Mit dem Smove möchte Niesmann + Bischoff eine neue Fahrzeuggattung kreieren und präsentiert einen exklusiv designten Teilintegrierten in der Liner-Klasse. (Foto: alf)

Mit dem Smove möchte Niesmann + Bischoff eine neue Fahrzeuggattung kreieren und präsentiert einen exklusiv designten Teilintegrierten in der Liner-Klasse. (Foto: alf)

Praxis-Test Reisemobil – Niesmann + Bischoff Smove 7.4 B

Fahrzeugtest, Hersteller, Niesmann+Bischoff, Wohnmobil

Mit dem Smove hat die Polcher Edelschmiede Niesmann + Bischoff versucht, einen neuen Fahrzeugtyp zu kreieren. Der Smove stellt eine Mischung aus Liner und hochwertigem Teilintegrierten dar. Im Praxistest von Alfred Alkoven konnte der edle Teilintegrierte zeigen, ob Design und Praxistauglichkeit zusammen passen.

Mit der 2016 komplett neu vorgestellten Baureihe Smove – Wortschöpfung aus smart (pfiffig) und move (beweglich) – hat Niesmann + Bischoff neue Maßstäbe im Desing von teilintegrierten Reisemobilen gesetzt und dabei konsequent automotive Elemente integriert. Die Baureihe Smove besteht aus einem 6,90 Meter langen Heck-Querbett Wagen und einem 7,40 Meter langen Fahrzeug mit Längsbetten im Heck. In beiden Varianten kann vorne die Sitzgruppe unterschiedlich gewählt werden. Entweder zwei Einzelsitzbänke mit rundem Tisch in der Mitte oder eine Einzelsitzbank links und Pilotensitz rechts an einem fest verbauten L-Tisch, der sogenannten Barversion.

Wir fuhren den Smove 7.4 B mit Längsbetten und drittem Einzelsitz auf dem 4,5 Tonnen Alko-Tiefrahmenchassis (AMC 45H) des fast 180 PS starken Fiat Ducato mit dem automatisierten Sechsgang-Getriebe. Der Smove ist ein absoluter Hingucker und fällt überall durch seine perfekte Außenoptik auf. Da er mit nur 2,24 Meter Außenbreite für einen Teilintegrierten recht schmal ist, die Dachhaube mit dem elektrischen Schiebeluk bis auf die Oberkante der Frontscheibe sehr tief herunter gezogen ist und die B-Säule sich optisch nach hinten verjüngt, wirkt er trotz seiner Größe auffallend wohl proportioniert und stromlinienförmig.

Tolles Design

Der Smove ist in Design und Form äußerst gelungen, was die nobel wirkenden schwarz weißen Farbapplikationen noch unterstreichen. Einziges Manko in der ansonsten perfekt durchgestylten Außenoptik ist auf der rechten Seite das weiße Lüftungsgitter des Kühlschranks, das die schwarze Seitenfläche störend unterbricht. Der Aufbau besteht aus stabil verbautem Glasfaser verstärktem Kunststoff (GfK). Die grazil gestaltete Heckwand hat einen leichten Überbau am Dachende als Windabrisskante. Dieser Miniheckflügel soll die Fahrstabilität erhöhen und die Schmutzanfälligkeit in diesem Bereich verringern.

Auf jeden Fall sieht er ganz gut aus. Die Heckwand ist ein eigenes Bauteil, was im Schadenfall die Reparaturfreundlichkeit erhöhen soll. Der Außenstromanschluss verbirgt sich optisch gut gelöst und praktisch zugleich in der Seitenschürze, in diesem Fach befinden sich auch griffgünstig die Auslassventile für Frisch- und Abwassertank. Die original Fiat-Front wurde – passend zum gesamten Designkonzept – optisch aufgepeppt. Mit schwarzem Grill und LED Tagfahrlichtern, sowie der Lilie – dem Logo von Niesmann + Bischoff – sieht die Front nun gar nicht mehr nach Transporter aus.

Dezente Applikationen im unteren Aufbaubereich tragen ebenso zur guten Optik bei, wie die PKW-anmutenden 18“ Alufelgen im Speichen-Look. Selbst die sonst optisch eher problematische linke Fahrzeugseite sieht mit den beiden schwarz umrandeten Fenstern, der kleinen Garagenklappe und dem unteren Schubladenauszug sehr gelungen aus.

Gut gestylt unterwegs

So schick und durchdesignt der Smove aussieht, so flott und wendig fährt er sich auch. Der über drei Tonnen schwere Wagen mit seinem Alko Tiefrahmenchassis zeigte sich zusammen mit der 177 PS starken Fiat Topmotorisierung stets agil und dynamisch. Er fährt sich fast wie ein großer Pkw. Selbst bei starkem Seitenwind und schwierigen Straßenverhältnissen kam er immer gut zurecht. Nur der große Wendekreis stört etwas.

Auf der Autobahn konnten wir dem Smove eine Tacho-Höchstgeschwindigkeit von über 160 km/h entlocken, ohne ein unsicheres Fahrgefühl zu haben. Das automatisierte 6-Gang Comfort-Matic Getriebe ist zwar insgesamt sehr komfortabel, bei flotter Fahrweise oder im Stadtverkehr nerven jedoch die langen Schaltpausen beim Gangwechsel. Zum Glück kann man hier manuell eingreifen, das hilft manchmal. Der niedrige Spritverbrauch von durchschnittlich unter zehn Liter auf 100 Kilometern ist sicher auch ein Resultat der guten Aerodynamik. Design und Funktion passen hier prima zusammen.

Wohnraum für Zwei

Der Smove 7.4 B überrascht während der Fahrt mit einer angenehm leisen Geräuschkulisse – neben dem stabilen Aufbau sicher auch ein Verdienst des soliden Mobiliars. Ebenso gut verbaut ist die Truma-Heizung – auch von ihr und dem Gebläse ist erstaunlich wenig zu hören. Vorne im Wagen ist die Sitzgruppe platziert. Eine sogenannte Halbdinette über Eck mit gegenüberliegender Einzelsitzbank. Die beiden drehbaren Fahrerhaussitze werden in die Sitzgruppe mit einbezogen und können somit eine zweite Dinettebank raumsparend ersetzten.

Mit der Einzelsitzbank auf der linken Seite, dem gegenüber neben dem Einstieg platzierten Einzelsitz, den gedrehten Fahrerhaussitzen und dem erweiterbaren fest eingebauten Wohnraumtisch ergibt sich hier eine gemütliche Sitzgruppe für bis zu vier Personen. Gegenüber des Einstiegs präsentiert der Küchenblock mit elektrisch verriegelbaren softclose Schubladen den Küchenkomfort gehobener Luxusklasse.

Die Küchenzeile ist speziell für den Smove mit einem Thetford Zweiflammenkocher ausgerüstet und die rechte Abdeckung lässt sich sehr praktisch als Arbeitsplatzerweiterung über die Einzelsitzbank ausklappen. Gegenüber der Küche steht der raumhohe Kühlschrank mit Gefrierfach. Daneben der große Kleiderschrank. Im luxuriösen Badezimmer zwischen Küche und Schlafzimmer wird Hygiene-Komfort groß geschrieben.

Die Toilette kann in die rechte Seitenwand unter den Küchenblock geschoben und das Waschbecken mitsamt der Spiegelwand in die linke Seitenwand gedreht werden. Der so erweiterte Raum bringt Duschfläche wie zu Hause. Die Toilettenraumtür verschließt – ganz nach links geschwenkt – den gesamten Badezimmerbereich zum Wohnraum. Mit einer zweiten Abtrennung vor dem Schlafzimmer kann das Bad auch nach hinten abgetrennt werden und wird so zum eigenen Raum. Damit hat der Smove ein quasi Dreiraum Wohnkonzept mit Wohnzimmer, Bad und Schlafzimmer umgesetzt.

Die beiden Längsbetten im Heck haben mit zwei Meter Länge und 76,5 Zentimeter Breite ausreichende Größe. Lattenrost und Matratze sind hervorragend und die große Garage unter dem Heckbett bietet genügend Platz für Roller, Fahrräder oder alle anderen großen Reiseutensilien. Insgesamt sind die Staumöglichkeiten im Smove für zwei Peronen völlig ausreichend. Gefallen kann auch die interessante Innenoptik. Die speziellen Farbkombinationen von Möbeln, Polstern und Vorhängen zeigen die kundige Hand stilsicheren Innendesigns und sorgen zusammen mit einem modernen Beleuchtungskonzept für entspanntes Wohlbehagen.

Soldide Produktionstechnik

Der Smove 7.4 B zeigte im Test die ganze Erfahrung, die der Hersteller in über 30 Jahren Reisemobilbau erworben hat. Ein stabiler Aufbau in gelungener Formensprache mit automotiven Designelementen und ein einwandfreier Möbelbau in Schreinerqualität mit Echtholzdekor an Türen und Klappen, stabile Türgriffe, Scharniere und Bügelschlösser sorgen alles zusammen für solide Praxistauglichkeit. Langlebigkeit versprechen auch die guten Qualitäten der Wand-, Boden- und Deckenverkleidungen und der Polsterstoffe. Auch die üppige Bordtechnik ist einwandfrei. Die im beheizten Doppelboden liegenden, wintersicheren Anlagen für Strom, Gas, Wasser und Heizung sind perfekt und sicher gebaut und erfüllen alle Prüfstandards.

Fazit:

Spagat gelungen. Der Smove 7.4 B von Niesmann + Bischoff ist ein designorientierter Teilintegrierter der Luxusklasse in einem besonders automotiven Design. Er verbindet Optik und Funktion und überzeugt mit reichlicher Ausstattung in hoher Qualität, überaus ansprechendem Äußeren und perfekter Verarbeitung. Das hat auch seinen Preis. Ab 83.920,- Euro beginnt der Einstieg in die teilintegrierte Premiumklasse. Unser Testwagen in beinahe Vollausstattung kostet über 127.000,- Euro.

Infos:  Zur Webseite von Niesmann+Bischoff

TECHNIK-KOMPASS

Niesmann + Bischoff Smove 7.4 B

BASISFAHRZEUG

Basis:

Fiat Ducato 44 H mit Al-Ko Tiefrahmen

Motor:

Serie 2,3 l-Multijet2 130, 2.287 ccm, Testwagen 130 kW / 170 PS, Euro 6

Antrieb:

Sechsgang-automatisiertes Schaltgetriebe, Frontantrieb

Sicherheitssysteme:

2 Airbags, ABS, ASR, ESP, Euro 6

Testverbrauch:

9,8 l/100 km laut Bordcomputer

MASSE/GEWICHTE

Masse im fahrber. Zustand:

3.070 kg 

Techn. zul. Gesamtmasse:

4.500 kg 

Zuladung:

1.430 kg

Abmessung (L x B x H):

7.430 x 2.240 x 2.770 mm

Bettenmaße (L x B): 

Einzelbetten im Heck längs 2.000 x 765 mm / 2.000 x 765 mm

Sitz- / Schlafplätze:

3 (Option 4) /2  (Option 3)

Innenhöhe:

2.050 mm

Frisch-/Abwasser Tanks:

166 l innen  / 156 l unterflur 

Wasseranlage:

Wasseranlage mit Druckpumpe, Automatikhähne, feste Brause mit Mischarmatur  

Bord-Akku / Typ:

95 Ah AGM

Gasvorrat:

2 x 11 kg 

Heizung:

Gas-Warmwasserheizung Alde 3200 mit Motor-Wärmetauscher

PREISE

Grundpreis:

ab 83.920,- Euro

Extras Testfahrzeug (Auszug):

Chassispaket CHP 2.209,- Euro, Comfortpaket CP 1.990,- Euro, Multimedia-Navi Paket MMP mit Rückfahrkamera und Navi 5.690,- Euro, Ducato HD 4,5 t 1.552,- Euro, Multijet 180 4.128,- Euro,  Solaranlage 1.285,- Euro, Markise manuell 3,5 m 1.300,- Euro, 18″ Leichtmetallfelgen 3.690,- Sat-Anlage 2.600,- Euro, Panorama-Dachhaube 880,- Euro, Klimaanlage unterflur 3.020,- Euro, Truma Warmluftheizung Combi mit E-Patrone 6E 673,- Euro, Zentralverriegelung 788,- Euro, Gastank 50 l 1.645,- Euro, Kombi-Ladegerät mit Wechselrichter 2.590,- Euro, Seitenklappe Fahrerseite 486,- Euro

Preis Testfahrzeug:

127.342,- Euro

HERSTELLER/VERTRIEB

Niesmann + Bischoff GmbH & Co. KG
Clou Straße 1, D-56751 Polch
Infos: www.niesmann-bischoff.com
Eigenes Händlernetz

GRUNDRISS

Der Grundriss des Niesmann + Bischoff Smove 4.7 B. (Grafik: Werk)
Der Grundriss des Niesmann + Bischoff Smove 4.7 B. (Grafik: Werk)

TECHNIK IM DETAIL

Fahrgestell / Aufbau

Fiat Triebkopf mit Al-Ko-Breitspur-Tiefrahmenchassis, Zentral-Doppelboden, beheizt, Alu/Alu-Sandwich, verschraubt und verklebt,Dach und Bodenplatte GfK, holzfrei, Isolierung Styrofoam-Schaum, 4 Austell-Isolierfenster mit Mückengitter und Rollo,  3 Dachluken, Trittstufe elektrisch,  Zentralverriegelung, Heckgarage mit verstärkter Heckabsenkung, beheizt

Wohnen

Möbeldekor: Kratzfeste 3D-Folie, Esche hell, Polster Wohnwelt Grand Cru und Grey, Bodenbelag PVC-Belag mit Stäbchen-Optik hell, Sitzgruppe: Einzelsitz, Seitencouch mit Winkeltisch und zwei drehbaren Fahrerhaussitzen, Mediatower mit Akzentbeleuchtung links neben dem Eingang, 2 Hängeschränke mit Push-to-open Öffnern

Küche

Längs-Küchenblock links, als Sideboard geschlossen, Spül-Herd Edelstahl-Kombi mit zweiflammigem Herd, Edelstahlspüle mit Automatik-Wasserhahn, 142 Liter Absorber-Kühlschrank mit AES, Schubladen und Auszüge mit Soft-Close, Schubladen-Zentralverriegelung, 2 Hängeschränke, 1 Unterschrank mit 3 Schubladen, LED Küchenbeleuchtung, Dunstabzugshaube

Sanitär

Mit fester Tür abtrennbares Raumbad mit Dusch- und Toilettenraum, Waschbecken schwenkbar, 1 Spiegelschrank mit 2 Türen, offene Ablagen, Thetford Cassetten-Toilette platzsparend ein- und ausziehbar,  variabler Duschraum mit fester Brause und Mischarmatur, Holzrost für Duschwanne, Sitzpodest mit Holzrost

Schlafen

Heck-Einzelbetten längs mit Lattenrosten und Kaltschaummatratzen, zum Doppelbett umbaubar mir Einlegeteil, 2 Dachschranke. 2 offene Ablagen, Kleiderschränke, beleuchtet, mit verstellbaren Zwischenböden und Lamellen-Rolltüren unter den Betten

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues

Claus-Detlev Bues ist seit Jahrzehnten in leitenden Funktionen als Fach-Redakteur in den Bereichen Caravaning, Off-Road und Outdoor tätig. Neben mehreren Print-Titeln verantwortet er nun auch als D.C.I - Chefredakteur die Online-Berichterstattung und betreut darüber hinaus die Bereiche Test und Technik. Aus seiner Feder stammen mehrere Sachbücher zum Thema Caravaning. In seiner Freizeit schraubt er gerne an Oldtimern und ist aktiver Selbst- und Ausbauer von Wohnmobilen, mit denen er in ganz Europa unterwegs ist.
Claus-Detlev Bues