Ein echter Hingucker auf der Motorhome and Caravan Show 2015 in Birmingham: Der VW T2 Campingbulli von Danbury Motorcaravans. (Foto: Werk)

Ein echter Hingucker auf der Motorhome and Caravan Show 2015 in Birmingham: Der VW T2 Campingbulli von Danbury Motorcaravans. (Foto: Werk)

It’s tea time – VW-Bulli Retro Kult von der Insel

Danbury, Hersteller, Historisches, Oldtimer, Transporter, Volkswagen

A Cup of Tea gefällig? Vorbei an sanften Hügeln der südwest-englischen Grafschaft Bristol rollt ein Wohnmobil-Klassiker auf einen lauschigen Rastplatz am Fluß Avon. Der VW T2 Campingbus von Danbury lädt zur Pause ein.

Aufstelldach hoch, Tisch ausklappen und das Wasser für den Tee aufsetzen, im Retromobil herrscht rege Betriebsamkeit. Der VW Bulli sieht aus wie aus dem Laden und das ist er auch. Nur an dem vorne eingebauten Kühler hinter der Reserveradabdeckung erkennt man, daß es ein VW T2c aus der letzten Brasilien-Serie ist. Der englische Veredler Danbury aus Bristol holt (immer noch) die Bullis auf die Insel und macht alltagstaugliche Retro-Campingbusse aus dem betagten VW Transporter.

Also kein Rost, keine rasselnde luftgekühlten Motoren, nur 80 km/h Höchstgeschwindigkeit und einen gewaltigen Sprit-Durst. Der Bulli ist ein brandneuer, brasilianischer Kombi, der als Rechtslenker (wahlweise LHD mit Aufpreis in GB) mit einem modernen, wassergekühlten 80 PS Benzinmotor läuft.

Wahlweise mit Benzin, E 85-Äthanol-Benzin oder mit der Option Gasantrieb. Danbury ist in Great Britain Exklusivhändler für diese Bullis, die, trotz Produktionseinstellung vor zwei Jahren, immer noch als einfache weiße Lieferwagen der letzten Serie VW T2c aus Brasilien importiert werden. Hauptsächlich in Handarbeit und in bis zu 300 Arbeitsstunden fertigen die 40 Mitarbeiter von Danbury mit viel Liebe zur Nostalgie die Retro-Camper.

Es gibt drei Grundausstattungen – Diamond, Amigo und Rio – aber die Zubehörliste läßt durch vielfältige Kombinationen keine Wünsche offen: Ein Kingsize-Bett und fünf Sitzplätze, ein Queensbett und sieben Sitzplätze, ein Porta-Potti, ein weiteres Zusatzbett, der für England obligatorische Gasbackofen, Kühlschrank, TV-Sat-Anlage, Gas-Heizungen, Vorhänge und verrückten Polsterung sind je nach Geldbeutel möglich. Dazu gibt es einen wirklich schicken Retro-Dachgepäckträger (599,- £ / 820,- Euro), und eine echte Reserveradabdeckung (399,- £ / 550,- Euro) zu bestellen, original ist ein Fake mit Lüftungsgitter für die Kühlung vorgebaut.

Die Möbel werden aus Bootsbausperrholz gefertigt, sehen schick-retro aus und sind leicht und haltbar. Elektrik, Lampen und die Geräte sind bekannte Standardgeräte, die Elektro- Gas- und Wasserinstallation entspricht neuestem Standard. Wer sich mit dem riesigen Lenkrad des VW T2 schwertut, kann eine richtige Zahnstangenlenkung für 1,645,- Euro oder sogar eine Servolenkung (4.800,- Euro) ordern.

Dreht man den Zündschlüssel im kargen Cockpit um, erklingt im Heck ein leises Schnurren, das Motorgeräusch ist weit weg vom kernigen Sound des luftgekühlten Originals. Das Viergang-Getriebe wird wie bekannt von dem ellenlangen Schaltknüppel bedient. Der Motor ist Nichts für schaltfaule Zeitgenossen, wenn man im heutigen Verkehr mit schwimmen möchte, muss man kräftig und oft schalten. Die Bremsen, vorne Scheiben, hinten Trommeln sind nicht Servo-unterstützt und brauchen daher einen festen Tritt, aber sie arbeiten ordentlich, auch wenn der Bull voll beladen ist.

Witzig an das halbhohe Brasilien-Seriendach angepasst ist das Aufstelldach des Danbury-VW. England-typisch ist es nicht angeschlagen, sondern wird als Hubdach manuell komplett nach oben gefahren.

Ein billiges Vergnügen ist der Danbury-Camper nicht, die aufwändige Handarbeit kostet eben Geld. Ab 23.000,- Pfund, umgerechnet etwa 31.500,- Euro gibt es mit dem Danbury Amigo als Rechtslenker den Einstieg in die Retro-Welt der T2-Camper in England. Und die Zulassung in Deutschland? Sollte möglich sein, heißt es aus Bristol, da alle Danbury-Modelle ja eine GB-Zulassung erhalten haben.

Infos:  Zur Webseite von Danbury

Technik-Info Danbury VW T2c
BASISVolkswagen Transporter T2c Brasilien-Import Wassergekühlter Vierzylinder-Ecoflex-Benziner EA 111 im Heck
Hubraum 1.389 ccm, Leistung 59 kW/80 PS bei 4.800/min max. Drehmoment 141 Nm bei 2800/min, Vierganggetriebe, Handschaltung, Hinterradantrieb, Scheibenbremsen vorn, Trommelbremsen hinten
Einzelradaufhängung mit Kurbellenkern und Drehstäben vorn, mit Querlenkern und Drehstäben hinten
Höchstgeschwindigkeit 133 km/h
Sitz/ Schlafplätze4/4 (Optionen 5 Sitzplätze)
Maße4.505 x 1.720 x 1.997 mm
Zul. Gesamtgewicht2.800 kg
Leermasse1.620 kg
BettenmaßeDinettbett 1.950 x 1.400
Dachbett 2.000 x 1.400 mm
Grundpreisab 39.900,- Euro
Hersteller / VertriebDanbury Motorcaravans Ltd.
Great Western Business Park, Armstrong Way
GB-BS37 5NG Yate, Bristol
Tel. 01454/310000
www.danburymotorcaravans.com

INFO Volkswagen T2
Es gab in Deutschland zweieinhalb Generationen des VW T2 Bullis. Die T2a-Variante wurde von 1967 bis 1971 gebaut, das Zwittermodell T2a/b bis 1972 und der T2b bis 1979. Letzterer besaß die Blinker oben im Lüftungsgitter, große Rückleuchten, größere Lufteinlässe hinten (Ohren), Scheibenbremsen vorn, eine Sicherheitslenksäule und auf Wunsch die Flachmotoren aus dem 411er. In Brasilien wurde die dritte Generation der Bullis als T2c mit wassergekühltem Benziner und halbhohem Seriendach als Kombi noch bis 2014 gebaut.

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues