Die Reisemobil Union (RU), Dachverband der Reisemobilfahrer, hat mit ihrem Präsidenten Winfried Krag durch einen Artikel zur Stellplatz-Problematik auf dem Caravan Salon 2017 viel Staub aufgewirbelt. (Foto: det)

Die Reisemobil Union (RU), Dachverband der Reisemobilfahrer, hat mit ihrem Präsidenten Winfried Krag durch einen Artikel zur Stellplatz-Problematik auf dem Caravan Salon 2017 viel Staub aufgewirbelt. (Foto: det)

Gastkommentar – Müssen Wohnmobilstellplätze reguliert werden?

Bundesverband der Campingwirtschaft, Kommentar, Menschen, Reisemobil Union, Stellplatz

Wo bleiben die Interessen der Reisemobilfahrer? Fragt Winfried Krag, Präsident der Reisemobil Union e. V., Dachverband der Reisemobilfahrer in Deutschland.

In der Stellplatz-Szene schwelt ein Interessenkonflikt um die rechtliche Einordnung von Reisemobilstellplätzen. Der Bundesverband der Campingwirtschaft Deutschland (BVCD) möchte sich neben seinen Campingplatz-Aktivitäten neuerdings auch als Interessensvertreter der Reisemobilstellplätze gerieren. Mit dem klaren Ziel, die Reisemobilstellplätze den Campingplätzen rechtlich gleichzustellen, mit allen Konsequenzen wie Vorschriften, Auflagen und Einschränkungen.

Dazu hat der BVCD einen Musterentwurf einer Camping- und Stellplatzordnung vorgelegt, welche in dieser Form die Vielfalt und das Angebot an deutschen Reisemobilstellplätzen drastisch einschränken würde und zu einem Sterben der “Artenvielfalt” Reisemobilstellplatz führen würde. Fakt ist, dass Reisemobilstellplätze baurechtlich oft in einer Grauzone agieren und dass eine rechtliche Klärung kommen sollte.

Klar ist auch, dass Campingplatzunternehmer mit einem riesigen Aufwand an Bürokratie und rechtlichen Auflagen kämpfen müssen, um einen Campingplatz erfolgreich zu führen. Auflagen, die Reisemobilstellplätze in der Regel nicht erfüllen müssen. Aber dazu braucht es keinen Campingplatzverband oder keine Campingplatzunternehmer, die in den Anfängen des Reisemobil-Tourismus jahrzehntelang die Reisemobilstellplätze erbittert bekämpft haben.

Mittlerweile haben viele Campingplatzunternehmer die lukrative Tourismusgruppe Reisemobilfahrer schätzen gelernt und bieten auf, vor oder an ihren Campingplätzen ebenfalls erfolgreich Reisemobilstellplätze an. Aber dennoch: Reisemobilfahrer können ihre Probleme mit ihren eigenen Interessenverbänden selber regeln.

Winfried Krag, Präsident der Reisemobil Union, Dachverband der Reisemobil-Touristen, nimmt dazu in seinem Gastkommentar Stellung: 

Die Reisemobil Union (RU) hatte zum Düsseldorfer Caravan Salon 2017 eine Messezeitung herausgegeben. Unter der Überschrift „Feindliche Übernahme“ wurde über Bestrebungen des Bundesverbands der Campingwirtschaft (BVCD) berichtet, sich selbst zum Sprecher auch für Wohnmobilstellplätze zu erklären und diese künftig einem strengen Regelungswerk zu unterwerfen. Zielsetzung schien zu sein, ungeliebte Konkurrenten aus dem Markt zu drängen und die schnell wachsende Zahl der Reisemobilisten vermehrt zur Nutzung von Campingplätzen zu zwingen.

Der Aufschrei des BVCD auf diese Veröffentlichung war, wie zu erwarten, groß – es handle sich hier um ein großes Missverständnis, wurde beschwichtigt. Die beabsichtigte „Musterverordnung“ sei ja nur ein erster Entwurf, der selbstverständlich mit allen Beteiligten sowie den betroffenen Verbänden weiterentwickelt werden würde. Leider folgten den Worten keine Taten: Der Entwurf wurde zwar weiterentwickelt, aber beispielsweise ohne die RU als Vertreterin der Anliegen der Reisemobilfahrer mit an den Tisch zu holen.

So zeigt auch die aktualisierte Version der Musterverordnung unverändert das Ziel, aus Reisemobilstellplätzen kleine Campingplätze zu machen – mit entsprechend hochgesteckten Forderungen an Infrastruktur sowie Ver- und Entsorgungsanlagen.

Die attraktivste Form eines Reisemobil-Stellplatzes, ein zentrumsnah gelegener und einfacher Übernachtungsplatz, der keine umfassende Infrastruktur haben muss, aber in Fußgänger- oder Radfahrerentfernung zum Stadtzentrum liegt und so einfachen Zugang zu Einkaufsmöglichkeiten, kulturellen und gastronomischen Angeboten bietet, diesen Übernachtungsplatz dürfte es nach den Vorstellungen des BVCD nur noch in Kleinstausführung für maximal fünf Fahrzeuge geben.

Die Reisemobil Union bleibt deshalb bei ihrem kategorischen NEIN zu diesem Vorhaben. Die Anlage von Reisemobil- / Wohnmobilstellplätzen unterliegt selbstverständlich schon bisher dem jeweiligen Landesbaurecht und anderen öffentlich- rechtlichen Vorschriften. Für eine darüberhinausgehende Regulierung durch Interessenverbände der Campingwirtschaft besteht absolut kein Bedarf.

Dem Reisemobilfahrer, der mehr als einen einfachen Übernachtungsplatz haben möchte, stehen ja schon heute Angebote aller möglichen Kategorien bis hin zum 5 Sterne-Wellness-Campingplatz mit Rundumversorgung zur Verfügung. Und bei dieser Vielfalt und Auswahlmöglichkeit soll es auch künftig bleiben.

Winfried Krag
Präsident der Reisemobil Union e.V.

Infos: Zur Webseite der Reisemobil Union

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues