Ungewöhnliches Gespann mit hohem Imagefaktor: Der Heku Car-Camp mit dem Opel Astra als Zugfahrzeug. (Foto: det)

Ungewöhnliches Gespann mit hohem Imagefaktor: Der Heku Car-Camp mit dem Opel Astra als Zugfahrzeug. (Foto: det)

Wohnmobil-Oldtimer – Heku Car-Camp auf Opel Astra

Historisches, Oldtimer, Wohnauflieger, Wohnmobil

Manche Dinge muß man gesehen haben, um sie zu glauben. Zum Beispiel einen Opel Astra mit sechs Rädern, vier Betten, Küche und Dusche. Heku Car-Camp hieß der raffinierte Wohnanhänger für den Astra, den die Bielefelder Reisemobilschmiede Heku bis 2012 gebaut hat.

Eines ist sicher: Wo der Heku Car-Camp auftaucht, ist für Stimmung gesorgt. Selbst Nobelkarossen aus Italien oder Zuffenhausen haben in der Gunst der Neugierigen eindeutig das Nachsehen. Die Idee von Heku Firmenchef Helmut Kollmeier aus Bielefeld war so einfach wie genial: Eine Kombination von Auto und Reisemobil in einem Fahrzeug mit Pkw-Eigenschaften im Alltag und wohnmobilem Komfort für Urlaub und Freizeit.

Sechs Jahre Entwicklungszeit, viel Geld und Geduld waren damals nötig, um mit dem Segen des TÜV und einer Freigabe von Opel den Heku Car-Camp im Jahr 1988 serienfertig zu bekommen. Das Know-How zur technischen Umsetzung stammte schon von Anfang der 80er-Jahre: Die Firma Heku, bekannt für Bootstrailer und Anhänger, hatte als einer der ersten Wohnmobilhersteller Wechselaufbauten als Pritsche und Wohnteil für gewerblich genutzte Transporter angeboten.

Entwicklungskosten in Millionenhöhe

Bereits 1995 war unsere Fachredaktion mit einem exklusiven Praxis-Test des damaligen Car-Camp betraut. Helmut Kollmeier 1988 zu seiner Idee:

“Ich kann die schlaflosen Nächte nicht mehr zählen, die mich dieses Projekt gekostet haben, manchmal hätte ich die Idee gerne metertief begraben. Trotz der 1,4 Millionen D-Mark für die Entwicklung gibt der Erfolg im Nachhinein recht”.

Das stimmt, denn bis zu seiner Einstellung im Jahr 1997 rollten über 300 Car-Camps aus der Bielefelder Wohnmobilschmiede auf Deutschlands Straßen. Selbst ein eigener Club dieser schnittigen Mobile wurde Anfang er 90er-Jahre gegründet.

Als Basis für das reisemobile Gespann kam 1995 der Opel Astra in der Schrägheckversion zum Einsatz, konzeptioniert war der Car-Camp auf seinem Vorgänger Kadett. Deshalb konnte man auch einen gebrauchten Opel Kadett der Modellreihe E (GSi, 2,0 ohne ABS) und später gar einen Daewoo Nexia, der in Südkorea mit Kadett-Teilen weitergebaut wurde, zu einem Car-Camp-Mobil umrüsten. Technisch interessant war die „Hochzeit” zwischen Basis und Wohnteil an diesem kombinierten Reisemobil. Bevor der Astra zum Rucksack-Träger wurde, bekam er zwei stabile Vierkantrohre an die Aufnahmen der Anhängekupplung montiert.

Entsprechende Zapfen am Wohnteil ließen sich darin fixieren und ergaben die starre Verbindung des Gespanns. Der angesetzte GfK-Alkoven des Hängers wurde durch zwei Opel-Dachträger gestützt und überspannte die Astra Dachpartie wie ein überdimensionaler Spoiler. Der Astra selbst blieb so optisch unverändert und entsprach nach dem Abkoppeln der Kabine dem Serienfahrzeug.

So aufwändig machte es Kollmeier beim Car-Camp 2 nicht mehr, denn er schien aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt zu haben. Der Car-Camp 2007 musste keine Rücksichten mehr auf ABS oder ESP nehmen, kein spezieller Astra mit einer bestimmten Spezifizierung war jetzt mehr notwendig: Der Car-Camp Typ 2 war einfach ein ungebremster Anhänger mit Nachlaufachse und wurde mit einem U-Bügel an der Anhängekupplung befestigt und mit zwei seitlich angebrachten Kupplungen in zwei Kugelköpfen starr fixiert. Fertig!

Basis konnte jeder serienmäßige Astra H mit Fließheck sein, natürlich mit einer Anhängekupplung (685,- Euro) und zwei originalen Opel-Dachträgern (150,- Euro). Also wieder ein genialer Trick vom Altmeister Kollmeier: Keine Freigabeprobleme, keine kostspieligen technischen Raffinessen waren mehr für das Opel-Gespann notwendig. Und eine Segnung der technische Weiterentwicklung bekam man dabei gleich mitgeliefert: Der Opel mit Anhängekupplung verfügt serienmäßig über das Anhängerstabilitätsprogramm, das zusätzliche Sicherheit beim Gespannfahren gab.

Huckepack als Pkw

Vorteil der starren Verbindung: Das aerodynamisch elegante Paar galt zulassungsrechtlich weiterhin als Pkw. Der Gesetzgeber spricht von einem „Pkw geschlossen mit starr angebautem Wohnteil“, somit unterliegt das 6,70 Meter lange Car-Camp Reisemobil weder einer Geschwindigkeitsbegrenzung, noch ändern sich Versicherung und Steuer. Bedurfte das An- und Abdocken der Wohnkabine damals einiger Übung, war es in der zweiten Generation so simpel wie das Ankuppeln eines Anhängers.

Die Wohneinheit – Eigengewicht etwa 700 Kilogramm – ließ sich einfach per Hand rangieren, blieb auch solo bewohnbar und wurde so zum idealen Gästezimmer für die „liebe” Schwiegermutter oder unerwarteten Besuch, da sie mit einem Wiederholungskennzeichen zugelassen war. Mit einem zulässigen Gesamtgewicht von knapp 2.535 Kilogramm verblieben eine Zuladekapazität von ausreichend 405 Kilogramm. Damit fanden alle nötigen Reiseutensilien ihren Platz im Gespann, optional konnte der Car-Camp auch mit einem klappbaren Fahrradträger für zwei Räder (270,- Euro) am Heck ausgerüstet werden.

Fahren ohne Hängerrucken

Dem Fahrspaß tat der Rucksack keinen Abbruch: Hinter dem Lenkrad des Astra fühlte man sich auf Anhieb wohl. Dazu trugen die serienmäßig gut konturierten Sitze, die funktionsgerechten Bedienelemente und das übersichtliche Cockpit einen wesentlichen Teil bei. Die Last des Aufbaus machte sich nur bei einem Kavalierstart mit leichten Traktionsproblemen an der Vorderachse bemerkbar, rollte das Gespann erst einmal, war – außer bei Seitenwind – vom Hänger wenig zu spüren. Ein unproblematisches Handling zeichnete das „tolle Paar” aus, die munteren 100 Turbodiesel-Pferdchen unter der Haube des Astra CDTI 1,7 ermöglichten komfortables, entspanntes Reisen mit 130 bis 150 km/h.

Erst beim Einparken und Rangieren wurde man wieder gewahr, daß hinten ja noch was dranhängt. Auch an der Tankstelle gab´s keine ernsthafte Strafe für den Duo-Piloten: Ein bis zwei Liter Diesel mehr genehmigte sich der Astra in reisemobiler Vollausstattung, blieb aber mit sieben bis acht Litern Verbrauch ein sparsames Reisemobil. Und im Winter musste noch nicht Schluss sein mit dem Car-Camp Vergnügen. Der Wohnaufbau war durch eine aufwändige Styrofoan-Isolierung und die innen im Aufbau befindlichen Tanks für Frisch- und Abwasser wintertauglich ausgelegt, die gasbetriebene Truma E- Heizung sorgte zudem für wohlige Wärme und ein Boiler für heißes Wasser im Heku.

Großer Raum in kleiner Hütte

Im Wohnraum ging es bei einem Grundmaß von 2,0 x 1,86 Metern recht eng zu. Um so erstaunlicher, was mit optimaler Ausnutzung auf diesem begrenzten Raum alles geboten wurde. Zuerst gewann beim Betreten des Wohnraums der positive optische Eindruck, denn vier große Fenster – alle zum Öffnen und mit Moskito- und Verdunklungsrollos – sowie das große Heki-Dachfenster sorgten für ein helles Ambiente.

Dazu kam das ansprechend hell gehaltene Möbeldekor Apfel und die darauf abgestimmten Polster. Vier bequeme Schlafplätze bot der Car-Camp an. Zwei im Alkoven und ein – mit 120 Zentimeter schmales – Doppelbett aus der Sitzgruppe im Heck genügten auch campingerprobten Ansprüchen. Für den Hobby-Bocuse stand ein Küchenblock mit Zwei-Flammen-Gaskocher, eingelassener Niro-Spüle und einem 77 Liter großen Kühlschrank zur Verfügung.

Eine erweiterte Arbeitsfläche bot sich am direkt an die Küche angrenzende Alkoven an: Wird die geteilte Matratze nach vorne geklappt kann man den Raum problemlos als Arbeitsfläche für die Küche nutzen. Erstaunlich viel Stauraum für seine Größe gab es im Heku Car-Camp: Hängeschränke im Heck und in der Küche, Seitenschrank und die Truhen der Sitzbänke sorgten für genügend Raum für alle erdenklichen Reiseutensilien und Vorräte. Mit der gemütlichen Sitzgruppe im Heck, bestehend aus den Längssitzbänken und dem Einhängetisch, eignete sich der Car-Camp optimal für zwei erwachsene Personen mit zwei Kindern als Reisebesatzung.

Der Sanitärraum war begrenzt, dennoch entsprach die Ausrüstung mit fest eingebauter Cassetten-Toilette, dem ausziehbaren Handwaschbecken und Warmwasserversorgung dem reisemobilen Standard von „erwachsenen” Wohnmobilen. Schade, daß man sich die Dachentlüftung oder ein Dachfenster gespart hatte, was zum kleinen Fenster im Bad zusätzliches Licht gebracht hätte.

Eine Dusche war aus Platzgründen nicht vorgesehen, im Notfall konnte im Sommer mit der Telefonbrause der Armatur vor dem Mobil geduscht werden. Etwas anstrengend zeigte sich der Gasflaschenwechsel. Hier musste man hoch hinaus, denn der Gastkasten war links über der Fahrertür im Alkoven des Car-Camp untergebracht. Ohne Trittstufe oder Leiter bekam man die zwei 11 Kilogramm-Flaschen nicht problemlos gewechselt.

Fazit:
Der Heku Car-Camp auf dem Opel Astra war ein außergewöhnliches Reisemobil mit hohem Individualitätsfaktor. Er stellte eine gelungene Synthese zwischen alltagstauglichem Pkw und einem Freizeitfahrzeug dar und bot gediegene Qualität zu einem vernünftigen Preis.

Infos:  Zur Webseite von Heku

TECHNIK KOMPASS HEKU CAR-CAMP
Hersteller: Heku Fahrzeugbau
Basis: Opel Astra 2 1,9 DCTI
Motor/Getriebe: 1,9 CDTI Ecotec Turbo-Diesel, 74 kW / 100 PS, Hubraum 1.885 ccm, max. Drehmoment 260 Nm bei 1.750 -2.500 U/min, Euro 4 mit Dieselpartikelfilter, ABS und ASR, ESP, Anhängerstabilitätsprogramm. Sechsgang-Handschaltung,
Fahrgestell: Original, Radstand: 2.614 mm, Anhängelast: ungebremst 680 kg, gebremst 1.400 kg
Wohneinheit: Abnehmbarer Aufbau mit Nachlaufachse, Stützen und Rädern in Alu-Sandwich-Bauweise und GfK-Formteilen
Sitz-/Schlafplätze: 4/4
Kabinenbauweise: Sandwich Alu-GfK, Isolierung Dach / Wand / Boden: Styropor / 30 / 30 / 40
Maße & Gewichte Masse im fahrbereiten Zustand: 2.130 kg, technisch zulässige Gesamtmasse: 2.535 kg, Zuladung: 405 kg
Außenmaße L x B x H 6.700 x 1.920 x 2.460 mm
Bettenmaße L x B Dinettbett: 1.820 x 1.200 mm, Alkovenbett 2.000 x 1.410 mm
Hersteller:

Heku-Fahrzeugbau GmbH, Bunzlauer Straße 6, D-33719 Bielefeld, Tel. 0521-200066, www.heku-fahrzeugbau.de

Grundriss

Grundriss Heku Car-Camp 2. (Grafik: Werk)
Grundriss Heku Car-Camp 2. (Grafik: Werk)

 

INFO Heku Car-Camp
Historie Heku Car-Camp im Stenogramm:

1988 - 1992 auf Opel-Kadett-GSI mit 115 oder 150 PS - und weitere Benziner ab 90 PS
1993 - 1997 auf Opel-Astra F (ab Bj. 1994 wurde der Astra modernisiert mit ABS)
1997 - 2005 Produktionspause des Heku Car-Camp
2006 - 2010 auf Opel Astra H - Motoren ab 100 PS aufwärts
2011 - auf Opel Astra J - Motoren ab 100 PS aufwärts
2012 - Einstellung der Produktion

Kontakte:
HCC Freundeskreis
www.blank-tauberfeld.de

Heku Car Camp Club
www.das-hab-ich-ja-noch-nie-gesehn.de
Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues