kann auch für jeden Grundriss ein Raumbad (Dusche im Durchgang) geordert werden. Der Sanitärraum in einem Kastenwagen ist logischerweise ziemlich eng. Auch im Van Tourer ist es nicht anders. Aber alle notwendigen Hygienearbeiten lassen sich problemlos erledigen, selbst ein kurzes Abduschen ist noch drin. Zu erwähnen, weil nicht alltäglich, ist die drehbare Dometic-Toilette mit Keramik Innenschale und das Toilettenfenster zusätzlich zum Deckenlüfter.

Komplette Küchenzeile 

Gegenüber des Minibades befindet sich die Küchenzeile, die halb in den Schiebetürausschnitt hineinbaut. Mit Spüle, Zweiflammkocher, genügend Stauraum und hinzuklappbarer Arbeitsfläche ist die Küchenzeile praxisgerecht dimensioniert. Ohne die klappbare Arbeitsfläche wäre wenig Platz zum Schnibbeln in der Küche. Der 85 l Absorber-Kühlschrank rechts neben dem Küchenmöbel ist optimal unter dem geräumigen Kleiderschrank positioniert.

Komfortables Heckbett

Der Aufstieg in das Heckquerbett wird durch eine kleine Trittstufe erleichtert. Das Bett misst ordentliche 1,94 Meter Länge mal 1,40 Meter Breite. Die gute Kaltschaummatratze auf dem geteilten und hochklappbaren Lattenrost sorgt für angenehme Nachtruhe. Licht und Luft kommt durch zwei Heckfenster und ein Fenster auf der rechten Seite. Die Beleuchtung kann passend für Lese- aber auch für romantische Heckbettstunden eingestellt werden. Selbst an zusätzliche Ablagefächer, Stautaschen, Lautsprecher, Steckdosen 230- und 12 Volt wurde hier gedacht.

Unter dem Heckbett ist der Stauraum durch die beiden Hecktüren zugänglich. Auf der Beifahrerseite ist im Stauschrank noch der Frischwassertank untergebracht. Gegenüber ist Platz für 2 x 11 Kilogramm Gasflaschen und die Truma Dieselheizung. Dazwischen passen ein Motorrad oder zwei bis drei Fahrräder. Die Schottwand zum Wohnraum hin kann herausgenommen werden, um auch lange Güter durchladen zu können. Der Van Tourer 600 ist ein professionell gebautes Großserienfahrzeug mit wenig Schwächen. Auch die Technik ist einwandfrei. Die Anlagen für Strom, Gas, Wasser, Heizung und Kontrollbord sind ordentlich und sicher gebaut und erfüllen alle Prüfstandards. Ebenfalls kein Tadel beim Möbelbau. Saubere Arbeit in guter Optik, egal wohin man schaut.

Fazit:

Der Van Tourer ist ein schickes von innen und außen perfekt durchgestyltes, flottes und modernes Kompaktreisemobil, das mit zusätzlichem Aufstelldach und Einzel-Notbett Übernachtungsplatz für bis zu fünf Personen bietet. Der Van Tourer ist als Alltagsfahrzeug genau so gut einsetzbar, wie für den Urlaub. Die Preise für den Van Tourer 600 beginnen in der Activ Version bei 39.990,– Euro. Unser gut motorisierte und sehr gut ausgestattete Testwagen kostet rund 55.000,– Euro.

Das fiel uns auf

Infos:  Zur Webseite von VanTourer

TECHNIK-KOMPASS

Eurocaravaning VanTourer 600

BASISFAHRZEUG

Basis:

Fiat Ducato 33 

Motor:

Serie 2,o l-Multijet2 115, 1.987 ccm, Testwagen 110 kW / 150 PS, Euro 6

Antrieb:

Sechsgang manuelles Schaltgetriebe, Frontantrieb

Sicherheitssysteme:

ABS, ASR, Fahrer- und Beifahrerairbag, ESP, Traction Plus

Testverbrauch:

9,9 l/100 km laut Bordcomputer

MASSE/GEWICHTE

Masse im fahrber. Zustand:

2.814 kg 

Techn. zul. Gesamtmasse:

3.300 kg  (3.500 kg Option)

Zuladung:

486 kg

Abmessung (L x B x H):

5.990 x 2050 x 2.580 mm

Bettenmaße (L x B): 

Querbett im Heck 1.900 x 1.400 mm, Dachbett Aufstelldach 1.940 x 1.400 mm, Notbett Sitzgruppe 1.600 x 700 mm

Sitz- / Schlafplätze:

4/3  (Option 5)

Innenhöhe:

1.900 mm

Frisch-/Abwasser Tanks:

110 l innen  / 85 l unterflur 

Wasseranlage:

Wasseranlage mit Tauchpumpe, Automatikhähne, Telefonbrause  

Bord-Akku / Typ:

95 Ah AGM

Gasvorrat:

2 x 11 kg 

Heizung:

Kraftstoff-Umluftheizung mit Boiler Truma Combi D

PREISE

Grundpreis:

ab 42.490,- Euro

Extras Testfahrzeug:

Fiat-Chassis Paket 1.990,- Euro,  Comfort-Paket 2.690,- Euro, Aufpreis Multijet2 150 2.900,- Euro, optionales Aufstelldach in Wagenfarbe 4.380,- Euro, Media-Paket mit Navi 1.670,- Markise für Aufstelldach  1.099,- Euro,  Truma Combi D 899,- Euro

Preis Testfahrzeug:

55.000,- Euro

HERSTELLER/VERTRIEB

Knaus Tabbert Gmbh / Eurocaravaning
Im Metternicher Feldchen 5-7
D-56072 Koblenz
Info: www.vantourer.de
Eigene Händler

GRUNDRISS

Grundriss Eurocaravaning VanTourer 600. (Grafik: Werk)
Grundriss Eurocaravaning VanTourer 600. (Grafik: Werk)

TECHNIK IM DETAIL

Fahrgestell / Aufbau

Original Fiat Kastenwagen, Kältebrückenfreie Seitenwand- und Deckenisolierung in PE-Schaum, Wandstärke: 16 mm, Fußbodenstärke: 22 mm, Bodenplattenisolierung 12 mm PE mit PVC-Belag, 5 Austell-Isolierfenster mit Mückengitter und Rollo, 2 Dachluken, Trittstufe elektrisch

Wohnen

Möbelbau in Vollkorpusbauweise, Möbeldekor: Noce Opera, Polster Stoff-Kunstleder-Kombi, Bodenbelag PVC-Belag mit Parkett-Optik dunkel, Sitzgruppe Dinettensitzbank auf Podest mit Stauraum und seitlichem Klappenzugang, Einhängetisch verschiebbar, erweiterbar mit Klappteil, zwei drehbaren Fahrerhaussitzen.

Küche

Längs-Küchenblock rechts, Spüle-Herd-Edelstahl-Kombi mit zweiflammigem Gas-Kocher, Glasabdeckung, Edelstahlspüle Automatik-Wasserhahn, 85 Liter Absorber-Kühlschrank mit Frosterfach, Schubladen und Auszüge mit Soft-Close, 1 Hängeschrank, 1 Unterschrank mit 1 Schublade und 2 Schränken, klappbare Arbeitsflächen-Erweiterung, LED Küchenbeleuchtung.

Sanitär

Toilettenraum in Holz- und Kunststoffoptik mit integrierter Dusche und Duschvorhang, Deckenhalterung für Brausekopf. Mit fester Eingangstür, Eck-Waschbecken eingelassen, 1 Spiegelschrank, Ablagen, Dometic-Keramik-Cassetten-Toilette.

Schlafen

Heckbett quer mit Lattenrosten und Kaltschaummatratzen, variabler Heckbereich, Lattenroste komplett entnehmbar, Stauraum mit Durchlademöglichkeit unter dem Bett.

 

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues