Luxemburg ist eine europäische Hauptstadt in jugendlicher, lebensfroher und charmanter Frische, die geschichtliche, kulturelle, architektonische und gastronomische Akzente setzt. Foto: visitluxembourg)

Luxemburg ist eine europäische Hauptstadt in jugendlicher, lebensfroher und charmanter Frische, die geschichtliche, kulturelle, architektonische und gastronomische Akzente setzt. Foto: visitluxembourg)

Zu Gast in: Luxemburg – Stadt der Kontraste

Luxemburg, Reise, Tourismus

Luxemburg, das letzte Großherzogtum der Welt und gleichzeitig das zweitkleinste Land der europäischen Staatenfamilie, ist nicht nur Steuerparadies und Schnäppchenmarkt für billigen Alkohol, Tabak und Sprit, sondern bietet auch uns Reisemobilfahrern eine interessante Mischung aus abenteuerlicher Geschichte, internationaler Politik und typisch luxemburgerischer Atmosphäre.

Begleiten Sie uns auf dem Trip durch die alte Festungsstadt im Herzen Europas und entscheiden Sie dann, ob sich ein Besuch lohnt. Sie werden überrascht sein! Über ein gut ausgebautes Autobahnnetz aus Deutschland, Belgien und Frankreich ist die Hauptstadt des kleinen Großherzogtums problemlos zu erreichen. Ein internationaler Flughafen und die Anbindung an das französische TGV-Schienennetz machen den privaten Kurzurlaub in dieser lebendigen europäischen Metropole zu einer leichten Übung.

Doch wir sind, wie immer bei unseren Städtereportagen, mit einem Wohnmobil unterwegs und suchen uns einen Stellplatz, von dem wir möglichst mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder sogar zu Fuß das Zentrum der Stadt erreichen können. Interessante und perfekt gelegene Stell- und Campingplätze sind in und um Luxemburg leider nur beschränkt vorhanden, da müsste nachgebessert werden.

Auf der Fahrt von Trier nach Luxemburg haben wir hinter der Landesgrenze in Wasserbillig in einem Supermarkt nicht nur unseren Dieseltank, sondern auch unsere Staukästen gut mit leckeren Spezialitäten der Region gefüllt, denn nur wenige Kilometer hinter der Grenze zum Großherzogtum sind die Käse-Fisch- und Spezialitätentheken in den Supermärkten schon fest in französischer Hand.

Gibraltar des Nordens

Kaum eine andere europäische Hauptstadt kann mit so beeindruckenden Kontrasten aufwarten wie Luxemburg. Erste Verteidigungsanlagen entstanden bereits im Jahre 963, als Siegfried, der Graf aus den Ardennen, auf dem Bockfelsen eine Burg (Lucilinburhuc) errichtete und somit den Grundstein für die Entstehung des ganzen Landes legte. Die fremden Mächte, die in den darauffolgenden Jahrhunderten in Luxemburg Hof hielten, bauten die Festung immer weiter aus.

Nacheinander wetteiferten Burgunder, Spanier, Franzosen, und Österreicher um die wehrhaftesten Mauern. Meterdicke Bastionen und Bollwerke, zinnenbewehrte Tore, auf steilen Sandsteinfelsen angelegte Wehrgänge, respekteinflößende Schießscharten – die gewaltigen Bauten der einst als “Gibraltar des Nordens” gerühmten und gefürchteten Festung Luxemburg waren über viele Jahrhunderte beeindruckend und galten als uneinnehmbar.

Die labyrinthartigen Verteidigungs- und Proviantgalerien zählen heute zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt, für die wir uns später noch mehr Zeit nehmen wollen. Auch wenn im Jahre 1867 viele Wehrmauern geschleift wurden, zeugen die übriggebliebenen Bastionen auf spektakuläre Weise von der bewegten und oft kriegerischen Geschichte des Großherzogtums

Keimzelle Europas

Weit über hundert Brücken überwinden die begrünten Flusstäler und verbinden die traditionsreichen Gebiete der Altstadt mit den modernen Vierteln. Die Bevölkerung der Landeshauptstadt ist polyglott und kosmopolitisch. Von den rund 80.000 Einwohnern (mit den Randgemeinden 120.000) sind über fünfzig Prozent Ausländer. Luxemburg, das nach Malta kleinste Mitgliedsland der heutigen Europäischen Union, stand an der Wiege des Vereinten Europas. Immerhin zählt das Großherzogtum nebst Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien und den Niederlanden zu den Staaten, die 1957 den EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) Vertrag von Rom unterzeichneten.

Die Stadt Luxemburg selbst ist gleichberechtigt mit Brüssel und Straßburg eine der drei offiziellen EU-Hauptstädte. Am augenscheinlichsten wird diese Europäische Tradition auf dem Kirchberg-Plateau. In modernen Verwaltungsgebäuden sind dort seit den 1960er Jahren die meisten der in Luxemburg angesiedelten EU-Institutionen untergebracht, unter anderem das Generalsekretariat des Europäischen Parlamentes, der Europäische Gerichtshof, die Europäische Investitionsbank, der Europäische Rechnungshof sowie verschiedene Abteilungen der Europäischen Kommission.

Das Alltagsleben der Stadt ist ebenfalls durch und durch europäisch geprägt. In Geschäften, Restaurants und Bistros hört man die verschiedensten Sprachen der EU – von Französisch über Finnisch bis Estnisch. Von den über fünfzig Prozent Ausländern, die in der Hauptstadt leben und arbeiten, bilden die Angehörigen aus EU-Mitgliedstaaten mit neunzig Prozent die stärkste Gruppe.

Ab in den Keller

Ein großer Teil der Luxemburger Befestigungsanlagen, die noch erhalten sind und auch besichtigt werden können, sind unterirdisch. Wir machen uns auf, um die weltberühmten Kasematten zu erobern. Die ersten Kasematten entstanden 1644 zur Zeit der spanischen Fremdherrschaft. Der eigentliche Ausbau der insgesamt 23 Kilometer langen unterirdischen Galerien erfolgte 40 Jahre später durch den französischen Militäringenieur und Festungsbauer Vauban und später im 18. Jahrhundert durch die Österreicher. Die auf verschiedenen Ebenen angelegten Befestigungsgänge reichten bis in 40 Meter Tiefe hinab. Nach der Schleifung 1867 blieben 17 Kilometer der Kasematten erhalten.

Die archäologische Krypta, Vorzimmer der Bock-Kasematten, beherbergt die Ursprünge der Stadt Luxemburg. Die Petruss-Kasematten stammen aus der Zeit, als die Spanier die mittelalterlichen Befestigungen modernisierten und große Bastionen wie etwa die Bastion Beck errichteten, auf deren Plateau der heutige Verfassungsplatz liegt. 1673 erbauten die Spanier den Ravelin du Pâté, ein halbmondförmiges Verteidigungswerk, der die Bastion Beck verstärken sollte. Dieses Bauwerk ist einer der wenigen Festungsteile in Luxemburg, die weitgehend erhalten geblieben sind. 1728-29 erbauten die Österreicher die “Ecluse Bourbon” und die große Treppe.

Stadtrundgang

Mit einem sachkundigen Führer machen wir uns auf, das Herz des Großherzogtums weiter zu erkunden. Treffpunkt ist der grandiose Bahnhof der Stadt, hier beginnt und endet unsere Reise durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieser europäischen Metropole. Der erste Hauptbahnhof der Stadt Luxemburg wurde 1859 in Betrieb genommen. Zwischen 1907 und 1913 wurde die hölzerne Fachwerkkonstruktion schrittweise durch das heutige Gebäude ersetzt. Das monumentale Hauptgebäude und der hohe Uhrenturm wurden im Baustil des Moselaner Barock errichtet. Der Mittelpunkt der Altstadt ist der Fischmarkt, ältester Teil der Hauptstadt.

Die engen, gewundenen Gassen des Altstadtviertels gewinnen durch heimelige Bistros, Spezialitätenrestaurants und Künstlertreffs zusätzlich an Charme. Im Herzen der Altstadt präsentiert sich auch das großherzogliche Palais. Am Ufer der Alzette erstrecken sich die Unterstädte Grund, Clausen und Pfaffenthal, die bereits in frühen Zeiten bewohnt waren. Vor allem Handwerker, die das Wasser des Flusses nutzten, um ihren Beruf zu betreiben, siedelten sich hier an. Im Pfaffenthal sind insbesondere die beiden Vaubantürme und in Clausen das Geburtshaus von Robert Schuman, dem “Vater des europäischen Gedankens”, hervorzuheben. Das Regierungsviertel liegt im Zentrum der Stadt, in direkter Nähe zur Kathedrale.

Das Burgunderhaus ist seit 1975 Sitz des Premierministers. Das 1740 erbaute Refugium des Heiliggeist-Klosters beherbergt heute das Finanzministerium. Erwähnt sei noch das Außenministerium, das sich in dem 1751 errichteten Refugium der Trierer St.-Maximin-Abtei befindet. Die Fußgängerzone in der Oberstadt erstreckt sich rund um den Place d’Armes. In zahlreichen kleinen Straßen finden sich Boutiquen, Einzelhandelsgeschäfte und Ladenpassagen. Hauptgeschäftsstraße ist die Grand-Rue, auf luxemburgisch „Groussgaass” genannt.

In der Altstadt

Das Petrusstal unter der Adolphe-Brücke und dem Viadukt trennt die Oberstadt vom Plateau Bourbon. Neben dem Flussbett der Petruss sind noch Mauerreste der ehemaligen Bourbon- Schleuse zu sehen, die 1728 angelegt wurde, um das obere Petrusstal im Falle eines Angriffs überfluten zu können. Wenige Jahre nach der Schleifung der Festung Luxemburg im Jahre 1867 wurde auf Teilen des freigewordenen Geländes westlich des Stadtkerns der Stadtpark angelegt.

Der Fischmarkt, ehemals Kreuzungspunkt zweier Römerstraßen, ist das historische Zentrum der Altstadt. Hier wurden auf dem Vorplatz der Grafenburg die ersten Märkte abgehalten. In den engen Gassen um den Fischmarkt, früher Alt- oder Käsemarkt genannt, spielte sich das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der ersten Stadtbewohner ab. Seit Mitte des 13. Jahrhunderts standen auf dem Wilhelmsplatz, benannt nach Wilhelm II., König der Niederlande und Großherzog von Luxemburg, die Kirche und das Kloster des Franziskanerordens. Heute finden auf dem Wilhelmsplatz jede Menge Märkte, Freilichtkonzerte und Feste statt.

Im großherzoglichen Palais

Der Clairefontaine-Platz, in der Nähe der Kathedrale und des Regierungsviertels, wurde Ende der achtziger Jahre im Zuge umfangreicher Restaurations- und  Rekonstruktionsarbeiten im umliegenden Stadtviertel neu gestaltet. Das großherzogliche Palais, Stadtresidenz der großherzoglichen Familie, befindet sich mitten im Altstadtviertel. An der Stelle des heutigen Palastes befand sich einst das erste Rathaus der Stadt Luxemburg. Nachdem es durch eine Pulverexplosion (1554) zerstört worden war, wurde das Rathaus 20 Jahre später wieder aufgebaut.

Die Villa Vauban wurde Ende des 19. Jahrhunderts auf den Grundmauern des ehemaligen Fort Vauban errichtet. Von 1952 bis 1958 beherbergte sie den Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaft. Nach Restaurierungs-und Ausbauarbeiten beherbergt die Villa Vauban seit 2010 das neue Kunstmuseum der Stadt Luxemburg. Der Sitz des weltgrößten Stahlkonzerns ArcelorMittal wurde ursprünglich als Verwaltungsgebäude der luxemburgischen Stahlwerke Arbed gebaut. Der massive, imposante Bau besteht aus vier Gebäudeflügeln mit großem Innenhof.

Kochkäse und Lëtzebuergesch

Erst am frühen Abend sind wir wieder zurück am Bahnhof. In einem kleinen Café lassen wir die Eindrücke bei einem starken Espresso Revue passieren und versuchen, einem Gespräch am Nachbartisch zu folgen. Keine Chance, die beiden nobel gekleideten Damen unterhalten sich auf „Lëtzebuergesch“, der offiziellen Nationalsprache in Luxemburg. Gleichberechtigte Verwaltungssprachen sind Französisch und Deutsch, aber Luxemburgisch ist in Stadt und Land weit verbreitet.

Ebenso wie der berühmt-berüchtigte Luxemburger Kochkäse, der auf Grund seiner Konsistenz und seines etwas außergewöhnlichen Geschmacks eine ebenso große Fangemeinde wie auch eine breite Ablehnungsfront sein eigen nennt. Wir als ausgesprochene Luxemburg- Fans haben uns in einem kleinen Käseladen in der Altstadt reichlich mit echtem Kochkäse eingedeckt und werden zusammen mit original Ardenner Schinken, Baguette, gesalzener Butter und Wein aus heimischen Anbau zum Abschluss unseres Besuchs im letzten Großherzogtum dieser Welt eine zünftige Brotzeit in unserem Wohnmobil zelebrieren.

Fazit:

Dass diese Stadt weit über tausend Jahr auf dem Buckel hat, das kann der Besucher nur erfahren, wenn er sich mit der Vergangenheit, der Geschichte und der Kasematten-Unterwelt dieser alten Festungsstadt beschäftigt.  Wieder zurück im Licht der Gegenwart erstrahlt diese europäische Hauptstadt in jugendlicher, lebensfroher und charmanter Frische, setzt geschichtliche, kulturelle, architektonische und gastronomische Akzente, die auch den hohen politischen Stellenwert dieses kleinen Landes in der Europäischen Union deutlich unterstreichen. Die Attraktivität von Luxemburg ließe sich für uns Reisemobilfahrer noch weiter erhöhen, wenn sich in Zentrumsnähe weitere geeignete Wohnmobil-Stellplätze befinden würden. Dies als kleine Anregung für die Verantwortlichen in der Stadt und im Touristik-Büro.

Infos:  Zur Webseite von Luxemburg Tourismus

INFO Luxemburg
Land und Leute
Informationen über Stadt und Land, aktuelle Events, eine Übersicht der Stell- und Campingplätze sowie weitere nützliche und wichtige Luxemburg-Infos finden sich auf www.visitluxembourg.com/de
Käse
Kachkéis” ist eine luxemburgische Käsespezialität. Man isst ihn traditionell auf Brot und mit Senf bestrichen. Klassisch wird der Käse mit Milch oder Wasser geschmolzen und anschließend mit Butter und Eigelb angereichert.
Wein
Entlang der Grenze zu Deutschland, gegenüber dem dortigen Gebiet Mosel-Saar-Ruwer, wächst Luxemburgs Wein. Der Anbau von Reben geht bis in die Römerzeit zurück. Gekeltert werden fast ausschließlich trockene, sortenreine Weißweine. Die Sorten sind recht vielfältig, unangefochten führt jedoch der hier Rivaner genannte Müller-Thurgau die Hitliste an, gefolgt von Elbling, der in Luxemburg eine lange Tradition hat. Andere Weißweinreben ergänzen die Palette, etwa Auxerrois, Riesling, Pinot Gris.
Dialekt
Die Einwohner des kleinen Großherzogtums Luxemburg haben eine eigene Sprache entwickelt. Die luxemburgische Sprache oder kurz Luxemburgisch (Lëtzebuergesch) ist eine moselfränkische Sprachvarietät des Westmitteldeutschen. In der Europäischen Union gehört Luxemburgisch zu den Minderheitssprachen.  Motto des Großherzogtums auf Luxemburgisch: „Mir wölle bleiwe wat mir sin“

Stellplatz-Tipps in Luxemburg

Camping Kockelscheuer
Komfortabel ausgestatteter Campingplatz am südwestlichen Stadtrand. 190 Stellplätze. Ver- und Entsorgung vorhanden, W-LAN teilweise. Brötchenservice, Imbiss, Lebensmittelladen; Restaurant nebenan. Stadtzentrum 4 km, Bushaltestelle zum Stadtzentrum 400 m. Preis: 15,- Euro (Mobil/2 P.), Strom 3,- Euro. Geöffnet von Ostern bis 31. Oktober.
Standort: L-1899 Luxembourg,  22, Route de Bettembourg, GPS 49°34’20”N, 06°06’32”O, Telefon 0 03 52/47 18 15, www.camp-kockelscheuer.lu

Camping Bon Accueil
Gut ausgestatteter Campingplatz. 2,5 ha, 70 Stellplätze. Restaurant, Lebensmittelladen, W-LAN teilweise, Ver- und Entsorgungsstation vorhanden. Busverbindung nach Luxemburg-Stadt. Preis: 13,- Euro (Mobil/2 P.), Strom 3,- Euro. Geöffnet Anfang April bis Mitte Oktober.
Standort: L-5815 Alzingen , 2, Rue du Camping, GPS 49°34’08”N, 06°09’39”O, Telefon 0 03 52/36 70 69, www.camping-alzingen.lu

Parking Gare-Usines
Gebührenfreier Stellplatz für 10 Fahrzeuge. Separate und markierte Stellflächen auf Rasengittersteinen beim Parkplatz am Bahnhof am südlichen Stadtrand. Supermarkt und Gastronomie 500 m, Stadtzentrum 1 km. Maximaler Aufenthalt: 3 Nächte. Wasser gegen Gebühr. Ganzjährig geöffnet.
Standort: L-3450 Dudelange, Rue Gare-Usines, GPS 49°28’17”N, 06°04’42”O, Telefon 0 03 52/5 16 12 11, www.dudelange.lu

 


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Hans-Christian Bues

Hans-Christian Bues, geboren in Bad Harzburg, lebt und arbeitet als Journalist, Reiseschriftsteller und freier Autor in Königswinter am Rhein. Für seine Reportagen, Reiseerzählungen und Abenteuerromane war er neben dem kanadischen Yukon Gebiet in Alaska, Amerika, Asien, Australien, Russland und vielen anderen Länder der Welt unterwegs. Er ist ein langjähriger und erfahrener Reisemobilist, schreibt regelmäßig Fahrzeugtests und betreut für das D.C.I den Bereich Freizeit, Reise und Touristik.
Hans-Christian Bues