Mit der Cara Tour-Serie hat Weinsberg eine einfache und reisefertige Einsteiger-Baureihe im Programm. Der 631 ME ist eine Einzelbettenwagen für zwei Personen. (Foto: hcb)

Mit der Cara Tour-Serie hat Weinsberg eine einfache und reisefertige Einsteiger-Baureihe im Programm. Der 631 ME ist ein durchdacht konstruierter Einzelbettenwagen für zwei Personen. (Foto: hcb)

Praxis-Test Reisemobil – Weinsberg Cara Tour 631 ME

Fahrzeugtest, Hersteller, Weinsberg, Wohnmobil

Gestandene Reisemobilisten, die sich noch an die Anfänge des mobilen Tourismus in Deutschland erinnern, bekommen bei den Typenbezeichnungen Kosmos, Komet und Meteor bestimmt leuchtende Augen. D.C.I. hat sich die neue Baureihe Cara Tour mit dem 631 ME genau angeschaut.

Weinsberg-Reisemobile auf Basis Fiat setzten schon in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts unverrückbare Meilensteine des mobilen Caravanings, die heute von der neuen Marke Weinsberg, seit 2008 unter dem Dach der Knaus Tabbert GmbH, mit den Cara-Baureihen neu festgesetzt werden.

Welche Zielgruppe?

Weniger ist mehr – ist das nur eine paradoxe Werbefloskel ohne sinnvolle Aussage? Kann etwas mehr wert sein, wenn es auf weniger reduziert wird? Ja, das geht, und der Cara Tour 631 ME ist dafür ein leuchtendes Beispiel.

Man sucht sich eine klar definierte Zielgruppe, macht sich schlau über deren Urlaubsgewohnheiten, studiert deren Interessen, Vorlieben und bevorzugte Reiseziele, setzt Ingenieure, Techniker und Marketingstrategen an einen Tisch und… wartet.

Und es wird nicht lange dauern, bis ein Fahrzeug konzipiert ist, dass genau auf die angepeilte Zielgruppe passt. Und der Cara Tour ist das „Wunschkind“ dieser Planungsgruppe, das mit einer Gesamtlänge von 636 Zentimeter, einer Breite von 205 Zentimeter, einer Höhe von 258 Zentimeter und einer technisch zulässigen Gesamtmasse von 3.500 Kilogramm genau den Anforderungen für ein Zwei-Personen-Mobil gerecht wurde.

Auch der bewusste Verzicht auf Sonderlackierungen, Beklebungen oder auffällige Farbdekorationen im Außenbereich passt in dieses Gesamtkonzept. Ach ja, und wer ist jetzt diese angesprochene Zielgruppe?

Ganz einfach: Zwei Personen, reisefreudig, preis- und qualitätsbewusst, unabhängig, abenteuerlustig und so selbstbewusst, dass sie es sich erlauben können, auf allen unnötigen Schnick-Schnack zu verzichten, der auf einer Abenteuerreise zu den schönsten Zielen Europas nur Platz und Stauraum verbraucht.

Und genau dort positioniert sich der Cara Tour im hart umkämpften Kastenwagen-Markt und zieht die Blicke auf sich – dezent einfarbig, schnörkellos, aber irgendwie jung und dynamisch.

Sitzen, Essen, Kochen

Über eine elektrisch ausfahrbare Trittstufe erreicht man den Innenraum, der durch die hellen Möbel- und Polsterstoffe sofort eine gemütliche und wohnliche Atmosphäre ausstrahlt. Warum der Kippschalter für die Trittstufe nur wenige Zentimeter vom Boden und dadurch sehr tief unten angebracht wurde, mögen uns die Weinberg-Techniker erklären.

Zusammen mit den drehbaren Fahrerhaussitzen, einer Dinettbank mit zwei Dreipunktgurten und gut erreichbarem Stauraum und einem verschiebbaren Tisch ergibt sich die Sitzgruppe, die für zwei Personen absolut ausreichend ist.

Konstruktionsbedingt ist die Rückenlehne sehr steil, zwingt aber zum „Geradesitzen“. Die Beleuchtung über dem Tisch ist durchaus auch zum Lesen geeignet, die Vorrichtung für ein Fernsehgerät ist über der Sitzbank in einer ergonomisch richtigen Höhe vorgesehen.

Der Arbeitsbereich des Küchenchefs gegenüber der Sitzgruppe ist mit einem Zweiflammenkocher mit integrierter Spüle, einem großen Hängeschrank und drei Unterschränken ausgerüstet, die sowohl Kochutensilien und Geschirr, als auch Vorräte und andere Reiseutensilien für eine längere Reise locker aufnehmen.

Was fehlt, ist eine kippsichere Flaschenhalterung, die aber problemlos im linken Unterschrank montiert werden könnte. Eine effektive Beleuchtung, eine Arretierung für die Glasabdeckung, eine Besteckschublade, die zentral angeordnete Gasbedienung, zwei Steckdosen (12 / 230 Volt) an der richtigen Stelle und ein griffgünstig rechts neben der Spüle platzierter 65 Liter Kompressorkühlschrank mit Frosterfach komplettieren den Küchenbereich.

Die Bedienung der Heizung und die Steuerung sämtlicher Funktionen im Wohnbereich werden über Schalter und ein Bord-Control-Panel gesteuert, die gut erreich- und ablesbar unter dem Hochschrank über der Spüle angeordnet sind.

Der Raum über und unter dem Kühlschrank wird mit Hilfe von zwei voluminösen Schränken nutzbar gemacht, die auch zum Verstauen etwas größerer Gepäckstücke problemlos geeignet sind. Besonders zu erwähnen sind die Verschlüsse der Dachstauklappen, die nicht nur gut zu bedienen sind, sondern auch noch bombenfest halten.

 

Feuchtgebiet

Alle Kastenwagen mit Längsbetten müssen irgendwo am Platz sparen. Wenn man sich nicht beim Schlafen, Kochen oder Verstauen der Reiseutensilien einschränken will, dann muss man eben in der Sitzgruppe etwas mehr zusammenrücken oder im Bad den Bauch einziehen.

Nicht üppig, aber durchaus ausreichend sind die Platzverhältnisse im Cara Tour Toilettenraum, der durch die ruhige Optik der Holzmaserung schon auf den ersten Blick sehr wohnlich wirkt.

Ausgestattet mit einer integrierten Dusche mit Duschvorhang, Deckenhalterung für den Brausekopf, einer Dometic Keramik-Kassettentoilette mit elektrischer Pumpe, einem Handwaschbecken, einem großen Spiegel, ausreichenden Ablagemöglichkeiten, einer rutschsicheren Duschtasse und einem Fenster mit Moskitoschutz, erfüllt das Bad sämtliche Voraussetzungen, um auch mehrere Tage autark zu campen.

Offensichtlich aus Platzgründen ist die Bedienung der recht tief sitzenden Toilette etwas fummelig und zwei Haken für Handtücher würden den Cara Tour auch nicht gleich in die Kategorie Luxusliner katapultieren.

Gute Nacht

Direkt im Anschluss an die Dusche (rechts) und den Kühlschrank (links) macht sich das Schlafzimmer breit. Und das im wahrsten Sinn des Wortes, denn für einen Kastenwagen dieser Größenordnung sind im Cara Tour die Schlafmöglichkeiten für zwei Personen nicht nur äußerst gemütlich, sondern auch komfortabel und praktisch.

Die vier voluminösen Dachstauschränke nehmen mit Sicherheit mehr Klamotten auf, als für eine vierwöchige Reise auf die norwegischen Lofoten notwendig sind.

Zwei etwas unterschiedlich lange Kaltschaummatratzen auf Holzlattenrosten sorgen für angenehme Ruhe, gut erreichbare und schwenkbare Leseleuchten machen das abendliche Schmökern zum Vergnügen und zwei dezent verbaute Lautsprecher swingen die rechtschaffen müden Camper danach leise in den Schlaf.

Der Einstieg ins Bett ist über eine Stufe, die noch dazu als Stauraum dient, völlig problemlos, Licht und Luft kommen von den beiden Heckfenstern, die ebenso wie die etwas sperrig zu öffnenden Dachluken über Verdunkelung und Moskitonetze verfügen.

Fast in jedem Schlafzimmer gibt es was zu meckern, so auch hier. Nicht, was Sie denken, hier fehlen schlicht und ergreifend zwei Ablagen im Kopfbereich, in die Bücher, Uhren, Smartphones oder was auch immer über Nacht geparkt werden können.

Mitnahme

Derjenige, der sich beim Öffnen der Hecktüren von den langen Armen des praktischen Fahrradträgers noch keine deftige Kopfnuss abgeholt hat, der kann sich gratulieren. Sind die beiden Flügel der Hecktür aber einmal geöffnet, steht man nicht nur am Kopfende der Längsbetten, sondern kann auch einen Blick in den recht großen, sauber unterteilten und perfekt beleuchteten Stauraum des Cara Tours werfen.

Tisch, Stühle, Wasser- oder Bierkästen, Vorräte oder anderes Transportmaterial haben hier ausreichend Platz. Mit wenigen Handgriffen sind Matratzen und Lattenroste komplett entfernt, und dem Transport eines Rollers, einen E-Bikes oder eines kleinen Motorrades steht nichts im Weg.

Ein eigenes Fach auf der linken Seite hinter dem Gasflaschenkasten, der zwei Elf-Kilo-Flaschen aufnimmt, sind Kabeltrommel, Wasserschlauch, Auffahrkeile, Werkzeug und die Anschlusskabel untergebracht, die sofort greifbar sein müssen. Auch die ausziehbare Kurbel für die große und sehr praktische Dachmarkise hat hier ihren Platz.

Fazit

Was hat gefehlt im Cara Tour 631 ME? Braucht man mehr, oder geht es auch mit deutlich weniger. Es geht, und zwar sehr gut! Auf dem getesteten Komfortniveau des Cara Tours lassen sich nicht nur wunderbare Urlaubsreisen in alle Herren Länder unternehmen, es gibt auch nichts wirklich Wichtiges, auf das zwei Personen unterwegs verzichten müssten.

Natürlich gibt es komfortablere Sitzgruppen, größere Küchen, breitere Bäder und längere Betten, aber dafür müssen auch die Fahrzeuge größer, länger, breiter und deutlich teurer werden.

Und wer all das nicht unbedingt braucht, wer Land und Leute kennen lernen will, wer einfach nur unterwegs und mobil sein will, wer Campen und Caravaning auf das reduziert, was es immer war und was es noch immer ist, der ist mit dem Cara Tour nicht nur aus finanziellen Gründen bestens bedient, sondern wird sich schon nach dem ersten Urlaubstag wie Gott in Frankreich fühlen.

Infos:  Zur Webseite von Weinsberg

TECHNIK-KOMPASS

Weinsberg Cara Tour 631 ME

BASISFAHRZEUG

Basis:

Fiat Ducato 35 Light

Motor:

Serie 2,o l-Multijet2 115, 1.987 ccm, Testwagen 85 kW / 130 PS, Euro 6

Antrieb:

Sechsgang manuelles Schaltgetriebe, Frontantrieb

Sicherheitssysteme:

ABS, ASR, Fahrer- und Beifahrerairbag, ESP, Traction Plus

Testverbrauch:

9,9 l/100 km laut Bordcomputer

MASSE/GEWICHTE

Masse im fahrber. Zustand:

2.910 kg 

Techn. zul. Gesamtmasse:

3.500 kg 

Zuladung:

590 kg

Abmessung (L x B x H):

6.360 x 2050 x 2.580 mm

Bettenmaße (L x B): 

Einzelbetten im Heck längs 2.000 x 850 mm / 1.900 x 850 mm, Notbett Sitzgruppe 1.700 x 500 mm

Sitz- / Schlafplätze:

4/3  

Innenhöhe:

1.900 mm

Frisch-/Abwasser Tanks:

110 l innen  / 85 l unterflur 

Wasseranlage:

Wasseranlage mit Tauchpumpe, Automatikhähne, Telefonbrause  

Bord-Akku / Typ:

90 Ah AGM

Gasvorrat:

2 x 11 kg 

Heizung:

Gas-Umluftheizung mit Boiler Truma Combi 4

PREISE

Grundpreis:

ab 37.990,- Euro

Extras Testfahrzeug:

Fiat-Paket 2.270,- Euro,  Weinsberg Cara-Paket 1.099,- Euro, Media-Paket mit Navi 1.670,- Markise  3.75 m 964,- Euro, Fahrradträger 499,- Euro

Preis Testfahrzeug:

44.492,- Euro

HERSTELLER/VERTRIEB

Knaus Tabbert Gmbh
Weinsberg
Helmut‐Knaus‐Straße 1
D-94118 Jandelsbrunn
Info: www.weinsberg.com/de
Eigene Händler

GRUNDRISS

Grundriss Weinsberg Cara Tour 631 ME. (Grafik: Werk)
Grundriss Weinsberg Cara Tour 631 ME. (Grafik: Werk)

TECHNIK IM DETAIL

Fahrgestell / Aufbau

Original Fiat Kastenwagen, Kältebrückenfreie Seitenwand- und Deckenisolierung in PE-Schaum, Wandstärke: 16 mm, Fußbodenstärke: 22 mm, Bodenplattenisolierung in Styrodur mit PVC-Belag, 5 Austell-Isolierfenster mit Mückengitter und Rollo, 2 Dachluken, Trittstufe elektrisch

Wohnen

Möbelbau in Vollkorpusbauweise, Möbeldekor: Cocobolo hell, Polster Curry Yellow, Bodenbelag PVC-Belag mit Parkett-Optik hell, Sitzgruppe Dinettensitzbank mit Stauraum und seitlichem Klappenzugang, Einhängetisch verschiebbar, zwei drehbaren Fahrerhaussitzen.

Küche

Längs-Küchenblock rechts, Spüle-Herd-Edelstahl-Kombi mit zweiflammigem Gas-Kocher, Glasabdeckung, Edelstahlspüle Automatik-Wasserhahn, 65 Liter Kompressor-Kühlschrank mit Frosterfach, Schubladen und Auszüge mit Soft-Close, 1 Hängeschrank, 1 Unterschrank mit 1 Schublade und 2 Schränken, klappbare Arbeitsflächen-Erweiterung, LED Küchenbeleuchtung.

Sanitär

Toilettenraum in Holz- und Kunststoffoptik mit integrierter Dusche und Duschvorhang Deckenhalterung für Brausekopf. mit fester Tür, Eck-Waschbecken eingelassen, 1 Spiegelschrank, Ablagen, Dometic-Keramik- Cassetten-Toilette.

Schlafen

Heck-Einzellbetten längs mit Lattenrosten und Kaltschaummatratzen,  zum Doppelbett umbaubar, variabler Heckbereich, Lattenroste komplett entnehmbar, Stauraum mit Durchlademöglichkeit unter dem Bett.

 

Hans-Christian Bues

Hans-Christian Bues

Hans-Christian Bues, geboren in Bad Harzburg, lebt und arbeitet als Journalist, Reiseschriftsteller und freier Autor in Königswinter am Rhein. Für seine Reportagen, Reiseerzählungen und Abenteuerromane war er neben dem kanadischen Yukon Gebiet in Alaska, Amerika, Asien, Australien, Russland und vielen anderen Länder der Welt unterwegs. Er ist ein langjähriger und erfahrener Reisemobilist, schreibt regelmäßig Fahrzeugtests und betreut für das D.C.I den Bereich Freizeit, Reise und Touristik.
Hans-Christian Bues