Der Chef der AZUR Freizeit GmbH hat per Facebook drängende Fragen an Bundeskanzlerin Merkel gerichtet. (screenshot: tom/DCI/AZUR Camping)

Der Chef der AZUR Freizeit GmbH hat per Facebook drängende Fragen an Bundeskanzlerin Merkel gerichtet. (screenshot: tom/DCI/AZUR Camping)

Campingplatzbetreiber fordert Antworten von der Politik – Wann gibt es Lockerungen für uns?

Camping, Campingplatz, Corona, Freizeit, Menschen, Politik, Tourismus, Urlaub

Der Geschäftsführer der AZUR Freizeit GmbH, Oliver Frank, betreibt in Süddeutschland sechs Campingplätze und hat auf Facebook einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin Merkel, den Gesundheitsminister Spahn sowie weitere Politiker verfasst. Seine Fragen interessieren auch viele andere Camper, wie mehr als 800 Kommentare unter der Nachricht beweisen. Das D.C.I. spricht mit Oliver Frank über den Stand der Dinge und was er sich nun von der Politik wünscht.

Frage: Herr Frank, ihr offener Brief an die Kanzlerin findet derzeit viel Beachtung in den sozialen Medien. Was hat Sie veranlasst in die Öffentlichkeit zu gehen?

Antwort: Ich trage Verantwortung für sechs Campingplätze und deren Mitarbeiter. Seit den Schließungen aller Campingplätze in Süddeutschland ab dem 18. März steht unser Geschäft still. Wie Sie sich denken können, haben sich alle Kollegen auf die Gäste gefreut, die ihrerseits insbesondere ab dem Osterwochenende in großer Zahl zu uns kommen wollten. Nun sind seit dem 20. April verschiedene Lockerungen für Geschäfte und Wirtschaftsbetriebe erlassen worden. Für die Tourismus- und Gästebeherbergungs-Unternehmen gibt es bisher aber keinerlei Aussagen und dadurch keine Perspektive. Das enttäuscht mich sehr.

Frage: Haben Sie ihre Betriebe denn fit gemacht, um alle Auflagen für den Umgang mit dem Corona-Virus zu erfüllen?

Antwort: Natürlich haben wir die Zeit genutzt, um unsere Gebäude und Anlagen Corona-fest zu machen. Wir haben sehr professionelle Spuckschutzwände, Bodenmarkierungen, Infos über Verhaltensregeln und Desinfektionsspender organisiert. Dies wird alles in den nächsten Tagen fertiggestellt und soll auch dauerhaft genutzt werden können. Alle Mitarbeiter werden von uns daraufhin regelmäßig geschult und sind zudem mit Atemschutz-Masken ausgestattet, für Arbeitsplätze, wo dies nötig sein wird. Und wir werden uns mit den örtlichen Gesundheitsämtern individuell abstimmen. Von uns aus kann es losgehen.

Frage: Von anderen Organisationen – wie dem BVCD – wird darauf hingewiesen, dass Caravaning-Urlaub eine der sichersten Urlaubsformen in Pandemie-Zeiten ist. Können Sie die Aussagen bestätigen?

Antwort: Ja, das sehen wir zu 100% ganz genau so! Unsere Gäste reisen mit ihrem eigenen Haus auf Rädern an und können sich weitgehend autark durch die Waschgelegenheiten an Bord und die eigene Kochgelegenheit versorgen, ohne dass eine Verletzung des Kontaktverbots zu befürchten ist. Mögliche Kontaktstellen, wie die Toiletten auf unseren Plätzen oder Gemeinschaftsräume können wir mit unseren Mitarbeitern vor Ort gut sichern und notfalls auch die auf die vorgeschriebene Anzahl Personen begrenzen. Reinigung und Desinfektion werden bei uns schon immer schon groß geschrieben, Abstandsregeln lassen sich einfach umsetzen. Als Campingplatzbetreiber können wir durch ständige Anwesenheit und ggf. auch Kontrollen das Geschehen am Platz gut überprüfen und einen sicheren Ablauf gewährleisten.

Frage: Es gibt mittlerweile verschiedene Strategiepapiere vom BVCD, CIVD, ADAC und DTV, die beschreiben, wie die gesamte Branche mit der Situation umgehen soll. Helfen ihnen die Bemühungen der Verbände?

Antwort: Jein! Strategiepapiere sind zunächst immer gut, da sie für die Politik und den Campingplatzbetreiber einen Rahmen vorgeben sollten. Wichtig ist jedoch, dass die Informationen kurz gehalten und damit für den Politiker schnell lesbar und verständlich sind und dass jeder Campingbetrieb diese Vorgaben auf die individuellen Gegebenheiten seines Platzes anpassen kann. Letztendlich wird eine enge Abstimmung mit den örtlichen Gesundheitsämtern ausschlaggebend sein und nicht, was man auf politischer oder Verbandsebene denkt, zuerst und in welchen Schritten öffnen zu können.
Ich bin keinesfalls überzeugt, dass es richtig ist für bestimmte Gäste früher zu öffnen und für andere später. Es kommt darauf an, dass wir Abstandsregeln, maximale Anzahl von Personen in der Rezeption und Sanitär, Informationen und angepasste Regeln beim Check-in einhalten. Wer sich daran nicht hält, sollte sich auf dem Campingplatz auch nicht aufhalten.

Der Geschäftsführer von AZUR Freizeit GmbH, Oliver Frank, hat sich in einem offenen Brief an Angela Merkel gewandt. Die Resonanz ist sehr groß. (Foto: AZUR CAmping)
Der Geschäftsführer von AZUR Freizeit GmbH, Oliver Frank, hat sich in einem offenen Brief an Angela Merkel gewandt. Die Resonanz ist sehr groß. (Foto: AZUR CAmping)

“Im Vergleich zu den klassischen Hotelurlaubern, können Camper auf unseren großzügigen Parzellen die Distanzregeln optimal einhalten. Unsere Stellplätze sind groß genug um deutlich mehr als zwei Meter Abstand zu halten.
Denken Sie im Vergleich auch an die eingeschränkten Platzverhältnisse auf Kreuzfahrschiffen, in Flugzeugen oder in großen Hotelanlagen.”

 

Frage: Nochmals zu den Vorteilen, welche die Reiseform der mobilen Freizeit hat. Können Sie uns weitere Gründe nennen, warum die Campingplätze jetzt Lockerungen bekommen sollten?

Antwort: Im Vergleich zu den klassischen Hotelurlaubern, können Camper auf unseren großzügigen Parzellen die Distanzregeln optimal einhalten. Unsere Stellplätze sind groß genug um deutlich mehr als zwei Meter Abstand zu halten.
Denken Sie im Vergleich auch an die eingeschränkten Platzverhältnisse auf Kreuzfahrschiffen, in Flugzeugen oder in großen Hotelanlagen. Außerdem sind unsere Gäste häufig zu zweit, oder im Familienverbund unterwegs. Also genau in den Gruppen, die sich auch jetzt schon im Rahmen der bestehenden Gesetze miteinander aufhalten dürfen. Durch eine Öffnung der Campingplätze – natürlich unter Berücksichtigung der notwendigen Auflagen – könnten wir einer sehr großen Gruppe von Menschen, die Möglichkeit geben die dringend notwendige Erholung zu erhalten, welche jeder Mensch benötigt. Unsere Campingplätze bieten den Gästen eine Vielzahl von Abwechslungen, wie Wandern, Fahrradfahren oder Bootstouren, die völlig risikofrei durchgeführt werden können. Auf Kinderanimation, Veranstaltungen und größere Feste auf dem Campingplatz müssen wir einfach noch eine Zeit lang verzichten.

Frage: Was erwarten Sie demnach jetzt von der Politik?

Antwort: Bei allen Maßnahmen, die jetzt getroffen werden, um das öffentliche Leben wieder in Gang zu bringen, dürfen die Gastronomie, Hotellerie und das Campinggewerbe nicht vergessen werden. Wir sind nicht nur ein wichtiger Wirtschaftszweig mit vielen Mitarbeitern, die auf ihre Arbeit angewiesen sind, sondern wir erbringen auch eine wichtige Leistung für die Gesundheit und das Wohlbefinden aller Menschen. Dieser Aspekt kommt mir in der aktuellen Diskussion zu kurz. Ein Campingurlaub in der Natur bietet sicherlich für viele Gäste aus den Ballungsgebieten und Innenstädten eine große Hilfe bei der Überwindung dieser fast traumatischen Corona-Erlebnisse.

Frage: Sind Sie und ihr Team bereit, wenn Sie wieder Campinggäste empfangen dürfen?

Antwort: Wir freuen uns sehr darauf, wenn es wieder losgeht und heißen alle Gäste herzlich willkommen. Das Team hat alle Plätze optimal vorbereitet. Außerdem freuen wir uns auf Gäste, die bislang noch nicht Urlaub bei uns gemacht haben und dieses Jahr vielleicht mal im eigenen Land oder in der Nähe ein paar Tage entspannen wollen.

Herr Frank, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Infos: Zur Webseite von AZUR Campingplätze

Infos: Zur Facebook-Seite von AZUR


Hier finden Sie den Wortlaut des offenen Briefs:

AZUR Camping

18. April um 16:02 · 

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin #Merkel, sehr geehrter Herr Minister #Spahn, sehr geehrter Herr Ministerpräsident #Söder, sehr geehrter Herr Ministerpräsident #Kretschmann,

die Firma AZUR Freizeit GmbH betreibt insgesamt 6 Campingplätze in Süddeutschland. Wir waren wie viele Tourismusbetriebe als einer der ersten Branchen von den kompletten Betriebsschließungen betroffen. Seit genau einem Monat sind unsere Campingplätze komplett geschlossen.
Wir unterstützen ausdrücklich jegliche Maßnahmen in Sachen Corona, welche unsere Mitarbeiter und unsere Gäste schützen.

Dennoch waren wir von den in der letzten Woche bekannt gegebenen Lockerungsmassnahmen sehr überrascht und auch enttäuscht. In Bezug auf das gesamte Gastgewerbe bzw in unserem Fall den Campingtourismus gab es keinerlei Aussagen, was wie und wann eventuell gelockert werden könnte.

Außer dass sich derzeit alle Mitarbeiter in Kurzarbeit befinden, sind wir noch immer voller Mut, dass wir unsere Betriebe, welche ausschließlich von der Sommersaison leben, doch noch bald öffnen können.

Wir haben bzw sind dabei unsere Campingplätze intensiv auf die Zeit nach Corona vorzubereiten: Spuckschutzwände, Abstandmarkierungen, Desinfektionsspender, Atemschutzmasken, Informationen für Gäste etc, dies alles wird in ein nächsten Tagen bereit sein.

Der #Campingurlaub unterscheidet sich völlig vom Hotelurlaub, Kreuzfahrtschiff, Flugreisen und anderen Urlaubsformen.
Unsere Gäste kommen allen mit ihrem eigenen fahrbaren Haus, dem Reisemobil, Caravan oder Zelt. Diese verfügen fast alle über eigene WCs, Bäder und eine eigene Küche. Unsere Gäste sind fast immer in der Hausgemeinschaft lebende Familien, welche oft aus Ballungsgebieten einfach nur ein paar Tage raus in die Natur fahren wollen.
Entgegen den frei zugänglichen Reisemobil Stellplätzen sind unsere Campingplätze rund um die Uhr mit Mitarbeitern besetzt. Diese Mitarbeiter sind in der Lage dafür zu sorgen, dass sich keine Gruppen bilden, der notwendige Abstand eingehalten wird, alle Gäste entsprechend der Meldepflicht angemeldet werden.

Zuletzt aber das Wichtigste:
Die sicherlich durch das Corona Virus ausgelösten Existenzsorgen und traumatischen Folgen, welche sich in den nächsten Wochen bei vielen Bürgern, Familien, Älteren und Kindern zeigen werden, lassen sich durch Spaziergänge, Wanderungen, Sport und einen aktiven Urlaub in der Natur am Besten heilen.
Dieser Aspekt sollte vor allem bei der derzeitigen Diskussion über Verzicht auf Urlaub oder Verkürzung von Ferienzeiten mehr beachtet werden.

Deshalb unser persönlicher Wunsch an SIE, dass wir in Deutschland bald wieder unsere Campingplätze öffnen dürfen und unsere Gäste mit Vorsicht und Freude willkommen heißen dürfen.

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit.

Oliver Frank
Geschäftsführer AZUR Freizeit GmbH


Das ist interessant! Das teile ich!
Thomas Schmies