Der Ford Nugget auf dem Transit Custom hat Pkw-ähnliche Fahreigenschaften. (Foto: det)

Der Ford Nugget auf dem Transit Custom hat Pkw-ähnliche Fahreigenschaften. (Foto: det)

Praxis-Test Reisemobil – Ford Nugget mit Aufstelldach

Fahrzeugtest, Ford

Nachdem Ford zum Caravan Salon 2014 die Hochdachvariante des neuen Nugget Freizeitmobils vorgestellt hat, ist nun der Nugget mit Aufstelldach bei den Händlern. DCI hat das kompakte Freizeitmobil einem ersten Praxis-Test unterzogen.

Neuentwicklung auf traditionellen Werten

Bei der Neuentwicklung seines Freizeitfahrzeuges Transit Nugget ist der Kölner Traditionshersteller Ford neue Wege gegangen. Fünf der größten Freizeithändler aus dem Händlerbeirat und den Camping-Spezialisten sowie das Nugget-Forum wurden von Ford in einer Projektgruppe fest in die Entwicklungsphase des Nugget eingebunden.

Ausführender Entwickler und Hersteller ist weiterhin die Kult-Fahrzeugschmiede Westfalia Mobil GmbH in Rheda-Wiedenbrück. Schnell war klar, dass der neue Nugget automotiver werden sollte und wurde deshalb auf Basis des Transit Custom Kombi N Trend mit kurzem Radstand realisiert.

Zweiraum-Konzept beibehalten

Der neue Ford Transit-Custom ist etwas schmaler und wirkt dadurch schlanker, automotiver. Das Hochdach wurde, um einen besseren Einstieg nach oben zu bekommen, nach vorne versetzt und hat jetzt die typische Westfalia-Nase. Das bewährte Zweiraumkonzept des Vorgängers wurde beibehalten, der Ausbau des bei Westfalia in Rheda-Wiedenbrück gebauten Fahrzeugs aber weiterentwickelt und detailverbessert.

Das Raumkonzept basiert auf einer Halbdinette mit Sitzbank unter Einschluss der drehbaren Fahrerhaussitze vorne und dem Heck, in dem die L-Küche und der kombinierte Kleider-Wäscheschrank mit gesondertem Einstellfach für eine Mobiltoilette angeordnet sind.

In Kombination mit dem links angebrachten Klapptisch, der Sitzbank und den drehbaren Fahrerhaussitzen entsteht so eine gemütliche Sitzgruppe für maximal vier Personen. Gut: Der Klapptisch kann auf die gesamte Länge der Sitzbank ausgeklappt werden.

Als Raumteiler funktioniert der L-förmige Küchenblock, ausgestattet mit Zweiflammenherd, Spüle, 40 Liter Kompressor-Kühlbox, den beiden Tanks für Frisch- und Abwasser und der Technikzentrale mit AGM-Batterie, Ladegerät und Wasserpumpe. Für besseren Liegekomfort im Dachbett sorgt nicht nur ein Froli-Bettsystem, auch das Schiebesystem des Dachbettes wurde deutlich optimiert.

Schickes, superflaches Aufstelldach

Naturgemäß ist bei geschlossenem Aufstelldach gebückter Gang im Nugget angesagt, da kann es schon mal eng werden. Bei geöffnetem Dach und aufgestelltem Dachbett hingegen gibt es volle Stehhöhe im kleinen Ford. Das Aufstelldach ist vorne angeschlagen, bietet damit im Küchenbereich volle Höhe und wird hinten verriegelt.

Die Bedienung ist einfach, kräftige Aufsteller helfen beim Öffnen des isolierten GfK-Daches. Das Schließen ist technisch bedingt etwas aufwändiger, der Zeltbalg hat keine Spanner, daher muss man aufpassen, dass der Balg innen und außen nicht unter das abgesenkte Dach gerät, und ordentlich verstaut ist.

Auch erschien die Verriegelung des Daches im Heck leicht unterdimensioniert. Das Aufstelldach schloss sehr wabbelig und ohne große Spannung, ein etwas unsicheres Gefühl blieb zurück. Ok, das Dach ist vorne angeschlagen, bei einem ungewollten Öffnen während der Fahrt kann kein besonders großer Schaden entstehen, mal Brücken und Durchfahrten außer Acht gelassen.

Vier Schlafplätze an Bord

Dafür entschädigt das großzügige Dachbett mit Froli-Bettsystem und Komfortmatratze. Der Ford Nugget bietet nominal Platz für vier Personen, mit zwei Personen reist es sich allerdings wirklich edel. Auf zwei Metern Länge und 1,38 Metern Breite lässt es sich im Oberstübchen behaglich ruhen, inklusive Seitenfenster, Belüftung, Insektenschutz und praktischen Leseleuchten.

Hell und freundlich wird´s, wenn man die drei integrierten Fenster vom Sichtschutz befreit hat. Zwei weitere Schlafplätze können aus der verschieb- und klappbaren Sitzbank eingerichtet werden. Königsklasse beim Reisen und Übernachten zu zweit, zu viert muss man zusammenrücken, doch es geht.

Tadellose Fahreigenschaften

Einsteigen und losfahren, der Ford Transit benötigt kein spezielles Eingewöhnungsprogramm, das Cockpit und Bedienelemente erinnnern an das Pkw-Programm von Ford. Ein Mangel ist die Positionierung des Gurtschlosses in der Sitzfläche der Fahrerhaussitze. Das Gurtschloss ist soweit innen angebracht, dass es auch bei normal dimensionierten Hinterteilen unangenehm auf das Gesäß drückt.

Handling und Rundumsicht sind prima, und der im Testwagen verbaute 2,2 l-TDCi Motor mit 155 PS war noch die Euro 5 Variante. Er geht richtig ab, wenngleich er ein deutliches Turboloch unter 2.000 U/min zu verzeichnen hat. Ist der Motor warm, läuft er sehr ruhig und komfortabel, Reisen auf der Langstrecke macht richtig Spaß.

Wie übrigens auch der Verbrauch des Kölner. Er bleibt im Schnitt – auch dank des serienmäßigen (Trend-Ausstattung) Start-Stop-Systems – immer bei moderaten 8,5 Liter, der 80-Liter-Tank sorgt für eine mehr als ausreichende Reichweite.

Sauber dieseln – Neue EU 6 Motoren für den Transit Custom

Der Ford EcoBlue Vierzylindermotor mit 2,0 Liter Hubraum kommt B 2016 auch für alle Nutzfahrzeug-Baureihen wie den Ford Transit und den Ford Transit Custom zum Einsatz. Der neue Dieselmotor kommt in drei Leistungsstufen: 77 kW (105 PS), 96 kW (130 PS) und 125 kW (170 PS). Das neue Triebwerk ersetzt dort die bisherigen 2,2-Liter-TDCi-Aggregate. Zu einem späteren Zeitpunkt werden Ford EcoBlue Dieselmotoren mit einer Leistung von bis zu 177 kW (240 PS) auch für Pkw-Baureihen von Ford erhältlich sein – einschließlich einer 1,5-Liter-Version.

Komplette Serienausstattung

Erfreulich ist ebenfalls die komplette Serien- und Sicherheitsausstattung der Basis, einzelne Ausstattungsmerkmale wie beispielsweise Beifahrer-Airbag, ESP, Klimaanlage oder Geschwindigkeitsregler sind bei Fahrzeugen der Mitbewerber immer noch in der kostenpflichtigen Zubehörliste zu finden.

Gut bewährt hat sich der Fernlicht-Assistent (Serie Trend-Ausstattung), der bis auf kleinere Irritationen bei Radfahrern einwandfrei funktionierte und Nachtfahrten deutlich sicherer macht.

Fazit

Tradition und Fortschritt: Der neue Ford Nugget ist frischer und moderner bei bekannt guter Qualität und Ausstattung. Allerdings, durch den Aufbau auf dem kurzen Radstand des Transit Custom, auch etwas kleiner als sein Vorgänger. Als Aufstelldach-Version ist er wendig, kompakt und absolut alltagstauglich.

Dazu auch citytauglich, geeignet für den Besuch von Tiefgaragen ab 2.10 Meter Durchfahrtshöhe, und familientauglich mit Isofix-Adaptern an der Sitzbank zur sicheren Befestigung von Kindersitzen. Er wird in reisefertiger Ausstattung ab rund 54.500,- Euro angeboten.

Technische Daten Ford Nugget Aufstelldach

BASISFAHRZEUG
Basis: Ford Transit Kombi N1, Ausführung Trend
Motor Basisversion: 2,2 Liter TDCi Turbodiesel, Leistung 114 kW/155 PS
Antrieb: Sechsgang-Schaltgetriebe, Frontantrieb
Sicherheitssysteme: ABS, ASR, Fahrer- und Beifahrerairbag, ESP
Testverbrauch: 8,5 l/100 km
MASSE/GEWICHTE
Masse im fahrber. Zustand: 2.580 kg
Techn. zul. Gesamtmasse: 3.100 kg
Zuladung: 520 kg
Abmessung (L x B x H): 4.972 x 1.986 x 2.060 mm
Bettenmaße (L x B):  Dachbett 2.000 x 1.380 mm

Bett Sitzbank 1.950-2.000 x 1.300 mm

Fahrsitz-/Schlafplätze: 5/4
Innenhöhe: 1.310-1.980 mm
Frisch-/Abwasser Tanks: 42 l innen / 42 l unterflur
Wasseranlage: Wasseranlage mit Tauchpumpe
Bord-Akku: 2 x 95 Ah AGM
Gasvorrat: 1 x 2,8 kg
Heizung: Kraftstoff-Gebläseheizung 3,5 kW mit Zeitschaltuhr
PREISE
Grundpreis: ab 54.561,50 Euro
Optionen Testwagen:  Extras Testfahrzeug: Audiopaket 40: Ford Navi mit Ford Sync, Rückfahrkamera, Park-Pilot 2.499,- Euro

Sicht Paket Premium: Fahrspur-Assistent, Regensensor, elektrische Außenspiegel, beheizt 1.130,- Euro

Trittstufe rechts 119,- Euro

Leichtmetallräder 734,75 Euro

Preis Testwagen: 59.134,25 Euro

FAHRGESTELL / AUFBAU
Ford Transit Custom Kombi N1 Trend, kurzer Radstand 2.933 mm, 2 Schiebefenster, GfK-Aufstelldach mit Dach-Frontspoiler in Wagenfarbe lackiert, Faltenbalg mit 3 integrierten Fenstern und Belüftung, Dachbett mit Froli-Bettunterlage und Kaltschaummatratze, Trittstufe
WOHNRAUM
Möbeldekor: Seidenbeige, Polster anthrazit/Flachgewebe grau gestreift, Bodenbelag PVC-Belag in Echtholz-Optik, Klapptisch, verlängerbar mit Stützfuß, in Schienen geführte 3er-Sitz- Schlafbank, verschiebbar, mit 2 Isofix-Adaptern, umbaubar zum Doppelbett, Stauraum in der Sitzbank, zwei drehbare Komfortsitze im Fahrerhaus, Kleiderschrank mit Wäschefach und großem Fach für Camping-Toilette, Anrichte im Stauraum, Regenschirm mit Halterung, 2 LED Lichtbänder, 2 LED Leuchten für Dachbett
KÜCHE
Winkel-Küchenblock, zweiflammiger Herd mit Glasabdeckung, Piezozündung und Flammschutz, Edelstahl-Rundspüle mit Automatik-Wasserhahn, 40 Liter Kompressor-Kühlbox, 4 Ablagefächer Unterschrank mit 2 offenen Fächern, 2 Klappfächer, Besteckschublade, LED Lichtband über der Spüle
SANITÄR
Porta-Potti WC im Unterfach Kleiderschrank, aufsteckbare Außendusche im Heckbereich mit separatem Schalter
SCHLAFEN
Dach-Doppelbett im Aufstelldach mit Froli-Elementen und Kaltschaummatratze, Aufstiegshilfe Leiter, Doppelbett aus umgeklappter 3er-Sitzbank im Wohnraum
HERSTELLER/VERTRIEB
Ford Werke GmbH
Henry-Ford Straße 1
D-50742 Köln
Tel. 0221/99992999
Zur Webseite von Ford
Vertrieb über Ford Händlernetz

Der Grundriss des Ford Nugget. (Grafik: Werk)
Der Grundriss des Ford Nugget. (Grafik: Werk)
Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues