Dr. Ing. Stefan Krause, Leiter der Abteilung Bundesfernstraßen im BMVI, überbrachte ein Grußwort von Minister Andreas Scheuer und ging dann auf die Problematik fehlender Stellflächen für LKW ein. Er begrüßte die Initiative der VEDA, Lösungen gegen den Parkplatzmangel zu entwickeln. BMVI und VEDA wollen in Zukunft verstärkt bei der Lösung der Sachfragen zusammenarbeiten.
 (Foto: VEDA)

Dr. Ing. Stefan Krause, Leiter der Abteilung Bundesfernstraßen im BMVI, überbrachte ein Grußwort von Minister Andreas Scheuer und ging dann auf die Problematik fehlender Stellflächen für LKW ein. Er begrüßte die Initiative der VEDA, Lösungen gegen den Parkplatzmangel zu entwickeln. BMVI und VEDA wollen in Zukunft verstärkt bei der Lösung der Sachfragen zusammenarbeiten.
 (Foto: VEDA)

1. VEDA Autohof Symposium in Berlin

Sicherheit, Stellplatz, Vereinigung Deutscher Autohöfe e.V. (VEDA), Verkehr

Die Vereinigung Deutscher Autohöfe e.V. (VEDA e.V.) veranstaltete Ende September das erste Autohof Symposium in Berlin. Der vor einem Jahr neu gewählte Vorstand mit dem 1. Vorsitzenden Johannes Witt und den neuen Geschäftsführer Alexander Quabach nutzten die Chance, die Leistungen des Branchenverbands vor einem breiten Publikum in Berlin herauszustellen.

In vier Podiumsrunden wurden aktuelle Themen der Autohofbranche vorgestellt. Prominente Keynote-Sprecher führten in die einzelnen Themen ein. Über die Anforderungen an die Autohofbranche unter Moderation des Journalisten Werner Sonne wurde engagiert diskutiert.

Thema – Soziales
In einem politisch pointierten Vortrag ging Dr. Michael Haberland, Präsident des Automobilclubs „Mobil in Deutschland“, auf die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland ein. Entgegen der aktuell grassierenden Verbots- und Enteignungsmentalität forderte er von der Politik, erkannte Missstände insbesondere bei der Infrastruktur anzufassen und Planungen schneller umzusetzen. Bei aller Notwendigkeit zu Klima- und Umweltschutz, würde auch in Zukunft die Mehrheit der Güter auf der Straße transportiert. „Fehlende Infrastruktur entlang der Autobahnen geht zu Lasten der Fahrer und der Umwelt“.

Jens Pawlowski, Berlin-Repräsentant des Bundesverbands Güterverkehr und Logistik BGL, sieht die Überregulierung bei Lenk- und Ruhezeiten und fehlende Parkplätze als wesentlichen Grund, dass der Beruf des Berufskraftfahrers unattraktiv geworden sei. Trotz erheblichen Fahrermangels seien faire Löhne durch den Druck ausländischer Transportunternehmer schwer durchsetzbar.

Ruth Strohofer, Geschäftsführerin eines der größten Autohöfe Europas, wies auf die vielfältigen Leistungen der Autohöfe für Fahrer und Speditionen hin. Während Wohnmobile in Deutschland einen Boom erleben, sollen LKW- Fahrer wegen des Wochenend-Übernachtungsverbots ihre komfortablen Kabinen verlassen und ihre Ruhezeiten in billigen Pensionen oder bei stundenlangen Heimfahrten verbringen.

Ruth Strohofer: „Gerade Autohöfe bieten Fahrern und Speditionen viele soziale Leistungen, bezahlbare Gastronomie und ein sicheres Umfeld. Trotzdem werden Autohöfe, wie beispielsweise bei der Hinweisbeschilderung entlang der Autobahn, weiter grob benachteiligt“.

VEDA Vorstand Daniel Ruscheinsky, Geschäftsführer der 24 Autohof-Gruppe, wies auf die Anstrengungen und Erfolge der Autohöfe bei der Schaffung neuer Stellplätze für LKW hin.
Allein durch die Umplanung der Parkplätze seien Hunderte neuer Stellplätze entstanden. Viel günstiger und schneller als auf der Autobahn könnten mit Fördermitteln des Bundes auf Reserveflächen oder in Gewerbegebieten in der Nähe von Autohöfen viele neue Abstellflächen entstehen. Entscheidend für die Qualität dieser Flächen sei jedoch die Nähe zu den Serviceeinrichtungen der Autohöfe.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Kommandeur des Logistikkommandos der Bundeswehr, Generalmajor Volker Thomas. In einem eindringlichen Appell bat er die zivile Wirtschaft um Unterstützung bei der Bewältigung der logistischen Aufgaben der Bundeswehr. Insbesondere die Unterstützung des Transportes von Soldaten und militärischem Material bei der „Schnellen Eingreiftruppe“ der NATO mache eine Zusammenarbeit mit den Autohöfen notwendig.

Hier müssen im Einsatzfall innerhalb weniger Tage Tausende Soldaten mit ihrem Gerät quer durch Europa transportiert werden – und zwar zu Friedensbedingungen. Zwar sei die Bundeswehr in der Lage, die notwendigen Rast- und Ruheräume zur Verfügung zu stellen – aber nicht bei Alarmierungszeiten von ein bis zwei Tagen.

Johannes Witt wies darauf hin, dass die Autohöfe bereits heute an jedem Tag im Jahr an den Hauptverkehrsachsen viele Parkplätze, Tankmöglichkeit, Gastronomie und Sozialräume vorhalten. „Wir können in zwei Tagen die Anforderungen der NATO erfüllen“.

VEDA Geschäftsführer Alexander Quabach wies auf die Vermittlungsfunktion der VEDA als neutraler Branchenverband hin. Entscheidend für die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr war das Signal der VEDA: „Wir können, wir wollen und wir machen“.

Thema – Sicherheit
Als Leiter der Projektgruppe CARGO und Abteilungsleiter Organisierte Kriminalität im LKA Magdeburg referierte Guido Sünnemann praxisnah über seine Erfahrungen und Erfolge bei der Bekämpfung der Ladungskriminalität. Es reiche nicht, den kleinen Planenschlitzern aufzulauern, sondern man müsse in die Strukturen der Hintermänner eingreifen. Hier würden die Millionen verdient, während erwischte Handlanger oft nur verwarnt würden. Derzeit würde verstärkt und mit viel Erfolg die Zusammenarbeit mit der polnischen Polizei aufgebaut.


In vier Podiumsrunden wurden aktuelle Themen der Autohofbranche vorgestellt. Prominente Keynote-Sprecher führten in die einzelnen Themen ein. Über die Anforderungen an die Autohofbranche unter Moderation des Journalisten Werner Sonne wurde engagiert diskutiert. (Foto: VEDA)
In vier Podiumsrunden wurden aktuelle Themen der Autohofbranche vorgestellt. Prominente Keynote-Sprecher führten in die einzelnen Themen ein. Über die Anforderungen an die Autohofbranche unter Moderation des Journalisten Werner Sonne wurde engagiert diskutiert. (Foto: VEDA)

Erste Zugriffe bei den Köpfen der Mafiagruppen hätten in Brandenburg und Sachsen-Anhalt bereits zum Rückgang der Vorfälle um Zweidrittel geführt. Er riet auch bei Abwehrmaßnahmen am Autohof zum Prinzip EMMA: „Einfach mal machen!“

Thorsten Neumann, Präsident und CEO der Transportorganisation TAPA EMEA, verwies auf die unterschiedlichen Sicherheitsanforderungen der Transporte. Für die Masse der Transporte seien geordnete Platzverhältnisse, Licht und Videoüberwachung völlig ausreichend. Jede Mehrleistung koste aber deutlich mehr Sicherheits- und Parkgebühren.

VEDA Vorstand Gerhard Bergler, Eigentümer eines Autohofs und vieler Tankstellen, aber auch Betreiber einer Flotte mit mehr als 100 LKW, forderte ein klareres Problembewusstsein der Spediteure: „Im einfachen Planenauflieger sollte man keine wertvollen Güter transportieren“.

Bessere technische Vorsorge, Sicherheitseinrichtungen am Fahrzeug und eine gute Tourenplanung mit gesicherten Parkplätzen würden viele Gelegenheitsdiebe abschrecken. Johannes Witt, 1. Vorsitzender der VEDA, wies auf die Erfolge der VEDA Initiative des Premium-Parkens hin. Allein durch begrenzte Zufahrten, viel Licht und eine gute Videoaufzeichnung würden die Übergriffe an Autohöfen gegen Null zurückgehen.

Dabei blieben die Sicherheits- und Parkgebühren deutlich unter denen der sogenannten Sicherheitsparkplätze. „Wir brauchen in Deutschland keine Sicherheitsstandards wie an der Grenze in Calais“. Genauso wichtig sei aber auch eine planbare Frachtroute mit gesicherten und reservierbaren Parkplätzen. Nur so können LKW Fahrer ohne Sorgen um ihre eigene Sicherheit und die ihrer Fracht am sicheren Autohof ihre Ruhepausen genießen.

Thema – Innovation
Die hygienische Abwasserentsorgung ist gerade bei den Linien-Busverbindungen ein ernstes Problem. Enge Taktzeiten und fehlende Entsorgungsmöglichkeiten an Busbahnhöfen und Autohöfen führen zu unhaltbaren Bedingungen für Busfahrer und Gäste. Was bei der Bahn schon seit Jahrzehnten vorgeschrieben ist: Eine geschlossene Fäkalabsaugung und –entsorgung ist in Deutschland noch immer kein Thema. Gemeinsam mit Flixbus, dem Hersteller von Absaugeinrichtungen Vogelsang, suchen Autohöfen und VEDA nach wirtschaftlichen und umsetzbaren Lösungen.

Thorsten Schlüter, Betreiber eines Autohofs in Kiel mit einer Entsorgungsstation: „Wir stehen im Wettbewerb mit einem Gully auf dem Parkplatz oder dem Straßengraben. Gemeinsam mit der Firma Vogelsang haben wir die Absaugeinrichtung an den Bedarf der Autohöfe angepasst und sind damit sehr erfolgreich. Kein Busfahrer aber auch kein Parkplatzbetreiber ist heute noch bereit, Schmutz und Gestank bei der Entsorgung zu akzeptieren“.

Alexander Quabach stellte dieses Projekt als klassische Aufgabe eines Branchenverbands vor: „Probleme erkennen, die Akteure zusammenführen und bei Fachpolitikern und Ministerien den Handlungsdruck erhöhen“. Harald Vogelsang, Geschäftsführender Gesellschafter des Weltmarktführers für Eisenbahnentsorgungsanlagen, stellte eine kompakte Entsorgungsanlage für Busse und Caravaning-Fahrzeuge vor. Michael Neumeier, Flixbus DACH, bestätigte das Interesse seines Unternehmens an einer auch europaweit umsetzbaren Entsorgungslösung und sieht die Bereitschaft, hier Vorgaben auch bei den Busbetreibern durchzusetzen. Wirksam sei eine solche Lösung jedoch nur, wenn alle Busunternehmen die gleichen Hygieneanforderungen erfüllen müssen.

Thema – Neue Kraftstoffe
Thomas Strauß, Direktor Tankstellen der Total Deutschland, ging in seinem Eröffnungsvortrag auf den Klimawandel und die Mobilität von morgen ein. Neben den politischen Herausforderungen im Mobilitätsbereich – wie zunehmend verschärften Umweltauflagen – erläuterte Thomas Strauß die technischen Möglichkeiten bei den unterschiedlichen Transportanforderungen – vom PKW über Busse bis zum LKW. Dabei wurde erkennbar, dass derzeit mehrere Kraftstoffarten und – formen miteinander konkurrieren.

Absehbar ist jedoch, dass im Schwerlast-Transport auf der Mittel- und Langstrecke weiter mit einem Dieselanteil von 95 % gerechnet wird. Mittelfristig erwartet man Effizienzsteigerungen bei den Motoren und Antrieben und umweltfreundliche Beimengungen zum Kraftstoff. In der Klimabilanz werden diese Fortschritte aber möglicherweise durch ein Mengenwachstum bei Straßentransporten aufgezehrt.

Jörg Adolf, Chefvolkswirt der Shell Deutschland, ging in seinem Vortrag auf die einzelnen Entwicklungen nach Fahrzeugarten ein und zeigte Auswirkungen auf die Emissionen auf. Insbesondere beim PKW erwarte er Verschiebungen zwischen den Kraftstoffarten und natürlich auch eine erhöhte Quote an Elektromobilität. Gerade auch bei alternativen Kraftstoffen setzt Shell europaweit verstärkt auf Wasserstoff, Elektrizität und LNG – flüssiges Erdgas. Patrick Schnell, scheidender Vorstand der VEDA und langjähriger Mentor der Autohöfe bei der Entwicklung der Lade- und Versorgungsinfrastruktur entlang der Autobahnen, bescheinigte den Autohöfen ein erfolgreiches Engagement.

Gerade weil heute noch nicht erkennbar ist, welche Kraftstoffe sich im Mix der Transportaufgaben durchsetzen, ist der Aufbau der Infrastruktur teuer und wirtschaftlich risikoreich. Da Autohöfe aber aus beiden Fahrtrichtungen der Autobahn und aus dem Umland problemlos anfahrbar sind, reduziert sich der finanzielle Aufwand für den Investor deutlich bis auf ein Drittel gegenüber reinen Autobahnanlagen. Deshalb findet man auf den Autohöfen heute schon ein ausgebautes Netz von Versorgungsstationen.

Infos: Zur Webseite der VEDA

Quelle: Pressemitteilung VEDA e. V.


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Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues