Ab 31. März 2018 müssen alle neu zugelassenen Pkw- und leichte Nutzfahrzeugemodelle bis 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse mit dem Notrufsystem eCall ausgerüstet sein. (Foto: EU-Parlament)

Ab 31. März 2018 müssen alle neu zugelassenen Pkw- und leichten Nutzfahrzeugemodelle bis 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse mit dem Notrufsystem eCall ausgerüstet sein. (Foto: EU-Parlament)

Leben retten – eCall in neuen Automodellen verpflichtend

Basisfahrzeug, EU - Europäische Union, Sicherheit, Verkehr

Notrufgeräte (eCall), die automatisch den Rettungsdienst über Autounfälle informieren, müssen ab dem 31. März in allen neuen Pkw- und leichten Nutzfahrzeug-Modellen eingesetzt werden.

Todesfälle und Schwerverletzte im Straßenverkehr zu reduzieren, ist seit langem ein wichtiges Ziel des Europäischen Parlaments. Die Abgeordneten haben am 28. April 2015 das eCall-Einsatzgesetz verabschiedet. Ab dem 31. März 2018 müssen nun alle neuen Modelle von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen mit diesen lebensrettenden Notrufsendern ausgestattet werden.

Berichterstatterin Olga Sehnalová (S&D, CZ): „Das eCall-System wird die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer erhöhen, weil Rettungskräfte nach einem schweren Unfall wesentlich schneller eintreffen. Leider ist die Zahl der Todesopfer auf europäischen Straßen immer noch inakzeptabel hoch.

Welche Fahrzeuge sind betroffen?
Alle neuen Modelle von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen bis 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse müssen mit diesen lebensrettenden Notrufsendern ausgestattet werden. Auf Nachfrage beim Verbindungsbüro Deutschland des Europäischen Parlaments in Berlin bestätigt uns Presse-Sprecher Thilo Kunzemann:

Der eCall wird für neue Typen von leichten Nutzfahrzeuge der Fahrzeugklasse M1 und N1 (also nur bis 3,5 Tonnen) ab dem 31. März 2018 Pflicht. Weiterer Fahrplan: Die EU-Kommission muss bis 31. März 2021 untersuchen, ob weitere Fahrzeuge wie Busse oder Lkw ebenfalls verpflichtend mit eCalls ausgestattet werden sollten.

Damit werden natürlich alle Reisemobile mit den entsprechenden neu eingeführten Basisfahrzeug-Modellen unter diese Regelung fallen.

Leben retten
Durch eCall wird die Reaktionszeit der Notfalldienste in ländlichen Gebieten um 50 Prozent und in städtischen Gebieten um 40 Prozent reduziert. Das wird pro Jahr schätzungsweise rund 1.500 Leben retten. Das Gesetz sieht vor, dass das System auf der europäischen Notrufnummer 112 basiert und grenzübergreifend funktioniert. Sowohl den Mitgliedstaaten als auch den Herstellern wurde genug Zeit gegeben, um Infrastruktur und Technologien vorzubereiten, so dass der eCall unverzüglich eingesetzt werden kann, um die Sicherheit der in Europa reisenden Bürgerinnen und Bürger zu erhöhen.“

Hintergrund
Laut Statistiken der EU-Kommission starben in der EU im Jahr 2016 rund 25.500 Menschen im Straßenverkehr, weitere 135.000 wurden schwer verletzt. Damit lag die Anzahl der tödlichen Verkehrsumfälle 2016 19 Prozent unter dem Wert von 2010. Dieser Rückgang genügt jedoch nicht, um die Zahl der Verkehrstoten EU-weit wie geplant zwischen 2010 und 2020 zu halbieren. In Deutschland sank die Zahl der Todesfälle nach Verkehrsunfällen zwischen 2010 und 2016 um 12 Prozent. Im Jahr 2016 ereigneten sich die meisten Verkehrsunfälle mit Todesfolge (55 Prozent) auf Landstraßen. Im Durschnitt fanden nur etwa acht Prozent der tödlichen Unfälle auf Autobahnen und 37 Prozent in städtischen Gebieten statt. Der größte Anteil der Verkehrsopfer entfällt auf Autoinsassen (46 Prozent) und entspricht den addierten Opferzahlen von Fußgängern, Radfahrern und Motorradfahrern, die besonders häufig in städtischen Gebieten von Unfällen betroffen sind.

So funktioniert das eCall-Notrufsystem. (Grafik: Continental)
So funktioniert das eCall-Notrufsystem. (Grafik: Continental)

Wie funktioniert eCall?
Bei einem Unfall wird ein Notruf (eCall) an die Euro-Notrufnummer 112 ausgelöst, der einen Minimaldatensatz direkt an eine Notrufzentrale (PSAP – Public Safety Answering Point) absetzt. Gleichzeitig wird eine Sprachverbindung aufgebaut, um zu checken, ob ein Insasse des Unfallautos noch sprechen kann. eCall kommt in zwei kombinierten Versionen: Es wird automatisch und manuell auslösbar sein. An einem Knopf im Auto könnten auch Zeugen oder unverletzte Beteiligte eines schweren Unfalls den Notruf auslösen. Der Minimaldatensatz enthält unter anderem den Unfallzeitpunkt, die genauen Koordinaten des Unfallorts, die Fahrtrichtung (wichtig auf Autobahnen und in Tunneln), Fahrzeug-ID, Service Provider-ID und eCall-Qualifier (automatisch oder manuell ausgelöst). Optional ist die Übermittlung von Daten von Bord-Sicherheitssystemen, wie der Schwere des Unfallereignisses und der Zahl der Insassen, ob die Sicherheitsgurte angelegt waren, ob das Fahrzeug sich überschlagen hat, möglich.

Die Technik von eCall
Der eCall ist eines der ersten Systeme, das mit dem europäischen Satellitensystem Galileo arbeitet. Fahrzeuge mit eCall müssen mit einem Galileo- und GSM-Modul, einer Antenne sowie einem zusätzlichen Steuergerät, in dem die eCall-Funktion implementiert ist, ausgestattet sein. Auch für Mobilfunkanbieter ergeben sich hier neue Geschäftsfelder, da die für eCall nötige SIM-Karte optional auch kostenpflichtige Telematikdienste ermöglichen könnte. Die Einwahl in ein Mobilfunknetz im europaweit geplanten eCall-System erfolgt erst unmittelbar nach dem Unfall, so dass keine Bewegungsprofile von Fahrzeugen anfallen, die auf Basis der Telekommunikations-Überwachungsverordnung gespeichert würden.

Infos: Zur Webseite des Europa-Parlaments


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Claus-Detlev Bues