Der e-Crafter geht ans Netz: VW Nutzfahrzeuge präsentiert die Serienversion des Zero-Emission-Transporters. (Foto: det)

Der e-Crafter geht ans Netz: VW Nutzfahrzeuge präsentiert die Serienversion des Zero-Emission-Transporters. (Foto: det)

Strom für den VW Crafter – Zero-Emission-Transporter e-Crafter geht ans Netz

Basisfahrzeug, Fahrzeugvorstellung, Saison 2019, Volkswagen

Volkswagen Nutzfahrzeuge präsentiert in Hamburg den neuen e-Crafter – elektrisch und emissionsfrei betrieben, ausgelegt auf Zuladungen von bis zu 1,72 Tonnen. Der 100 kW (136 PS) starke e-Crafter wird ab September das Programm der jungen Crafter-Flotte um den ersten großen Zero-Emission-Transporter der Marke erweitern.

Und das vorab: Der e-Crafter ist keine Studie oder ein Experimental-Fahrzeug. Er ist ein, in harten Feldtests erfolgreich erprobtes Serienfahrzeug, das ab Ende September beim VW-Händler bestellt werden kann und nach acht bis neuen Wochen Lieferzeit einsatzbereit auf dem Firmenhof steht.  Parallel markiert das Debüt des elektrischen Hochdach-Kastenwagens den Start einer Elektro-Mobilitätsoffensive: Fortan wird Volkswagen Nutzfahrzeuge das Modellspektrum immer stärker um teil- und vollelektrisierte Fahrzeuge ergänzen.

Der neue e-Crafter ist ein progressives Statement: Da er keine Emissionen entwickelt, ist er mit allen weltweit erdenklichen Umweltzonen kompatibel. Von Einfahrverboten, wie sie zum Beispiel in Hamburg oder Paris je nach Schadstoffklasse und Antriebsart umgesetzt werden, ist der e-Crafter auch langfristig nicht betroffen. Noch vor seiner Markteinführung wurde der neue e-Crafter vor diesen Hintergründen mit dem „Europäischen Transportpreis für Nachhaltigkeit 2018“ in der Kategorie „Transporter und Lieferwagen“ ausgezeichnet.

Reichweite korrespondiert mit in der Praxis zurückgelegten Distanzen

Entwickelt wurde der e-Crafter für alle Unternehmen, die im innerstädtischen Bereich aktiv sind: die „Last-Mile-Zusteller“ des Kurier- und Logistiksektors, Handwerksbetriebe, Einzelhändler, Energieversorger oder Shuttle- und Taxibetriebe. Mit einer Reichweite von bis zu 173 Kilometern gemäß NEFZ und einer bewusst auf 90 km/h begrenzten Höchstgeschwindigkeit deckt der e-Crafter die realen Anforderungen des täglichen Einsatzes der City-Transporter problemlos ab.

Die abgesicherte Basis für diese Konfiguration lieferten aufwändige Mobilitätsanalysen: Volkswagen Nutzfahrzeuge hatte im Vorfeld der e-Crafter- Entwicklung von mehr als 1.500 Kunden über 210.000 Fahrprofile ausgewertet. Ergebnis: Das Gros der Fahrer legt mit einem Transporter täglich zwischen 70 und 100 Kilometer zurück. Genau für diese Distanzen – absolviert oft mit diversen Starts und Stopps – hat Volkswagen Nutzfahrzeuge den neuen e-Crafter konzipiert.

Deshalb stand bei der Konzeption des e-Crafter nicht die maximale, sondern eine praxisrelevante Reichweite im Fokus. Und dieses Konzept hält aufgrund der kompakteren Batteriegröße den Preis auf dem Niveau der Wettbewerber: Netto wird der neue e-Crafter zu Preisen ab 69.500 Euro (Deutschland) an den Start gehen. Produziert wird das Chassis des neuen Modells, wie alle Crafter, im Werk Września (Polen). Die Endmontage der e-Komponenten erfolgt im Stammwerk der Marke Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover

Zero-Emission-Transporter basiert auf zweiter Crafter-Generation

Der e-Crafter wurde parallel zu den Modellen mit emissionsoptimierten Euro- 6-Dieselmotoren (TDI) entwickelt. Das birgt entscheidende Vorteile: Da der e-Crafter kein nachträglich umgebautes Elektrofahrzeug ist, sondern ein als Zero-Emission-Transporter konzipiertes Modell der zweiten Crafter- Generation, konnte Volkswagen Nutzfahrzeuge die Architektur des großen Lieferwagens optimal für die Integration der elektrischen Antriebskomponenten nutzen.

So wird die Lithium-Ionen-Batterie platzsparend im Unterboden des e-Crafter untergebracht. Dadurch kann das volle Ladevolumen des 2.590 Millimeter hohen Hochdach-Kastenwagens genutzt werden: 10,7 m3. Gleiches gilt für weitere wichtige Maße wie die Durchladebreite (1.380 Millimeter) oder die Laderaumhöhe (1.861 Millimeter).

Die maximale Zuladung beträgt je nach Ausführung zwischen 0,975 und 1,72 Tonnen. E-Motor, Getriebe und Differenzial bilden ein kompaktes Modul. Vorn im e-Crafter ist der Elektromotor integriert – eine Synchronmaschine des Typs EEM85. Sie stellt besagte 100 kW als Peakleistung zur Verfügung. Das maximale Drehmoment beträgt 290 Nm.

Übertragen wird die Kraft über ein für Nutzfahrzeuge ausgelegtes 1-Gang-Automatikgetriebe (EQ 290) an die Vorderachse. Motor, Getriebe und Differenzial bilden ein kompaktes Modul. Hergestellt wird diese Einheit im Komponentenwerk Kassel. Zu den weiteren technischen Elementen des Antriebssystems gehören das Motorsteuergerät und die sogenannte Leistungselektronik. Letztere steuert den Hochvoltenergiefluss zwischen dem Elektromotor und der Batterie.

Der in der Lithium-Ionen-Batterie gespeicherte Gleichstrom (DC) wird dabei durch die Leistungselektronik in Wechselstrom (AC) umgewandelt. Ein DC/DCWandler erzeugt indes die 12 Volt-Spannung für das Bordnetz.

An der CCS-Ladestation – 80 Prozent Ladung nach 45 Minuten

An einer CCS-Ladestation mit 40 kW (Gleichstrom) ist die Batterie (Energiegehalt 35,8 kWh) nach nur 45 Minuten wieder zu 80 Prozent geladen. CCS ist die Abkürzung für das international standardisierte Combined Charging System – das Laden mit Gleichstrom, das im e-Crafter serienmäßig enthalten ist. Wird eine AC-Wallbox mit 7,2 kW (Wechselstrom) genutzt, ist der Akku binnen 5,2 Stunden wieder zu 100 Prozent mit Energie versorgt; das geschieht in der Regel über Nacht auf dem Betriebshof des jeweiligen Unternehmens.

Innovative Assistenz-, Komfort- und Infotainmentsysteme

Wie skizziert, basiert der neue e-Crafter auf der zweiten Generation der 2017 neu auf den Markt gebrachten Transporter-Generation. Der technisch innovative und optisch markante Crafter zählt auch 2018 zu den Erfolgsmodellen: Allein zwischen Januar und Juni konnte Volkswagen Nutzfahrzeuge die Auslieferungen des Crafter um 24,5 Prozent auf 26.800 Fahrzeuge steigern.

Der e-Crafter wird mit modernsten Assistenz-, Komfort- und Infotainmentsystemen auf den Markt kommen. Serienmäßig an Bord: Der ParkPilot als Einparkhilfe inklusive Flankenschutz (reduziert dank 16 rund um den Crafter verteilten Ultraschallsensoren das Risiko, beim engen Rangieren den eigenen Wagen oder andere Fahrzeuge zu beschädigen), eine Multifunktionskamera (vorn) und eine Rückfahrkamera.

Generell ist der Crafter zudem als erstes Nutzfahrzeug seiner Klasse mit einer serienmäßigen Multikollisionsbremse ausgestattet (kann dazu beitragen, Folgeunfälle zu verhindern). Ebenfalls immer dabei: der Seitenwind-Assistent. Zur weiteren Serienausstattung des neuen e-Crafter gehören Features wie LED-Scheinwerfer (für Abblend-, Fern- und Tagfahrlicht), eine Klimaautomatik (Climatronic), Sitzheizung, Wärmepumpe und beheizte Frontscheibe, Komfortsitze und das Navigationssystem „Discover Media“ inklusive „App-Connect“ (Einbindung von Smartphone- Apps), Sprachbedienung und Mobiltelefon-Schnittstelle. Optional können mittels „Car-Net Guide & Inform“ mobile Online-Dienste genutzt werden.

Erste Fahreindrücke – leise, sauber und stark 

Die ersten Fahreindrücke auf Touren in und um Hamburg beweisen: Der e-Crafter scheint absolut alltagstauglich und serienreif zu sein. Der e-Antrieb geht drehmoment-stark ans Werk, wie sein Diesel-Pendant überzeugen Handling und Fahrkomfort, letzterer wird durch den fast lautlosen Fahrbetrieb noch einmal getopt. Fazit: Das Fahren mit dem e-Crafter macht einfach nur Spass. Und die Reichweite? Kein Problem! Bei – zugegeben recht optimalen – Bedingungen war es nicht möglich den e-Crafter auf den Test-Touren blank zu machen.

Infos:  Zur Webseite von Volkswagen Nutzfahrzeuge

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues