Schicker California in weiß auf dem VW T5: Der California No Limit aus dem Jahr 2007. (Foto: Werk)

Schicker California in weiß auf dem VW T5: Der California No Limit aus dem Jahr 2007. (Foto: Werk)

Freizeit mobil gemacht – 30 Jahre VW California – Teil 4

Historisches, Volkswagen, Wohnmobil

 California T5 – 2004 bis 2015

Im Frühjahr 2003 präsentiert Volkswagen Nutzfahrzeuge auf der Automobil International (AMI) in Leipzig die neu entwickelte fünfte Transporter-Generation – kurz T5 genannt. Wie der T4, so hat auch der T5 Frontmotoren und Frontantrieb. Optional ist der T5 zudem mit dem neu entwickelten Allradantrieb 4Motion erhältlich, bei dem die Antriebskraft stufenlos über eine elektronisch geregelte Lamellenkupplung zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt wird. 4Motion löst damit den Allradantrieb syncro ab, der im T4 ein weniger sparsames System mit Visco-Kupplung nutzte. Darüber hinaus ist der längere Vorderwagen auffallend, der innen mehr Raum für ein Pkw-ähnliches Cockpit mit großem Infotainmentsystem und eine verbesserte Crashsicherheit bietet. Im Mai 2003 fahren die ersten T5 als Multivan und Transporter zu den Händlern.

Die Weltpremiere des neuen California feiert Volkswagen im Spätsommer auf dem Caravan-Salon. Im Folgejahr kommt der California T5 auf den Markt. Angeboten wird er zunächst in den zwei Ausstattungsversionen „Trendline“ und „Comfortline“. Beide Ausstattungslinien können mit elektrohydraulisch betätigtem Aufstelldach (Serie) und (ab 2005) mit Hochdach bestellt werden. Der edlere California Comfortline ist zudem mit der Pkw-ähnlichen Instrumententafel des Multivan (statt der des Transporters) ausgestattet. Produziert wird der neue California nun erstmals von Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover. Dabei werden die im Hauptwerk (Stadtteil Stöcken) hergestellten Basisfahrzeuge in eine eigens neu errichtete Fertigungsanlage (Stadtteil Limmer) gebracht. Dort erfolgt der komplette Ausbau zum Reisemobil.

Auch der Prospekt des dritten California macht mit einem direkten Bezug zum Welthit der Eagles Lust auf das neue Modell: „Welcome to the Hotel California“. Direkt danach folgt die Positionierung der neuen Generation: „Millionen Kilometer. Ungezählte Sonnenaufgänge und Stunden an traumhaften Orten in der ganzen Welt – seit Jahrzehnten haben viele Menschen mit dem California auf ihren Reisen großartige Erfahrungen gemacht. Erfahrungen, die, neben vielen innovativen Ideen, mit in die Entwicklung der jüngsten Generation des California eingeflossen sind. Das Ziel unserer Konstrukteure? Nichts weniger als das perfekte Reisemobil.“ Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand wissen kann: Der Erfolg der dritten Generation wird den eigenen Anspruch – das perfekte Reisemobil zu bauen – bestätigen: Mit 54.000 verkauften Exemplaren bis 2015 wird sich der California T5 zur bis dato erfolgreichsten Generation dieser Baureihe und parallel zum erfolgreichsten Reisemobil seiner Klasse auf dem Weltmarkt entwickeln.

Die Zutaten dazu liefert – neben den neuen Antriebs-, Sicherheits-, Komfort- und Infotainment-Technologien – die komplett neu entwickelte Reisemobil- Ausstattung. Außen wie innen ist der neue California noch einmal besser durchdacht. Außen gibt es nun zum Beispiel ein aus Aluminium (statt GfK) gefertigtes und erstmals elektrohydraulisch bedienbares Aufstelldach. Ebenfalls in leichter aber stabiler Aluminium-Bauweise gefertigt sind jetzt auch die Schränke im Innenraum. Beispiel Heckklappe: Dort integriert Volkswagen Nutzfahrzeuge zwei Campingstühle. Folge: Ankommen, Heckklappe öffnen, Reißverschluss öffnen, Stühle raus. Fertig. Der passende Tisch dazu befindet sich in der Schiebetür.

Es sind diese kleinen Detaillösungen, die den California bis heute zum perfekten Reisebegleiter machen. Perfektion prägt auch den Innenraum: Komplett neu entwickelt hat VW die Inneneinrichtung samt kompletter Sitzanlage, die wieder im typischen California-Layout ausgeführte Küchenzeile und die Schlafbereiche. Je nach Ausstattung überzeugt der California dabei mit Features wie einem bequemen Lattenrost in der „ersten Etage“, diversen kleinen Beleuchtungen im Innenraum, einer Leselampe im Aufstelldach, den in die Wohnbereichsfenster sowie die in den A-Säulen der Windschutzscheibe integrierten Rollos, einem neuen Dachstaukasten im Heck, einem ausklapp- und verschiebbaren Tisch im Küchenbereich, einer jetzt 42 Liter großen Kühlbox oder einem Minitresor tief unten im Schrank.

Mit dem neuen Modell ist optional zudem erstmals ein multimediales Infotainmentsystem an Bord. Es ist nicht nur Navigationssystem, sondern auch DVD-Player, Fernseher, Telefon und Schnittstelle zur Integration eines Apple iPod. Was heute selbstverständlich anmutet, ist 2004 ein großer Schritt in die Zukunft. Handfeste praktische Vorteile hat indes die optionale Rückfahrkamera, deren Bild ebenfalls im Display des Infotainmentsystems angezeigt wird. Neu entwickelt hat Volkswagen Nutzfahrzeuge zudem das „zentrale Bedienfeld“ in der Dachkonsole, über das diverse Parameter wie der Batterieladezustand und der Betriebszustand von Kühlbox und Wassertanks kontrolliert sowie die Funktion des Aufstelldaches und der Standheizung bedient werden.

Außen perfektionieren ein Fahrradträger für vier Bikes (an der Heckklappe), verschiedene Dachträgersysteme, ein Heckzelt (auch als Duschkabine nutzbar) und eine Markise die Reiseausstattung. Immer wieder bereichert Volkswagen Nutzfahrzeuge das California-Programm zudem um attraktive Sondermodelle. Das erste debütiert 2006: Der California Sonora, benannt nach einem Wüstenstaat. Von außen ist das Sondermodell an seiner Zweifarblackierung zu erkennen: Das Dach ist dabei immer in Silber-Metallic ausgeführt. Weitere Kennzeichen: Nahezu Vollausstattung und ein exklusives, vierteiliges Taschenset. 

Nochmals individueller ausgestattet ist der zunächst als Designstudie präsentierte California NoLimit. Im Juli 2007 kommt die auf 222 Exemplare limitierte Sonderserie auf den Markt. Nie zuvor war ein California individueller und edler konzipiert. Außen ist der NoLimit an der Sonderfarbe „Campanella-Weiß“, elegant-weißen Schutzleisten mit Chrom-Applikationen, 18-Zoll- Leichtmetallrädern (AZEV-Sportedition „R“), Bi-Xenonscheinwerfern sowie abgedunkelten Rückleuchten und einer Privacy-Verglasung zu erkennen. Innen setzt sich das Exklusivmodell unter anderem über eine Leder-Alcantara-Ausstattung, Teppiche und Alcantara-Schlafauflagen in „Dattelbraun“ und weißglänzend lackierte Schränke der kompletten Küchenzeile in Szene. Ebenfalls serienmäßig: Eine elektronische Vollausstattung inklusive Navigationssystem, Apple iPod (30 GB), 10-Zoll-Multimediaplayer, Telefon-Schnittstelle und Multifunktions-Lederlenkrad. Auf der Beifahrerseite ist zudem die individuelle Seriennummer – 1 bis 222 – des jeweiligen „NoLimit“ zu finden. Preis des California NoLimit in Deutschland: ab 69.996,- Euro.

Doch Volkswagen Nutzfahrzeuge hat auch 2007 alle Kunden im Blick und bietet noch im selben Jahr am anderen Ende des Programms ein neues Einstiegsmodell an: Den California Beach – wahlweise mit oder ohne manuell betätigtes Aufstelldach, aber immer ohne Küchenzeile (Preis in Deutschland unter 31.000,- Euro). Das große Spektrum – vom günstigen Beach bis zu den Topversionen – macht den California mehr denn je zum klassenlosen und in allen Gesellschaftsschichten anerkannten Allrounder. Der Erfolg ist messbar: 2008 feiert Volkswagen Nutzfahrzeuge den 80.000sten California seit 1988. Ebenfalls 2008 debütiert zudem erneut ein Sondermodell California Biker –natürlich mit serienmäßigen Fahrradträger für die Heckklappe.

Im Mai 2009 präsentiert Volkswagen Nutzfahrzeuge dann die auf 50 Exemplare limitierte California Black Edition – außen schwarz gehalten sowie mit einem großen Chrompaket, 18-ZollRädern und Bi-Xenonscheinwerfern ausgestattet, innen mit Leder-Alcantara und weißen Schränken veredelt, empfiehlt sich der California Black Edition als ein Seelenverwandter des California NoLimit. Im Herbst 2009 folgt ein großes Facelift. Volkswagen stellt das Update des T5 den internationalen Medien in Rom vor. Vor allem das neue Design der Frontpartie fällt außen auf. Antriebsseitig werden alle Turbodiesel-Einspritzer von Pumpe-Düse auf eine neue Vierzylinder-Common-Rail-Generation mit bis zu 132 kW / 180 PS umgestellt.

Statt einer Automatik kommt fortan ein Doppelkupplungsgetriebe (DSG) zum Einsatz, das sich jetzt auch mit dem Allradantrieb 4Motion kombinieren lässt. Der neue Side Assist warnt zudem vor Fahrzeugen im toten Winkel. Im Interieur kommen unter anderem neue Instrumente, neue Radio- und Infotainmentsysteme sowie neue Bedienelemente für die Klimasteuerung zum Einsatz. Alle diese Details fließen natürlich auch in die 2010 folgenden California-Modelle „Beach“ (jetzt serienmäßig mit manuell betätigtem Aufstelldach und vollverkleidetem Innenraum) und „Comfortline“ ein, deren Sitzbezüge und Dekore ebenfalls aktualisiert werden.

Im Spätsommer 2012 präsentiert Volkswagen auf dem schon seit Jahren in Düsseldorf stattfindenden Caravan Salon eine weitere Exklusivversion des Reisemobils: Den California Edition mit mattschwarz lackiertem Innenteil des Aufstelldaches und weiteren schwarzen Karosseriedetails. Bestellt werden kann der California Edition in den Exterieur-Farben „Candy-Weiß“, „Salsa Red“ und „Reflexsilber“. Wie der „NoLimit“ von 2007 und der „Black Edition“ von 2009, ist auch der „Edition“ von 2012 innen mit komplett weißen Küchen- und Schrankelementen ausgestattet – eine besonders edle Interieur-Version. 2013 folgt das zum 25. Geburtstag präsentierte Sondermodell California Generation.

Neben dem Schriftzug „Generation“ an Heck und Seitenschwellern sowie den beleuchteten Trittstufen in den Türeinstiegen wird das Sondermodell unter anderem durch eine Privacy-Verglasung, 17-Zoll-Leichtmetallräder und eine graue Leder-Alcantara-Ausstattung veredelt. Nur ein Jahr später zeigt Volkswagen Nutzfahrzeuge auf dem Caravan Salon ein weiteres Exklusivmodell. Auflage: Ein Exemplar. Grund: Der in „Natural Grey“ lackierte California Comfortline – ausgestattet mit 140-PS-TDI und 7-Gang-DSG – ist der 50.000 California auf der Basis des T5 aus Hannover.

Infos:  Zur Webseite von Volkswagen Nutzfahrzeuge

Zu Teil 5 – California T 6 

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues