Nicht nur der Weg ist das Ziel - Santiago de Compostella mit dem Grabmal dees Heiligen Jakobus ist das erklärte Ziel der Camino-Pilger. (Foto: Meurer)

Nicht nur der Weg ist das Ziel - Santiago de Compostela mit dem Grabmal des Heiligen Jakobus ist das erklärte Ziel der Camino-Pilger. (Foto: Meurer)

Ich bin dann mal weg – mit dem Wohnmobil auf dem Jakobsweg – Teil 2

Gastbeitrag, Reise, Spanien, Tourismus, Urlaub

Kann man den Jakosbweg auch mobil erkunden? Die D.C.I.-Autoren Thea und Dieter Meurer haben es mit einer organisierten Tour auf dem französischen Camino ausprobiert und waren begeistert. Hier ist Teil 2 auf dem Weg nach Santiago de Compostela.

Nach einem angenehmen Aufenthalt in Burgos fuhren wir am 16. Juni 2017 früh nach Castrojeriz. Nach einer Erfrischungspause in einem typischen Pilger-Café wanderten einige zum Convento des San Antón. Für die Radfahrer ging es anschließend über Itero de la Vega und sehr staubige Feldwege bei großer Hitze nach Boadilla del Camino. Diese Strecke durch Hitze und wenig Schatten strengte uns alle sehr an. Wir bedauerten die Fußpilger auf diesem Weg.

Nach einer Pause in einem schönen Garten der Albergue wurden die Fahrer mit einem Taxi zurück zu den Wohnmobilen und Wohnwagen gebracht. Anschließend fuhren wir zum Campingplatz nach Sahagün. Überall auf der Reise sind uns freundliche und nette Menschen begegnet. Dies konnte man vom Empfang auf diesem Platz allerdings nicht sagen. Für einen städtischen Platz war dies keine Reklame.

Am nächsten Morgen machten wir gemeinsam eine Radtour auf dem Jakobsweg, um gegen Mittag erneut zu starten. Fast alle Reiseteilnehmer steuerten einen großen Parkplatz in Leon an, um die dortige Kathedrale zu besichtigen. Die Kirche verfügt über 1.800 Quadratmeter herrlich farbige Glasfenster. Sie erinnerte an Nôtre-Dame in Paris. Der Samstagsmarkt war noch geöffnet. Außerdem waren viele Musikgruppen der Pena-Anhänger – einer Musikkneipe – in der Stadt unterwegs.

Abends erreichten alle wiederum wohlbehalten den Campingplatz in Villadangos del Paramo, wo wir sehr freundlich von den Besitzern empfangen wurden. Hier merkte man wieder die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Menschen. Wieder kreisten die Eimer mit kaltem Wasser, um die Füße zu kühlen und ein wenig Erfrischung zu haben.

Abends erfolgte eine Besprechung für den nächsten Tag; im Campingplatzrestaurant wurde der erste Teil des Films „Dein Weg“ gemeinsam angesehen. Er berichtete über einen Vater, dessen Sohn auf dem ersten Teil des Jakobsweges tödlich verunglückte und der sich dann selbst mit der Urne auf den Jakobsweg begibt. Eine sehr bewegende Geschichte, die wir gemeinsam in zwei Teilen anschauten.

Für Sonntag waren wir um 10.00 Uhr mit dem Filmteam an der Pilgerbrücke Puente de Obrigo im Ort Hospital de Obrigo verabredet. Es ist eine alte romanische Steinbrücke aus dem Mittelalter mit ihren 20 Bögen, die von allen Pilgern überquert wird. Ute hatte Mollie und die Fußgänger im Auto mitgenommen. Die übrigen Reisenden nutzten die Fahrräder. Die Rückfahrt ging durch gemütliche kleine Orte, wo unsere Fahrradtruppe immer freundlich begrüßt wurde. Jeder suchte nachmittags wegen der großen Hitze den Schatten auf dem Campingplatz.

Montag war sicherlich einer der Höhepunkte der Reise. Die Fahrt ging nach Astorga, wo Museum und Kathedrale besichtigt wurden. Neben der Kathedrale steht der von Gaudi entworfene Bischofssitz, in dem jedoch niemals ein Bischof wohnte. Mittags trafen wir uns zu einem typischen spanischen Mittagessen im „Meson Asturum“, einem netten Lokal mit überaus gastfreundlichen Menschen, die uns jeden Wunsch von den Augen abgelesen haben. Es gab ein deftiges Gericht, ähnlich unserer Schlachtplatte (Cocido).

Am Nachmittag ging es weiter über eine herrliche Gebirgsstrecke zuerst bis zum Cruz de Ferro. Dort hinterlegten die Pilger von daheim mitgebrachte Steine, die symbolisch eine Last darstellen sollen. Auch ein kleines improvisiertes Holzkreuz unserer Reisegruppe wurde dort abgelegt. Ein sicherlich für alle bewegender Moment.

Später trafen wir uns nach einer wunderschönen Bergfahrt durch malerische Bergdörfer (unter anderem El Acebo) auf dem Wohnmobilstellplatz in Ponferrada, der neben einem Pilgerhotel gelegen ist. Abends machten wir gemeinsam noch einen Spaziergang in die gemütliche Stadt mit der mittelalterlichen Burg der Tempelritter. Es herrschte ein Flair wie auf einer italienischen Piazza.

Früh morgens starteten wir nach einer für einen Stellplatz außergewöhnlich ruhigen Nacht zur längsten Etappe unserer gemeinsamen Tour nach Santiago de Compostela. Dies war sicherlich eines der schönsten Teilstücke der Reise. Es ging über Passhöhen von bis zu 1.300 Meter durch die Berge, über Kloster Samos nach Portomarin, einem Ort, der wegen eines Staudammes einschließlich der alten Wehrkirche hoch gesetzt wurde.

Über Melide ging es auf dem Pilgerweg weiter. Jetzt kurz vor Santiago de Compostela nahm die Zahl der Pilger zu. Letzte Station vor unserem Campingplatz war der Monte de Gozo, der „Berg der Freude“, von wo aus bereits in der Ferne die Türme der Kathedrale auszumachen sind. Zum Stadtplatz in Santiago de Compostela gehört ein recht nettes Lokal mit gutem und preiswertem Essen, wo wir uns abends zur Besprechung trafen.

Für Mittwoch, dem 21. Juni 2017 war Santiago de Compostela und der Besuch der Pilgermesse geplant. Leider streikten die Busse und so mussten alle per pedes in die Stadt. Ute und Michael sowie wir beide waren bereits vorgegangen und konnten Plätze in der Kathedrale frei halten. So hatten wir alle eine hervorragende Sicht, als das große Weihrauchfass „Botafumeiros“ quer über unsere Köpfe durch die Kirche geschwenkt wurde.

Der französische Camino hat 32 Stationen und ist der bei Pilgern beliebteste Weg nach Santiago. (Grafik: DCI)
Der französische Camino hat 32 Stationen und ist der bei Pilgern beliebteste Weg nach Santiago. (Grafik: DCI)

Von der Reiseleitung war uns gesagt worden, dass nach diesem Pilgergottesdienst ein Pilgertreffen mit anderen deutsch sprechenden Pilgern angeboten würde. Wir ahnten ja nicht, mit welcher liebevollen Vorbereitung unser Empfang ablaufen sollte.

Auch wenn wir nur Teile des Jakobsweges mit dem Fahrrad oder zu Fuß gefahren oder gelaufen sind, fühlten wir uns ebenfalls wie Pilger und nahmen diese Möglichkeit eines Treffens gerne wahr. Nach einer schönen besinnlichen Stunde mit gemeinsamen Liedern und Gesprächen, in der wir unsere Gedanken und Erlebnisse austauschen konnten, genossen wir dann im herrlichen Ambiente des Pilgerhotels ein leckeres gemeinsames Pilgermenü.

Auch der abendliche spirituelle Rundgang um die Kathedrale war sehr schön. Mit Taxen fuhren wir müde die wenigen Kilometer zum Campingplatz zurück. Aber nach kurzer Erholungsphase trafen sich alle wieder im Campingplatzrestaurant, um diesen Tag gemeinsam ausklingen zu lassen.

Jetzt ging der offizielle Teil unserer Reise schnell zu Ende. Rund 85 Kilometer waren es auf kurzem Weg an vielen Getreidespeichern vorbei von Santiago de Compostela westwärts zum Cabo Finisterra, dem sagenumwobenen Kap „am Ende der Welt“, das die galicische „Todesküste“ beherrscht.

An der schroffen Felsenküste haben sich im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Schiffsunglücke ereignet. Gemeinsam mit Hermann erkundeten wir beiden die Spitze, bekamen unseren letzten Pilgerstempel und sahen die Stellen, wo viele Jakobspilger symbolisch ein Kleidungsstück, Schuhe oder auch einen Fahrradhelm verbrennen oder zurücklassen.

Nach Kaffee und Gebäck trafen sich alle weiter südlich auf dem herrlich direkt am Meer gelegen Campingplatz bei Muros. Dort konnten wir an den Strand, ins Wasser und Boule spielen. Abends sahen sich dann alle wieder zum Abendessen mit toller Aussicht. Am letzten Tag der organisierten Reise gab es noch eine Radtour zum nahegelegenen Leuchtturm.

Abends feierten wir Abschied bei einem mehrgängigen hervorragenden Fischmenü im Restaurant des Campingplatzes. Ein wenig Wehmut stellte sich ein. Aber so schnell wollte keiner allein weiter fahren. Daher beschloss der Großteil (11 Personen von ursprünglich 14) noch einen Tag an diesem herrlichen Ort zu bleiben und machte Samstag noch eine kleine Fahrradtour nach Muros.

Am Samstagabend waren wir von der Campingplatzbetreiberin zu einem kleinen kostenlosen Imbiss eingeladen, der sich wiederum als umfassendes Menü mit Sardinen, Pellkartoffeln, Muscheln, Hähnchenschenkeln und Rippchen sowie Salat darstellte. Noch lange genossen wir anschließend bei netten Gesprächen die schöne Aussicht auf der Terrasse. Ute, Michael und Mollie ließen wir am kommenden Morgen zurück und die übrige Truppe verabredete sich auf dem Campingplatz Gaivota bei Barreiros, der schön ebenfalls oberhalb des Meeres lag.

Leider regnete es am folgenden Tag bei der Fahrt entlang der Nordküste. Über Santillana del Mare – dem spanischen Rothenburg ob der Tauber – erreichten wir den Campingplatz in Islares, von wo es am kommenden Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln gemeinsam nach Bilbao gehen sollte. Die Fahrt im kleinen Zubringerbus erinnerte uns sehr an ein Rennen auf dem Nürburgring. Trotzdem kamen wir gut in Bilbao an.

Nach Besuch des tollen Guggenheim Museums trafen wir uns nach und nach im Museumscafé und traten von dort die Rückfahrt zum Campingplatz an. Am Abend aßen wir ein letztes Mal gemeinsam im dortigen Campingplatzrestaurant. Die vorbestellte Paella war hervorragend.

Am 28. Juni trennten sich unsere Wege nun endgültig. Es war eine schöne Zeit und alle waren ein wenig traurig wegen des Abschiedes. Für uns ging es langsam über Bidart, einen netten kleinen Campingplatz bei Messanges und über Bordeaux durchs Périgord und Burgund wieder ins Rheinland zurück, wo wir am 3. Juli eintrafen.

Wir danken Sibylle und Günter für die gute Reiseplanung und ihre umsichtige und freundliche Betreuung.

Aber auch unseren übrigen Mitreisenden möchten wir nochmals sagen:

„Liebe Jakobinerinnen und Jakobiner, Ihr wart eine tolle Truppe, hoffentlich sehen wir uns noch einmal – auch gerne bei irgendeiner Reise – wieder!“

Jetzt sind wir alle gespannt, was aus rund 30 Stunden Film- und Tonmaterial bei einem Reisebericht für SWR 3 herauskommen wird. Hoffentlich gibt dieser unsere sehr angenehme Reisegesellschaft, die schönen Begebenheiten auf dem Jakobsweg, die herrliche Landschaft und das Erlebnis dieser Reise wieder.

Diese Campingplätze und Reisemobil-Stellplätze haben wir auf der Reise besucht: Hier die Übersicht

Infos:  Zur Webseite des Jakobweges

Hier geht es zum ersten Teil des Reiseberichtes mit dem Start in den französischen Pyrenäen.

 

Dieter Meurer

Dieter Meurer

Dieter Meurer war langjähriger Abteilungsleiter einer Berufsfeuerwehr im Bereich Verwaltung, Großschadenslagen und Rettungsdienst. Daher kennt er sich mit Mensch und Maschine bestens aus. Campingerfahrung hat er über lange Jahre mit zahlreichen Aktivitäten gewonnen. Mit dem Ende seiner beruflichen Laufbahn nimmt er sich, gemeinsam mit seiner Ehefrau Thea, Zeit für ausgiebige Reisen durch Europa in seinem Wohnmobil. Ab Ende des Jahres wechselt er sein mobiles Gefährt in einen Wohnwagen um.
Dieter Meurer

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