Professionelles Kleben und Dichten wird dank der DIN Norm 2304 überprüfbar. Für Endkunden bedeutet dies, dass Werkstätten und Fachhändler die korrekte Ausführung von Klebearbeiten dokumentieren müssen. Bei Problemen können Kunden diese Nachweise einfordern. (Foto: Deka Kleben und Dichten)

Professionelles Kleben und Dichten wird dank der DIN Norm 2304 überprüfbar. Für Endkunden bedeutet dies, dass Werkstätten und Fachhändler die korrekte Ausführung von Klebearbeiten dokumentieren müssen. Bei Problemen können Kunden diese Nachweise einfordern. (Foto: Deka Kleben und Dichten)

Klebenorm bringt Sicherheit für Käufer und Hersteller

Dekalin, Zubehör, Zubehörhersteller

Anfang 2016 wurde die neue Klebenorm veröffentlicht. Seither bahnt sich die DIN 2304 als „Praxisnorm“ schrittweise ihren Weg in das Bewusstsein der Klebeprofis. Das hat auch mit dem zunehmenden Druck in der Caravaning Branche zu tun, der vom Endkunden kommt.

Michael Windecker, Geschäftsführer von Dekalin Deutschland, dazu: „Fachhändler und Werkstattbesitzer kommen immer öfter auf uns zu und fragen Schulungen an, weil sie von ihren Kunden aufgrund der Norm in die Pflicht genommen werden.“ Doch inwiefern können Käufer von Caravans und Reisemobilen von den Neuerungen profitieren?

Klebeprozesse überprüfbar – Ausführungsmängel sichtbar

Rund 90 Prozent aller Klebefehler sind auf mangelhafte Ausführung und nicht auf die Klebstoffe zurückzuführen. Die DIN 2304 ist daher als Anwendernorm angelegt und bezieht alle Fertigungsprozesse ein. Sie legt Qualitätsstandards für klebtechnische Anwenderbetriebe fest. Für Endkunden heißt das, dass sie die DIN 2304 als Anforderung in ihr Pflichtenheft aufnehmen und mit geringem Aufwand auf normgerechte Verklebungen pochen können.

Was bürokratisch klingt, kann bei Mängeln schnell zum juristischen Vorteil werden: Denn die Klebenorm legt beispielsweise Sicherheitsklassen fest, anhand derer exakt erfassbar ist, welche Klebungen in welcher Form hätten erfolgen müssen. Die Dokumentationspflicht hierzu liegt bei der ausführenden Werkstatt. Bauteil für Bauteil, Klebung für Klebung kann der Käufer eines Reisemobiles den Fertigungsprozess nachvollziehen – und Sachmängel anzeigen. „Hier bekommt der Endkunde ein wirkungsmächtiges Instrument an die Hand und es ist zu erwarten, dass er mit der Zeit auch lernt, es konsequent einzusetzen“, erklärt Windecker. Für ausführende Betriebe und Händler bedeutet dies zunächst einen gewissen Aufwand für Mitarbeiter-Schulungen und Dokumentation. Aus dem anfänglichen Fleiß leiten sich dann aber schnell die Vorteile ab.

Breite Palette: Hersteller wie Dekalin bieten eine Vielzahl an Kleb- und Dichtstoffe an, die sich nach Anwendungsgebiet unterscheiden. Gegenüber Fügeverfahren wie Schweißen, Löten oder Nieten bietet das Kleben den zentralen Vorteil, die zu verbindenden Materialien nicht zu beschädigen oder ihr Gefüge zu verändern. (Foto: Deka Kleben und Dichten)
Breite Palette: Hersteller wie Dekalin bieten eine Vielzahl an Kleb- und Dichtstoffe an, die sich nach Anwendungsgebieten unterscheiden. Gegenüber Fügeverfahren wie Schweißen, Löten oder Nieten, bietet das Kleben den zentralen Vorteil, die zu verbindenden Materialien nicht zu beschädigen oder ihr Gefüge zu verändern. (Foto: Deka Kleben und Dichten)

Haftungssicher in doppeltem Sinne

Einerseits kann der Kunde sehr präzise auf Fehlersuche gehen. Andererseits haben Werkstätten, die normgerecht arbeiten und dokumentieren, mögliche Haftungsansprüche deutlich schneller vom Tisch. Die Beweisführung gegen Regressansprüche gestaltete sich für Ausführende bisher schwierig, da sie Begründungen im Einzelfall zusammentragen mussten. Der DIN 2304 folgend, haben sie die Beweisführung bereits in den Arbeitsprozess integriert, wie dies beispielsweise beim Einsatz von Kamerasystemen für die Qualitätssicherung schon jetzt häufig der Fall ist.

Zudem können sich zertifizierte Werkstätten und Händler einen Know-how-Vorsprung gegenüber Marktteilnehmern erarbeiten. Wer nach Norm arbeitet, kann potenzielle Käufer sehr viel einfacher von der hohen Qualität der eigenen Arbeit überzeugen. Hier bekommt das eigene Marketing ein neues, schlagkräftiges Argument, das es mit einer Zertifizierung untermauern kann. „Als Hersteller von Kleb- und Dichtstoffen stellen wir nach unseren Schulungen Zertifikate aus, die Klebeprofis fortan für sich sprechen lassen können. Grundlage ist dabei immer die Norm, denn die Nachfrage ist jetzt da und wird wachsen“, verdeutlicht Michael Windecker.

Fügetechnik nach Norm bei der Deutschen Bahn

Geschult wurde auch Uwe Berger. Als verantwortliche Klebeaufsichtsperson überwacht er im Werk der DB Fahrzeuginstandhaltung in Krefeld die Fügeverfahren. Er ist eine gefragte Person dieser Tage, denn das Kleben gewinnt besonders gegenüber dem Schweißen mehr und mehr an Bedeutung. „Klebtechnik ist spannend, weil sie ein sehr spezieller Prozess ist, der noch in vielen Bereichen in den Kinderschuhen steckt“, erklärt der Experte.

Andere Verfahren seien sehr abhängig von den zu verbindenden Materialien. Beim Kleben müsse man weder die Oberfläche noch die Gefügestruktur des Materials verändern und erhalte zudem eine gleichmäßigere Spannungsverteilung. Schweißen, Löten, Nieten – all diese Verfahren könnten diese Vorteile nicht bieten. Da der Trend aber klar Richtung Leichtbau gehe, müsse man nun zunehmend Werkstoffe unterschiedlicher Beschaffenheit und Zusammensetzung miteinander verbinden. Diese Verbindung müsse auch auf lange Sicht kraftschlüssig und verlässlich sein.

In manchen Bereichen sind die verklebten Teile am Zug dabei extremen Kräften ausgesetzt: Der Kopf des ICE-T beispielsweise besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff und muss zur Verbindung mit der Aluminiumstruktur des Wagenkastens geklebt werden. Bei Geschwindigkeiten bis 230 km/h wirken massive Kräfte auf das Führerhaus des Schnellzuges. Ein anderes Verfahren als das Kleben wäre hier undenkbar.

Das abwertende Prädikat „nur geklebt“ hat also spätestens im Zeitalter des Leichtbaus ausgedient. Bei der Herstellung von Reisemobilen und Caravans gehört das Kleben und Dichten schon seit Anbeginn zu den zentralen Verfahren. Umso wichtiger ist es, dass dieses Verfahren mit der DIN 2304 eine überprüfbare Grundlage bekommen hat. Uwe Berger ist stolz darauf, dass sein Werk das erste bei der Deutschen Bahn war, das die Zertifizierung nach Norm erhalten hatte. “Man sei so auf der sicheren Seite, was die Nachweisführung der geleisteten Arbeit angeht”, resümiert er. Viele Händler, Hersteller und Werkstätten der Caravaning-Branche haben hier noch Nachholbedarf.

Infos:  Zur Webseite von Dekalin


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Claus-Detlev Bues