Warten auf den Startschuss: Die Freizeitfahrzeuge der Caravan-Salon-Pressereise sammeln sich für die Entdeckungsreise durch das Engadin (Foto: CIVD)

Warten auf den Startschuss: Die Freizeitfahrzeuge der Caravan-Salon-Pressereise sammeln sich für die Entdeckungsreise durch das Engadin (Foto: CIVD)

Der Sonne entgegen – Auf der Grand Tour of Switzerland ins Engadin

Caravan Salon, CIVD, Reise, Schweiz

Wenn sich der Caravan-Salon in Düsseldorf, die weltweit größte Messe für  mobile Freizeit, eine Tourismusregion aus einem der kleinsten Länder Europas als Partnerregion zur Seite stellt, dann kann es sich nur um ein außergewöhnliches Juwel des Tourismus handeln. Und wer Zweifel daran hat, ob das schweizerische Engadin all diese Voraussetzungen erfüllt, der sollte uns auf dieser Wohnmobil-Rundreise durch eine der schönsten Regionen der Alpenrepublik begleiten.

Gut ein Dutzend unterschiedlicher Wohnmobile machten sich Ende Juni von einem Golfplatz unweit von Zürich auf den Weg, um ein Stück der legendären Grand Tour of Switzerland mit dem Ziel ins wunderschöne Engadin hautnah zu erleben. Das Engadin ist ein Hochtal im schweizerischen Kanton Graubünden. Weltweit berühmt wurde dieses höchstgelegene bewohnte Tal Europas durch seinen anspruchsvollen Tourismus im Winter wie im Sommer und die legendäre Promi-Residenz St. Moritz.

Auf hervorragend ausgebauten Autobahnen, vorbei an Sargans und Chur erreicht der Konvoi einen ersten Zwischenstopp, die legendäre Viamala-Schlucht in der Nähe von Thusis im Herzen von Graubünden. Dieser beeindruckende, rund acht Kilometer lange Canyon mit bis zu 300 Meter hohen Felswänden, welche an den engsten Stellen nur wenige Meter voneinander getrennt sind, galt schon lange vor den Römern als kurze, aber äußerst gefährliche Verbindung zwischen den Gemeinden Thusis und Zillis-Reischen.

 Viamala – eine Schlucht als Transportweg

Die spektakulären Brücken und Querungen der reißenden Schlucht, die ständigen Änderungen der Wegführung, drohende Steinschläge, geheimnisvolle Nebelschwaden und der schlechte Zustand des Weges führte zu dem heutigen Namen Viamala. Das Farbenspiel des Wassers, die Strudeltöpfe und die Felsformationen hinterlassen bei jedem Besucher einen starken Eindruck. Und das war früher kaum anders, obwohl die Nutzer vor tausend Jahren kaum ein Auge für die touristischen Höhepunkte des düsteren und feuchten Transportweges übrig hatten.

359 Steinstufen führen hinab in die tiefe Schlucht. Hier unten kann die bedrückende Szenerie, die beklemmende Enge und eine legendäre, über 2.000 Jahre alte Transportgeschichte hautnah erlebt werden. Auch bei schlechter Witterung ein lohnenswerter Ausflug. Kiosk, WC und Parkplätze sind unmittelbar beim Besucherzentrum vorhanden. Bald darauf sind wir in Graubünden, dem größten Kanton der Schweiz, der übrigens komplett im Gebirge liegt.

Vorbei an Tiefencastel, dem strategischen Verkehrsknotenpunkt und dem Verwaltungszentrum des größten regionalen Naturparks der Schweiz und entlang des legendären Marmorera-Stausees, in dem 1954 das alte Dorf unter den Fluten begraben wurde, geht die Reise weiter in Richtung des ersten Übernachtungsplatzes, der in Silvaplana vorgesehen ist. Schroffe Felswände wechseln sich ab mit grünen Tälern und hoch gelegenen Waldstücken, mit schneebedeckten Bergzinnen und malerischen Dörfern.

Oft sind die engen Ortsdurchfahrten ganz offensichtlich noch zu Zeiten der Kutsche gebaut und geplant worden, schmal, winklig und in den meisten Fällen für Sattelschlepper, Wohnmobile mit amerikanischen Abmessungen und Gegenverkehr nur bedingt empfehlenswert.

Über den Julier nach Silvaplana

Entschädigt für die Mühen am Lenkrad wird man aber durch die oft mittelalterlich anmutenden Dörfer und kleine Städte, durch wunderschöne Marktplätze, gepflegte Bürgerhäuser, stattliche Bauernhöfe oder liebevoll restaurierte Gasthöfe links und rechts der Straße. Der 2.284 Meter hohe Julierpass ist ohne schwierige Steigungen recht gut befahrbar und wird von den Behörden auch im Winter für den Durchgangsverkehr ins Engadin frei gehalten.

In der eindrucksvollen, aber kargen und sehr rauen Gebirgslandschaft markiert ein kleiner See die Passhöhe, bevor es abwärts geht auf der Straße, die schon von den Römer genutzt wurde und die uns rund 400 Höhenmeter tiefer zum Campingplatz Silvaplana und dem nahegelegenen Hotel Albana führt. Der ruhige und großzügig angelegte Platz, nur einen Katzensprung vom Silvaplaner See entfernt, bietet genug Raum für die unterschiedlich großen Freizeitfahrzeuge, die sich nach den vielen Ortsdurchfahrten, Kurven, Steigungen und Gefällstrecken wahrhaftig eine Ruhepause verdient haben.

Doch die weltbekannte Gastfreundschaft in der Schweiz endet natürlich nicht am Reisemobil-Parkplatz, das am Abend für die Teilnehmer der CIVD-Pressereise vorbereitete BBQ am Silvaplaner See mit lokalen Fleisch-Fisch und Käse-Köstlichkeiten und als Höhepunkt ein Spanferkel, auf offenem Feuer zubereitet, war wirklich der krönende Abschluss dieses ersten Tages in Graubünden.

Räder, Wanderschuhe und Käse

Der nächste Morgen startete mit einem Versuch der Sonne, die von Westen heranziehenden, mausfellgrauen Wolken über dem Silvaplaner See zurück hinter die schneebedeckten Berge zu schicken. Meist blieb es beim Versuch, und so wechselten sich den ganzen Tag über kurze Schauer und störrische Böen mit trockenen und sonnigen Aufhellungen ab. Um die Schweiz zu entdecken sind nicht überall Seil, Haken und Bergstiefel notwendig, in unserem Fall reichten gute Wanderschuhe und Fahrräder mit eingebautem Rückenwind.

So machte sich nach einem reichhaltigen Frühstück eine zweiradbegeisterte Gruppe auf den Weg, um mit E-Bikes eine gut fünfstündige Tour entlang der Oberengadiner Seen zu unternehmen. Prall gefüllte Batterien für Zusatzpower, Regenklamotten gegen die Schauer, so wurde die Radler-Gruppe Richtung Pontresina geshuttelt, startete in Lej da Staz, radelte vorbei am St. Moritz-und Champferersee zum Silverplaner See, wo ein kleiner Lunch für Stärkung sorgte und die Zweirad-Sportler fit für die Rückfahrt nach Pontresina machte.

Eine zweite Gruppe schnürte die Wanderschuhe für eine herrliche Tour auf dem Panoramaweg Muottas Muragl und Alp Languard. Auf der Segantinihütte war nicht nur für die Wanderstiefel Halbzeit, dort bereicherte ein kräftiger Snack die zünftige und lang ersehnte Mittagspause. Auch diese Tour war für rund fünf Stunden angesetzt und hat allen Beteiligten riesigen Spaß bereitet. Eine dritte Gruppe,  offensichtlich mehr an der Produktion von Ziegenkäse und an einer kleinen Bootsfahrt mit dem Silser Kursschiff interessiert, machte sich zeitgleich auf den Weg zu einer leichten Wanderung am See und Waldrand entlang nach Isola.

Wo Kurven begeistern

Auf einem typisch schweizerischen Bauernhof, wo ein rauschender Wildbach Tag und Nacht die Hintergrund- Geräuschkulisse bildet, erklärte die Bäuerin mit viel Humor und noch mehr Fachwissen nicht nur die Produktion von Ziegenkäse, sondern wies auch auf die aktuellen Probleme der Kleinbauern, Käseproduzenten und Handwerker allgemein in der Schweiz hin. Eine überaus interessante und sehr lehrreiche „Schulstunde“ im Fach ökologische Ökonomie.

Noch mit dem Geschmack von frischem Ziegenkäse im Mund erreichte die Gruppe nach der fast windstillen Bootsfahrt über den Silser See und einem kleinen Lunch in einem örtlichen Café am frühen Nachmittag wieder den Ausgangspunkt. Der an einem kleinen Bach gelegene und über eine schmale Brücke erreichbare Campingplatz Morteratsch bot den Reisemobilen ein ruhiges und entspanntes Nachtquartier, das Hotel Palü umsorgte die restlichen Crewmitglieder.

Der spannende Ausflug am Nachmittag zum legendären Berninapass, einem der bekanntesten Pässe der Schweiz, war auch mit unseren größeren Reisemobilen problemlos möglich. Sehr abwechslungsreich, aber fahrerisch ohne größere Ambitionen, lässt der 2.328 Meter hohe Pass bei schönem Wetter tolle Aufnahmen erwarten. An diesem Tag hielt sich die Verweildauer auf der Passhöhe in Grenzen, die verschneiten Berggipfel versteckten sich vor den Objektiven der Fotografen geschickt hinter einer grauen Gemengelage unterschiedlicher Wolkenformationen. Aber so war sichergestellt, dass alle Teilnehmer der ereignisreichen und unterschiedlichen Tagesaktivitäten wieder rechtzeitig die Talstation der Standseilbahn am Fuße des Muottas Muragl erreichten.

Zeit, Kultur und Gastronomie

Knapp 800 Höhenmeter überwindet diese über 100 Jahre alte Bahn auf ihrem 2.200 Meter langen Weg zum Gipfel, der nicht nur ein traumhaftes Hotel mit bestechender Küche, sondern auch die genaueste Sonnenuhr der Welt und einen Philosophen Rundweg im Angebot hat und der darüber hinaus mit einem unübertroffenen Ausblick über das faszinierende und beeindruckende Bergpanorama des Oberengadin die Besucher im Winter wie im Sommer begeistert.

Und eine exklusivere Lokalität, als das auf dem Gipfel thronende Romantik Hotel Muottas Muragl, konnte sowohl für das interessante Pressegespräch über die Aktivitäten der Messe Düsseldorf und die Novitäten des Caravan Salon 2017 mit Vertretern der Messe und des Schweiz Tourismus, als auch für das vorzügliche „Mountain Dining“ in stilvoller Atmosphäre bei langsam hereinbrechender Dunkelheit, im weiten Umkreis bestimmt nicht gefunden werden.

Ein kurzer, aber heftiger Schneeschauer wischte über die menschenleere Sonnenterrasse des Restaurants, als tief unten im Tal die ersten Lichter flimmerten und die betagte Standseilbahn für ihre letzte Talfahrt an diesem Abend bereitwillig die Türen öffnete.

 Frühstück unter freiem Himmel

Am letzten Tag dieser Reise durch das Engadin auf einem Teil der berühmten Grand Tour of Switzerland erwartete uns strahlender Sonnenschein für ein Frühstück unter freiem Himmel, das in seiner Fülle, seiner Pracht, seinen Farben und seiner Atmosphäre eher einem Bild des niederländischen Malers Hieronymus Bosch, als einer reichhaltigen Tafel eines urigen Waldgasthofs im Engadin glich.

Alle Köstlichkeiten dieses Kantons, so schien es, waren aufgebaut auf den Tischen, angefangen von unterschiedlichen frischen Brotsorten über diverse Schinken, herzhafte Wurstspezialitäten bis hin zu rund einem Dutzend unterschiedlicher Käsesorten. Und während man, fasziniert von dem Angebot an Schweizer Köstlichkeiten, naschend und probierend vom Bauernspeck zum geräucherten Schinken, vom leichten Graubündner Weichkäse zum herzhaften Bergkäse aus dem Oberengadin und vom Honig über Apfelgelee zur Brombeermarmelade wanderte, demonstrierte ein Käsemeister an einem riesigen Bottich die verschiedenen Stufen der Käseherstellung.

Über vier Stunden werden für diesen Prozess benötigt, aber so viel Zeit stand uns nicht mehr zur Verfügung, denn das Engadin hat noch weitaus mehr für uns zu bieten. Und während sich eine Gruppe auf eine über zweistündige Wanderung zur Montebellokurve und zum legendären Morteratschgletscher vorbereitete, trafen sich eine gute Handvoll Wohnmobile auf einem vorab festgelegten Parkplatz in Sichtweite des Zentrums von St. Moritz zu einer kurzen Stadtbesichtigung.

Glamour, Glanz und Gloria

Dort wartete ein bestens informierter Stadtführer, der den Teilnehmern des Rundgangs mit viel Humor wenigstens in einem Schnelldurchgang das mondäne Herz des Oberengadins im Kanton Graubünden vorstellen wollte. Vorbei am Ufer des St. Moritz-Sees mit seinen mondänen Yachtclubs, Hafenanlagen und Restaurants ging es auf einer überdachten, sündhaft teuren Rolltreppe hinauf nach St. Moritz Dorf.

322 Tage im Jahr soll in dieser noblen Gemeinde die Sonne scheinen, genug Licht und Zeit also, um in einem der Nobelläden, die sich hier oben wie an einer Schnur aufreihen, Unsummen von dem Geld auszugeben, was in den meisten Fällen wohl nicht durch eigene Hände Arbeit verdient wurde. Rolls Royce parken in Reihe neben Bugattis, Maseratis, Lamborghinis, nach einem Ferrari oder Porsche dreht sich hier kein Mensch mehr um. Handtaschen im Wert einer schicken Eigentumswohnung bieten mit Sicherheit nicht den Platz, um den Kaschmirschal einzupacken, für dessen Preis auch ein guter Journalist mindestens ein halbes Jahr arbeiten muss.

Prominenz haben wir nicht gesehen, aber vielleicht war es um die Mittagszeit noch deutlich zu früh für diese Herrschaften. Egal – die mondäne Gemeinde St. Moritz gehört zum Oberengadin wie Köln zum Rheinland, und nicht nur die Zahl der Touristen und Promis aus allen gesellschaftlichen Kreisen beweist, welche Anziehungskraft dieses ehemalige Bergdörfchen noch immer weltweit hat.

Fazit

Für uns heißt es nun, Abschied zu nehmen von der Schweiz und von Graubünden. Und Abschied vom Engadin, das uns mit einer faszinierenden Landschaft und einer beeindruckenden Bergkulisse, mit einer perfekt funktionierenden touristischen Infrastruktur und einer lebendigen Geschichte, mit einer herzlichen Gastfreundschaft und einer außergewöhnlichen Gastronomie begeistert hat. Eine gute Wahl der Organisatoren der Düsseldorfer Messe, ein toller Partner des Caravan Salons und ein heißer Tipp für alle, die neugierig sind und Lust haben, mir Reisemobil und Caravan ein bekanntes Urlaubsland neu zu entdecken.

INFO Grand Tour of Switzerland
Auf der Reise von Zürich ins Engadin fährt man ein gutes Stück auf der Grand Tour of Switzerland. 1.600 Kilometer lang ist diese Traumstrecke durch die schönsten Landschaften und Städte der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Fünf Alpenpässe gilt es zu überwinden, 22 Seen liegen am Wegesrand und 12 Weltkulturerbe warten unterwegs auf interessierte Gäste. Darüber hinaus ist die Grand Tour of Switzerland der weltweit erste Road Trip für Elektrofahrzeuge. Ein dichtes Netz mit rund 300 Ladestationen setzt die gesamte Route unter Strom und garantiert damit auf über 1.600 Kilometern ein ebenso bequemes wie sauberes Fahrvergnügen durch eine wunderbare Landschaft.
Infos: www.grandtour.myswitzerland.com/de

INFO Engadin
Das Engadin ist ein Hochtal im schweizerischen Kanton Graubünden. Es ist rund 80 Kilometer lang und gilt als das höchstgelegene und bewohnte Tal Europas. Erst nach dem Ende des zweiten Weltkriegs begann mit der Erschließung der Täler mit Skiliften und Seilbahnen der unaufhaltsame Anstieg des Wintertourismus in dieser Region. Die zweimaligen Olympischen Winterspiele in St. Moritz sorgten weltweit für Popularität und machten speziell die Tourismusregion Oberengadin in den folgenden Jahren auch in den Sommermonaten zu einem Zentrum für Wanderer, Biker, Wassersportler und Bergsteiger. Das auf 1.856 Meter gelegene „Dorf“ St. Moritz gilt als Geburtsort des alpinen Wintersports und wird heute nicht nur wegen seines mondänen Lebensstils, sondern auch wegen seiner Sonnenstunden und einem außergewöhnlichem Ganzjahres-Touristik-Angebot in aller Welt geschätzt.
Infos: www.myswitzerland.com

 

Hans-Christian Bues

Hans-Christian Bues

Hans-Christian Bues, geboren in Bad Harzburg, lebt und arbeitet als Journalist, Reiseschriftsteller und freier Autor in Königswinter am Rhein. Für seine Reportagen, Reiseerzählungen und Abenteuerromane war er neben dem kanadischen Yukon Gebiet in Alaska, Amerika, Asien, Australien, Russland und vielen anderen Länder der Welt unterwegs. Er ist ein langjähriger und erfahrener Reisemobilist, schreibt regelmäßig Fahrzeugtests und betreut für das D.C.I den Bereich Freizeit, Reise und Touristik.
Hans-Christian Bues