Wohnmobile herzlich willkommen - Montenegro ist mit unberührter Natur, schwarzen Bergen, grünen Täler und tiefblauem Meer ein ideales Womo-Land. (Foto: det)

Wohnmobile herzlich willkommen - Montenegro ist mit unberührter Natur, schwarzen Bergen, grünen Tälern und tiefblauem Meer ein ideales Land für Wohnmobilisten. (Foto: det)

Schwarze Berge, grüne Täler, blaues Meer – Mit dem Wohnmobil durch Montenegro

Montenegro, Reise, Tourismus, Urlaub

Ein schicker Teilintegrierter, ein abenteuerlustiges Ehepaar mit drei Wochen Zeit im Gepäck, geschätzte 4.000 Kilometer Fahrstrecke und nur vage Vorstellungen von einem fremden Land – das waren die Eckpfeiler bei der Planung der Wohnmobiltour, die uns im Sommer in den südöstlichen Zipfel des Balkans führen sollte.

Der dritte Tag. Regen. Seit Stunden scheint es, als hätte der Himmel über uns seine Schleusen geöffnet. Wasser dampft auf dem Asphalt, und nur im Dunstschleier der Gischt sind die Lichterpaare der Fahrzeuge hinter uns im Rückspiegel zu erkennen. Wir sind auf der nagelneuen A1 in Kroatien unterwegs, Brücken und Tunnels wechseln sich mit langgezogenen Kurven, mit Steigungen und Gefällstrecken ab. Kaum andere Fahrzeuge auf unserer Spur, nur ganz selten Gegenverkehr. Und die Klimaanlage kämpft gegen die schwüle Feuchtigkeit im Innenraum an. Wir passieren die Ausfahrt Zadar, noch gut einhundert Kilometer bis Split. Hinter dem Scheitelpunkt einer langen Steigung reißt plötzlich die dunkle Wolkendecke auf, erste Strahlen einer schwachen Sonne blinken durch das diesige Grau, der Landregen verschwindet hinter den Bergen. Minuten später liegt die Landschaft im strahlenden Sonnenlicht, während die Hitze die letzten feuchten Nebelfetzen aus den Tälern der karstigen Hochebene vertreibt. Blauer Himmel, eine salzige Brise vom Meer, noch immer vierhundert Kilometer bis Montenegro.

Land der schwarzen Berge

Am Anfang der Reise standen Fragen. Montenegro? Wo soll das sein? Monte Carlo?, okay, Montevideo? Irgendwo in Südamerika. Aber Montenegro?  Land der schwarzen Berge? Gehört das nicht zu Serbien? Alles falsch – eine kleine Geschichtsstunde ist fällig. Nutzen wir also die Zeit auf der recht eintönigen Autobahn vor Zagreb, um ein paar Fakten über dieses Land am äußersten Zipfel Europas zusammenzutragen. Um vorerst nicht allzu weit in der Geschichte zurückzugehen, erinnern wir uns kurz an die Republik Jugoslawien. Die lag seit Ende des zweiten Weltkriegs im Machtbereich der Sowjetunion, erlaubte sich aber einen historischen Sonderweg und ließ schon lange vor dem Zerfall des Warschauer Pakts unter bestimmten Bedingungen zahlungskräftige „Westtouristen“ ins Land. Hauptsächlich Badetouristen und Segler, oftmals drangsaliert von korrupten und arroganten jugoslawischen Staatsdienern, spülten damals erste Devisen in den maroden Vielvölkerstaat. Nach der sogenannten Wende im Herbst 1989 begann der Zerfall Jugoslawiens.

Kroatien, Slowenien und andere Teilrepubliken machten sich selbstständig und Serbien träumte von einem großserbischen Reich auf dem Balkan. Ein langer, grausamer und blutiger Krieg zwischen den ehemaligen, unter Titos Knute lange Jahre zum Vielvölkerstaat gezwungenen „Freunden“ und Verbündeten in den Jahren 1992 bis 1996, riss auch Montenegro, die kleinste der jugoslawischen Teilrepubliken, aus ihren sozialistischen Träumen. Nach vielen politischen und wirtschaftlichen Komplikationen wurde acht Jahre später, am 3. Juni 2006 die Unabhängigkeit Montenegros ausgerufen. Seitdem ist der jüngste Staat Europas auf striktem Westkurs, hat sich der Nato angeschlossen und strebt die Mitgliedschaft in der EU an. Doch der vor dem hirnlosen Balkankrieg durchaus lukrative Tourismus an den Küsten Montenegros, übrigens mit einem Anteil deutscher Touristen von rund 40 Prozent, stürzte nach den Kämpfen um Dubrovnik und anderen Städten auf knapp zwei Prozent deutscher Urlauber ab. Die Tourismusbranche, der finanziell erfolgreichste Wirtschaftszweig des kleinen Staates, lag zu dieser Zeit faktisch am Boden.

Es musste etwas passieren, doch die schlecht organisierte staatliche Verwaltung und die traditionellen, Jahrhunderte alten Strukturen der Gesellschaft und des Landes machten die Schaffung eines neuen touristischen Gesamtkonzepts in den unruhigen Nachkriegsjahren fast unmöglich. Hilfe kam zu dieser Zeit unter anderem aus Deutschland. Seit über 15 Jahren initiieren und unterstützen die deutschen Organisationen GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) und die CIM (Zentrum für internationale Migration und Entwicklung) aktiv, kompetent und erfolgreich neue Tourismuskonzepte und haben dafür Verbindungsbüros in Montenegros Hauptstadt Podgorica eröffnet.

Montenegro – Herzlich Willkommen

Eine fehlende Grüne Versicherungskarte für unser Reisemobil hält uns noch eine Weile an der montenegrinischen Grenze auf, doch dann sind wir auf dem Weg zu unserem ersten Campingplatz in Herceg Novi, nur wenige Kilometer an der Küste entlang Richtung Süden. Eine warme Sonne begleitet uns, die Adria leuchtet in den schönsten Farben. Einkaufsläden, Tankstellen, Pensionen und kleine Gasthäuser reihen sich zwischen Autowerkstätten, Parkplätzen und sandigen Badebuchten. Auto-Camp Zlokovic, ein netter, kleiner Platz mit direktem Zugang zum Strand und einem fantastischen Restaurant mit tollem Meerblick. Auf der Speisekarte standen die leckersten Produkte der montenegrinischen Küche, Käse, Brot, gegrillter Fisch und unglaubliche Fleischportionen standen auf dem Tisch, und nach dem obligatorischen Begrüßungsschnaps tafelten wir mit anderen Gästen bis weit in die Nacht, nur unterbrochen von Schwimmausflügen im lauwarmen Adriawasser beim strahlenden Licht des Vollmonds.

Auf der Panoramastraße in die Berge

Nach einem leckeren Frühstück machten wir uns gegen 10.00 Uhr mit frisch gesäuberten Fahrzeugen (eine perfekte Wohnmobilwäsche kostet 6,- Euro.) auf den Weg in die Berge. In Herceg Novi folgten wir der neuen Panoramastraße hinauf ins bergige Landesinnere nach Risan, Grahowac, Niksic und Safnik. Panoramastraße, das klingt nach Traumstraße der Welt, nach unendlicher Weite, nach breiten Fahrspuren und geruhsamer Fahrt mit Musik und Tempomat, immer dem Sonnenuntergang entgegen. Doch weit gefehlt, der Weg hinauf zu unserem ersten Campingplatz in den Bergen ist Abenteuer pur! Schmale Straßen, oft nicht viel breiter als das Fahrzeug, enge Serpentinen, abenteuerliche Steigungen und Gefällstrecken und Dutzende von Haarnadelkurven – über zwei Stunden konzentrierte und harte Arbeit am Lenkrad für gut zwanzig Kilometer. Doch dieses bisschen Plackerei ist nichts gegen das Erlebnis während der gesamten Fahrt!

Fasziniert von grandiosen Ausblicken über das Meer, über dunkle, teilweise noch schneebedeckte Berge, hinab in abgrundtiefe Schluchten, über weite Hochalmen und kleine Dörfer, halten wir mehrmals unterwegs an, um unvergessliche Fotos zu schießen und uns an einer grandiosen Landschaft zu berauschen, die in Mitteleuropa in dieser Ausprägung nirgendwo sonst zu finden ist. Ein kurzer Zwischenstopp zur Mittagszeit führt uns zum Camp Jatak, nahe des Dorfes Poscenje. Ein massives Holzhaus mit offener Veranda dient als Restaurant, im Hintergrund eine Handvoll der typischen Holzhütten, die auf fast jedem Camp in Montenegro zur Übernachtung von Gästen bereitstehen. Hinter dem Haus ebene Wiesenflächen in mitten eines imposanten Bergpanoramas. Einen schöneren Stellplatz in fast voralpenähnlicher Natur wird man kaum finden. Doch das ist nicht alles, was der Besitzer dieser Camping-Idylle seinen Gästen bieten kann. Ein gut beschildertes Wegesystem für Wanderer oder Radfahrer führt vom Camp zu einer sehenswerten Brücke über eine zerklüftete Schlucht, zu einem malerischen Bergsee und einem tosenden Wasserfall. Auf diesen Ausflug sollte man auf keinen Fall verzichten!

Licht und Schatten in Montenegro

Wir fahren weiter durch kleine, gepflegte Dörfer und vorbei an einsamen Gehöften hinauf zum Durmitor-Nationalpark. Nebelschleier hängen in den tiefen Tälern, Wolken ziehen über karstige Berge, wir sind weit über einem Kilometer über dem Meeresspiegel. Mehr als die Hälfte Montenegros liegt mindestens eintausend Meter hoch, zehn Prozent reichen sogar über 2000 Meter hinaus. Und der Rest liegt irgendwo unten am Meer. Nicht umsonst kursiert der alte Witz in Montenegro, dass die mit Abstand längste Strecke im Land, die völlig eben und ohne Berg und Tal ist, die Start-und Landebahn des internationalen Flughafens in Podgorica ist. Galgenhumor mit einer gehörigen Portion Wahrheit! Ökologie und Naturschutz hat sich der junge Staat im Jahr 1991 in das Grundgesetz geschrieben, Schutz und Erhalt der Natur hat also Verfassungsrang. Doch wie so oft liegen zwischen Anspruch und Wirklichkeit manchmal kleine, manchmal noch große Welten. Im Vergleich zu anderen westeuropäischen Staaten steckt das Umweltbewusstsein in Montenegro noch in den Kinderschuhen. Glas, Müll-und Papiercontainer findet man kaum, manche Abwässer fließen ungeklärt in Flüsse oder ins Meer, Müll und Sperrmüll wird nicht selten im Gelände „verklappt“ oder im eigenen Garten verbrannt.

Defekte Autos, abgefahrene Reifen und funktionslose Kühlschränke werden in der Regel einfach am Straßenrand stehen gelassen. Kein schöner Anblick in einer grandiosen Landschaft. Aber das soll in Zukunft alles besser werden, strikte Umweltgesetze und strenge Bestimmungen zeigen erste Wirkung, harte Strafen und Sanktionen bis hin zu Freiheitsentzug stehen auf Zuwiderhandlungen. Auf der anderen Seite profitiert die Umwelt von einer kaum vorhandenen Industrie und deren irreparablen „Ausdünstungen“. Obst und Gemüse wachsen, von Düngern und Pestiziden unbelastet, in privaten Gärten oder überschaubaren Bauernhöfen und kommen knackfrisch auf den Markt und in die Geschäfte. Fleisch und Fisch erreichen ohne aufwändige Kühlketten die Verkaufsstellen, die Luft ist klar und sauber und die Flüsse im Landesinneren haben fast immer Trinkwasserqualität. Das Meerwasser entspricht durchgehend europäischem Badestandard und gilt als das sauberste am gesamten Mittelmeer.

Natur pur in den Nationalparks

Licht und Schatten also in einem kleinen Land, wobei die Waage in letzter Zeit wohl deutlich mehr Richtung Licht ausschlägt. Immerhin will Montenegro in die EU und da ist für „Schmutzfinken“ kein Platz. Einzigartige Beispiele für unberührte und geschützte Natur sind die, über das ganze Land verteilten fünf Nationalparks, die zusammen genommen, fast acht Prozent der gesamten Landesfläche einnehmen. Das ist übrigens ein absoluter Rekord in Europa. Und diese absolut naturbelassenen Waldflächen, Hochebenen und menschenleeren Gebiete üben auf den Besucher eine kaum beschreibbare Faszination aus. Bären und Wölfe sind hier zu Hause, Luchse, Wildkatzen und seltene Raubvögel haben in diesen unberührten Landstrichen ihren geschützten Lebensraum, und das Ökosystem Wald bleibt sich hier selbst überlassen. Zufällig haben wir auf einer Wanderung einen Ranger getroffen, der uns am äußersten Rand des Naturparks Durmitor einen geplanten Wohnmobil- Stellplatz zeigen will. Auf einer wunderschönen Waldlichtung werden in wenigen Wochen hier die ersten Wohnmobile stehen, und einen schöneren und naturnäheren Stellplatz kann man sich als Wohnmobilist überhaupt nicht wünschen.

Gastfreundschaft und gute Gespräche

Nach einer rund zweistündigen Wanderung um den traumhaft gelegenen Kar-See erreichen wir wieder unseren Parkplatz, besteigen unseren Teilintegrierten und sind wenige Minuten später wieder auf der schmalen Landstraße, die uns nach Kod Boce bringen soll. Regen hat eingesetzt, ein böiger Westwind jagt tiefhängende Gewitterwolken über die nahen 2000er. Für Fotoshootings ist heute nicht das richtige Wetter, und so kommen wir relativ zügig voran. Zügig heißt unter diesen Umständen, dass man für 40 Straßenkilometer gut und gerne zwei bis drei Stunden einplanen sollte, spätestens dann, wenn unserem Reisemobil auf einer Engstelle, vielleicht sogar in einer unübersichtlichen Kurve, ein Bus oder ein qualmender LKW mit Anhänger entgegen kommt. Dann wird die Sache zwar spannend, bleibt aber eigentlich immer ausgesprochen stressfrei. Nicht einmal haben wir lautes Schimpfen oder drohende Blicke oder Gesten der „Entgegenkommer“ gesehen, eher im Gegenteil, man macht uns bereitwillig Platz, grüßt freundlich und ist erkennbar begeistert, dass Menschen aus dem fernen Deutschland Urlaub in ihrem Land machen.

Die Höflichkeit, Freundlichkeit und die alles überragende Gastfreundschaft der Montenegriner ist überwältigend und wird uns allen wohl noch lange im Gedächtnis bleiben. Am nächsten Abend erreichen wir das Camp Kod Boce. Wir sind nun weit im Norden des Landes, die Grenzen zu Serbien und Bosnien/Herzegowina sind nicht weit. Auf einem terrassenähnlichen Wiesengelände ist nicht nur ein ausreichend großer Stellplatz für zehn bis fünfzehn Reisemobile angelegt, auch eine kleine Pension, ein komfortables Sanitärgebäude und eine komplett eingerichtete Küche steht den Übernachtungsgästen zur Verfügung. Überdachte Pavillons für gemütliche Grillabende, eine Handvoll der typischen Übernachtungs-Hütten, ein Kinderspielplatz, sowie eine improvisierte Ver- und Entsorgung für Reisemobile zeugen vom Engagement und der Begeisterung der Familie, die diesen liebevoll gepflegten und fantastisch gelegenen Platz unter ihren Fittichen hat. Und es wurde ein toller und informativer Abend mit den wenigen einheimischen Gästen und der Betreiber-Familie, denn bei keiner Gelegenheit wird man mehr über Land und Leute erfahren, als wenn man mit den Menschen zusammen isst und trinkt. Die Sprache ist meist kein großes Problem Sehr viele der älteren Menschen sprechen ein wenig Deutsch, die jüngere Generation ist perfekt in Englisch, aber auch Deutsch steht hin und wieder an den weiterführenden Schulen auf dem Stundenplan als zweite oder dritte Fremdsprache.

Rekordverdächtig: Die Tara Schlucht

Im Buch der Rekorde hat Montenegro einige absolut sehenswerte Einträge. Tiefste Schlucht in Europa, größter Binnensee des Balkans, längster Strand der Adria, einziger Fjord im Mittelmeer, der letzte Urwald des Kontinents, von den fünf grandiosen Nationalparks einmal ganz zu schweigen. Bei strahlendem Sonnenschein starten wir nach dem Frühstück, um der Tara Schlucht einen Besuch abzustatten. Die Tara, genannt die Träne Europas, ist mit 140 Kilometern Montenegros längster Fluss. Viele Mythen und Sagen, Lieder und Gedichte ranken sich um diesen Fluss, der sich durch wilde Landschaften, enge Täler und tiefe Schluchten schlängelt. Erst 1932 schafften es einige mutige Kanuten, die reißenden Gewässer von der Mündung bis zum Zusammenfluss mit der Drina zu bewältigen. Nur der Grand Canyon in den USA ist tiefer in das Gebirge eingeschnitten. Bis zu 1.300 Meter tief ist die Tara-Schlucht und zieht sich etwa 88 Kilometer durch zerklüftetes und unberührtes Land. Überspannt wird der wilde Fluss bei Durdevica von einer imposanten, fünfbögigen Brücke, von der man 150 Meter tief unten die schäumenden Kaskaden und Stromschnellen beobachten kann.

Einige Kilometer flussabwärts hat sich ein kleines Unternehmen auf Rafting-Touren spezialisiert und bietet geführte Kanu-und Schlauchboottrips von drei Stunden bis zu drei Tagen auf der unbezähmbaren Tara an. Für Mutige ganz bestimmt eine tolle Sache. Auf der Weiterfahrt, immer entlang der Taraschlucht Richtung Mojkovac am Biogradska Gora Nationalpark, machen wir eine kurze Mittagsrast auf einem tollen Stellplatz für Reisemobile. Camp Eco Oasa. Wunderschön in Flussnähe auf einem flachen Wiesengelände gelegen, bietet dieser Platz all das, was ein Reisemobilist von einem naturnahen, ruhigen und familiär betreuten Stellplatz erwartet. Auch Wanderer, Biker und ganz speziell wassersportbegeisterte Rafting-und Kanufahrer sind hier in besten Händen, denn auch für diese Urlauber stehen neue, perfekt ausgerüstete Hütten zur Übernachtung zur Verfügung. „Fünf in Fünf“ heißt übrigens das ehrgeizige und in Europa einmalige Projekt des Montenegrinischen Ministeriums für nachhaltige Entwicklung und Tourismus. In fünf Nationalparks werden fünf nagelneue Stellplätze für Reisemobile errichtet und verwaltet. Montenegro ist somit das erste Land in Europa, das offiziell von Regierungsseite aus den Reisemobil-Tourismus fördert.

Reisemobil-Stellplatz im Nationalpark

Der Nationalpark Biogradska Gora, bekannt durch sein Herzstück, den einzigartig gelegenen See in der Parkmitte, ist schon seit über 100 Jahren vor forstwirtschaftlicher Ausbeutung geschützt und hat sich dadurch zu einem der letzten Urwälder Europas entwickeln können. Die Artenvielfalt dieser ursprünglichen Waldgebiete ist faszinierend. Über 2.000 Pflanzenarten wachsen auf dem dunklen Gebirgsboden. 200 Vogelarten flattern durch die Wälder, und allein 86 verschiedene Baumarten bieten Hoch-und Niederwild einzigartigen Schutz. Ganz aktuell war zu erfahren, dass dort in Zusammenarbeit mit dem WWF eine Bärenbeobachtungsstation eingerichtet wird. Hundert Meter von der Landstraße, in unmittelbarer Nähe eines kleinen Flüsschens und in Sichtweite einer steinernen Eisenbahnbrücke, führt uns ein Hinweisschild zu einem Rondell rund um eine uralte Buche, das als Stellplatz für etwa zehn Wohnmobile vorgesehen ist. Die Bauarbeiten sind beendet, der Platz wurde rechtzeitig zum Beginn der Feriensaison fertig und passt sich wunderbar in die umgebene Landschaft ein. Eine vielsprachige Info-Tafel klärt die Besucher darüber auf, dass, wie auch auf den anderen Stellplätzen in den Naturschutzgebieten, die Errichtungen aufwändiger Sanitärgebäude mit Waschgelegenheit, Duschen und Toiletten ganz bewusst nicht vorgesehen sind. Die Administration geht davon aus, dass die grundlegenden sanitären Einrichtungen bei allen Reisemobilen an Bord sind, und deshalb die Umwelt, speziell in den hochsensiblen Naturschutz-Arealen, nicht weiter bauseitig belastet werden muss. Hoffentlich bringen die zukünftigen Stellplatznutzer so viel Verstand mit, dieser Logik zu folgen.

Heimat der Frösche und Pelikane

Nach so viel Landschaft und Natur stand am nächsten Tag Kultur auf dem Plan. Manastir Moraca ist eines der vielen orthodoxen Klöster im Land, die auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken. Um 1252 wurde das Kloster um die damals schon existierende Kirche errichtet und im 17. Jahrhundert von venezianischen und einheimischen Künstlern prachtvoll ausgeschmückt. Noch heute arbeiten und leben Mönche mit langen schwarzen Bärten und Gewändern in den Ländereien und Wirtschaftsgebäuden. Mittelpunkt der gepflegten und gut erhaltenen Anlage ist die Kirche mit einer eindrucksvollen Sammlung von Fresken und Ikonen. Über einen kurzen Fußweg ist ein 30 Meter hoher Wasserfall und die berühmte „Brücke der Mönche“ zu besichtigen. Weiter entlang der Moraca Schlucht führt uns eine wahrhaft abenteuerliche Straße mit schmalen, dunklen Tunnels, mit engen Kurven und unübersichtlichen Spitzkehren talwärts Richtung Podgorica und von dort weiter zum Skadar-See. Stellen Sie sich einen See von etwa zwei Drittel der Größe des Bodensees vor. Beständige Winde, blauer Himmel, warmes Mittelmeerklima – und kein einziges Segelboot, kein Surfbrett, keine privaten Motorboote auf dem Wasser.

Das ist der Skadar-See, der, ebenso wie die im Westen gelegenen Landstriche bis weit hinter die Festung Lasendro, zum Skadar-See-Nationalpark gehören. Auf über 370 Quadratkilometer erstreckt sich der größte See des Balkans, wobei rund ein Drittel der Fläche auf albanischem Gebiet liegt. Völlig naturbelassen und frei von Touristen ist dieser See ein Paradies für seltene Vogel-und Pflanzenarten und bietet über 40 Fischarten eine Heimat. Mehr als sechs Meter Tiefe weist der See an keiner Stelle auf, lediglich an den sogenannten „Okos“, den Augen, das sind unterirdische Quellen, die den See mit glasklarem Quellwasser speisen, ist der See deutlich tiefer. Riesige Schilfgürtel umsäumen die grünlich-blauen Wasserflächen und die Einsamkeit und Stille dieser einzigartigen Landschaft wird nur vom Quaken der Frösche und den Rufen der Pelikane unterbrochen. Eine informative Bootsfahrt bestätigt die Aussage unserer Fremdenführerin, dass hier ein völlig intaktes Ökosystem in einer fast menschenleeren Gegend eine weltweit fast einzigartige Artenvielfalt beherbergt, dessen Schutz und Erhalt sich die Ranger des Naturparks auf ihre Fahnen geschrieben haben.

Endlich wieder am Meer

So viele Berge, so viele Schluchten, Täler, Pässe, Tunnels, Wildwasser und einsame Seen, jetzt lockt die blaue Adria. Vorbei am Skadar-See und durch den kostenpflichtigen, aber grandiosen Tunnel „Sozina“ geht es weiter Richtung Bar und zu unserem nächsten Übernachtungsplatz an der Küste. Camp Safari Beach in der Nähe von Ulcinj liegt am Rande eines weitläufigen Pinienwaldes und wahrhaftig direkt am Meeresufer. Die gepflegte Anlage macht einen super Eindruck. Ein Restaurant mit weitläufiger Terrasse zum Meer, neu konzipierte Sanitärgebäude und wirklich angemessene Übernachtungspreise machen einen Aufenthalt in Safari Beach nicht nur für Wasserratten und Sonnenanbeter interessant. Endlich Schwimmen im lauwarmen Wasser der Adria, ein zünftiger Grillabend und lange Strandwanderungen beenden eine ereignisreiche Woche. Nach einer spannenden Fahrt am nächsten Morgen über kleine Straßen entlang der Küste erreichten wir Montenegros größte Hafenstadt Bar. Auf eine lange Geschichte blickt diese Stadt zurück, die einst die Grenze zwischen Österreich-Ungarn und Montenegro bildete. Auch unter venezianischer Herrschaft (1443-1571) behielt die Stadt an der Adria ihre Selbständigkeit, erst 1572 fielen die Osmanen in Bar ein und behielten die Oberhand bis 1877. Bar ist auch bekannt durch seine regelmäßige Fährverbindung nach Italien. Weiter ging von da aus die Reise rund um den Skadar-See mit grandiosen Ausblicken vorbei an Cetinje, bevor wir in 1.500 Meter Höhe den Nationalpark Lovce erreichten.

EU-Schweine für Montenegro-Schinken

Um die Attraktivität des ländlichen Raums in Montenegro speziell auch für Reisemobilisten zu erhöhen, haben sich die Marketingfachleute im Tourismusministerium noch einige Besonderheiten einfallen lassen. Rund um den Ort Njegusi, in einem markanten Hochtal zwischen Cetinje und Kotor gelegen, haben Gäste die Möglichkeit, die lokale und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Schinkenproduktion live und vor Ort zu erleben. Aber nicht nur der speziell geräucherte Njegusi-Schinken, auch die lokalen Honigprodukte können in diversen Räuchereien, Imkerbetrieben und anderen Verkaufsstellen getestet und gekauft werden. Diese, speziell für Wanderer und Biker gekennzeichneten Wege zu den lokalen Produktionsstätten sollen bei den Touristen Interesse an den ländlichen Agrarprodukten Montenegros erwecken. Und der über speziellem Holz sanft geräucherte und luftgetrocknete Schinken ist wahrhaftig ein Gedicht. Dünn geschnitten mit leicht gesalzener Butter auf frischem Bauernbrot – dafür lässt man jede Frittenbude, die es übrigens in Montenegro so gut wie überhaupt nicht gibt, mit Freude links liegen. Drei geräucherte Njegusi-Schinken baumelten auf der Rückfahrt in unserem Heckstauraum, und schon der Geruch lässt zu Hause eine etwas wehmütige Erinnerung an unsere fantastischen Wochen in Montenegro aufkommen.

Über die Panoramastraße nach Kotor

Wieder zurück zur Küste geht es über eine der geplanten Panoramarouten, die mit unglaublichen Ausblicken über die weltberühmte Bucht von Kotor aufwarten können. Doch von der Formulierung „Panoramastraße“ sollte man, wie schon eingangs erwähnt, keinen gut ausgebauten und mit Parkplätzen und Souvenirbuden gespickten „Touristenhighway“ erwarten, ganz im Gegenteil, es handelt sich hier um die berühmt-berüchtigte Gebirgsstrecke mit Dutzenden von Spitzkehren, Engstellen und mit den 25 spektakulären Haarnadelkurven, die in jedem Reiseführer erwähnt werden. Ein tolles und unvergessliches Erlebnis, das einerseits ein gewisses Maß an Mut und fahrerischem Können erfordert, auf der anderen Seite aber mit Panoramaausblicken und unvergleichlichen Bildern tief unten auf die Kotorbucht aufwarten kann, die man wahrscheinlich im Leben nie mehr vergisst.

Schiffe versenken für eine heilige Ikone

Die absolut sehenswerten Küstenstädte Kotor und Perast wurden uns von einer topinformierten und gut gelaunten Stadtführerin vorgestellt, und es war eine Freude, ihren spannenden Geschichten zu lauschen, und tiefe Einblicke in eine Jahrhunderte alte Kultur und Geschichte dieser florierenden Hafenstädte zu bekommen. Über viele Jahrhunderte waren die Seefahrer von Perast weltberühmt, sogar eine Seefahrer-und Navigationsakademie beherbergte die kleine Gemeinde, die es auf Grund ihres immensen Reichtums im 17. und 18. Jahrhundert auf die stolze Zahl von 14 Kirchen in dem kleinen Dorf brachte. Den Abschluss unseres Montenegro-Urlaubs machte eine Stippvisite zu den beiden Kircheninseln Gospa und Sv. Dorda, die in der Bucht von Kotor dem Schiffbauer-und Seefahrerstädtchen Perast vorgelagert sind. Die westliche der beiden Inseln beherbergt ein Benediktinerkloster, das nicht besucht werden kann. Die ältesten Zeugnisse sprechen von einer klösterlichen Besiedelung um das 12. Jahrhundert. Deutlich mehr Geheimnisse, Mythen und Legenden umranken die Nachbarinsel Gospa. Irgendwann nach dem 14. Jahrhundert fanden zwei Fischer auf der damals nur spitzen Felsnadel der Insel eine Ikone, selbstredend wundertätig, und begannen umgehend damit, durch Versenken alter Schiffe, Abladen von Steinen, Mauerresten und Felsbrocken eine Insel aus dem Wasser wachsen zu lassen, auf der für die „Jungfrau vom Felsen“ eine Kapelle errichtet werden sollte.

Erst im 17. Jahrhundert hatte die Insel ihre heutige Größe erreicht, 1630 wurde die Kapelle gebaut und eingeweiht. Heute wird der Innenraum von einem wuchtigen Marmoraltar mit der Jungfrau-Ikone dominiert, die Wände des Gebetsraums schmücken Hunderte kleiner und großer Votivtafeln, die als Dank- oder Bittgeschenk von Seefahrern und deren Angehörigen im Laufe von vielen Jahrhunderten gespendet wurden. Zusammen mit dem anschließenden Museum eine wirklich sehenswerte und beeindruckende Szenerie. Im letzten Licht der untergehenden Sonne verlassen wir die geheimnisvolle Insel, unser Boot erreicht wenige Minuten später den Hafen von Perast, wir starten unser Reisemobil zu unserem letzten Trip nach Herceg Novi, wo wir unsere Rundreise durch Montenegro dort beenden, wo wir sie vor mehr als zwei Wochen begonnen haben, und zwar auf dem wunderschönen Campingplatz direkt am Meer.

Auf Wiedersehen, Land der schwarzen Berge, der grünen Täler und des blauen Meeres – Dovidenja Montenegro!

Reisemobil-Stellplatz
Biogradska Gora
MNE-84000 Kolasin / Krljevokolo
Nationalpark Biogradska Gora
15 Stellplätze, Service: Stellplatz, Strom, Ver- und Entsorgung 10,- Euro
GPS-Daten: N 42.91111/O 19.57556

Campingplätze ausprobiert

Campingplätze ausprobiert - Camp Zlokovic
Camp Zlokovic
Josica 2
MNE-85344 Bijela
Tel. 00382-33471507
GPS: 42° 27' 25" N / 18° 39' 49" O
Zwei-Sterneplatz. Enge Zufahrt, kompaktes, leicht abfallendes Gelände mit direktem Zugang zum Meer. Baumbewuchs und Hecken, Ortskern 1 km entfernt. Gesamt - / Touristische Stellplätze: 25 / 25, Sanitäranlagen: 4 Duschen, 4 WC. Sonstiges: Hunde erlaubt, Restaurant und Bar, Servicestation für Womo und Caravan. Wlan an Platz. Geöffnet: April bis September
 
Campingplätze ausprobiert - Camp/Ethno Village Jatak
Camp/Ethno Village Jatak
MNE-84000 Petnica-Savnik
Tel. 00382/69010045
GPS: 42° 58' 23" N / 19° 05' 21" O
Weitläufiges, terrassiertes Gelände um ein Ausflugsrestaurant gruppiert, teilweise ansteigend. Stellplätze durch Hecken und Baumbewuchs unterteilt. Angrenzend einfache Holz-Bungalows, Ortskern 7 km entfernt. Anzahl Gesamt - / Touristische Stellplätze: 100 / 20, 30 Reisemobil-Stellplätze im Bau. Sanitäranlagen: im Bau Sonstiges: Hunde erlaubt. Bergwanderdorf Nevidio, Bar und Restaurant, Servicestation für Womo und Caravan im Bau. Geöffnet: April bis September
 
Campingplätze ausprobiert - Auto Camp Kod Boce
Auto Camp Kod Boce
Razvrsje
MNE-84220 Zablac
Tel. 00382/69247605
GPS: 43° 08' 06" N / 19° 06' 57" O
Zweisterneplatz. Weitläufiges, leicht hügeliges Gelände, Kaum Baumbewuchs. Angrenzend Zeltplatz mit Grillhaus, Ver- und Entsorgungsstation für Womo und Caravan. Ortskern 1,5 km entfernt. Hunde erlaubt, Gesamt - / Touristische Stellplätze: 20 / 20. Sanitäranlagen: 2 Duschen, 2 WC, Sonstiges: Hunde erlaubt, Grillmöglichkeit, überdachte Pavillons, Aufenthaltsraum. Geöffnet: Ganzjährig
  
Campingplätze ausprobiert - Camp Eco Oaza Suza Evropa
Camp Eco Oaza Suza Evropa
Landstraße an der Taraschlucht
MNE-83500 Gornja Dubrilovina
Tel. 00382-67511755
GPS: 43° 01' 14" N / 19° 24' 36" O
Ruhiger und familiär Platz, weitläufiges Wiesengelände an der Tara keine Parzellierung. 5 Holz- Chaléts, Ortskern 3 km entfernt. Gesamt - / Touristische Stellplätze: 30 / 30. Sanitäranlagen: im Bau, 20 Reisemobil-Stellplätze im Bau. Sonstiges: Hunde erlaubt, Snack Bar und Frühstück, Servicestation für Womo und Caravan. Sport und Unterhaltung: Rafting, Wandern. Geöffnet: April bis September
 
Campingplätze ausprobiert - Autocamp Maslina
Autocamp Maslina
Petrovac na moru
MNE-85343 Petrocaj-Buljarica
Tel. 00382-68602040
GPS: 42° 11' 53" N / 18° 57' 58" O
Zweisterneplatz. Enge Zufahrt, weitläufiges und ebenes Gelände mit Zugang zum Strand. Stellplätze nicht unterteilt, Baumbewuchs und Hecken, Ortskern 1 km entfernt. Gesamt - / Touristische Stellplätze: 80 / 60. Sanitäranlagen: 4 Duschen, 4 WC. Sonstiges: Hunde erlaubt, Servicestation für Womo und Caravan. Sport und Unterhaltung: Baden, Kajak, Angeln. Geöffnet: April bis September

Info Montenegro - Daten, Fakten und Zahlen

Nationale Tourismusorganisation Montenegro,
Nacionalna turistička organizacija Crne Gora
Marka Miljanova 17
MNE-81000 Podgorica, Montenegro
Tel: +382 (0)77 100 001, Call center: 0 8000/1300
E-mail: info@montenegro.travel
www.montenegro.travel
Öffnungszeiten: 07.00 - 15.00 Uhr
Offizieller Name: Vlada Republika Crna Gora (Freie Republik Montenegro)
Bevölkerung
Montenegro hat etwa 640.000 Einwohner. Die ethnische Zusammensetzung verteilt sich in etwa wie folgt: 44 Prozent Montenegriner,32 Prozent Serben, acht Prozent Bosnier, fünf Prozent Albaner, vier Prozent sonstige Muslime und ein Prozent Kroaten.
Religion
Montenegrinisch-orthodox, Muslimische Minderheit, in den Küstenstädten auch einige Katholiken
Größte Städte:
Podgorica (180.000), Niksic (80.000), Pljevlja (40.000), Bijelo Polje (56.000), Berane (39.000), Bar (37.000), Herceg Novi (28.000), Ulcinj (24.000), Cetinje (20.000), Budva (12.000)
Das Land:
Staatsform: Republik
Fläche: 13.812 Quadratkilometer
Einwohner: etwa 670.000
Bevölkerungsdichte: 49 Quadratkilometer (Vergleich Deutschland 231 Quadratkilometer)
Hauptstadt Podgorica (180.000 Einwohner.)
Höchster Berg: Zla Kolata, 2.534 Meter
Höchste Schlucht: Tara Fluss 1.300 Meter
Größte Bucht: Boka Kotorska (Bucht von Kotor)
Längster Strand: Velika plaza (Langer Strand, 13 Kilometer bei Ulcinj)
Größter See: Skutari See 391 Quadratkilometer
Küstenlänge: 293,5 Kilometer (davon 73 Kilometer Strand)
Landgrenzen: 614 Kilometer (mit Bosnien 225 Kilometer, mit Serbien 203 Kilometer, mit Albanien 172 Kilometer, mit Kroatien 14 Kilometer)
Klima: Mediterranes Klima mit teilweise hohen Niederschlägen, in Höhenlagen gemäßigt mit Schnee im Winter (Wintersport)
Durchschnittstemperatur Januar 5° C, Durchschnittstemperatur Juli 25° C
Kfz-Kennzeichen: MNE
Internet: TLD.me
Währung: Euro (€) = 100 Cents (Montenegro ist nicht Teil der Europäischen Währungsunion, hat den Euro aber unilateral eingeführt)
Bruttosozialprodukt (BSP): 1,644 Milliarden Euro (Quelle Auswärtiges Amt, 2005)
BIP/ Einwohner 2.638,- Euro (Quelle Auswärtiges Amt, 2005)
Staatsoberhaupt: Präsident Filip Vujanović
Regierungschef: Premier Milo Dukanović
Sprache: Montenegrinisch / Serbisch (ijekavische Variante, auch als Montenegrinisch bezeichnet), regional auch Albanisch, Bosnisch und Kroatisch
Küstenlänge: 293 Kilometer, davon 73 Kilometer Sandstrand
Nationalparks: Skadar-See, Durmitor, Biogradska Gora, Lovcen, Prokletije
Flora und Fauna in Montenegro
Die Pflanzen und Tierwelt ist durch die Wälder, die dünne Besiedlung und die verschiedenen Klima- und Landschaftszonen sehr artenreich. Es sind 49.000 Arten erfasst, wovon 360 Arten unter Schutz stehen. An der  Küste findet man die typische mediterrane und subtropische Vegetation (Oliven-, Orangen-, Kirsch- und Zitronenbäume, Palmen, Agaven, Zypressen). In tieferen Regionen des Berglandes herrschen Laubbäume wie Eichen, Ulmen, Eschen, Ahorn, Weiden, Linden, Walnuss- und Kastanienbäume vor. An Tieren finden in den Wäldern Braunbären, Wölfe, Füchse, Fledermäuse, Luchse, Hirsche und Rehe geeigneten Lebensraum. Es gibt viele Tiere, die in anderen Regionen Europas längst verdrängt wurden. Der Skadarsee ist eines der fischreichsten Binnengewässer auf dem Balkan. Hier findet man u.a. riesige Karpfen. Der See ist auch ein einzigartiges Vogelreservat, indem man neben Dalmatinischen Pelikanen auch Flamingos und Seeadler beobachten kann. Das Reservat wird jedes Jahr von vielen Vogelkundlern besucht.
Sprache
Laut Verfassung von 2007 ist Montenegrinisch die Amtssprache. Es handelt sich um eine Südslawische Sprache. Es ist sowohl das lateinische als auch kyrillische Alphabet (hauptsächlich im Norden) im Gebrauch. Zusätzlich Serbisch, Albanisch, Kroatisch und Bosnisch. In den Touristenregionen wird im Übrigen vielfach Deutsch, Englisch oder Italienisch gesprochen und verstanden. Trotzdem sind die Montenegriner dankbar, wenn man auch als Tourist einige Brocken ihrer Sprache beherrscht.
Preise
Eintritt in die Nationalparks kostet zwischen einem Euro (NP Prokletje) und vier Euro (NP Skadar-See) pro Fahrzeug. Ein typisch montenegrinisches Weißbrot kostet durchschnittlich 0,80 Euro. Betrachtet man alle Grundnahrungsmittel, so sind die Preise nur etwa zehn Prozent unter den deutschen Preisen. Bier kostet von 0,80 Euro die kleine Flasche Nik im Hinterland, bis 2,50 Euro in den Touristen-Hochburgen Budva und Bar. Frittenbuden gibt es nicht. Hier gibt es Burekdzinicas, das sind kleine, einheimische Schnellrestaurants, die sich auf Burek spezialisiert haben. Bureks ist ein typisches - auch frittiertes - montenegrinisches „Fastfood“. Eines reicht als Zwischenmalzeit und kostet durchschnittlich 1,- Euro. Konkurrenz kommt in letzter Zeit von Pizzabuden, da sind die Preise etwa 30 Prozent unter deutschem Niveau. Diesel kostet 1,20, Superbenzin 1,35 Euro. Eine Kinokarte in Podgorica kostet durchschnittlich 3,- Euro. Wein ist ungefähr gleich teuer wie in Deutschland, importierter Wein teurer. Essen im Restaurant ist im Schnitt etwa 20 Prozent billiger als in Deutschland, die Speisen sind sehr „fleischlastig“, Vegetarier haben es schwer. Achtung bei Lactose-Intoleranz: Es gibt keine Lactose-freien Produkte in Montenegro!
Küche
Montenegro hat auch kulinarisch für seine geringe Größe einiges zu bieten. Die Küche ist von vielen verschiedenen Völkern beeinflusst worden (Serben, Türken, Ungarn). Die Gerichte variieren von Region zu Region und sind auch abhängig von den Gaben der Natur vor Ort. Am Meer ist die Küche mediterran beeinflusst, im Gebirge rustikaler. Das Frühstück wird in Montenegro nicht übersprungen, das Mittagessen ist die Haupt-, und das Abendessen die feierlichste Mahlzeit. Eine typische Eigenart ist das Kochen unter dem Sartsch. Der Sartsch ist ein Metalldeckel der die abgeflachte Form einer Glocke hat, häufig wird Lamm damit gekocht. Der Sartsch wird bedeckt mit Asche und Glut. Bei dieser Kochmethode bleibt das Fleisch saftig und gibt Geschmack an die Beilagen ab. Diese alte Kochmethode vom Land ist von den heutigen Restaurants übernommen worden. Im Gebirge sind traditionell Milchprodukte und Fleisch beliebt. Traditionelle Bergspeisen sind auch Kacamak (Polenta) und Cicvara (Mischung aus Weizenmehl, Maismehl und Käse). An der Küste ist natürlich Fisch beliebt. Immer eigentlich mit viel Olivenöl und zahlreichen Gewürzen zubereitet. Als „na gradele“ wird er während des Grillens mit Kräutern und Rosmarin gewürzt. Petersilie, Olivenöl, Gemüse, Salat sowie Knoblauchmarinade sind traditionelle Beilagen. Der Montenegriner sagt: Fisch sollte dreimal schwimmen, zuerst im Meer, dann im Olivenöl und zuletzt im Wein! Ein typischer Nachtisch ist Rozata, eine Art Pudding aus Eiern, Milch und Karamell. Genauso wie der leckere Käsekuchen „Sirnica“. Alles sehr kalorienhaltig!
  
Literaturliste Reiseführer Montenegro
Literaturverzeichnis
Montenegro, Autor: Achim Wigand, Verlag: Michael Müller, Erlangen, Euro: 15.90
Montenegro, Autor: Marko Plesnik, Verlag: Trescher Verlag, Berlin, Euro: 14,95
Montenegro, Autor: Werner Lips, Verlag: Reise Know How, Bielefeld, Euro: 14,90
Montenegro, Autor: Mijovic Vladimir, Verlag: Mapa Crne Gore, kostenlos
Rezept Nationalgericht Montenegro
In den Sommermonaten steht er auf jeder Speisenkarte, der montenegrinische Gemüsetopf: Reichhaltig, lecker und schnell zubereitet für vier Personen:
Montenegrinischer Gemüsetopf
Zutaten:
400 g    Hackfleisch (Rind)
300 g    Zwiebeln
500 g    Tomaten
150 ml  Brühe
2         Paprikaschoten
3         Knoblauchzehen
1         Aubergine
1         Zucchini
2         Eigelb
1         Joghurt
3         Kartoffeln
Butter, Salz, Pfeffer
Das Hackfleisch mit Zwiebeln und Knoblauch anbraten. In eine gefettete und feuerfeste Form geben. Das gewaschene Gemüse in Streifen oder Scheiben schneiden. Nun die Mischung über das Hackfleisch in den Topf geben. Pfeffern und salzen. Dann die Brühe darüber. Etwa 50 Minuten bei 200 °C backen. Danach Joghurt und Eigelb verrühren, Salz und Pfeffer dazu. Das Ganze dann über den aus dem Ofen herausgenommenen Auflauf verteilen. Alles zurück in den Ofen und noch weitere 15 Minuten überbacken lassen. Mit Bauernbrot und Sauermilch heiß servieren. Guten Appetit!

Hans-Christian Bues

Hans-Christian Bues

Hans-Christian Bues, geboren in Bad Harzburg, lebt und arbeitet als Journalist, Reiseschriftsteller und freier Autor in Königswinter am Rhein. Für seine Reportagen, Reiseerzählungen und Abenteuerromane war er neben dem kanadischen Yukon Gebiet in Alaska, Amerika, Asien, Australien, Russland und vielen anderen Länder der Welt unterwegs. Er ist ein langjähriger und erfahrener Reisemobilist, schreibt regelmäßig Fahrzeugtests und betreut für das D.C.I den Bereich Freizeit, Reise und Touristik.
Hans-Christian Bues