Praxis-Test Reisemobil – Knaus Sky Wave 650 MF

Fahrzeugtest, Fiat, Knaus, Saison 2019, Wohnmobil

Platzhirsch? Die Mittelklasse der Teilintegrierten ist europaweit ein heiß umkämpfter Markt, wer hier die Nase vorne haben will, muss sich mächtig ins Zeug legen. Ist das dem aktuellen Knaus Sky Wave 650 MF gelungen?  

Etwas ältere Reisemobilisten können sich sicher noch an die nette Geste erinnern, als man unterwegs die entgegen kommenden Wohnmobile kurz mit Lichthupe oder Handzeichen begrüßte. Längst vorbei – bedauern die „alten Hasen“, völlig unmöglich – kontern die heutigen Caravaning-Kapitäne und weisen auf die immens gestiegene Anzahl der zu grüßenden Reisemobile auf europäischen Straßen hin, die Dauerlichthupe und Sehnenscheidenentzündungen der Grußhand zur Folge hätten. Und dies ganz speziell für die Gattung der Teilintegrierten. Etwas genauer hinschauen sollte man daher schon, wenn man in der Sieben-Meter-Klasse einen alten Bekannten und Verkaufsrenner genauer unter die Lupe nimmt.

Der erste Eindruck ist entscheidend

Ganze Arbeit geleistet haben die Designer, die für die frische und dynamische Außenoptik verantwortlich sind. Schnittig sieht er aus, das flach ansteigende Dach in Verbindung mit den dezenten, aber sorgfältig akzentuierten Beklebungen lassen den teilintegrierten Knaus, der es auf eine Gesamtlänge von haarscharf sieben Meter bringt, doch deutlich kompakter erscheinen. Nur der relativ lange Hecküberstand, der sich beim Fahren auf unserer Route auf den Landstraßen noch bemerkbar machen wird, setzt optisch eigene Akzente. Beim Einsteigen muss man den Fuß ganz schön hochheben, ältere Mitmenschen sollten auf jeden Fall eine elektrische Trittstufe ordern oder ein Trittbänkchen als Einstiegshilfe an Bord haben.

Mit welchen Hilfsmitteln auch immer, nun sind wir drin im Sky Wave. Der erste Eindruck ist Helligkeit und ein angenehmes Raumgefühl. Obwohl mit Hubbett ausgestattet, ist überall ausreichend Stehhöhe auch für größere Zeitgenossen vorhanden. Die Sitzgruppe hinter dem Fahrersitz ist durch den verschiebbaren Tisch, die drehbaren Fahrerhaussitze und die Seitensitzbank ausreichend für eine Runde mit sechs Personen. Richtig gemütlich ist es aber nur für vier Personen.

Das Panorama Glasdach sorgt tagsüber für reichlich Licht und Luft. Für trübe und dunkle Stunden ist im gesamten Wohn-Schlaf-Koch- und Sanitärbereich ausreichend LED- Licht montiert, so dass Lesen oder Arbeiten nirgendwo ein Problem ist. Zwischen der Sitzgruppe und der Küche ist in einem hohen Sideboard der versenkbare Fernseher montiert. Eine theoretisch durchaus pfiffige Lösung, an deren einwandfreier Funktionalität die Knaus-Ingenieure aber noch ein wenig tüfteln müssen.

 Wo der Koch sich wohlfühlt

Daran anschließend ist auf der Fahrerseite eine geräumige Winkelküche mit ausreichend Stauraum in Schubladen, Schränken und Fächern positioniert, wobei die Oberschränke etwas flach ausgeführt sind und im gesamten Küchenbereich ein sicherer Transport von Flaschen nicht gewährleistet ist. Neben ausreichender Arbeitsfläche und einer korrekt installierten Spüle macht ein praktischer Dreiflammenherd mit ausreichender Brennerkapazität Laune auf leckere Caravaning-Gerichte.

Obwohl die Bedienungsknöpfe des Herds nicht entfernt werden können, ist das Pflegen und Reinigen der Küche ein Kinderspiel. Eine schaltbare Lichtleiste über der Küche macht Sinn, warum aber direkt über dem Herd eine USB Steckdose Platz gefunden hat, das erschließt sich uns nicht, da gibt es ganz sicher bessere Plätze im Innenraum. Griffgünstig und arbeitstechnisch genau richtig ist gegenüber der geräumige 145-Liter-Kühlschrank positioniert, der oben und unten noch zwei großzügig dimensionierte Staufächer mit Klappen aufweist. An die Küche schließt sich ein großer, gut nutzbarer Kleiderschrank mit Kleiderstange, Ablagefächern und einer automatischen Innenbeleuchtung an

 Im Doppelbett ist Kuscheln angesagt

In Fahrtrichtung rechts ist im Heckbereich das bequeme und gut erreichbare Längsdoppelbett in der Größe von 201 x 141 Zentimeter platziert. Die auch für längere Reisen ausreichend dimensionierten Dachstauschränke bringen in Kombination mit praktischen Ablagen für Handy, Uhren oder sonstige Utensilien und der dezent-romantischen bis lesetauglichen LED-Schlafzimmerbeleuchtung eine angenehme Wohlfühlatmosphäre in das mit super gemütlichen, unterfederten und unterlüfteten Matratzen ausgestattete heckseitige Nachtlager.

Dass die Liegefläche zum Fußteil hin von 140 auf 100 Zentimeter schrumpft, ist branchenüblich in dieser Größe, kann entweder durch ein optionales Zusatzteil oder durch engeres Zusammenrücken der Heckschläfer ausgeglichen werden. Ein etwas zu kurzer Vorhang trennt das Heckbett, unter dem sich noch mächtig viel Stauraum befindet, vom restlichen Wohnbereich zumindest optisch ab.

 Gut bestückte Sanitärabteilung

Direkt neben dem Heck-Schlafbereich liegt das für einen Teilintegrierten der Sieben-Meter-Klasse wirklich geräumige Bad mit der hervorragend nutzbaren Bank-Toilette. Die Trennung zum Wohnraum geschieht durch eine Lamellen-Schiebetür. Zum Duschen lässt sich die Toilette durch Drehwände abtrennen und in der Duschtasse liegt eine Geflechtmatte für die Standsicherheit. Was fehlt ist eine Stange oder Haken zum Aufhängen von nassen Duschhandtüchern, es lässt sich nur ein Handtuch über dem Bediengriff des Lüftungsfensters trocknen.

Gut vor Duschwasser geschützte Ablage- und Verstaumöglichkeiten für Körperpflegeutensilien in Verbindung mit punktgenauer Beleuchtung, effektiver Entlüftung und ausreichender Bewegungsfreiheit lassen den morgendlichen oder abendlichen Besuch in der Sanitärabteilung vom Knaus nicht in Stress ausarten.

 Der typische Vierschläfer

Das manuell zu bedienende Hubbett in der Größe von 195 x 123 Zentimeter lässt sich nach Entriegeln der Sicherungen problemlos in Schlafposition bringen, allerdings müssen dafür die Kopfstützen der gurtgesicherten Sitzbank entfernt werden. Kein Problem bereitet das Schlafen im Hubbett, die Matratzen sind gemütlich, die Bewegungsfreiheit ist ausreichend – kein Quietschen und kein Rappeln, aber eine Be- oder Entlüftung fehlt definitiv im ersten Stock und könnte problemlos nachgerüstet werden.

Die Leiter als Aufstiegshilfe erfüllt zwar ihren Zweck, ist aber für nackte Füße unangenehm und lässt sich auch nur schwer verstauen. Eine gewisse Körpergröße sollte man schon mitbringen, will man das Hubbett morgens wieder in die Sicherheitsgurtschlösser unter der Decke einrasten lassen. Zwei weitere Schlafplätze in der Größe von 211 x 118 Zentimeter lassen sich optional installieren, wenn die Sitzgruppe unter dem Hubbett zum Doppelbett umgebaut wird. Dies sollte aber eine absolute Notlösung bleiben, der Knaus Sky Wave 650 MF ist und bleibt ein komfortabler Vierschläfer.

 Was uns noch aufgefallen ist

Der beleuchtete Stauraum im Heck mit seiner einzigen, 80 x 80 Zentimeter großen Klappe ist geräumig, übersichtlich und daher schnell gefüllt. Für Fahrräder, es sei denn es sind kompakte Klappräder, ist allerdings kein Platz, die müssen auf den Fahrradträger. Schuld daran ist nicht nur der direkt daneben positionierte Gaskasten für zwei 11-Kilogramm-Flaschen, der den Stauraum teilt, auch die Beladetiefe ist durch das darüber liegende Doppelbett eingeschränkt. Aber Achtung mit der Zuladung.

Bei einer Vierer-Besatzung für einen normalen Urlaub ist die Lastreserve relativ schnell erreicht oder überschritten! Und nun zum Fahren: Der 130 PS Ducato fährt sich bewährt gut, auf engen und steilen Alpenpässen geht es manchmal auch nur im zweiten Gang bergauf. Auf der kurvenreichen Landstraßenfahrt unserer Route durch Österreich, Slowenien und Kroatien zeigte der Sky Wave mit seinen knapp sieben Metern Länge, dass der lange Hecküberstand mit einem gut beladenen Stauraum eine gewisse Eigendynamik entwickelt, mit einer strafferen Auslegung des Fahrwerks ließe sich dies bestimmt in den Griff bekommen.

 Auflastung tut Not

Die Auflastungsoption auf vier Tonnen Gesamtgewicht sollte daher auf keinem Fall außer Acht gelassen werden, wenn eine Viererbesetzung mit einem üppig mit Extras ausgestatteten Fahrzeug auf längere Reise geht. Denn das Reisen mit dem Knaus macht Spaß. Der handwerklich perfekte Möbelbau, der sich in keiner Situation akustisch unangenehm bemerkbar machte, auch die überlegt konstruierte und installierte Bordtechnik, zusammengefasst in einem gut erreichbaren Servicefach auf der Fahrerseite, sorgen für ordentlich Pluspunkte.

Nicht nur der 230-Volt Anschluss ist an dieser Stelle gut geschützt untergebracht, hier hat man auch direkten Zugriff zu den Ablasshähnen der Tanks und dem Frischwasser-Einfüllstutzen. Leichte Undichtigkeiten an einem Seitenfenster und den Dachhauben wollen wir in diesem Fall mal dem wirklich extrem heftigen Starkregensturm zurechnen, der uns auf dem österreichischen Loibl-Pass kalt erwischte. Entschädigt wurden wir durch den wirklich zurückhaltenden Spritdurst unseres Teilintegrierten, denn mit 9,6 Liter auf 100 Kilometer gab`s eigentlich nichts zu meckern.

 Fazit

Nicht wer am lautesten röhrt, wird Platzhirsch im weitläufigen Gehege der Sieben-Meter-Teilintegrierten. Erst die Gesamtsumme der Pluspunkte, addiert unter dem Strich, macht aus einem guten Konzept einen wirklichen Dauerbrenner im Verkauf. Zu einem ausgewachsenen Zwölfender fehlen dem Teilintegrierten Knaus Sky Wave 650 MF noch ein paar kleine Stangen, aber er ist durchaus auf dem richtigen Weg.

Panoramabild Knaus Sky Wave 650 MF


TECHNIK-KOMPASS Knaus Sky Wave 650 MF
BASISFAHRZEUG
Basis: Fiat Ducato 35 mit Fiat Flachrahmen
Motor Serie Vierzylinder Turbodiesel 2,3 l-Multijet2 130, 2.287 ccm, 96 kW / 130 PS, Euro 6
Antrieb: Sechsgang Schaltgetriebe, Frontantrieb
Sicherheitssysteme: Airbags, ABS, ESP, Hillholder
Testverbrauch: 9,6  l/100 km laut Bordcomputer
 MASSE/GEWICHTE
Masse im fahrb. Zustand: 2.970 kg
Techn. zul. Gesamtmasse: 3.500 kg
Zuladung: 530 kg
Abmessung (L x B x H): 6.980 x  2.320 x 2.840 mm
Bettenmaße (L x B): Doppelbett Heck: 2.000 x 1.000-1.410 mm
Hubbett: 1.920 x 1.390 mm
Sitz- / Schlafplätze: 4 / 4 (Option bis zu 6)
 AUSSTATTUNG
Frisch-/Abwasser 1oo l  innen / 95 l unterflur
Wasseranlage: Wasseranlage mit Tauchpumpe, Automatikhähne, Telefonbrause
Bord-Akku / Typ: AGM 80 Ah
Heizung / Boiler Truma Combi 6 mit 10 l Boiler, CP-Plus-Panel
Gasvorrat: 2 x 11 kg
PREISE
Grundpreis: ab 61.380,- Euro
Sonderausstattung Testfahrzeug Airbag Beifahrer 311,- Euro, Fiat-Paket 2.075, Sky-Wave-Paket 1.390,- Euro, Bettverbreitung Heckbett 125,- Euro, Media-Paket Radio/DoppelDIN DAB+ mit Rückfahrkamera 1.450,- Euro, Markise, 3.55 m 950,- Euro,  Fahrradträger  649,- Euro
Preis Testfahrzeug: 68.330,- Euro
HERSTELLER/VERTRIEB Hersteller und Vertrieb
Knaus Tabbert GmbH
Helmut Knaus Straße 1, D-84118 Jandelsbrunn
Info: www.knaustabbert.de
Eigenes Händlernetz
 GRUNDRISS

Grundriss Knaus Sky Wave 650 MF. (Grafik: Werk)
Grundriss Knaus Sky Wave 650 MF. (Grafik: Werk)
 TECHNIK IM DETAIL
 Fahrgestell / Aufbau
GfK-Sandwichaufbau Alu/EPS/foliertes Sperrholz mit Holzleisten auf Serien-Tiefrahmenfahrgestell. Alu-Seitenwände, GfK-Heckpartie, Dach GfK, Boden Schichtstoffplatte imprägniert mit GfK oben und unten. Isolierung EPS-Schaum (Option Top Value-Technologie mit XPS-Schaum 1.500,- Euro) , Dicke Wand 31 mm/ Dach 32 mm, Boden 40 mm. Seitenschürzen Alu, mehrteilige Heckpartie, 3 vorgehängte Isolierfenster mit Kombirollo. 1 Schiebefenster Küche, 1 Panoramadach vorne, 2 Heki-Hebe-Kipp-Dachfenster,  jeweils mit Kombi-Faltrollo. Heckgarage beleuchtet und beheizt mit Zurrschiene und Zurrösen.
Wohnen
Sitzgruppe Lounge mit Winkel-Halbdinette und Seitensitzbank, drehbarer Mitteltisch auf Säulenfuß, mit Drehteil erweiterbar, 2 x Dreipunktgurte in Fahrtrichtung, Multifunktionale Ambientebeleuchtung LED, Möbel-Dekor: Nagano Eiche hell. Oberschränke bicolor, beige, Polster: Active Rock Stoffkombination hellbraun-beige, PVC-Bodenbelag Stäbchenparkett dunkel, Versenkbarer TV hinter der Sitzgruppe, 1 x 12 Volt, 1 x USB-Steckdose, 6 x 230 Volt Steckdose, 4 Oberschränke, 1 x Kleiderschrank mit Kleiderstange, Wäschefach
Küche
Längs-Küchenblock, links, Edelstahl-Gaskocher dreiflammig mit Glasabdeckung und Piezozündung, separates Niro-Waschbecken eckig mit Automatikhahn, Absorber-Kühlschrank Slimtower 145 l mit 15 l Frosterfach rechts gegenüber, separat und hochgesetzt, Unterschrank mit 3 große Schubladen, Klappe und zwei Fächern, 1 Dachstauschrank mit 2 Fächern, Ablagefächer, Schiebefenster, klappbare, zusätzliche Arbeitsfläche
Sanitär
Sanitärraum links im Heck mit Lamellen-Schiebetür, integrierte Duschkabine mit schwenkbarer Wand-Abtrennung, Waschbecken mit großer Ablage und Telefonbrause, Spiegelschrank, Unterschrank, Thetford-Banktoilette als Cassetten-WC ,  offene Ablagen, Haken, Dachfenster Mini-Heki.
Schlafen
Französisches Doppelbett läng im Heck, Fußbereich verjüngt, erweiterbar mit Ausklappteil,  Lattenrost, aufklappbar, Kaltschaummatratzen,  5 Oberschränke, 2 offenen Ablagefächer
Hans-Christian Bues

Hans-Christian Bues

Hans-Christian Bues, geboren in Bad Harzburg, lebt und arbeitet als Journalist, Reiseschriftsteller und freier Autor in Königswinter am Rhein. Für seine Reportagen, Reiseerzählungen und Abenteuerromane war er neben dem kanadischen Yukon Gebiet in Alaska, Amerika, Asien, Australien, Russland und vielen anderen Länder der Welt unterwegs. Er ist ein langjähriger und erfahrener Reisemobilist, schreibt regelmäßig Fahrzeugtests und betreut für das D.C.I den Bereich Freizeit, Reise und Touristik.
Hans-Christian Bues