Beim kleinen Fischerort Cooks Cove in Nova Scotia sieht man den Atlantik zum letzten Mal bevor man rund 12.000 Kilometer weiter auf den Pazifik trifft. (Foto: Wöhrstein)

Beim kleinen Fischerort Cooks Cove in Nova Scotia sieht man den Atlantik zum letzten Mal bevor man rund 12.000 Kilometer weiter auf den Pazifik trifft. (Foto: Wöhrstein)

Der Trans Canada Trail – Der vielleicht längste Wanderweg der Welt

Kanada, Natur, Tourismus

Als am 26. August 2017 in Ottawas Major’s Hill Park das symbolische rote Band durchgeschnitten wurde, finden 25 Jahre Planung, Spendensammlung, Wegebau und Beschilderung ein erfolgreiches Ende. Und die Eröffnung des legendären Trans Canada Trail (TCT) fällt, wie zweieinhalb Jahrzehnte zuvor geplant, pünktlich auf die große 150 Jahr Feier Kanadas. Über diesen einmaligen Trail quer durch das Land berichtet D.C.I.- Autor Thomas Wöhrstein direkt aus Kanada.

Der Trans Canada Trail verbindet auf fast 25.000 Kilometer alle kanadischen Provinzen und Territorien vom Pazifik bis zum Atlantik und dem Nord-Polarmeer miteinander. Die Idee zu diesem „Great Trail“ wurde im Jahr 1992 anlässlich des 125sten Geburtstages der kanadischen Konföderation geboren.

Schon kurze Zeit später wurde die Trans Canada Foundation mit Sitz in Montreal gegründet, die sich seither um Planung, Finanzierung und Realisierung der Idee gekümmert hat. Neben der Dachorganisation gibt es in jeder der zehn Provinzen und der drei Territorien ehrenamtliche, regionale Organisationen, die für die Realisierung der geplanten Wegeführung, das heisst Wegebau und Beschilderung, in den einzelnen Regionen verantwortlich zeichneten.

25.000 Kilometer “Multi-Use-Trail”

Länger als die weltberühmten drei Fernwanderwege in den USA, (Pacific Crest Trail, Continental Divide Trail und Appalachian Trail) zusammen genommen sei er, so die offizielle Internetseite des TCT. Doch der Vergleich der Superlativen hinkt, denn während die allseits bekannten Vorbilder in den USA als reine Wanderwege gedacht und angelegt wurden, handelt es sich beim TCT um einen sogenannten Multi-Use-Trail.

Eine typisch kanadische Idee und vielleicht gar keine schlechte, zumindest aber mal eine andere. Was deutschen „Wanderwegezertifizierer“ wahrscheinlich die Tränen in die Augen treiben würde, funktioniert im liberalen Kanada mit seinen stets freundlichen, toleranten und betont rücksichtsvoll agierenden Bewohnern durchgehend problemlos. Ein Multi-Trail Konzept für Multi-Trail Nutzer.

Radfahren, Mountainbiken, Wandern, Reiten, teilweise auch Kanufahren und im Winter Skilanglauf und Schneemobil sind grundsätzlich als Parallelnutzung vorgesehen. Dazu kommen, zumindest abschnittsweise, auch die in Kanada so beliebten 4-Wheeler, vierrädrige Geländemotorräder, von denen mindestens eines, meistens aber mehrere, im ländlichen Kanada zu jedem Haushalt gehören. Kann das gut gehen? In Kanada schon.

Der TCT, ein politisches Symbol

Der Trans Canada Trail soll aber viel mehr sein als “nur” das längste Trail System der Welt. Er soll ebenso das Zusammengehörigkeitsgefühl der zehn Provinzen, der drei Territorien und deren Bewohner unterstreichen und weiter fördern. Dass die Kanadier daran großes Interesse haben, zeigt schon alleine die Art der Finanzierung und Umsetzung dieses Großprojektes. Fast alle Arbeiten am Weg wurden ehrenamtlich von lokalen Arbeitsgruppen erbracht.

Die darüber hinaus trotzdem notwendige Summe von rund 25 Millionen CAD spielte eine Spendenaktion ein, an der sich alle Kanadier, aber auch ausländische Unterstützer der Idee, beteiligen konnten. Das funktionierte so gut, dass nur der geringste Teil der Finanzierungssumme aus öffentlichen Mitteln beigesteuert werden musste.

Der Erfolg ist eigentlich vorprogrammiert

Alleine die Superlative des Weges werden Extremsportler auf den Trans Canada Trail treiben, die dann für das notwendige Marketing schon sorgen werden. Und eines ist sicher: Die berühmten Thru-Hiker der drei US-amerikanischen Fernwanderwege, die ihren Weg innerhalb einer Saison bewältigen, kann es hier nicht geben, denn dazu ist die Distanz einfach zu lang und das Wegekonzept lässt ein durchgängiges Zu-Fuß-Gehen auch gar nicht zu.

Wenigstens ein Teil der Strecke muss per Kanu zurückgelegt werden, ob man will oder nicht, denn dieser Teil des Weges ist, zumindest während der eisfreien Zeit, als reine Kanuroute konzipiert. Über große Streckenabschnitte verläuft der Weg auf stillgelegten Bahntrassen und ist asphaltiert oder geschottert. Für diese Abschnitte bietet sich ein Fahrrad, vor allem ein Mountainbike, an.

So schafft das Multi-Use-Trail Konzept verschiedene Möglichkeiten der Streckenbewältigung aus eigener Kraft und kann zumindest in dieser Hinsicht derzeit als absolut einzigartig gelten, auch ohne immer auf die unglaubliche Streckenlänge von annähernd 25.000 Kilometer verweisen zu müssen. Der Erfolg des Weges ist abzusehen und er ist den tausenden ehrenamtlichen Planern und Helfern und dem großartigen Land Kanada von Herzen zu wünschen. Happy Birthday, Bon Anniversaire Kanada!

Infos:

http://tctrail.ca/about-the-trail/
https://thegreattrail.ca/
http://www.trans-canada-trail.de/index1.html

 

Thomas Wöhrstein

Thomas Wöhrstein

Dr. Thomas Wöhrstein berät das D.C.I in Fragen des internationalen Tourismus und Recht. Er ist seit über 35 Jahren im Caravaning aktiv. Knapp zwanzig Jahre leitete er ein Tourismusplanungsbüro, bevor er ab 2010 als internationaler Tourismusberater tätig wurde. Seit 2011 lebt er abwechselnd auf dem Balkan und in Kanada. Dr. Wöhrstein ist international hervorragend vernetzt. Derzeit arbeitet er als Tourismusberater für das Tourismusministerium in Montenegro.
Thomas Wöhrstein