Der Pionier feiert 30jähriges Firmenjubiläum: Pössl hat den Kastenwagen als Reisemobil massentauglich gemacht und ist unumstrittene Nr. 1 geworden. (Foto: Pössl)

Der Pionier feiert 30jähriges Firmenjubiläum: Pössl hat den Kastenwagen als Reisemobil massentauglich gemacht und ist unumstrittene Nr. 1 geworden. (Foto: Pössl)

30 Jahre Pössl – Der unaufhaltsame Weg auf Platz 1

Campingbusse, Fahrzeuge, Hersteller, Historisches, Pössl

Wir schreiben das Jahr 1989, die Mauer war gerade gefallen, die neue Freiheit im offenen Europa manifestierte sich in einer Menge von Campingbussen, die Europa und den “wilden Osten” eroberten. Der Österreicher Peter Pössl hat den Zeitgeist erkannt und die Gunst der Stunde genutzt, um der neuen Freiheitsbewegung passende Untersätze an die Hand zu geben. Er gründete 1989 die Firma Pössl und setzte auf preisgünstige Ausbauten von Kastenwagen.

Was gab es zu dieser Zeit auf dem Reisemobilmarkt? Aufbaufahrzeuge aller Art, bis auf den VW California und den Ford Nugget aber kaum serienmäßig ausgebaute Kastenwagenmobile. Der Rest waren die sprichwörtlichen Broccoli-Kisten, preisgünstige Gebraucht-Transporter, die mehr oder weniger fachmännisch mit Sperrmüll-Möbel oder einfachen Bausätzen in Reisemobile umfunktioniert wurden.

Als Peter Pössl beschloss, Campingbusse ausbauen zu lassen, waren diese noch ein Nischenprodukt. 25 Jahre später ist der Kastenwagen massenkompatibel geworden – und führt regelmäßig die Zulassungsstatistik bei den Neuzulassungen im Reisemobilbereich an – auch ein Verdienst der Firma Pössl.

Ur-Pössl auf Ford Transit

Peter Pössl hatte eine andere Idee: Er wollte das Innenleben eines kleinen Wohnwagens in einen Serien-Kastenwagen einbauen. Gesagt getan, er baut auf dem Ford Transit mit einem selbstentwickelten GfK-Hochdach den “Ur-Pössl”, den Ford Transit Fan und Ford Transit Family. Die Anfänge waren bescheiden: Gerade einmal 20 Fahrzeuge brachte der findige Österreicher in den Handel.

Innovativer Pick up – aber wenig Erfolg

1991 – Der Tüftler bastelt weiter und bringt für 1991 und 1992 einen echten Hingucker, der die Branche kurz aufhorchen ließ. Unter den Namen „Sputnik“, „Gemini“, Apollo1“, „Apollo2“ und „Calypso“ stellte Pössl Pick Up-Kabinen vor, die in unterschiedliche Modellvarianten angeboten wurden. Basis war der Ford-Transit mit Einzel- oder Doppelkabine. Je nach Modell waren die Fahrzeuge für 3 – 6 Sitzplätze und 4 – 6 Schlafplätze zugelassen. Die Kabinen waren sogar winterfest ausgelegt, vollisoliert aus GfK-Sandwich-Platten mit PU-Hartschaum in 40 Millimeter Wandstärke und einem 55 Millimeter starken Fußboden isoliert. Im Innenausbau hatte der Kunde die Wahl zwischen Pappelplatten oder Massivholz-Kiefer, lackiert in Ikea-Optik. Die Truma-Gasumluftheizung SL 3002 gehörte genauso zum Lieferumfang, wie das Porta Potti und ein Klapp-Waschbecken. Leider war der Erfolg mäßig, von den innovativen Fahrzeugen wurden nur wenige Modelle verkauft.

Der Durchbruch mit Duo 2000 – Duo Van und Duett

1995 entstehen auf Basis des Peugeot Boxer der „Duo 2000“, der „Duo-Van“, der „Duett“ und der Pössl-Family“ mit dem Serien-Superhochdach und einem Kinderzimmer im Heck. Peter Pössl war es damals nicht bewusst, welche Sensation er im Reisemobiljahr 1996 auslöste. Pössl bietet den ausgebauten Boxer zum gleichen Preis an, zu dem in Deutschland sonst gerade mal die nackte Blechkarosserie zu haben war. Bereits damals waren die Kastenwagen mit kompletter Caravaneinrichtung mit einem Wohnraum von 12 Quadratmeter ausgerüstet. Selbstverständlich mit drehbarem Cassetten-WC und Dusche. Bereits bei dem Duo wurde das Konzept von 2 x 2 Schlafplätzen an der Sitzgruppe übereinander bei einer Gesamtlänge des Fahrzeugs von 5,50 Meter realisiert. Der Duett mit seiner legendären Hecksitzgruppe war für vier Sitzplätze zugelassen und hat im bequemen Doppelbett für zwei Personen auf 1,40 m x 1,92 Platz geboten. Die Länge des Peugeot Boxer betrug fünf Meter. Der unverbindliche Verkaufspreis war unschlagbar – 48.900,– DM.

Günstige Produktion mit EU-Kastenwagen

Möglich war der niedrige Preis, weil die Produktion inzwischen zum slowenischen Hersteller Adria ausgelagert wurde, der deutlich günstiger produzieren konnte und eine Besonderheit im damaligen europäischen Zollrecht ausnutzte: Den zollfreien Veredelungsverkehr, der eine kostenlose Aus- und Einfuhr der Fahrzeuge erlaubte. Mit Adria einigte sich Pössl darauf, den Vertrieb für Deutschland und Österreich zu übernehmen; das restliche Europa sollte Adria mit Kastenwagen bedienen. Mit dieser geschickten Einkaufspolitik für die Peugeot-Boxer-Kastenwagen gelang 1996 der Durchbruch mit reisefertigen Modellen, die kaum mehr kosteten, als hierzulande der leere Transporter. Im Jahre 2000 wurden bereits über 360 Pössl Fahrzeuge auf dem deutschen und österreichischen Markt abgesetzt.

Rückzug von Peter Pössl – neuer Wind mit neuen Eignern

Im Jahr 2002 gab es eine starke Zäsur in der Firmengeschichte. Peter Pössl schied aus dem Unternehmen aus und verkaufte seine Firma an die Glück-Gruppe. Ein Familienunternehmen unter der Ägide des langjährigen DCHV-Präsidenten Wolfgang Liebscher, zu dem unter anderem auch der Händlerzusammenschluss Freistaat gehört. Mit den neuen Besitzern kam sofort frischer Wind ins Unternehmen. Mit handfestem Ergebnis: Der Klassiker 2Win wurde kreiert, ein komfortbetonter Zweipersonenwagen mit einem Grundriss, wie er heute bei den Kastenwagen zum absoluten Standard geworden ist: Sitzgruppe aus Halbdinette und Fahrerhaussitzen, Längsküche rechts, gegenüber Bad und hinten ein Heckbett quer. Der Wagen schlug ein wie eine Bombe, die Produktionskapazitäten in Slowenien reichten nicht mehr aus.

Von Novo Mesto ins Allgäu – Pössl lässt bei Dethleffs produzieren

Die Entwicklung des Verkaufsschlagers 2Win und der Start der baugleichen Globecar-Serie speziell für Dethleffs-Händler, stellten die Weichen auf Expansion. 2004 wurde die Produktion von Adria zu Dethleffs verlagert – was vor allem daran lag, dass Adria die für Pössl ausgebauten Fahrzeuge unter dem Adria-Label nun auch selbst in Deutschland vertreiben wollte. Daran hatte man logischerweise kein Interesse bei Pössl. Warum gerade Dethleffs? „Wir hatten schon immer gute Beziehungen zu Dethleffs und dem damaligen Geschäftsführer Thomas Fritz, und außerdem hatte man in Isny die nötige Kapazität“, gab Pössl-Geschäftsführer Markus Wahl damals zu Protokoll. Insgesamt wurden 2004 nach einigen Anlaufschwierigkeiten stolze 1.700 Einheiten abgesetzt.

Neue Basisfahrzeuge und Schwestermarke Globecar

2005 wurde nach der Vorstellung auf dem Caravan Salon 2014 die erste Saison für die baugleiche Schwestermarke Globecar, die nur exklusiv den Dethleffs-Händler vorbehalten war. Pössl erweiterte seine Basisfahrzeuge und bot den Ausbau auf den Basisfahrzeugen von Citroën, Fiat, Ford und Renault an.

Neuer Ducato – neue Serien

2007 war für Pössl ein Jahr hektischer Entwicklungen. Der neue Fiat Ducato und seine Derivate Peugeot Boxer und Citroën Jumper standen als komplett neue Fahrzeug auf dem Hof, alle Modelle mussten angepasst werden. Der Verkaufsschlager 2WIN beispielweise wird durch das gut 40 Zentimeter längere Fahrgestell erheblich aufgewertet. Dazu entwickelte man in Ainring gleich ein „All-In-Konzept“, das die leidige Optionsliste fast überflüssig machte und am Markt überzeugen konnte. Dazu wurde der Weiterbau des „Concorde Compact“ bei der Firma Heinrich in Zellingen beschlossen, den man als Lizenz von Concorde übernommen hatte. Da man gerade so schön beim Hochdachbau zu Gange war, wurden auch die ersten Modelle der H-Line-Serie mit GfK-Hoch entwickelt, um das Portfolio nach oben abzurunden. So kann Pössl im Jahr 2010 eine stolze Palette von 18 Modellen auf vier Basisfahrzeugen anbieten.

Steiler Aufschwung – Ausbau des Portfolios

2012 wird die Clever Mobile GmbH gegründet. Sie spezialisiert sich auf Campingbusse bis sechs Meter Länge auf Citroën Jumper und Fiat Ducato – im absoluten Günstigpreissegment, das Pössl inzwischen verlassen hat. Die Clever-Fahrzeuge werden in der Nähe von Budapest in Ungarn produziert.

Neue Marke Roadcar

Klar, dass der Boom im Kastenwagensektor auch andere Hersteller auf den Plan ruft. Alle wichtigen Reisemobilfirmen – darunter auch erklärte Kastenwagen-Gegner – wollen am Boom partizipieren und steigen in den immer größer werdenden Wettbewerb ein. Kein Problem für den Marktführer Pössl. Der hat seine Marktposition in den letzten zehn Jahren geschickt ausgebaut und sich mit guten Preisen, Qualität und Innovationen, wie der erste Einzelbetten-Kastenwagen oder die geräuschlose Zuziehhilfe Softlock, bestens aufgestellt. Gut achttausend Kastenwagenmobile verlassen die verschiedenen Standorte im Jahr. Dazu ein weiterer Coup von Pössl: Für die neue Einsteigermarke Roadcar hat man 2015 eine Zusammenarbeit mit dem Capron-Werk der Erwin Hymer-Gruppe ausgehandelt. Capron hat ab 2016 am Firmensitz in Neustadt / Sachsen exklusiv für Pössl weitere Kastenwagenmodelle ausgebaut.

Innovative Modellentwicklung und planvolle Expansion

Mit der Summit Baureihe stellte Pössl 2016 eine Modellreihe mit reisefertiger, kompletter Einrichtung vor. Fahrzeuge, die erstmals ein Schwenkbad und ein neues Raumkonzept aufweisen. 2017 wurde wieder ein richtungsweisendes Jahr für Pössl. Der ungeheure Erfolg braucht Platz. Eine Produktionsgesellschaft wurde gegründet und ein komplett neuer Standort in Vielbrunn im Odenwald kümmert sich mit einer modernen Produktionsfläche von 50.000 Quadratmeter um die Produktion der Hochdachfahrzeuge H-Line. Gleichzeitig möchte man sein Portfolio nach unten abrunden und im stark anziehenden Markt der Campingbusse mit Aufstelldach mitmischen. So wurde in Kooperation mit PSA Citroën ein pfiffiger Campingbus gebaut und die Marke Campster gegründet. Der Campster basiert auf dem Citroën Spacetourer und wird bei Dethleffs in Isny ausgebaut.

Und im Jubiläumsjahr?

Pössl hat in der Saison 2019, die traditionell auf dem Caravan Salon endet, über 11.000 Reisemobile unter den Namen Pössl, Globecar, Clever, Campster und Roadcar europaweit verkauft und bleibt damit unangefochten der Marktführer in Sachen Kastenwagen. Planziel 2020: 14.000 Einheiten. Für die Saison 2020 bekommt Pössls-Einsteiger-Baureihe Summit Zuwachs nach oben und unten.

Mit dem Summit 540 bringt Pössl nun einen kurzen, superkompakten Summit-Van an den Start. Das klassische Zwei-Personenmobil 540 ist nur 5,40 Meter lang und hat dank einiger Kniffe im Bad und bei der Sitzgruppe dennoch einen vollwertigen Sanitärraum an Bord. Ab 35.999,- Euro ist der 540 auf Citroën Jumper mit 120 PS zu haben. Oben wird die Summit-Baureihe durch einen komfortablen Summit 640 Prime (ab 43.499,- Euro) mit Einzelbetten abgerundet. Neu ist in der kleinen Campingbus-Klasse der Vanster. Ein einfacher Einsteiger-Van auf Basis des Citroën Spacetourer oder Jumpy Kombi, Preis ab 27.990,- Euro. Pössl feierte sein 30-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsmodell unter dem Namen Trenta. Dieses Modell gibt es zur CMT 2020 jetzt auch in sechs Meter Länge.

Infos:  Zur Webseite von Pössl


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Claus-Detlev Bues