Der VW California Coach mit Compactdach auf dem T4. (Foto: Werk)

Der VW California Coach mit Compactdach auf dem T4. (Foto: Werk)

Freizeit mobil gemacht – 30 Jahre VW California – Teil 3

Historisches, Volkswagen, Wohnmobil

California T4 – 1990 bis 2003

Der Wechsel vom T3 zum T4 gleicht im August 1990 einer technischen Revolution. Denn nach vier Jahrzehnten heckgetriebener Transporter mit Vierzylinder-Boxermotoren drehen die Nutzfahrzeugspezialisten von Volkswagen den Spieß einfach um: Sie setzen den Motor nach vorn und treiben von dort aus die Vorderachse an. Damit ändert sich alles: das Design, das Fahrwerk, die Motoren und das Innenraumlayout. Denn dort, wo beim T3 noch der Boxermotor einiges vom Stauraum im Heck beanspruchte, gibt es nun sehr viel Platz. Ein bisschen davon beanspruchen die neue Schräglenkerhinterachse und der optionale Allradantrieb („syncro“) für sich, doch der Rest kann voll dem Laderaum zugeschlagen werden.

Vorn indes wächst der T4 in die Länge, um dort ausreichend Raum für die Vier- und Fünfzylinder-Reihenmotoren sowie bessere Crasheigenschaften zu schaffen. Im zweiten Produktionsjahr startet der T4 auch als California mit Aufstelldach durch. Produziert wird er wie der California T3 bei Westfalia. Slogan der Anzeigenmotive zur Markteinführung im Jahre 1990: „Hotel California. Ruhige Lage, komfortable Ausstattung, Panorama garantiert.“ Die Eagles hatten „Hotel California“ 1976 veröffentlicht. Und natürlich passt der Song auch 15 Jahre später noch perfekt zum Lebensgefühl an Bord eines Reisemobils, das mit der neuen Generation in praktisch allen Punkten verbessert worden war. Wobei das Lied selbst per nun erhältlichem CD-Player eingespielt werden muss, da Klassiker wie „Hotel California“ im Radio 1976 von den Scorpions mit „Wind of Change“ aus den Sendern gefegt werden.

Noch immer – und das ist im Hinblick auf die Raumnutzung gut so – dominiert das „Berliner“ Layout den Bereich hinter dem erneut drehbaren Fahrer- und Beifahrersitz: Küchenblock und Schränke auf der Fahrerseite; also gegenüber der Schiebetür. Der via Zusatzbatterie oder externer Stromversorgung betriebene Kompressor-Kühlschrank rückt indes weiter nach hinten; der Inhalt wird nun von oben und nicht mehr per Tür nach vorn entnommen.

Das sorgt für mehr Bewegungsfreiheit im Sitzbereich. Parallel entwickelt sich der California mehr und mehr zum Hightech-Komfort- und Sicherheits-Reisemobil mit Frontairbags, elektronischen Differenzialsperren, erstmals auch ESP und einem Radio-Navigationssystem. Optionale Features wie eine Heckdusche steigern den Komfort. Von innen schauen die zwei Reisenden im Fond nicht mehr durch kratzempfindliche Kunststoff-Isolierfenster nach draußen, sondern durch serienmäßige Thermopen-Fenster. Serienmäßig ist auch der neue California mit einem Aufstelldach ausgestattet. Und wieder bleibt er unter der 2,0-Meter- Marke für die Höhe, um in privaten Garagen und öffentlichen Parkhäusern ein Dach über dem Dach zu bekommen. Parallel gibt es erneut eine Hochdachversion mit einem nun nach vorn hin über die Windschutzscheibe ragenden Alkoven.

1992 wird der California zum California Coach. Zu erkennen ist der – als Version mit Aufstelldach – unterem anderem am jetzt verblechten Fensterausschnitt zwischen C- und D-Säule auf der Fahrerseite, da dort von innen der Schrank angeordnet ist. Gleichzeitig halten erstmals zwei California mit verlängertem Radstand und Hochdach (mit einer Art Alkoven nach vorn hin) Einzug in das Programm: Der California Club (mit Spüle und Kocher im Heck sowie zusätzlichen Schränken auf der Beifahrerseite) und der California Tour mit klassischem „Berliner“ Interieur-Layout (analog zum California Coach). 1994 debütiert eine neue Hochdachversion mit Normalradstand: Zum 150-jährigen Jubiläum von Westfalia entsteht das auf 500 Exemplare limitierte Sondermodell California Highway – mit einem aerodynamischeren Hochdach ohne Alkoven und einer individualisierten Ausstattung.

Nachdem der “Highway” ausverkauft ist, wird dessen Compact-Dach fortan auch für den „normalen “ California Coach angeboten. Im selben Jahr melden sich übrigens auch die Eagles zurück und präsentieren mit „Hell Freezes Over“ eines der besten Live-Alben aller Zeiten; ein Höhepunkt ist dabei die 7:12 Minuten lange Version von „Hotel California“. Neuer Höhepunkt im Programm der Reisemobile ist ab 1995 indes der California Exclusive mit Hochdach, langem Radstand und einer Nasszelle samt WC und Klappwaschbecken. 1996 folgt eine komplette Überarbeitung der gesamten T4-Generation und damit auch der California-Palette.

Zur Abgrenzung gegenüber den Nutzfahrzeugen im Transporter-Programm bekommen alle Caravelle, Multivan und California dabei auch eine modifizierte, edlere Frontpartie. Gleichzeitig wird das Angebotsspektrum neu gegliedert und dadurch übersichtlicher: Fortan gibt es den California Coach mit kurzem Radstand mit dem klassischen Aufstelldach (mit Dachbett) sowie den zwei festen Hochdächern in den Versionen Compact (ohne Dachbett) und Alkoven (mit Dachbett). Darüber hinaus bleibt das Spitzenmodell der California Exclusive mit langem Radstand inklusive Heckküche und Nasszelle.

Parallel präsentiert Volkswagen Nutzfahrzeuge Jahr für Jahr veredelte Sondermodelle. Einige Beispiele sind dafür sind der California Biker (1995), der California Beach (1996), der California Advantage (1999), der California Event zum 50. Jubiläum der Volkswagen Reisemobile (2001) und – als finale Edition – der California Freestyle (2002). Serienmäßig wird er unter anderem mit Metallic-Lackierung, Klimaanlage, Heckklappen-Träger für vier Fahrräder und einem exklusiv veredelten Interieur ausgeliefert. Insgesamt verlassen bis zum Modellwechsel im Jahr 2003 rund 39.000 der bis zu 150 kW / 204 PS starken California T4 die Produktionsanlagen von Westfalia in Rheda-Wiedenbrück. Das Gros dieser Reisemobile ist auch heute noch auf den Straßen der Welt unterwegs.

Zu Teil 4 – California T 5

Infos:  Zur Webseite von Volkswagen Nutzfahrzeuge

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues