Bella Italia ist für Wohnmobilisten aller Generationen nach wie vor eines der naheliegendsten Traumziele.( Foto: fotolia.com © Armyagov)

Bella Italia ist für Wohnmobilisten aller Generationen nach wie vor eines der naheliegendsten Traumziele.( Foto: fotolia.com © Armyagov)

Bella Italia – Fünf Reiseziele der ruhigen Art für Wohmobil und Caravan

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Italiens vorderer Stiefelschaft mal anders: Eine Reiseroute der ruhigeren Art. Bella Italia ist für Wohnmobilisten aller Generationen nach wie vor eines der naheliegendsten Traumziele. Doch wer halbwegs unverfälschtes Italien will, muss ein bisschen suchen.

„Komm ein bisschen mit nach Italien
Komm ein bisschen mit ans blaue Meer
Und wir tun als ob das Leben eine schöne Reise wär‘ “

63 Jahre ist es mittlerweile her, dass dieser Schlager-Klassiker erstmals aus einem Lautsprecher spielte. Doch auch wenn sowohl der Film, in dem der Song erklang, (Bonjour Kathrin) als auch die Interpretin (Caterina Valente, 88) seitdem ein gutes Stück gereift sind, ist das Songthema so brandaktuell wie ein 2019er Chart-Hit.

Die Liebe der Deutschen zu Italien lodert heute noch so heiß, wie zu Zeiten des Wirtschaftswunders. Wohl kaum ein Caravaner, der noch nicht den italienischen Stiefel unter die Räder nahm; kein Wohnmobilisten-Reisegespräch, in dem nicht Toskana, Lago Maggiore, Kalabrien und die für das Fahrzeug so schrecklich engen aber eben wunderschönen Gässchen Erwähnung fänden.

Doch wir alle wissen eines: Italien kann auch ganz schön „touristisch“ sein – und das nicht im positiven Sinne. Jeder dürfte schon Geschichten gehört haben von überfüllten Plätzen, lächerlich hohen Preisen, schmutzigen Duschen – die Kehrseite hoher Tourismus-Zahlen. Stellt sich die Frage: Gibt es noch das Sehnsuchts-Italien, auf das „Komm ein bisschen mit, weil sich das lohnt“ gemünzt ist? Definitiv ja. Und im folgenden Artikel zeigen wir einige schöne Orte und passende Plätze in den Regionen des vorderen Stiefelschafts zwischen Ligurischem und Tyrrhenischem Meer von Nordwest nach Südost.

1. Ligurien

Ligurien ist wegen seiner Landschaft, der Architektur und Natur einer der schönsten Flecken Italiens. (Foto: fotolia.com © Boris Stroujko)
Ligurien ist wegen seiner Landschaft, der Architektur und Natur einer der schönsten Flecken Italiens. (Foto: fotolia.com © Boris Stroujko)

Unsere Reise beginnt im malerischen Ligurien. Hier, wo sich der Golf von Genua zwischen der französischen Grenze bis etwas östlich von La Spezia erstreckt. Mit Sicherheit ist Ligurien wegen seiner Landschaft, der Architektur und Natur einer der schönsten Flecken Italiens, aber schon wegen seiner geringen Größe sehr knifflig. Campingplätze gibt es hier zwar einige, aber wirklich günstige und vor allem ruhig gelegene Plätze sind in der Nähe der Riviera die Ausnahme.

 

 

Öfters empfohlen wird der Platz Camping Framura (GPS: N 44.21139 / O 9.52337). Der liegt im Örtchen Deiva Marina auf halbem Weg zwischen Genua und La Spezia. Allerdings ist der eigentliche Platz vom Rest der Welt durch die ihn umgebenden Berge und einen Tunnel abgetrennt.

Camping Framura im Örtchen Deiva Marina ist spektakulär gelegen. (Foto: Camping Framura)
Die Campinganlage Framura im Örtchen Deiva Marina ist spektakulär gelegen. (Foto: Camping Framura)

Hinzu kommt, dass der Platz auch relativ klein ist und über einen eigenen (wenngleich kleinen und nur bei Ebbe wirklich nutzbaren) Strandabschnitt verfügt.

Ausflugstipp:
Der rund 40 Fahrminuten von der Küste gelegene Nationalpark Cinque Terre ist mit seinen malerischen Örtchen äußerst sehenswert. Doch Vorsicht: Relativ touristisch und vor allem teilweise sehr eng für Caravan-Gespanne und große Reisemobile.

2. Toskana

Die Toskana. Ganze Bücherwände wurden über Italiens Sehnsuchtslandschaft geschrieben. Und sie gilt nach wie vor auch vielen Campern als Inbegriff. Foto: fotolia.com © magdal3na)
Die Toskana. Unzählige Bücher wurden über Italiens Sehnsuchtslandschaft geschrieben. Und sie gilt nach wie vor auch vielen Campern als Inbegriff Italiens. Foto: fotolia.com © magdal3na)

Die Toskana. Ganze Regale voll Bücher wurden über Italiens Sehnsuchtslandschaft geschrieben. Und sie gilt nach wie vor auch vielen Campern als Inbegriff Italiens. Allerdings: Als Strandurlauber sollte man mit seinem Wohnmobil touristische Ziele nur mit Vorbuchung ansteuern. Denn die Strände sind, gelinde ausgedrückt, überfüllt, überreguliert und teuer, vor allem in der Sommersaison. Hier sollte man – wenn möglich  Vor-und Nachsaison nutzen und in die ländlichen Regionen ausweichen, die noch so etwas wie einen Hauch von Ursprünglichkeit  vermitteln,

Aber zum Glück ist die Toskana mehr als nur Strand und zieht sich bis auf wenige Kilometer an die Adria durch den Stiefel. Und hier liegt, auf halbem Weg zwischen Florenz und Pisa, der Campingplatz Belsito (GPS: N 43. 90491 / O 10.78780) südwestlich von Pistoia.

Ländlicher Platz im Herzen der Toskana: Camping Blesito südwestlich von Pistoia. (Foto: Camping Belsito)
Ländlicher Platz im Herzen der Toskana: Camping Blesito südwestlich von Pistoia. (Foto: Camping Belsito)

Zwar meilenweit vom Meer, dafür aber in inmitten der Toskana-typischen Hügellandschaft gelegen und strategisch so platziert, dass man viel Ruhe erwarten kann. Außerdem befinden sich zwei Pools und ein kleine Supermarkt auf dem Platz.

Ausflugstipp:
Der Ort Montecatini Terme, zu dem der Platz gehört, ist ein Kurort mit einer wirklich monumentalen Architektur, die man unbedingt zu Fuß erkunden sollte.

 

3. Latium

Einverkannte touristische Perle: Das Latium außerhalb von Rom. (Foto: fotolia.com © ValerioMei)
Eine verkannte touristische Perle: Das Latium außerhalb von Rom. (Foto: fotolia.com © ValerioMei)

Latium, als Italiens zweitstärkste bevölkerte Region, leidet darunter, dass unzählige Touristenströme nur der Maxime „Alle Wege führen nach Rom“ folgen. Und selbst die, die nicht in den Dunstkreis der “Ewigen Stadt” mit seinen unzähligen, aufs Umland verstreuten Campingplätzen kommen wollen, landen dann doch meistens „nur“ wieder am Strand. Doch was sich auf dem rund hundert Kilometer langen Küstenstreifen zwischen Civitavecchia und Anzio erstreckt, gilt praktisch als die “Badewanne der Römer” mit einem Streifen Landwirtschaft dahinter.

Die ganze Region kommt an den Wochenenden und in den Ferien hier an den Strand – dementsprechend touristisch erschlossen ist dieser Landstrich. Erst wenn man sich über Anzio hinaus die Küste hinabbewegt, wird es ruhiger und ursprünglicher.

Sehenswert: Das Bergdorf Montenero Sabino in der Sabina Berglandschaft. (Foto: Commune Montenero Sabino)
Sehenswert: Das Bergdorf Montenero Sabino in der Sabina Berglandschaft. (Foto: Communo di Montenero Sabino)

Für unseren nächsten Tipp gehen wir weit vom Strand weg in die Provinz Rieti. Hier liegt das klitzekleine 292-Seelen-Örtchen Montenero Sabino in der gebirgigen Sabina-Landschaft nördlich von Rom.

Außer geschichtlich interessierten Touristen verirren sich nur wenige hierher – bis auf mutige Camper, die sich auf dem dortigen Ferienbauernhof Agriturismo La Streghe (GPS: N 42.27363 / O 12.82356) einen der nur fünf Reisemobil-Stellplätzen mieten. Action gibt’s hier keine, dafür aber bodenständige Küche a´la mama und italienische Ruhe und Entspannung, die man sonst in Latium nur an wenigen Orten findet.

Ausflugstipp:
Nicht wirklich in der Nähe, aber für Hollywood-Fans äußerst sehenswert ist das rund zwei Fahrtstunden östlich gelegene Castel del Monte. Das kleine Örtchen in den Abruzzen ist für sich selbst schon eine Sehenswürdigkeit, und war darüber hinaus zudem Schauplatz und Drehort des George-Clooney-Films „The American“, der auch von den großartigen Landschaftsaufnahmen lebt.

4. Kampanien

Hier beginnt der Mezzogiorno; der Süden Italien: Kampanien. (Foto: fotolia.com © pfeifferv)
Hier beginnt der Mezzogiorno, der Süden Italiens: Kampanien. (Foto: fotolia.com © pfeifferv)

Kurz hinter Marina di Minturno beginnt das, was im Reisedeutschen als Süditalien bezeichnet wird – der untere Teil des Stiefels. Hier, wo in der Region Kampanien Neapel, Pompei und Salerno zu finden sind, haben viele zunächst mal eher Urbanes im Sinn. Doch Tatsache ist, dass Kampanien noch wesentlich mehr zu bieten hat, wenn man sich von diesen Hot Spots entfernt hält.

Das bringt uns zum ächsten Tipp: Camping Village Baia Domizia (GPS: N 41.20726 / O 13.79106) in Sessa Aurunca. Dazu muss man sagen, dass es sich hierbei nicht um einen kleinen, schnuckeligen Platz handelt. Im Gegenteil, es ist eine touristisch sehr erschlossene Anlage, die viel von einem weitläufigen Hotel hat. Camping ist hier nur eine der angebotenen Urlaubsformen, daneben gibt es auch Ferienhäuser.

Camping Village Baia Domizia in Sessa Aurunca mit feinen Sandstränden in Kampanien. (Foto: Camping Village Baia Domizia)
Camping Village Baia Domizia in Sessa Aurunca mit feinen Sandstränden in Kampanien. (Foto: Camping Village Baia Domizia)

Aber: Die Anlage liegt an einem schönen Strandabschnitt. Und zudem weit genug von dem Trubel rund um Neapel entfernt, denn Sessa Aurunca ist von dieser Ecke Kampaniens eine gute Autostunde entfernt.

Ausflugstipp:
Natürlich werden Erstbesucher sich den Vesuv nicht entgehen lassen. Aber wer den Vulkan abgehakt hat, kann nördlich des Platzes im Roccamonfina-Foce Garigliano Regionalpark (GPS: N 41.29567 / O 13.97084) einen Besuch abstatten und ruhige Stunden beim Wandern und Radeln verbringen.

 

 

5. Kalabrien

Kalabrien gilt als das "andere Italien" . Hier unten zeigt sich der vordere Teil des Stiefels von seiner heißen, sonnendurchglühten Seite.(Foto: fotolia.com © Freesurf)
Kalabrien gilt als das “andere Italien” . Hier weit im Süden zeigt sich der vordere Teil des Stiefels von seiner heißen, sonnendurchglühten Seite. (Foto: fotolia.com © Freesurf)

Kalabrien ist nicht nur aus der Sicht vieler Touristen ein „anderes Italien“. Auch so manche Kalabresen wollen mit „denen im Norden“ nicht viel am Hut haben. Hier unten zeigt sich der vordere Teil des Stiefels von seiner heißen, sonnendurchglühten Seite. Viele Camper sind sich darüber einig, dass hier die meisten Plätze einfacher gehalten sind – was aber auch dazu führt, dass es hier einige, nicht unbedingt schwarze, aber zumindest graue Schafe im Campingbereich gibt, bei denen etwa die Sanitäranlagen nicht unbedingt das “Gelbe vom Ei” sind.

Definitiv sehenswert: Die Grotta dello Scheletro, die nur wenige Minuten Fahrt nördlich des Campinplatzes Formcoli entfernt ist. (Foto: instagram.com © sernaprofumeriamerceria)
Definitiv sehenswert: Die Grotta dello Scheletro, die nur wenige Minuten Fahrt nördlich des Campinplatzes Formcoli entfernt ist. (Foto: instagram.com © sernaprofumeriamerceria)

Öfter jedoch hört man, dass der Campingplatz von Formicoli (GPS: N 38.65803 / O 15.84923) die lobenswerte Ausnahme sei. Kein mit höchstem Luxus geadelter Platz, eher nach der Devise: „einfach aber sauber“. Und abermals einer, der Stellplätze für Caravans und Reisemobile mit einem Villagio, also einem gemütlichen Ferienhäuschen, kombiniert. Der Platz liegt direkt am Strand, ist relativ klein, bietet aber die wichtigsten Basics – wenngleich man Fan von Meeres-Leckereien sein muss, denn hier besteht ein Großteil der örtlichen Speisekarte aus Frischgefangenem.

Ausflugstipp:
Definitiv die Grotta dello Scheletro (GPS: N 38.67340 / O 15. 87628), die nur wenige Minuten Fahrt nördlich des Platzes am Meer liegt. Zwar ein häufiges Urlaubsfotomotiv, aber sehr schön anzusehen.


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Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues