Länge läuft: Mit dem Nugget Plus hat Ford seine beliebte Reisemobil-Serie um eine Lang-Version mit Toilette und Waschraum erweitert. (Foto: det / D.C.I.)

Länge läuft: Mit dem Nugget Plus hat Ford seine beliebte Reisemobil-Serie um eine Lang-Version mit Toilette und Waschraum erweitert. (Foto: det / D.C.I.)

Praxis-Test Reisemobil – Reisen mit dem Plus – Ford Nugget Plus

Campingbusse, Fahrzeugtest, Ford

Mit dem werkseigenen Freizeitmobil Nugget hat Ford eines der letzten echten Kultmobile in der Caravaningbranche im Angebot. Gerade diese Gattung der Campervans boomt seit einigen Jahren besonders stark, ein Grund für die Kölner, die Nugget-Familie mit dem Nugget Plus in einer Langversion zu erweitern. D.C.I. hat sich das Ergebnis der Bemühungen einmal angeschaut.

Die Geschichte des Ford Nugget ist beeindruckend: Schon 34 Jahre ist das Ford Freizeitfahrzeug erfolgreich auf dem Markt. Im Jahr 1985 fanden die Kölner in dem Traditionsausbauer Westfalia aus Rheda-Wiedenbrück einen neuen, potenten Ausbaupartner. Gemeinsam mit den westfälischen Spezialisten entwickelte man – Ford hatte dazu auch seine Händler mit ins Boot genommen – den „Nugget“, der 1986 auf den Markt kam. Die Zielgruppe war klar: Dem Platzhirsch VW California sollte Paroli geboten werden.

Basis war ein Ford-Erfolgsmodell: Der Transporter Transit. Das Urlaubs-Goldstück kam in zwei Dachvarianten, einem flachen Aufstelldach und als Hochdachversion in den Handel. Die Ausstattung war klassen-typisch, allerdings verfolgte Ford ein Zweiraumkonzept mit getrennten Funktionsbereichen: Wohn-Schlafen und Kochen. Dazu gab es eine umklappbare Sitz-Schlafbank, zwei Schlafplätze im Dach, eine L-Küche mit Zwei-Flamm-Kocher, Spüle, Kühlschrank und diverse Staumöbel. Der Clou: Ohne feste Gasanlage an Bord konnte der Nugget mit einem Spirituskocher auch als Pkw zugelassen werden.

Zweiraum-Konzept beibehalten

Seit der Nugget auf dem etwas schmaleren Transit Custom gebaut wird, stand ständig der Wunsch nach einer Version mit mehr Platz im Raum. Bei Ford und Westfalia hat man darauf reagiert und auf der Langversion (340 L2) des Custom den Nugget Plus ausgebaut, der exakt 36,7 Zentimeter mehr Lebensraum bietet und erstmal als Testballon in einer 100er-Serie am Markt platziert wurde. Der Erfolg auf der CMT 2018 war so groß, dass die Limitierung sofort aufgehoben wurde und der Nugget Plus als “Vollmitglied” der Nugget-Familie in Serie ging.

Der Plus wird  als echter Vierschläfer konsequenterweise nur mit einem Hochdach angeboten, das man bei Westfalia extra angepasst und im Bereich der Heckklappe mit einem schicken Einzug optisch optimiert hat. Und dass Länge doch entscheidend ist, zeigt sich im Heckbereich: Hier lässt sich nun endlich der von vielen Nugget-Fans gewünschte Toilettenbereich verwirklichen. Unverändert bleibt jedoch der Nugget auch in der „Plus“-Version einer der wenigen echten Fünfsitzer in seiner Campingbus-Klasse.

Der Ford Transit-Custom als Basis, Ende 2017 umfassend überarbeitet, wirkt auch mit dem Westfalia-typischen Hochdach noch schmal und automotiv. Das Hochdach wurde schon bei der ersten Custom-Version nach vorne versetzt, um einen besseren Einstieg nach oben zu bekommen und hat die typische Westfalia-Nase. Das bewährte Zweiraumkonzept der Nugget-Familie wurde beibehalten. So ist der Frontbereich identisch mit seinen Markenbrüdern, das Raumkonzept basiert auf einer Halbdinette mit Schlaf-Sitzbank unter Einschluss der drehbaren Fahrerhaussitze vorne und im Heck mit der L-Küche, Stauschränken und jetzt dem kleinen Waschraum.

Die Sitzgruppe

In Kombination mit dem links angebrachten Klapptisch, der Sitzbank und den drehbaren Fahrerhaussitzen entsteht so eine gemütliche Sitzgruppe für maximal vier Personen. Gut: Der Klapptisch kann auf die gesamte Länge der Sitzbank ausgeklappt werden. Prima: Der von den aktuellen Ford Transit Reisemobil-Basisfahrzeugen übernommene abklappbare Handbremshebel erleichtert die Drehbarkeit des Fahrersitzes. Auch im angezogenen Zustand kehrt der Handbremshebel in die niedrige Ausgangsposition zurück und verbleibt so außerhalb des Schwenkbereiches des Sitzes. Die angezogene Handbremse wird als Warnhinweis in der Instrumententafel angezeigt.

Als Raumteiler der mobilen Zweiraumwohnung funktioniert der L-förmige Küchenblock. Der besteht aus einer Chrom-Nickelstahl-Spüle, einem Waschbecken und einem zweiflammigen Gaskocher. Eine 40-Liter-Kompressor-Kühlbox sorgt für wohltemperierte Lebensmittel, während für Frisch- und Abwasser entsprechende Tanks mit je 42 Liter an Bord sind. Eine Außendusche an der Küchenrückseite stellt eine praktische Ergänzung dar. In der Technikzentrale finden sich zwei fette 95 h-AGM-Batterien, das Ladegerät und die Wasserpumpe.

Das Plus – Waschbecken und Toilette

Jetzt kommt das Plus dazu: Das Mehr an Platz wird für eine fest eingebaute Banktoilette auf der Beifahrerseite im Heck und für ein Klappwaschbecken über dem Küchenblock verwendet. Die Banktoilette von Thetford ist bequem nutzbar, da der Heckbereich viel Platz bietet. Gegen neugierige Blicke schützt ein horizontaler Rollo und ein Vorhang am Heckfenster. Das kleines Waschbecken sitzt im Heck links an der Bordwand und wird bei Bedarf auf den Küchenblock geklappt.

Das ist natürlich kein echter Sanitärraum im herkömmlichen Sinne, zumal es außer der Außendusche keine Duschmöglichkeit im Fahrzeug gibt. Dennoch erweitert der kleine Wasch- und Toilettenraum die Möglichkeiten des Nugget, und für viele Fans des Kölner Goldstücks ist diese Version sicher ausreichend. Kleiner Trost: In der Optionsliste findet sich für 667,- Euro ein Warmwasserboiler, der bei Netzanschluss auch die Außendusche mit warmen Wasser versorgt.

Vier Schlafplätze an Bord

Betritt man den Nugget durch die Schiebetür, eröffnet sich ein erstaunlich gutes Raumgefühl, und das auf nicht einmal fünfeinhalb Metern verfügbarer Länge. Kernstück ist natürlich die Klappsitzbank. Während der Fahrt finden dort bis zu drei Personen Platz, wodurch der Nugget zum Fünfsitzer wird. Wird die Klappsitzbank flach gemacht, was erstaunlich einfach vonstatten geht, können unten zwei Personen bequem schlafen, die Füße ragen dabei bis in den Unterschrank der L-Küche. Zwei weitere opulente Betten finden sich im Hochdach mit dem Schiebebett. Handhabung auch sehr einfach: Sichtblende herunterklappen und das komplette Bett samt Matratzen und Tellerfedern bis in den hinteren Fahrzeugbereich ziehen, fertig. Das Dachstübchen ist geräumig, hell und freundlich, zumal eine Dachhaube und zwei Dachfenster rechts und links für Licht und Luft sorgen.

Tadellose Fahreigenschaften

Einsteigen und losfahren, der Ford Transit benötigt kein spezielles Eingewöhnungsprogramm, das frisch renovierte Cockpit wirkt ohne Ecken und Kanten wie aus einem Guss und erinnert mit seinen Bedienelementen an das Pkw-Programm von Ford. Die Testkombination 185 PS mit der sanft arbeitenden Sechsgang-Automatik überzeugt auf Anhieb mit sehr guten Fahrleistungen, ordentlichem Drehmoment und ermöglicht zudem verbrauchsarmes Fahren. Der 2,0-Liter-Vierzylinder geht mit einem angenehmen Brummeln an die Arbeit, Auf- und Ausbau halten sich mit Klappergeräuschen vornehm zurück. Wie übrigens auch der Verbrauch des Kölner. Er bleibt im Schnitt – auch dank des serienmäßigen (Trend-Ausstattung) Start-Stop-Systems – immer bei moderaten 8,5 Liter, der 80-Liter-Tank sorgt für eine mehr als ausreichende Reichweite.

Sauber dieseln – Neue Euro 6d Motoren 

Das Herz der überarbeiteten Custom-Baureihe ist die Ford EcoBlue-Motorengeneration mit zwei Litern Hubraum, die 2016 vorgestellt wurde und dadurch die bisherigen 2,2-Liter-TDCi-Diesel-Aggregate ersetzte. Die Ford EcoBlue-Euro 6-Motoren sind für alle Reise- und Freizeitmobile lieferbar, die auf den beiden Ford-Baureihen Custom und Transit basieren. Den EcoBlue-Diesel gibt es prinzipiell in drei Leistungsstufen, für den Nugget stehen die beiden Versionen mit 96 kW (130 PS) und 385 Nm beziehungsweise von 136 kW (185 PS) und 415 Nm zur Verfügung.


Panoramabild Ford Nugget Plus


Komplette Serienausstattung

Erfreulich ist ebenfalls die komplette Serien- und Sicherheitsausstattung der Basis, einzelne Ausstattungsmerkmale wie beispielsweise Beifahrer-Airbag, ESP, Klimaanlage oder Geschwindigkeitsregler sind bei Fahrzeugen der Mitbewerber immer noch in der kostenpflichtigen Zubehörliste zu finden. Serienmäßig verbaut Ford den Seitenwindassistenten, eine sinnvolle Serienausstattung gerade bei der ordentlichen Windangriffsfläche des Hochdaches. Gut bewährt hat sich der Fernlicht-Assistent (Serie Trend-Ausstattung), der bis auf kleinere Irritationen bei Radfahrern einwandfrei funktionierte und Nachtfahrten deutlich sicherer macht.

Fazit

Ford-Schritt: Der neue Ford Nugget Plus ist eine gute Ergänzung der Kölner Traditionsbaureihe. Das Plus an Länge ist sinnvoll verwendet worden, der kleine Wasch- und Toilettenraum erweitert die Möglichkeiten des Campingbusses deutlich, was sich sicher in der Zahl neuer Nugget-Fans niederschlagen wird. Der Nugget und seine Custom-Basis sind frischer und moderner geworden, bei bekannt guter Qualität und Ausstattung.

Technische Daten Ford Nugget Plus

BASISFAHRZEUG
Basis: Ford Transit Custom Kombi 340 L2
Motor Basisversion: 2,0 Liter TDCi Turbodiesel, EcoBlue, Leistung 96 kW/130 PS
Testfahrzeug 136 kW / 185 PS Euro 6d-Temp
Antrieb: Sechsgang-Schaltgetriebe, Frontantrieb
Testwagen Automatikgetriebe 6-Gang
Sicherheitssysteme: ABS, ASR, Fahrer- und Beifahrerairbag, ESP
Testverbrauch: 8,5 l/100 km
MASSE/GEWICHTE
Masse im fahrber. Zustand: 2.890 kg
Techn. zul. Gesamtmasse: 3.400 kg
Zuladung: 510 kg
Abmessung (L x B x H): 5.339 x 1.986 x 2.800 mm
Bettenmaße (L x B): Dachbett 2.100 x 1.410 mm
Bett Sitzbank 1.900 x 1.310 mm
Fahrsitz-/Schlafplätze: 5/4
Innenhöhe: 1.720-2.149 mm
Frisch-/Abwasser Tanks: 42 l innen / 42 l unterflur
Wasseranlage: Wasseranlage mit 12 Volt-Tauchpumpe, Warmwasserboiler
Bord-Akku:  2 x 95 Ah AGM
Gasvorrat: 1 x 2,8 kg
Heizung: Kraftstoff-Gebläseheizung 3,0 kW mit Zeitschaltuhr
PREISE
Grundpreis: ab 58.416,- Euro (96 kW / 6-Gang Schalter)
Optionen Testwagen: Extras Testfahrzeug: Motor 136 kW+ 6-Gang-Automatik Grundpreis 63.443,- Euro, Audiopaket 40: Ford Navi mit Ford Sync, Rückfahrkamera, Park-Pilot 2.499,- Euro, Sicht Paket Premium: Fahrspur-Assistent, Regensensor, elektrische Außenspiegel, beheizt 1.130,- Euro, Trittstufe rechts 119,- Euro, Leichtmetallräder 734,75 Euro, Outdoorpaket mit Tisch und 2 Campingstühlen 499,- Euro
Preis Testwagen: 68.424,- Euro
FAHRGESTELL / AUFBAU
Ford Transit Custom Kombi 340 L2, langer Radstand 3.033 mm, 7 Fenster, GfK-Hochdach mit Dach-Frontspoiler in Wagenfarbe lackiert, Dachbett mit Froli-Bettunterlage und Kaltschaummatratze, Trittstufe
WOHNRAUM
Möbeldekor: Seidenbeige, Polster anthrazit/Flachgewebe grau gestreift, Bodenbelag PVC-Belag in Echtholz-Optik, Klapptisch, verlängerbar mit Stützfuß, in Schienen geführte 3er-Sitz- Schlafbank, verschiebbar, mit 2 Isofix-Adaptern, umbaubar zum Doppelbett, Stauraum in der Sitzbank, zwei drehbare Komfortsitze im Fahrerhaus, Kleiderschrank mit Wäschefach und großem Fach, Anrichte im Stauraum, Regenschirm mit Halterung, 2 LED Lichtbänder, 2 LED Leuchten für Dachbett, Zentralelektronik im Fahrerhaus
KÜCHE
Winkel-Küchenblock im Heck, zweiflammiger Herd mit Glasabdeckung, Piezozündung und Flammschutz, Edelstahl-Rundspüle mit Automatik-Wasserhahn, 40 Liter Kompressor-Kühlbox, 4 Ablagefächer Unterschrank mit 2 offenen Fächern, 2 Klappfächer, klappbare Zusatzspüle mit Automatik-Wasserhahn, Besteckschublade, LED Lichtband über der Spüle
SANITÄR
Banktoilette Thetford rechts längs im Heck, Sichtschutz Vorhang Heckfenster, Sichtschutz nach vorne, Horizontalrollo ausziehbar, Kleiderschrank, aufsteckbare Außendusche im Heckbereich mit separatem Schalter, offene Ablagen, Warmwasserboiler
SCHLAFEN
Dach-Doppelbett ausziehbar mit Schiebeelementen im Hochdach, Unterbau mit Froli-Feder-Elementen, geteilte Kaltschaummatratze, Aufstiegshilfe Leiter, Doppelbett aus umgeklappter 3er-Sitzbank im Wohnraum
HERSTELLER/VERTRIEB
Ford Werke GmbH
Henry-Ford Straße 1
D-50742 Köln
Tel. 0221/99992999
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Grundriss Ford Nugget Plus. (Grafik: Ford)
Grundriss Ford Nugget Plus. (Grafik: Ford)

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Claus-Detlev Bues