Die Kombination Toyota Pick Up mit der schicken Tischer Trail Kabine ist stimmig und passt. (Foto: det)

Die Kombination Toyota Pick Up mit der schicken Tischer Trail Kabine ist stimmig und passt. (Foto: det)

Praxis-Test Reisemobil – Tischer Trail 260 S auf Toyota Hilux

3D, 4x4-Fahrzeuge, Fahrzeugtest, Hersteller, Tischer, Wohnmobil

Pick Up Fahrzeuge mit Wohnkabine sind eine vielseitige Alternative zum herkömmlichen Reisemobil. Sie bieten getrennt oder in Kombination Einsatzmöglichkeiten in Beruf, Alltag und Urlaub. Die Firma Tischer Freizeit Fahrzeuge aus Kreuzwertheim baut seit über 40 Jahre Kabinen für diese nützliche Fahrzeuggattung. Wieder im Angebot als Basis ist bei Tischer der Toyota Hilux, den sich D.C.I. mal mit der Kabine Trail 260 S im Praxis-Test gründlich angeschaut hat.

Noch nie gab es ein so umfangreiches Angebot an Pick Up-Fahrzeugen wie zur Zeit, der Markt verspürt mit einem Zuwachs von 12,8 Prozent im Jahr 2016 deutlichen Aufwind. Und noch nie wurde es Käufern so schmackhaft gemacht, sich für einen der schicken Kleinlaster zu entscheiden. Die wichtigsten Anbieter stammen nicht mehr nur aus Fernost, europäische Anbieter haben sich mittlerweile stark engagiert. Marktführer ist der Ford Ranger, dicht gefolgt vom Nissan Navara und dem Volkswagen Amarok. Neue Mitspieler sind mit Nissan Navara-Derivaten Fiat Fullback, Renault mit dem Alascan und ein Pick Up mit dem Stern, die X-Klasse von Mercedes-Benz. 2016 wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) 19.927 Pick Up-Fahrzeuge auf die Straße losgelassen.

Mit der Wohnkabine zum Urlaubsmobil

Absetzbare Pick Up Kabinen bieten dem Nutzer im Gegensatz zum klassischen Reisemobil einige Vorteile, aber auch Nachteile. So kann das Fahrzeug im Alltag ohne Kabine als Kleinlaster beruflich genutzt werden und dient, wie unser Testfahrzeug als Doppelkabiner-Version mit vier Türen und fünf Sitzplätzen, dem Transport der hoffnungsvollen Sprösslinge zur Schule, zum Kindergarten oder zum Sport.

Soll der Pick Up zum Urlaubsmobil mutieren, wird die Klappe der Pritsche entfernt und die Wohnkabine einfach auf die Pritsche aufgesetzt. Soweit die Theorie. Einfach auf- und abgesetzt? Relativ einfach. Mit etwas Übung dauert das Hochkurbeln, Unterfahren und Befestigen der Kabine bei idealen Bedingungen etwa eine halbe Stunde, komplett reisefertig ist die Kombination dann in einer guten Stunde.

Nachteil: Der Stellplatz für die Kabine. Die Kabine muss auf Privatgelände abgestellt werden, da sie verkehrsrechtlich als Ladung gilt, somit nicht der Zulassungspflicht unterliegt und deshalb nicht im öffentlichen Verkehrsraum abgestellt werden darf.

Unschätzbarer Vorteil: Die Pick Ups sind meist 4 x 4-getriebene Off-Roadfahrzeuge, die sowohl für sichere Fahrt im Winter, als auch für Touren einmal abseits der asphaltierten Strecken geeignet sind. Um allen Spekulationen vorzubeugen: Off-Road-Touren in harter Form sind mit aufgesetzter Kabine nicht drin, aber sich einmal einen traumhaften Stellplatz in einem einsamen, wilden Gelände auszusuchen, das macht eine Pick Up-Kabinen-Kombi dank robuster, zuschaltbarer oder permanenter 4×4-Technik ohne Probleme mit.

Tolle Außenoptik der Kabine

Wie macht sich der Nissan mit Last auf dem Buckel? Wir haben der Extra Cab-Version des Hilux die Tischer Tail 260 S (S = Seiteneinstieg) Kabine aufgesetzt, die in der Testausstattung inklusive Anbauteile etwa 725 Kilogramm wiegt. Die Trail-Kabine von Tischer gefällt von außen durch einen stabilen Sandwichaufbau in Glattblech-Optik und schicken GfK-Formteilen. Die aufwändige Bauweise ermöglicht so formschöne Details wie den aerodynamischen Alkoven und eine dreidimensional ausgeführten Dachpartie. Auch Urlaubsvergnügen im Winter sind problemlos möglich, denn der Kabinenaufbau mit winterfesten Isolierungswerten läßt eine Nutzung bei Minusgraden ohne Weiteres zu.

Comeback mit mächtigen Fahrleistungen

Der Toyota Hilux ist eigentlich ein alter Bekannter in der Riege der Tischer-Basisfahrzeuge. Schon vor 30 Jahre haben die Unterfranken diesen robusten Pick Up als Lastesel eingesetzt. Der ist mit der aktuellen Version, die sich hier auffällig in tornadorot metallic präsentiert, allerdings nicht mehr zu vergleichen. Pkw-gleicher Komfort, tolle Ausstattung und einen überaus wertigen Eindruck, das macht den Japaner auf Anhieb symphatisch. Mit einer zulässigen Gesamtmasse von 3.500 Kilogramm ab Werk und einem Leergewicht von 2.175 Kilogramm ergibt sich eine Zuladung von stolzen 1.325 Kilogramm.

Mit aufgesetzter Kabine bleiben für Reiseuntensilien und Zubehör dem Nutzer noch 600 Kilogramm, einen Wert, den manch ausgewachsenes Reisemobil nicht bieten kann. Klar, daß der Toyota deshalb auch mit der Tischer-Kabine keinerlei Probleme hat. Der 2,4 l Turbodiesel geht mit Macht ans Werk und katapultiert die Pick Up-Kombination mit Pkw-Fahreigenschaften durch den Verkehr. Das Pick Up-übliche Längsnicken des Fahrzeugs, es entsteht durch die Eigenschwingungen von Kabine und Alkoven beim Einfedern des Basifahrzeugs, war anfangs heftig, konnte aber mit dem Hersteller schnell durch eine Neueinstellung der an der Hinterachse eingebauten Zusatzluftfedern abgestellt werden.

Es scheint zudem, daß man bei Toyota dem neuen Hilux einen etwas stabileren Rahmen und ein verstärktes Fahrwerk spendiert hat, er läßt sich problemlos auch bei höheren Geschwindigkeiten und schwierigen Straßenverhältnissen chauffieren. Prima, jetzt macht auch Reisen mit dem Pick Up richtig Spaß, zumal das Handling, die Übersichtlichkeit und der Fahrkomfort in der Pick Up-Sparte neue Maßstäbe setzt.

Und der Durst? Auch hier Entwarnung: Der Commonrail-Diesel geht sparsam mit dem Kraftstoff um, zumal das gut abgestufte 6-Gang-Schaltgetriebe ein wirtschaftliches Reisen fördert. Bei moderater Fahrweise mit Spitzengeschwindigkeiten um die 130 km/h, durchfließen rund zehn Liter Diesel die Druckleitungen des Turbodiesel. Wird die mächtige Leistung – schon bei 1.600 U/min bringt der Motor stattliche 400 Nm Drehmoment – komplett abgerufen, sind für die Kombination Spitzengeschwindigkeiten laut Tachometer von bis zu 180 km/h drin, unnötige Spielchen, die man mit aufgesetzter Kabine nur geübten Fahrern zumuten sollte, zumal auch der Kraftstoffverbrauch drastisch ansteigt.


Panoramabild 360 ° Tischer Kabine Trail 260 S. (Foto: det)


Leben in der Box

Was ist in einer Pick Up Kabine anders als im Reisemobil? Nichts, außer vielleicht die Tatsache, dass die Tischer Trail 260 S einen Seiteneinstieg hinten an der Kabine vorweist und daß bei einer Bodenlänge von 2,64 Metern der Wohn- und Lebensraum komprimierter genutzt werden muss als in einem großen Reisemobil. So ist konstruktionsbedingt bei Pick Up-Kabinen – gleich ob Heck- oder Seiteneinstieg – kaum Auswahl an unterschiedlichen Grundrisslösungen möglich.

Klassische Aufteilung: Doppelbett im Alkoven, davor eine Vierer-U-Sitzgruppe, die umgebaut weitere Schlafplätze ergibt. Daran anschließend in Fahrtrichtung rechts die Küche vor der Eingangstür, gegenüber ein Stauschrank mit einem in praktische Griffhöhe hochgebauten Kühlschrank, Kleiderschrank und zum Heck hin nochmal ein raumhoher Kleiderschrank. Links der Sanitärraum. Daß man den begrenzten Raum der Grundfläche geschickt nutzen kann, beweist Tischer mit der Trail 260 S. Hier ist jeder Millimeter so effektiv genutzt, daß ein vollwertiges Urlaubsmobil für zwei Erwachsene und ein bis zwei Kinder präsentiert werden kann.

Betritt man die Kabine durch die Seitentür, beeindruckt das erstaunlich üppige Platzangebot. Der Wohnraum erscheint hell und freundlich und macht durch die Möblierung mit Buche-Dekor und den frischen Polsterstoffen, hier die Version Delio mit modischen, gelb-schwarz-blauen Polstern, seinem Namen alle Ehre, auf Anhieb fühlt man sich hier wohl. In Sachen Innenraum hat Tischer wieder kräftig “hingelangt”: Der Möbelbau wurde optisch noch einmal perfektioniert und mit fünf fein abgestimmten Wohnwelten hat auch bei Tischer die Vielfalt und Wahlmöglichkeit in Sachen Wohnraum Einzug gehalten.

Großzügige Sitzgruppe

Die großzügige Sitzgruppe aus zwei hinterlüfteten Sitzbänken bietet Platz für vier Personen und wird, umgebaut zu einem – mit 1,13 Meter Breite zugegeben recht schmalen – Doppelbett. Die Küche ist handelsüblich mit einem Dreiflammen-Gaskocher, einer separaten Niro-Spüle und dem gegenüberliegenden Absorber-Kühlschrank ausgerüstet und überzeugt mit viel Stauraum im Unter- und in den Oberschränken.

Etwas dürftig ist in der Serienausstattung die Arbeitsfläche, hier können als Abhilfe aus der Optionsliste eine zusätzliche, klappbare Arbeits- und Ablagefläche (86,- Euro) geordert werden. Der Sanitärraum im Heck ist konstruktionsbedingt recht kompakt, durch die gewölbte Eingangstür wird aber zusätzlich Raum geschaffen. Dennoch finden ein Duschbecken mit Duschvorhang, die Banktoilette von Thetford, sowie ein Unter- und ein Stauschrank Platz in der Sanitärzelle.

Die Zugeständnisse an die kleine Grundfläche: Das Waschbecken ist als Klappwaschbecken über der Cassetten-Toilette ausgelegt, beim Duschen oder der Benutzung der Toilette muß es hochgeklappt werden – eine durchaus praktikable Lösung. Genug Saft für autarkes Reisen ist jetzt auch bei Euro 6-Basisfahrzeugen vorhanden: Tischer verbaut in seinen Pick-Up-Kabinen ab sofort Ladegeräte mit Booster für einen konstanten und batterieschonenden Ladevorgang, der stets für volle Bordakkus sorgt.

Fazit

Die Kombination Toyota Hilux und Tischer Trail gibt ein gutes Bild ab. Der ausgezeichnete Fahrkomfort des Basisfahrzeuges wird wunderbar ergänzt durch den Wohnkomfort in der soliden, formschönen Tischer Kabine. Ein Schnäppchenangebot sind beide nicht, was aufgrund der Qualitätsarbeit auch nicht sein kann. Für den Toyota sind knapp 36.000,- Euro fällig, die Tischer Kabine Trail 260 S kostet in der getesteten Version etwa 35.000,- Euro. Dafür bekommt man ein exklusives, ausgefallenes Urlaubsgefährt mit Mehrfachnutzen in überzeugender Qualität.

Das fiel uns auf

Infos:  Zur Webseite von Tischer

TECHNIK-KOMPASS

Tischer Trail 260 S auf Toyota Hilux

BASISFAHRZEUG

Basis:

Toyota Hilux Extra Cab Executiv

Motor:

Serie 2,4 l-D4D, 110 kW/150 PS, 2.393 ccm, Euro 6

Antrieb:

Antrieb: Sechsgang-Schaltgetriebe, Hecktantrieb, 4×4-Allradantrieb zuschaltbar

Sicherheitssysteme:

Airbags, ABS, ESP, Bergfahrassistent HAC

Testverbrauch:

10,9 l/100 km laut Bordcomputer

MASSE/GEWICHTE

Masse im fahrber. Zustand:

2.175 kg  / Gewicht Kabine etwa 725 kg

Techn. zul. Gesamtmasse:

3.500 kg  (Option mit Luftfederung HA)

Zuladung:

600 kg

Abmessung (L x B x H):

6.080 x 2.100 x 2.990 mm

Bettenmaße (L x B): 

Alkovenbett 1.980 x 1.500 mm, Bett Sitzgruppe 1.980 x 1.130 mm

Sitz- / Schlafplätze:

5/4 

Innenhöhe:

1.900 mm

Frisch-/Abwasser Tanks:

96 l innen  / 45 l unterflur 

Wasseranlage:

Wasseranlage mit Tauchpumpe, Automatikhähne, Telefonbrause  

Bord-Akku / Typ:

95 Ah AGM

Gasvorrat:

2 x 5 kg 

Heizung:

Gas-Umluftheizung mit Boiler Truma Combi 4

PREISE

Grundpreis:

Kabine 31.560,- Euro, Preis Toyota Hilux Executiv 35.600,- Euro

Extras Testfahrzeug:

Markise rechts 3 m 845,- Euro. Zusatzluftfeder HA 1.345,- Euro, Heki-Panoramadach 827,- Euro, Fahrradträger 2 Räder 379,- Euro, aufsteckbare Spiegel 65,- Euro.

Preis Testfahrzeug:

Tischer Kabine 34.526,- Euro, Toyota Hilux Extra Cab Executiv 35.600,- Euro

HERSTELLER/VERTRIEB

Hersteller/Vertrieb: Tischer GmbH Freizeitfahrzeuge
Frankenstraße 9
D-97892 Kreuzwertheim
Tel. 09342/8159, Fax 5089
www.tischer-pickup.com
Vertrieb: Eigenes Händlernetz

GRUNDRISS

Grundriss Tischer Pick Up-Kabine Trail 260 S. (Grafik: Werk)
Grundriss Tischer Pick Up-Kabine Trail 260 S. (Grafik: Werk)

TECHNIK IM DETAIL

Fahrgestell / Aufbau

Toyota Hilux Extra Cab, Kabine

Kabinenbauweise: Sandwich Alu Glattblech / Teilflächen GfK / PU / Pappelsperrholz, 4 Austell-Isolierfenster mit Mückengitter und Rollo, 2 Dachluken, Seiteneingang, Wohnraumtür mit Fenster, Trittstufe elektrisch

Wohnen

Möbelbau foliertes Pappelsperrholz, Möbeldekor: Buch hell, Polster Stoff-Kombi Delio, Bodenbelag PVC-Belag mit Parkett-Optik dunkel, U-Sitzgruppe, umbaubar zum Doppelbett, Säulentisch mit zentraler Säule, 5 Oberschränke, 2 Kleiderschränke

Küche

Längs-Küchenblock rechts, Spüle-Herd-Edelstahl-Kombi mit dreilammigen Gas-Kocher, geteilte Glasabdeckung, Edelstahlspüle Automatik-Wasserhahn, 90 Liter Absorber-Kühlschrank mit Frosterfach, Schubladen und Auszüge mit Soft-Close, 1 Hängeschrank, 1 Unterschrank mit 1 Schublade und 2 Schränken, LED Küchenbeleuchtung.

Sanitär

Toilettenraum in Holz- und Kunststoffoptik mit integrierter Dusche, Deckenhalterung für Brausekopf, umlaufender Duschvorhang, Klappwaschbecken, mit fester, halbrunder Eingangstür, 1 Spiegelschrank, Ablagen, Thetford-Banktoilette mit Cassette.

Schlafen

Alkovenbett quer mit Tellerfedersystem und Kaltschaummatratzen, Dinett-Doppelbett aus Sitzgruppe, Alkovenhängeschrank mit Ablagebord

 

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues