Nur drei Jahre gebaut: Der erste California basiert auf der dritten Transportergeneration (T3). (Foto: Werk)

Nur drei Jahre gebaut: Der erste California basiert auf der dritten Transportergeneration (T3). (Foto: Werk)

Freizeit mobil gemacht – 30 Jahre VW California – Teil 2

Historisches, Volkswagen, Wohnmobil

California T3 – 1988 bis 1990

Die Geschichte des California beginnt 1988. Mit einem Reisemobil-Sondermodell auf der Basis der dritten Transporter-Generation. Gemeinsam mit Westfalia entwickelt und dort im deutschen Rheda-Wiedenbrück auch gebaut, wird dieser erste California auf dem Caravan Salon in der Ruhrgebietsmetropole Essen präsentiert. Es ist ein Jahr, durch das Whitney Houston die Reisenden weltweit mit dem inoffiziellen Song der Olympischen Spiele in Südkorea „One Moment in Time“ begleitet und George Michael einen Hit nach dem anderem aus seinem Album „Faith“ auskoppelt. Tom Cruise und Dustin Hoffman brillieren derweil in „Rain Man“.

Auf dem Caravan Salon indes kann und will der neue California T3 nicht verleugnen, dass sein Konzept das bewährte Technik- und Ausstattungslayout des Westfalia Joker nutzt. Optisch differenziert sich das zunächst in der Auflage limitierte Sondermodell unter anderem über die wuchtigen Stoßstangen des exklusiven Multivan Carat von den Westfalia „Joker“-Modellen. Bestellt werden kann der California in den zwei Farben „Pastellweiß“ und „Marsalarot“. Sitze und Rückbank sind mit einem hellgrauen Gitterpunkt-Velours bezogen. Die Interieur-Designer zeigen mit der aus dem Joker adaptierten, weißgrauen und sehr klaren Küchenzeile zudem Stilbewusstsein.

Allerdings verlässt der neue California ohne die beim Joker übliche Isolier-Doppelverglasung das Werk. Dafür kostet er mit 39.900,- DM rund 10.000,- DM weniger als das Westfalia-Modell und entwickelt sich auch deshalb sofort zum Bestseller – bereits im ersten Jahr verkauft Volkswagen 5.000 Exemplare des California. Der ist alternativ zum Aufstelldach optional auch mit Hochdach und großem Panoramafenster erhältlich. Wer sich für das Aufstelldach entscheidet, liegt nachts auf einer Fläche von 1.850 x 1.220 Millimeter und schaut durch das große Frontfenster des Faltenbalgs und ein Moskitonetz in die Sterne; fällt die Entscheidung für das Hochdach, steht eine Liegefläche von 1.940 x 1.160 Millimeter zur Verfügung.

Während das Hochdach bei Dauerregen und unangenehmen Temperaturen handfeste Vorteile hat, punktet das Aufstelldach durch die niedrigere Gesamthöhe des California (2.080 zu 2.610 Millimeter), der damit praktisch in jede private Garage und in viele öffentliche Parkhäuser passt. Dieser Vorteil sollte später dazu führen, dass Volkswagen Nutzfahrzeuge den California ab der Generation T6 werksseitig ausschließlich mit Aufstelldach anbieten wird.

Heute nicht mehr vollständig klären lässt sich, wie es zum Namen „California“ kam. Fakt ist, dass die Bezeichnung „California“ zuerst nur die des Sondermodells ist. Im Herbst 1989 folgt eine luxuriösere Version des Reisemobils, die „Atlantic“ heißt (und optional im Gegensatz zum California auch mit Allradantrieb erhältlich ist). Schleichend wird in der Folgezeit aus dem Sondermodell „California“ die neue Reisemobil-Baureihe California. Auf jeden Fall zeichnet den ersten California eine Innenraumaufteilung und Dachkonstruktion aus, die in ähnlicher Form bis heute Bestand hat: Vorn gibt es drehbare Einzelsitze, hinten eine Klappsitzbank, die zur 1.880 x 1.200 Millimeter großen Liegefläche ausgebaut werden kann.

Die komplette Fahrerseite ist in Längsrichtung mit dem Küchenblock (mittig ab der B-Säule) bestückt; diese Aufteilung – „Berlin“ genannt – war bereits mit dem „T2“ erfunden worden. Im T3 gehören zu dieser mobilen Küche ein Kühlschrank (der elektrisch und per Gas betrieben werden kann), ein zweiflammiger Gaskocher und eine Nirosta-Spüle. In Richtung Heck gibt es weitere Schränke. Die Gastankanlage, eine Standheizung, der 220 Volt-Anschluss, eine separate Batterie für den Wohnbereich sowie Frisch- und Abwassertank sorgen dafür, dass sich immer mehr Camper-Freunde die Qualitäten des California für entdecken. Bis zum Produktionsende (1990) entscheiden sich rund 22.000 Reisemobilisten für einen der bis zu 82 kW / 112 PS starken California T3.

Infos:  Zur Webseite von Volkswagen Nutzfahrzeuge

Zu Teil 3 – California T 4 

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues