Mit der neuen L!ve Traveller-Baureihe hat Knaus eine komplette und reisefertige Baureihe für Familien und die Vermietung in solider Qualität im Angebot. (Foto: det)

Mit der neuen L!ve Traveller-Baureihe hat Knaus eine komplette und reisefertige Baureihe für Familien und die Vermietung in solider Qualität im Angebot. (Foto: det)

Praxis-Test Reisemobil – Knaus L!ve Traveller 600 DKG

Fahrzeugtest, Knaus, Wohnmobil

Seit 1988 baut die Firma Knaus aus Jandelsbrunn familienfreundliche und robuste Alkoven-Fahrzeuge. Und das mit großem Erfolg, denn selbst Fahrzeuge mit 20 Jahren auf dem Buckel wechseln heute auf dem Gebrauchtwagenmarkt noch zu erstaunlich guten Konditionen den Besitzer. Aktuell zur Saison 2018 hat Knaus seine Alkoven-Serie komplett runderneuert und unter dem Namen “L!ve Traveller” als neue Baureihe mit drei verschiedenen Grundrissen dem Reisemobil-Markt präsentiert. Wir haben den L!ve Traveller 600 DKG auf Herz und Nieren geprüft.

Hersteller mit Weitsicht und Gespür für den launischen Markt für Reisemobile in ganz Europa haben schon vor einigen Jahren die lange totgesagten Alkovenmodelle aus dem Dornröschenschlaf geweckt und die etwas kantigen und gewöhnungsbedürftigen Freizeitmobile mit dem typischen Oberstübchen aus dem Nischendasein befreit. Das Argument, die Alkoven-Fahrzeuge würden hauptsächlich Vermieter und Familien mit (kleinen) Kindern ansprechen, ist nur die Hälfte der Wahrheit, denn gerade in letzter Zeit wird das Interesse immer größer, diese Modelle auch für das allein reisende Paar marktgerecht zu positionieren.

Wie steht er da?

Der nagelneue Klassiker kann mit Größe umgehen, denn die 6.50 Meter Gesamtlänge fallen beim ersten Augenschein deutlich weniger ins Gewicht, als die Gesamthöhe. Zeitlos modern, unaufgeregt und mit wenigen Designelementen im Außenbereich ausgestattet, wirkt das weiß-blaue Freizeitmobil mit dem sorgsam angepassten Alkoven weder klobig noch aus dem Trend der Zeit gefallen. Ausgestattet im Außenbereich mit Markise, Fahrradträger, vier Ausstellfenstern mit integriertem Doppelrollo  im Wohn- und Schlafbereich, einem Heckfenster, einer praktischen Serviceklappe, einer Tür zur Heckgarage und drei Luken im hagelresistenten GfK-Dach.

Da bleiben im Bereich Komfort und Ausstattung in der Außenansicht kaum Wünsche offen. Einziges Manko ist die viel zu hoch angesetzte Einstiegsstufe, die zwar dem Design geschuldet ist, älteren Menschen aber größere Schwierigkeiten beim Betreten des Wohnraums bereitet. Zudem auch ein entsprechender Haltegriff im Eingangsbereich fehlt. Es sollte mich aber wundern, wenn die Ingenieure aus dem niederbayerischen Jandelsbrunn unser Prototyp-Problem beim nächsten Testwagen nicht schon längst „ad acta“  gelegt haben.

Wie lässt es sich leben?

Farbe, Struktur und Anmutung der Oberflächen beim Möbelbau, dem Fußboden und der Polsterung im Wohnmobil sind Geschmackssache, das ist unbestritten. Aber es gibt auch einen Weg, innerhalb einer geschmacklich neutralen Bandbreite das Interieur eines Reisemobils so zu gestalten, dass sich zumindest theoretisch die Mehrheit der Interessenten auf Anhieb im Inneren wohlfühlt. Und das ist den Spezialisten bei Knaus gelungen.

Farbe und Struktur der Bodenbeläge passen zu Decke und Möbeln, Polsterstoffe und Gardinen harmonisieren mit dem Gesamtinterieur, die viel zitierte schwäbische Hausfrau hätte es in ihrem Wohnzimmer und ihrer Küche nicht anders oder besser gemacht. Die geräumige Doppel-Dinette mit dem verschiebbaren Tisch hinter dem Fahrersitz ist ausreichend, bei vier Erwachsenen sollten aber zwei, meist männliche Gäste, den Bauch vorsichtshalber etwas einziehen. Das große Fenster über dem Tisch und die im Testwagen elektrisch zu öffnende Dachluke lassen viel Licht und Luft in den Innenraum. Die gegenüberliegende Küche ist mit einem Dreiflammenherd, einer Rundspüle und vielen praktischen und voluminösen Stauräumen ausgestattet.

Die zwei riesigen Schubladen mit Soft-Close Verschlüssen sind mit Vollauszügen ausgestattet und verführen dazu, mehr an schweren Vorräten und Geschirr reinzupacken, als die etwas zu schwach konstruierten Auszüge und Verriegelungen auf Dauer tragen können. Auch die klappbare Erweiterung der Arbeitsfläche tragen ebenso wie die geräumigen Stauräume über der Küche und der rechts daneben positionierte optionale 190 Liter Kühlschrank mit Frosterfach zur Vollausstattung der Küche bei. Perfekte Ausleuchtung und intelligente Platzierung von Steckdosen und Schaltern werten den Arbeitsbereich des Kochlöffelschwingers weiter auf.

Ist Duschen möglich?

Der Klassifizierung und Bezeichnung des früher einfach nur „Nasszelle“ genannten Sanitärraums im Wohnmobil sind momentan kaum Grenzen gesetzt. Vom Kompaktbad und Raumbad über das Zentralbad bis hin zum Komfortbad, alles nur andere Beschreibungen der wichtigen Örtlichkeit im mobilen zu Hause, die Toilette, Waschbecken und im besten Fall eine benutzbare Dusche beinhaltet.

Dieses Komfortbad ist im Knaus Traveller kompakt und zentral, bietet ausreichend Raum für eine bequeme Banktoilette, ein schwenkbares Waschbecken und eine durchaus funktionsfähige Dusche, die durch eine pfiffige Idee erst so richtig Gestalt angenommen hat. Durch das seitliche Wegklappen der kompletten Spiegelwand entsteht eine geschlossene Duschkabine, die darüber hinaus den Vorteil bietet, dass Wachbecken, Spiegel und Toilette während der Ganzkörper-Reinigung trocken bleiben. Ein dicker Pluspunkt!

Und wie schläft man vorne…?  

Sechs Personen können laut Prospekt ihre müden Häupter nächtens zur Ruhe legen. So eine Massenbelegung haben wir zwar nicht getestet, aber die theoretischen Schlafmöglichkeiten sind in genau dieser Zahl vorhanden. Die Grundrissversion Traveller 600 DKG stellt im Alkoven zwei, in den beiden Stockbetten im Heck auch zwei, und durch den Umbau der Dinette ebenfalls zwei, das heißt insgesamt sechs Schnarchplätze zu Verfügung. Realistisch sind aber vier Plätze, allein die Vorstellung, morgens mit sechs Personen in der Dinette zu frühstücken, ist Grund genug, auf den Umbau der Sitzgruppe im Normalfall zu verzichten.

Denn das belüftete und beheizbare Doppelbett im Alkoven ist super, ausreichend Kopffreiheit, Licht, Luft und Platz machen das Schlafen dort oben auf den Komfortmatratzen zu einem reinen Vergnügen. Erst recht, wenn man der abendlichen Begeisterung über die geniale Idee des Leiterschachts freien Lauf lässt. Damit die schienengeführte Alkoven-Leiter tagsüber weder stört noch klappert, verschwindet sie bei Nichtgebrauch in einem separaten Schacht. Leiter weg, Tür zu – super Idee!

…und Querschläfer im Heck?

Rund vier Meter entfernt vom Alkoven Richtung Heck sind die anderen Schlafgelegenheiten positioniert. Bei der vom D.C.I. getesteten Grundrissversion handelt es sich hierbei um zwei quer stehende, „saugemütliche“ Stockbetten, die sowohl vom Platzangebot, als auch vom Schlafkomfort keinesfalls nur für Kinder bestens geeignet sind. Das obere Bett ist über eine Leiter gut erreichbar, eine Leselampe, eine Ablage, ein optionaler „Herausfallschutz“, ein Vorhang als Sichtschutz  und eine große Dachluke lassen bei Erwachsenen nur ganz weit weg positive Erinnerungen an aktive Nächte in Jugendherbergen hochsteigen.

Das untere Bett verfügt über ein großes Ausstellfenster in der Rückwand und eine eigene Schiebetür aus Holz zum Wohnraum. Mit rund zwei Meter Länge und gut 75 Zentimeter Breite macht bestimmt auch „großen Kindern“ das Schlafen in den schiffsähnlichen Kojen auf superbequemen Matratzen einen Riesenspaß. Der Umbau der Dinette zum Bett ist mit wenigen Handgriffen machbar, die Bettlänge von rund 176 Zentimetern dürfte aber nur für kleinere Schläfer gemütlich sein. Bei der Bettbreite von 104 bis maximal 120 Zentimeter sollte man darauf achten, dass sich die zwei Schläfer dort wirklich gut verstehen. Also ein patentes Notbett für die Übernachtung der Enkelkinder, wenn es draußen im Zelt für die „Kurzen“ zu nass oder zu kalt ist.

 Und was ist sonst noch drum und dran?

Da die Firma Knaus Anfang des Jahres mit dem Portal Rent & Travel auch in das boomende Vermietgeschäft in Deutschland eingestiegen ist und mit rund 80 Mietstationen und 1000 Fahrzeugen aktuell auf dem Markt präsent ist, scheint es logisch, Fahrzeuge für diese Klientel bereitzuhalten. Der Live Traveller ist mit serienmäßiger Markise, Fahrradträger, CD-Radio, Soft-Close-Schubladen, ESP, GfK-Dach, Ein-Schlüssel-System, Alkovenheizung, Bedienpanel mit Touchfunktion und selbsterklärenden Bedienaufklebern nicht nur optimal für das Vermietgeschäft ausgerüstet.

Auch die sprichwörtlich junge Familie ist, ebenso wie das allein reisende Paar, mit diesem Alkoven bestens für alle Urlaubsfahrten bedient. Eine besonders clevere Idee ist der Stutzen des Frischwassertanks, der nicht wie üblich irgendwo in der Seitenwand, sondern im Gasflaschenkasten installiert ist. Verwechslung mit dem Dieseltank ist dadurch wohl ausgeschlossen. Auch ein dickes Lob für die vorbildliche und übersichtliche Serviceklappe für Stromanschluss, Ablasshähne und problemlosen Zugang zum Heizungungsventil.

Und wenn wir gerade beim Loben sind, gutes Handwerk und solide Qualität zeigen sich auch bei der Verarbeitung von Aufbau und Möbelkonstruktion, denn auf deutlich rumpeligen Landstraßen und holperigen Feldwegen in Südfrankreich blieben Klappergeräusche, Quietschen und lästiges Scheppern fast durchgehend außen vor.

Ist jetzt alles gesagt?

Trotz der soliden Grundausstattung existiert dennoch eine ermüdend lange Liste von Paketen und Sonderzubehör, aus der wir uns auf jeden Fall den klappbaren Alkoven, die Schranklösung für die Alkovenleiter, die elektrische Einstiegsstufe, die Rückfahrkamera und die zweite Garagentür auf der Fahrerseite ausgesucht hätten. Die 130 PS Motorisierung ist absolut ausreichend, der durchschnittliche Verbrauch über bergige Landstraßen, Autobahnen und intensiven Stadtverkehr hielt sich mit unter 12 Liter in Grenzen.

Fazit

Bleibt eigentlich nur noch zu hoffen, dass Knaus mit dem neu aufgelegten Alkoven-Klassiker L!ve Traveller nicht nur der eigenen Vermieterorganisation eine preiswerte und technisch ausgereifte Alternative zur Verfügung stellt, sondern dass auch junge Familien mit kleinen Kindern, allein reisende Paare oder Großeltern mit ihren Enkeln ihre Liebe zu dem Freizeitfahrzeug mit der Dachgeschosswohnung wieder entdecken und mit diesem gelungenen Allround-Klassiker genau soviel Spaß haben, wie die D.C.I – Redaktion.

Das fiel uns auf:

 

TECHNIK-KOMPASS Knaus L!ve Traveller 600 DKG
BASISFAHRZEUG
Basis: Fiat Ducato 35
Motor: Serie 2,3 l-Multijet2 130, 2.287 ccm, 98 kW / 130 PS
Antrieb: Sechsgang manuelles Schaltgetriebe, Frontantrieb
Sicherheitssysteme: Airbags, ABS, ESP, Hillholder
Testverbrauch: 11,9  l/100 km laut Bordcomputer
 MASSE/GEWICHTE
Masse im fahrb. Zustand: 2.955 kg
Techn. zul. Gesamtmasse: 3.500 kg
Zuladung: 545 kg
Abmessung (L x B x H): 6.500 x  2.340 x 3.190 mm
Bettenmaße (L x B): Alkoven: 2.100 x 1.590 mm / Dinette: 1.760 x 1.040/1.240 mm
Stockbetten: 2.120 x 740 mm / 1.940 x 750 mm
Sitz- / Schlafplätze: 6/6
 AUSSTATTUNG
Frisch-/Abwasser 124 l  / 101 l unterflur
Wasseranlage: Wasseranlage mit Druckpumpe, Automatikhähne, Telefonbrause
Bord-Akku / Typ: 80 Ah
Truma Gasheizung
Gasvorrat:
Combi 6 plus
2 x 11 kg
Heizung: Gas, Truma Combi 6 plus / Alkovenheizung
PREISE
Grundpreis: ab 49.999,- Euro
Sonderausstattung Testfahrzeug Fiat-Paket 2.075,- Euro, Airbag Beifahrer 311,- Euro, TV-Paket 2.850,- Euro, Media-Paket 1.670,- Euro, Traveller-Paket 1.750,- Euro, Heki elektrisch 935,- Euro, Markise 860,- Euro, Fahrradträger 589,- Euro
Preis Testfahrzeug: 63.989,- Euro
HERSTELLER/VERTRIEB Knaus Tabbert GmbH
Helmut Knaus Straße 1, D-94118 Jandelsbrunn
Info: www.knaustabbert.de
Eigenes Händlernetz
 GRUNDRISS

Grundriss Knaus Live Traveller 600 DKG. (Grafik: Werk)
Grundriss Knaus L!ve Traveller 600 DKG. (Grafik: Werk)

 

 TECHNIK IM DETAIL
 Fahrgestell / Aufbau
Fiat-Breitspur-Tiefrahmenchassis, Fahrer-Beifahrerairbag, ABS, ESP, Hill Holder, elektronische Wegfahrsperre

Aufbau: Alu/GfK-High Strength / Holz, Isolierung Wand/Dach/Boden: EPS/EPS/EPS, Stärke Wand/Dach/Boden: 31 mm/32 mm/40 mm, 4 Ausstell-Isolierfenster mit Mückengitter und Rollo, GFK-Dach mit reduzierter Hagelempfindlichkeit, 3 Dachluken / 1 elektrisch, Gaskasten für 2 Flaschen mit 11 kg Füllmenge, zentrale Serviceklappe, Zentralverriegelung, Heckgarage, Fahrradträger, Markise, Vorzeltleuchte mit Bewegungsmelder

Wohnen
Sitzgruppe mit Dinette, verschiebbarer Tisch, Panoramafenster, Dachstauschränke, 2 Dreipunktgurte in Fahrtrichtung, 2 Beckengurte, Möbeldekor: Olmo Pavarotti, Polsterauswahl: Energy, Matuko, Fine Square, PVC-Bodenbelag im Yacht-Design, Radio/TV-Vorbereitung, USB-Steckdose mit 2,1 A
Küche
Längs-Küchenblock links, 3 Flammen-Herd mit Glasabdeckung, Edelstahl-Rundspüle, 108 Liter Absorber-Kühlschrank mit AES, 2 Schubladen mit Soft-Close, Schubladen-Zentralverriegelung, 3 Hängeschränke, 1 Unterschrank, LED Küchenbeleuchtung, Gewürzregal, diverse Ablagen, klappbare Arbeitsplatzverlängerung, hochwertige Armaturen
Sanitär
Mit Schwenktür abtrennbares Raumbad mit separatem Dusch- und Toilettenraum, schwenkbares Waschbecken, 1 Spiegelschrank mit 2 Türen, Ablagen, Thetford Bank-Toilette, Telefonbrause
Schlafen
Zwei Heck-Stockbetten quer mit Lattenrosten, Kaltschaummatratzen, Abtrennung, Stauraum mit Durchlademöglichkeit unter dem Bett, Alkovenbett im Fond, Dinette zum Schlafplatz umbaubar, Alkovenheizung, Matratzen: Evo-Pore HRC, Stauschrank, Alkovenleiter


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Hans-Christian Bues

Hans-Christian Bues

Hans-Christian Bues, geboren in Bad Harzburg, lebt und arbeitet als Journalist, Reiseschriftsteller und freier Autor in Königswinter am Rhein. Für seine Reportagen, Reiseerzählungen und Abenteuerromane war er neben dem kanadischen Yukon Gebiet in Alaska, Amerika, Asien, Australien, Russland und vielen anderen Länder der Welt unterwegs. Er ist ein langjähriger und erfahrener Reisemobilist, schreibt regelmäßig Fahrzeugtests und betreut für das D.C.I den Bereich Freizeit, Reise und Touristik.
Hans-Christian Bues