Einfach und schick - Das Aussendesign des Forster überzeugt mit dezenter Optik. (Foto: det / D.C.I.)

Einfach und schick - Das Aussendesign des Forster überzeugt mit dezenter Optik. (Foto: det / D.C.I.)

Praxis-Test Reisemobil – Forster Van 636 EB – Der Langschläfer

Campingbusse, Fahrzeugtest, Forster Reisemobile

Die junge Marke Forster, angesiedelt bei Eura Mobil in Sprendlingen, hat sich ein überschaubares Produkt-Portfolio mit gängigen Grundrissen auf die Fahnen geschrieben. Gestartet mit Teilintegrierten und Alkovenmodellen wird nun das Programm nach der Präsentation der Vollintegrierten in Richtung Vollsortimenter erweitert. Mit der Van-Baureihe FV bringt Forster nun auch Kastenwagenmobile in das Programm. Wir haben uns das Top-Modell der Baureihe, den Einzelbettenwagen FV 636 im Test mal angeschaut.

Außen

Fast alle großen Reisemobil-Hersteller führen eine oder mehrere Varianten eines Kastenwagens in Ihrem Angebot und oft können sich die Anbieter nur durch markante Folierungen, Farbnuancen, Beschriftungen und Zubehör-Accessoires ein wenig von den serienmäßigen Fiat Ducato-Kastenwagen der Mitbewerber abgrenzen. Dennoch, irgendwie kommt uns der Forster bekannt vor? Richtig, warum soll man das Rad neu erfinden, wenn im Trigano Konzernverbund solide und erprobte Kastenwagenmobile im Angebot sind.

So verraten wir sicher kein Geheimnis, dass die Forster Vans einigen Modellen von Karmann ähnlich sind und aus den gleichen Trigano-Werkshallen in den italienischen Abruzzen stammen. Nicht nur die neutrale Lackierung in Weiß, auch die sparsame Forster-typische Grün-Folierung unseres Testwagens lassen den 636 EB auf den ersten Blick ruhig und schlicht, aber dennoch sachlich und elegant erscheinen.

Innen

Der Forster Van hat einen klassischen Kastenwagengrundriss, der so oder so ähnlich bei nahezu allen Anbietern in Serie gegangen ist. Sitzgruppe aus Dinette und Fahrersitzen, Längsküche rechts, Sanitärraum links und dahinter die längst angeordneten Einzelbetten. Neben der ausreichend dimensionierten Küchenzeile ist der 80 l Kühlschrank mit darunter liegendem, großzügigem Kleiderschrank positioniert. Bei geöffneter Schiebetür verfügt der Forster als – Option aus dem Aktiv-Paket – über ein empfehlenswertes, engmaschiges Fliegengitter, welches blutdurstige Gäste nach Einbruch der Dämmerung vom Besuch abhält. Gut positionierte Staufächer für allerlei Ausrüstung, die das Campen entspannter machen, befinden sich nicht nur über der Dinette, sondern auch gut erreichbar über dem Fahrerhaus.


Der Panoramablick – Wohnraum Forster Van 636 EB in der 360 Grad Rundumansicht


Das helle Design der Möbel harmoniert mit der markant-braunen Eco Leather-Polsterung in unserem Testwagens. Ein perfekt durchdachtes LED-Beleuchtungskonzept sorgt für ausreichende Helligkeit im Arbeitsbereich der Küche und für ein gemütliches Flair im gesamten Innenraum. Die Lampen sind exakt positioniert, richtig abgestimmt und können stufenlos gedimmt werden. Der wertige Eindruck der gesamten Inneneinrichtung hält auch dem Praxis-Test stand.

Während der Testphase und auf Fahrten über unbefestigte Wege und Straßen gab es weder störende, klappernde und knarzende Geräusche, noch machten sich, wie so oft, Schubladen oder Staufachklappen selbstständig. Der Gesamteindruck des Möbelbaus überzeugt durchaus, wobei man darauf achten soll, speziell die zwei großvolumigen Schubladen unter der Herd-Spüle-Kombination nicht allzu stark zu belasten, denn bei „Überladung“ sind die Verschlüsse bei kurvigen Straßen dem Gewicht der vollgeladenen Schublade nicht immer gewappnet.

Essen und Trinken

Der Küchenblock mit Kunststoffspüle und Zweiflammenherd reicht, wie bei den meisten Kastenwagen unter 6,50 Meter Gesamtlänge, in die Schiebetür hinein. Die Glasabdeckung für den Gasherd ist ebenso obligatorisch, wie das Geschirrtuch darunter, um nervige Geräusche zu eliminieren. Die Spüle ist mit einer zweigeteilten, etwas fummeligen Abdeckung versehen. Da könnte durchaus nachgebessert werden. Ausreichende Arbeitsfläche für die Zubereitung eines 4-Gänge Menüs sucht man in einem Kastenwagen der sechs-Meter-Klasse vergebens, jedoch kann die Arbeitsfläche im Forster mit einem sehr praktischen Verlängerungsbrett links neben dem Herd ein wenig erweitert werden.

Über der Kochgelegenheit befinden sich ein großer, gut aufgeteilter Hochschrank und eine funktionelle LED-Beleuchtung, die ausreichend Licht für das Arbeiten im Küchenbereich produziert. Der neben dem Küchenblock hochgebaute 80 Liter-Kühlschrank ist eine Wonne für jeden halbwegs ambitionierten Koch, da außer Getränken auch frische Einkäufe vom lokalen Markt für zwei Personen dort allemal ein Plätzchen finden. Ein kleines Tiefkühlfach rundet das Kühlkonzept ab.

Der Tisch in der Dinette verfügt über einen gut zu bedienenden Klapp- und Dreh Mechanismus, um die Tischfläche bei Bedarf zu vergrößern. Nicht unerwähnt bleiben sollte ein ganz besonderes interessantes Detail, was uns Tester sofort begeistert hat: Der Tisch kann bei geöffneter Schiebetür mit einem Handgriff außen am Küchenblock angebracht werden. Gerade bei angenehmen Außentemperaturen oder geöffneter Markise werden Camper von dieser Möglichkeit regen Gebrauch machen, denn nicht nur das Vorbereiten eine 4-Gang-Menues, auch das krümelfreie Frühstück lässt sich an diesem Außentisch so richtig genießen.

Sanitär

Der Sanitärraum in einem 6,36 Meter langen Kastenwagen wird wohl nie das Prädikat „Wohlfühl-Raumbad“ erhalten. Bei der Planung und der Konstruktion einer Nasszelle müssen ganz sicher Abstriche gemacht werden, da für viele Freunde des mobilen Reisens gemütliches Schlafen und komfortables Wohnen eher im Vordergrund stehen, als ausgiebige „Duschorgien“. Der Sanitärraum des FV 636 ist trotz dieser Einschränkung völlig ausreichend. Das kleine Waschbecken ist auf einer Schiene montiert, um durch das Verschieben Platz für andere Aktivitäten zu schaffen.

Die Thetford Toilette ist ausreichend dimensioniert, für ein kurzes Abduschen ist die gesamte Räumlichkeit durchaus geeignet, eine Wellnessoase sieht ganz sicher anders aus, aber das ist in einem Kastenwagen der sechs-Meter-Klasse auch nicht zu erwarten. Ein Spiegel und gut positionierte Verstaumöglichkeiten für Hygieneartikel runden das Sanitärkonzept ab. Der große Spiegel an der Außentür des Sanitärraums ist zu loben, ein paar Haken für Handtücher oder nasse Badeklamotten stehen noch auf unserer Wunschliste für den Sanitärraum im FV 636.

Gute Nacht

Der Forster Van geht als ein klassisches Zwei- Personen-Mobil ins Rennen. Die Dinette für einen weiteren Schlafplatz umzubauen, halten wir relativ unrealistisch. Es sei denn, wir reden hier über die Übernachtungsmöglichkeit für einen Enkel, der mit Oma und Opa Abenteuerurlaub machen möchte. Die beiden längst angeordneten Einzelbetten sind bei einer Breite von 80 Zentimeter und einer Länge von 190 Zentimeter für die meisten Personen völlig ausreichend.

Gemütliche Kaltschaummatratzen und gute Lattenroste sorgen in beiden Schlafgelegenheiten für angenehme Nachtruhe. Wer es kuscheliger haben möchte, kann die beiden Einzelbetten mit ein paar kleinen Handgriffen zu einer großen Liegewiese umfunktionieren. Jeweils am Kopfende befinden sich helle, verstellbare LED-Leselampen mit zusätzlichem USB-Anschluss. So hat man das geladene Smartphone immer in Reichweite. Die großen, über die gesamte Länge der Betten positionierten Staufächer sind vollkommen ausreichend für die Unterbringung von Klamotten und Ausrüstung eines unternehmungslustigen Pärchens. Die beiden großen Heckfenster lassen sich, wenn ein Fahrradträger installiert ist, nicht öffnen. Das ist natürlich schade, aber in diesem Falle nicht zu ändern.

Stau Gut

Wie bei Kastenwagen üblich, befinden sich unter den Heckbetten große Staufächer, in denen jede Menge Ausrüstung, Campingzubehör, Verpflegung und Getränke Platz finden. Die beiden elf Kilogramm Gasflaschen lassen sich von der Hecktür aus problemlos tauschen. Ein doppelter Boden sorgt dafür, dass Tische und Stühle sicher verstaut werden können. Durch Öffnen der Hecktür ist der Zugriff auf das Mobiliar einfach und komplikationslos möglich. Und wenn wir gerade beim Thema Beladen sind, hier haben sich die Konstrukteure beim Forster noch einen besonderen Clou ausgedacht.

Mit wenigen Handgriffen lassen sich sämtliche hölzernen Stauraumkonstruktionen im Heck soweit entfernen, dass lediglich die beiden hoch geklappten Lattenroste übrig sind, die mit Halteschlaufen sicher an den Außenwänden befestigt werden können. Dadurch entsteht im Heckbereich des FV 636 ein voluminöser Stauraum, in dem nicht nur ein Motorrad, sondern auch sperrige Gegenstände transportiert werden können. Stabile Halteösen sorgen für einen sicheren Transport unterwegs. Eine prima Idee, auch weil der Aus- und Umbau vom Transporter zum Wohnmobil und zurück flott von der Hand geht.

 Fazit

Forster hat mit der Van-Baureihe praktische, variable Kastenwagen aus praxis-bewährter Produktion mit gängigen und erprobten Grundrissvarianten auf die Räder gestellt, Das klassische Zweipersonenmobil FV 636 ist punktgenau für den Einstieg in den mobilen Urlaub geeignet. Der Forster überzeugt durch seinen variablen Heckbereich, an der Technik ist nichts auszusetzen, der Möbelbau und die gesamte Inneneinrichtung lässt auf solides Handwerk schließen und macht einen durchaus wertigen Eindruck. Die Aufpreisliste und die angebotenen Pakete sind preisgerecht und sinnvoll zusammengestellt. Etwas überraschend ist die Tatsache, dass die Wohnraumbatterie mit 450,- Euro zu den Optionen zählt.

Infos:  Zur Webseite von Forster


TECHNIK IM DETAIL

Fahrgestell / Aufbau

Original Fiat Kastenwagen, kältebrückenfreie Seitenwand- und Deckenisolierung mit PE-Schaum, nach EN 1646-1 winterfest. 5 Austell-Isolierfenster mit Mückengitter und Rollo, 2 Dachluken, 1 Pilzlüfter, Trittstufe elektrisch, beheizter und  isolierter Abwassertank (Paket-Option). 3 x 230 Volt Steckdosen, 1 x 12 Volt Steckdose, 3 x USB-Steckdosen, LED Außenbeleuchtung

Wohnen

Möbelbau in Vollkorpusbauweise mit Dekorfolie, Möbeldekor: Helles Holz-Interieur mit weißen Hochglanz-Möbelfronten an den Oberschränken, Polsterdesign Eco-Leather braun, Bodenbelag PVC-Belag mit Fliesen-Optik, Sitzgruppe Dinettesitzbank auf beheizbarem Podest, Einhängetisch verschiebbar, auf Hälfte zusammenklappbar, erweiterbar mit Klappteil, zwei drehbare Fahrerhaussitze, Tisch mit Außenaufhängung auch draußen nutzbar, 1 Dachstauschrank, Dachstaukasten mit Klappe über Fahrerhaus.

Küche

Längs-Küchenblock rechts, Spüle-Herd-Edelstahl-Kombi mit zweiflammigem Gas-Kocher, Glasabdeckung, Edelstahlspüle mit Automatik-Wasserhahn, 80 Liter Absorber-Kühlschrank mit Frosterfach, Schubladen und Auszüge mit Soft-Close, 1 Hängeschrank, 1 Unterschrank mit 3 Schubladen, klappbare Arbeitsflächen-Erweiterung, LED Küchenbeleuchtung.

Sanitär

Toilettenraum in Holz- und Kunststoffoptik mit integrierter Dusche und Duschvorhang, Waschraumfenster zum Öffnen, Holzrost der Duschwanne Serie, Deckenhalterung für Brausekopf, mit fester Eingangstür, verschiebbares PVC-Waschbecken, Ablagen, drehbare Cassetten-Toilette.

Schlafen

Einzelbetten längs mit Lattenrosten und Kaltschaummatratzen, variabler Heckbereich mit Podest, Lattenroste aufstellbar, Durchlademöglichkeit auf und unter dem Heckpodest, Heckpodest entnehmbar, Zurrösen Laderaum, Stauraum unter dem Bett, 4 Dachstaukästen, 1 Dachschrank über Hecktüren (Paket-Option), 2 Ausstellfenster Hecktüren.

TECHNIK-KOMPASS

Forster Van 636 EB

BASISFAHRZEUG

Basis:

Fiat Ducato 35 Light

Motor:

Serie 2,0 Liter Multijet2 115, 1.987 ccm, Testwagen 2,3 Liter Multijet2 140, 104 kW / 140 PS, Euro 6 D Temp mit AdBlue

Antrieb:

Sechsgang manuelles Schaltgetriebe, Frontantrieb

Sicherheitssysteme:

ABS, ASR, Fahrerairbag, Beifahrerairbag Paket Option, ESP, Hillholder

Testverbrauch:

9,7 l/100 km laut Bordcomputer

MASSE/GEWICHTE

Masse im fahrber. Zustand:

3.113 kg 

Techn. zul. Gesamtmasse:

3.500 kg  

Zuladung:

387 kg

Abmessung (L x B x H):

6.360 x 2.050 x 2.610 mm

Bettenmaße (L x B): 

2 x Einbetten längs im Heck 1.950 x 800 / 1.900 x 800 mm, Notbett Sitzgruppe 1.833 x 500 mm

Sitz- / Schlafplätze:

4/2  (Option 3)

Innenhöhe:

1.890 mm

Frisch-/Abwasser Tanks:

100 l innen  / 90 l unterflur 

Wasseranlage:

Wasseranlage mit Druckpumpe, Automatikhähne, Telefonbrause  

Bord-Akku / Typ:

98 Ah AGM

Gasvorrat:

2 x 5 kg 

Heizung:

Gas-Umluftheizung mit Boiler Truma Combi 4

PREISE

Grundpreis:

ab 39.900,- Euro

Extras Testfahrzeug:

Forster Reisekomfort-Paket 1.190,- Euro, Sicherheitskomfort-Paket 690,- und Aktiv-Paket 990,- Euro, Markise,  1.190,- Euro, Multijet2 130 790,- Euro
Aufbaubatterie 450,- Euro, Fahrersitze im Wohnraumpolster 290,- Euro

Preis Testfahrzeug:

45.580,- Euro

HERSTELLER/VERTRIEB

Hersteller und Vertrieb
Trigano Haus
Kreuznacher Straße 78, D-55576 Sprendlingen
Info: www.forster-reisemobile.de
Eigenes Händlernetz

GRUNDRISS

Grundriss Karmann Davis 620. (Grafik: Karmann)
Grundriss Forster Van 636. (Grafik: Forster)

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Claus-Detlev Bues